Sensation – Topgesetzter Hüseyin Tüfekci unterliegt HTT-Nr. 108 im Achtelfinale

Tag 2 beim 200. Turnier der 500er-Serie in der Geschichte der Hobby-Tennis-Tour, und dieses Jubiläums-Event steht dieser Tage auch im Zeichen einiger Comebacks von renomierten Stars der Szene. Insgesamt “pausierten” die fünf namhaften und an diesem Wochenende ihr Comeback feierten Damen & Herren gleich 32 Monate, was wiederum der Rückkehr in den Tour-Zirkus eine besonders spannende Note verlieh. Ex-Wimbledon-Sieger Thomas Müller hatte seine Wiederkehr in der Circuit ja bereits am Freitag Abend mit einer Niederlage gegen Filip Markovic zumindest ergebnistechnisch “unrühmlich” gefeiert, und auch für den Rest der Comebacker-Riege reichte es mit Ausnahme des souverän aufspielenden Titel-Favoriten Christoph Prinz zu keinem Erfolgserlebnis. Für die Sensation des zweiten Spieltages beim 22. Februar-HTT-500-Turnier sorgte aber Jungstar Matthias Wurzer, der in einem sehenswerten und megaspannenden Tie-Break-Krimi mit der Nummer 1 des Turniers Hüseyin Tüfekci gleichzeitig auch den einzigen Top-Ten-Star der Veranstaltung aus dem Weg räumte. Ein Bericht von C.L

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Jungstar Matthias Wurzer liefert mit Sieg über topgesetzten Hüseyin Tüfekci die Sensation des zweiten Februar-HTT-500-Spieltages

Die Halle war längst leergefegt, nichts war mehr zu sehen und zu spüren von einem Tennistag der Superlative mit 21 Matches hier im UTC La Ville, als sich TK Big Point Muckendorf-Jungstar Matthias Wurzer zu später Stunde aufmachte, die ganz große Sensation des fünften Saison-Events zu vollbringen. Der 17jährige Mauerbacher – am Vortag noch unscheinbarer Bezwinger von TSV-Tattendorf-Star Erich Schneider – avancierte 24 Stunden nach seinem Auftakt-Erfolg zur ganz großen Nummer des zweiten Spieltages. Ein grandioser – und höchst verdienter – Triumph über den türkischen Masters-Halbfinalisten Hüseyin Tüfekci, der in der geschehenen Art und Weise gar nicht zum schüchtern und höchst sympathischen jungen Niederösterreicher passt, sorgte für den knalligen Abschluss des Super-Samstags am Altmannsdorfer Ast. Wurzer rang in einer hoch dramatischen Entscheidung die Nummer 1 der Setzliste im Tie-Break des dritten Satzes nieder, und durfte sich am Ende nach über zwei Stunden Spielzeit über den Einzug ins Viertelfinale und den bislang größten Erfolg seiner HTT-Karriere freuen. Tüfekci hingegen musste sich mit dem 50. Einzelsieg seiner Laufbahn trösten, den der 35ährige vom Bosporus in Runde 1 gegen Challenger-Spieler Gernot Hansen erringen konnte.

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Mit Christoph Prinz hat sich der große Titelfavorit in Stellung gebracht

Damit war der große Favorit nach Papierform also frühzeitig ausgeschieden, doch Stunden zuvor hatte sich mit Christoph Prinz ohnehin schon der Titel-Aspirant Nummer 1 in Stellung gebracht. Und das obendrein noch richtig imposant und mit einer mächtigen Demonstration seiner Stärke. Auch wenn der Auftakt-Gegner beim Comeback “nur” Mario Ferrari hieß, und eben “nur” über die Fähigkeiten eines Challenger-Spielers verfügt, so war doch recht deutlich zu sehen, dass der Jänner-HTT-500-Champion des Vorjahres aus Zwettl nicht zu einer Sightseeing-Tour in die Bundeshauptstadt gekommen ist. Nein, der 28jährige Niederösterreicher ist an diesem Wochenende fest entschlossen, Tour-Titel Nr. 2 ins Waldviertel zu entführen, und der anwesenden Konkurrenz 500 Punkte für die Rangliste vor der Nase wegzuschnappen. Die Doppel-Null in rasantem “Ferrari-Tempo” war ein erster Warnschuss an die Gegnerschaft. “Ich bin schwer beeindruckt vom Spiel des Christoph Prinz. Es ist vorallem so herrlich anzusehen”, äußerte sich der unterlegene neue Prinz-Fan Mario Ferrari.

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Comeback-Niederlagen für Olympiasiegerin Diana Ulojan und 4fach Champion Daniel Elender

Zurück zu den erwähnten Comebacks an diesem Turnier-Wochenende und zu den Auftritten von Diana Ulojan und Daniel Elender. Die 4fache Olympiasiegerin aus Russland – erstmals seit dem Masters-Series-1000-Turnier im vergangenen September wieder im Einsatz, war beim 1:6, 1:6 gegen Terra-Rossa-Star Andreas Tolunay ohne Chance. Der 19jährige aus Ottakring entwickelte wie auch schon in den letzten Wochen eine enorme Spielfreude, und feierte im wenig Spannung bietenden “battle of sexes” nicht nur den vierten Einzelsieg in Serie, sondern auch den 75. Match-Erfolg seiner HTT-Karriere. Zwar ohne das erhoffte Erfolgserlebnis, dafür aber mit einem verdammt guten Gefühl nach einem richtig starken Comeback-Auftritt durfte Oberösterreichs Daniel Elender nach seinem Start beim Februar-HTT-500-Turnier im UTC La Ville Bilanz ziehen. Auch beim 25jährigen lag der letzte Tour-Auftritt vier Monate zurück, damals beim September-Masters-Series-1000-Turnier stürmte der Mühlheimer bis ins Viertelfinale, wo er dem großen Favoriten Mario Kiss sogar einen Satz abtrotzen konnte. Danach wurde es still um den 4fachen Saisonsieger 2012, der zuletzt durch seine Abwesenheit auch den Status eines Top 20 Spielers verlor. Am Samstag Nachmittag in einem Duell auf Augenhöhe mit Christoph Fragner bekam man zwar den Eindruck, dass Elender in spielerischer Hinsicht noch Luft nach oben hat, kämpferisch präsentierte sich der 25jährige aber in alt bekannter Manier. Kein Ball wird aufgegeben, jeder noch so aussichtslos scheinende “Weg gegangen”, und diese Einstellung lohnte sich einmal mehr auch im Erstrunden-Treffen mit einem ebenbürtigen Christoph Fragner. Das Elender am Ende nach zweieinhalb Stunden und einer verspielten 4:3 Führung im dritten Satz als Verlierer vom Platz musste, tat der guten Stimmung beim Oberösterreicher aber keinen Abbruch. “Das hat viel Spaß gemacht, dieses Match hätte jeder von uns beiden gewinnen können”. Und auch Sieger Christoph Fragner zeigte sich von einer spannenden und ausgeglichenen Partie angetan. “Das war ein ziemlich gutes Match. Am Ende haben vielleicht 3 oder 4 Punkte das Ganze entschieden”, erklärte der Achtelfinalgegner von Patrick Joksch.

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Hängt Ohanessi-Karriere an einem seidenen Faden?

Was tat sich sonst noch am zweiten Spieltag beim 22. Februar-HTT-500-Turnier? Das Comeback von Asiens Top-Star Jan Ohanessi dauerte genau eine Stunde, ehe nach nur eineinhalb Sätzen das persische Märchen einer erfolgreichen Tour-Rückkehr ein jähes Ende fand. Gegen seines ehemaligen Vereinskollegen Georg Lorber lag Ohanessi 2:6, 0:3 zurück, als er nach einem erlaufenen Stoppball plötzlich wieder einen Stich im Rücken verspürte. Ein altes Leiden, eine hartnäckige Verletzung war wieder akut geworden, danach konnte der Terra Rossa Star weder richtig aufschlagen noch schmerzfrei an der Grundlinie agieren. Die Aufgabe war die logische Konsequenz, Gedanken an ein Ende seiner Karriere das düster wirkende erste Momentum nach dem Auftakt-Aus beim Februar-HTT-500-Turnier. “Ich bin seit Wochen in Therapie. Mein Kreuzbein ist stark verdreht. Wenn ich dieses Problem nicht in den Griff bekomme, dann werde ich in Zukunft wohl nicht mehr weiter Tennis spielen können”, malte sich Ohanessi einen tiefschwarzen Ausblick zusammen. Eine HTT-Zukunft ohne Jan Ohanessi – einfach unvorstellbar. Kaum ein Akteur bringt soviel gute Stimmung mit, wie der sympathische Perser, der auch stets auf seine Fans schaut. Statt “Autogrammkarten verteilt Jan allerdings schmackhaften Radler”, wer möchte da nicht Fan des Terra-Rossa-Stars sein!

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