Ex-Wimbledonsieger Thomas Müller verliert Auftakt-Schlager gegen Filip Markovic

Erstes Februar-Wochenende des Jahres, und das heißt traditionell auch Ferienbeginn in Ostösterreich! Wenn die Flachländer ihre Ski-Ausrüstung aus dem Keller holen, um eine Woche lang auf den verschneiten Bergen und Hängen Westösterreichs elegante Schwünge ins herrliche Weiss zu “carven”, dann stehen die Semester-Ferien an. Eine Zeit, in der sich dann scheinbar in der Bundeshauptstadt um die Spur weniger tut. Man findet leichter einen Parkplatz vor dem Haus, man steht nicht so lang an der Supermarkt-Kasse an, und man kann problemlos eine Tennisstunde zum gewünschten Termin buchen. Einst spürte man die Semester-Ferien auch auf der Hobby-Tennis-Tour, als halbleere Tableaus für kurzweiliges Tennis-Vergnügen an den beiden Ferien-Wochenenden sorgten. Doch anno 2013 trotzt die HTT mit einem sensationellen Nennergebnis selbst dem Semester-Ferien-Boom! Mit 52 Aktiven aus 10 verschiedenen Nationen, die für 57 Nennungen beim 22. Februar-HTT-Turnier-500 und der 7. Auflage des Februar-Challengers-Turniers sorgen, kann sich der zweite Turnier-Doppelpack der Saison wahrlich sehen lassen. Und bereits der erste Spieltag am Freitag Abend lieferte den Beweis, dass das von vielen Experten als eher “schwächlich besetzt” bezeichnete zweite 500er-Saison-Event alles andere als “niveauarm” über die Bühne gehen wird, und uns der zweite Saison-Auftritt der Challenger-Stars einen spannungsvollen und äußerst interessanten Turnierverlauf ins Haus liefern könnte. Ein Bericht von C.L

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Nur ein Top Ten-Spieler am Start – von fehlender Qualität kann aber keine Rede sein

Ein Top-Ten-Spieler, drei weitere Herren aus den Top-20 des HTT-Entry-Rankings, hochkarätig besetzte Events der immerhin drittwichtigsten Turnier-Serie der Hobby-Tennis-Tour sehen – zumindest auf den ersten Blick – anders aus. Wäre noch vor ein paar Jährchen ein 500er-Turnier mit nur 4 Top-20-Akteuren verteufelt und medial “zerrissen” worden, stellt sich die Sachlage zu Beginn der 23. Saison im Tour-Zirkus freilich ganz anders dar. Es ist diese neue und unheimliche Dichte an phantastischen Spielern, die selbst beim kollektiven Fernbleiben der Top-Stars für jede Menge Qualität bei den einzelnen Veranstaltungen im HTT-Circuit sorgt. Spieler und Fans der HTT sind Woche für Woche begeistert, welch unwahrscheinliche Anzahl an technisch versierten Hobby-Tennis-Cracks die Szenerie bevölkern. Es ist eine längst unüberschaubare Zahl an Assen geworden, die sich allwöchentlich um Titel und Trophäen im UTC La Ville matchen. Und auch für die 22. Ausgabe des Februar-HTT-500-Turniers muss Freunden des gepflegten Hobby-Tennis-Sports nicht Angst und Bange werden, womöglich einen schwachen und niveaulosen Abklatsch der 21 v orangegangenen Bewerbe miterleben zu müssen. Denn das auf eine 22jährige Tradition zurückblickende Turnier ohne tolle “spielerische Beigabe”, das hätte gerade an diesem Wochenende einen echt bitteren Beigeschmack erzeugt, zumal das 5. Saisonturnier im UTC La Ville mit einem tollen Jubiläum aufwarten kann.

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Die Gästeliste für die Jubiläums-Gala mit Titel-Topfavorit Christoph Prinz

Das 200. HTT-500-Turnier der Open Ära (oder Grand-Prix wie es bis März 2011 hieß) steht am ersten Februar-Wochenende auf dem Programm, und die “Gästeliste” für diese Jubiläums-Gala ist trotz breitgefächerter Absenz der Tour-Prominenz hochkarätig besetzt. Mit der türkischen Nummer 1 Hüseyin Tüfekci führt immerhin ein amtierender Masters-Semifinalist die Setzliste des Februar-HTT-500-Turniers an. Mit von der Partie ist auch der aktuelle US-Open-Halbfinalist Clemens Beywinkler, der nach einer Schulterverletzung sein Comeback feiern wird. Mit Filip Markovic ist die größte serbische Nachwuchshoffnung genauso am Start, wie der britische “Serve & Volley Künstler” Adam Goodsell, den viele Experten sogar für den derzeit besten Doppelspieler im Circuit halten. Oberösterreich ist auch ohne den diesmal fehlenden Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber bestens vertreten, wird doch der gebürtige Linzer Paul Ganglberger für das “Land ob der Enns” auf Titeljagd gehen. Mit Comeback-Star und Ex-Wimbledonsieger Thomas Müller gibt es dieser Tage sogar einen Grand-Slam-Sieger der Hobby-Tennis-Tour “von einst” zu bestaunen, einen möglichen zukünftigen Major-Champion könnten wir vielleicht in der Person des erst 20jährigen Patrick Joksch zu sehen bekommen, der diese Woche ein insgesamt dreiköpfiges Aufgebot des TK Big Point Muckendorf anführt. Der Topfavorit auf den zweiten 500er-Titel des neuen Jahres kommt für viele Experten und Insider aber aus Niederösterreich, und heißt Christoph Prinz. Den 29jährigen, auf Position Nr. 106 im Entry-Ranking zurückgerutscht, den gilt es in den kommenden Tagen bis einschließlich Dienstag zu schlagen.

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Serbische Nachwuchs-Hoffnung Filip Markovic gewinnt “Match des Tages” und das Generationen-Duell mit Ex-Wimbledon-Sieger Thomas Müller

Am Eröffnungstag des 22. Februar-HTT-500-Turniers waren dann auch gleich vier der favorisierten Herren im Einsatz, und mit der Partie zwischen Thomas Müller und Filip Markovic lieferte das “Match des Tages” gleich einmal einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns das erste Februar-Wochenende an hochkarätigem Hobby-Tennis bieten wird. Der “Wimbledon-Champ der HTT von 2009” gegen die derzeit heißeste serbische Aktie der HTT-Börse, oder Thomas Müller gegen Filip Markovic, ein würdigeres Auftakt-Match für diese Doppel-Veranstaltung hätte es kaum geben können. Zweidreiviertel Stunden lang matchten sich schließlich der comebackende Ex-Major-Gewinner und der Jungstar aus Serbien, ehe Markovic ein höchst sehenswertes Duell der Generationen mit hochklassigen Ballwechseln für sich entschieden hatte. 4:6, 7:5, 6:4, die Glückszahlen, die Markovic seinen Platz im Achtelfinale sicherten, während für den ehemaligen Ranglisten-Ersten Thomas Müller zum ersten Mal beim dritten Antreten ein Februar-HTT-Turnier schon nach dem ersten Auftritt wieder zu Ende war. Enttäuscht war der 43jährige deshalb aber nicht, vorallem weil seine Comeback-Performance richtig ordentlich ausgefallen war. Erstmals seit dem Juni-Grand-Slam-Turnier im letzten Sommer war der Name des “HTT-Wimbledon-Champs von 2009” wieder in einem Tour-Raster aufgetaucht, und “Tom” lieferte praktisch auf Anhieb eine starke Leistung ab. “Ja das war eine sehr schöne Partie. Es war wieder einmal lustig, auf der HTT zu spielen. Den Filip kenne ich ja aus Alt Erlaa, und der ist wirklich gut unterwegs. Es waren viele knappe Punkte, leider ist mir im Finish die Physis ein wenig abhanden gekommen, und damit auch die Konzentration. Er hat verdient gewonnen”, analysierte der auf Platz 96 im Ranking abgerutschte Müller. “Es war wirklich sehr spannend. Mir hat dieses Match sehr gut gefallen. Man muss aber so ehrlich sein und sagen, dass durchaus auch der Thomas dieses Match hätte gewinnen können”, zollte Markovic seinem Gegner den nötigen Respekt.

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Tennisschule Norbert Richter – die Talentschmiede im Tullner Land

Von der Talentschmiede TK Big Point Muckendorf haben wir ja schon mehrmals berichtet, doch spricht man über die vielen jungen Tennistalente aus dem östlichen Tullnerfeld, die derzeit die Hobby-Tennis-Tour überschwemmen, dann muss man eigentlich die Tennisschule Norbert Richter erwähnen, die sich als Spezialist im “Feilen talentierter Rohdiamanten” etabliert hat. Unter der Leitung von Erfolgs-Coach Norbert Richter sorgt ein motiviertes und fachmännisches Team dafür, dass Kids und Tennis-Anfängern der Spaß an diesem großartigen Sport nachhaltig vermittelt wird, dass sich talentierte Nachwuchs-Cracks im Hobby-Tennis-Sport in allen Bereichen, die für ein erfolgreiches Turniertennis notwendig sind, entsprechend entwickeln können, und selbst auf Weltklasse-Ebene kann man auf das “know-how” des 44jährigen vertrauen. Der Finaleinzug seines Schützlings Lucas Miedler im Junioren-Doppel-Bewerb bei den Australian Open legt ein glänzendes Zeugnis dafür ab. Als im September letzten Jahres Mathias Wagner und Matthias Wurzer beim Masters-Series-1000-Turnier in Wien-Simmering ihr Debüt auf der Hobby-Tennis-Tour feierten, und mit wenig erfreulichen Erlebnissen (frühe Niederlagen und echtes Schietwetter) zurück ins Tullner Land fuhren, konnte man aus der Erfahrung von mehr als zwei Jahrzehnten Hobbytennistour nicht unbedingt erahnen, dass es ein Wiedersehen geben würde, und das “Mat(t)hias-Duo obendrein nur die Speerspitze einer überaus motivierten und hochtalentierten Jugend-Riege des TK Big Point Muckendorf darstellen würde. Im Sog der beiden “HTT-Pioniere aus Muckendorfer Sicht” überschwemmten in den letzten Monaten immer mehr männliche und weibliche Helden dieser technisch versierten “Tullner Tennis-Gang” den Circuit.

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Patrick Joksch, Hero der Challenger-Stars, in Insider-Kreisen als angehender Grand-Slam-Champion gehandelt, und am Freitag Abend Sieger über Thomas Peyerl

Einer von ihnen fasziniert viele Tourspieler mit seiner Technik und der Art, wie er seine Matches im Tour-Zirkus bislang angelegt hat. Er hat viele “Fans” unter den Aktiven der Challenger-Tour, die seine Vorhand bewundern, er ist 20 Jahre jung, stand bei seinem Debüt auf Anhieb im Semifinale – und das immerhin bei einem Masters-Series-1000-Turnier – und er gilt für viele Szene-Kenner als einer der möglichen kommenden Grand-Slam-Champions der Hobby-Tennis-Tour. Die Rede ist von Patrick Joksch, dem sympathischen und eher introvertiert wirkenden jungen Niederösterreicher, der am Freitag Abend sein Auftaktspiel beim Februar-HTT-500-Turnier mit 6:0 und 7:6 für sich entschied, und dabei Challenger-Tour-Final-Gewinner Thomas Peyerl in die Schranken weisen konnte. Der 28jährige vom TC Terra Rossa stand zunächst im ersten Satz des 184. Single-Matches seiner Karriere auf verlorenem Posten. Der 5fache Titelträger hatte sich im ersten Heat eine bittere Null eingetreten, und gegen einen stark spielenden und mit extremen Spin agierenden Gegenüber nicht den Hauch einer Chance. Doch der Thomas Peyerl des Jahres 2013 ist ganz und gar nicht mehr mit jenem Spieler von vor drei bis vier Jahren zu vergleichen, der auch schon mal eine Partie die sich nicht auf Anhieb nach Wunsch gestaltete, laufen ließ. Mittlerweile hat “Tom” aber erkannt, dass es sich lohnt, mit starken und manchmal auch stärkeren Spielern die Wege zu kreuzen, und vorallem den Kampf mit Topleuten anzunehmen. Und immer öfters merkt der Terra-Rossa-Star dabei, dass er bei entsprechender Einstellung und dem nötigen Kampfgeist gar nicht so weit weg ist, von den vermeintlich übermächtigen Kontrahenten. Wie Peyerl dem jungen und dynamischen “Hau-Drauf” auf der anderen Seite des Netzes am Freitag Abend im zweiten Satz seines Erstrunden-Matches Paroli bot, war aller Ehren wert. Der 28jährige fightete nach einem 2:4 Rückstand erfolgreich zurück, lag zwischenzeitlich mit einem gelungenen Break sogar 5:4 voran, ehe er Joksch im Tie-Break den Vortritt ins Achtelfinale lassen musste. “Ich bin trotzdem zufrieden, und wenn einer besser ist, dann muss man das akzeptieren können”, fasste Peyerl kurz zusammen, ehe er noch auf sein aktuelles und höchst akutes Auslosungsproblem zu sprechen kam. “Wenn das so weitergeht mit den schwierigen Auslosungen, dann werde ich heuer ganz viele Erstrunden-Niederlagen sammeln”, scherzte der 28jährige.

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Ein stiller Matthias Wurzer, ein lauter Adam Goodsell und der erste Auftritt von Sascha Kobsik als Challenger-Turniersieger

Ebenfalls die Runde der letzten 16 haben am Freitag Abend Matthias Wurzer und Englands Topstar Adam Goodsell erreicht. Während Wurzer einen souveränen aber unscheinbaren 6:2, 6:3 Erfolg über Erich Schneider feierte, und dem Routinier dessen 13. Karriere-Turnierstart kein Glück brachte, sorgte Brit-Export Adam Goodsell für einen lauten und spektakulären ersten Auftritt beim Februar-HTT-500-Turnier. Der 23jährige aus Südost-England deklassierte Challenger-Star Manfred Buzek mit einer Doppel-Null, und meldete mit viel Spin und noch mehr Serve & Volley seine Anwartschaft auf den Titel beim zweiten 500er-Turnier des Jahres lautstark an. “Das ist der Wahnsinn wie der Goodsell spielt”, zeigte sich der unterlegene Manfred Buzek beeindruckt. Für den 29jährigen Rotschopf war die kassierte “britische Erstrunden-Klatsche” aber nicht weiter tragisch, liegt doch sein Hauptaugenmerk an diesem Wochenende ganz klar auf der Challenger-Tour, wo Buzek den zweiten Titel seiner HTT-Karriere fixieren möchte. Deutlichst realisierte am ersten Spieltag auch Markus Mohr sein Vorhaben, gleich beim Saison-Debüt mit einem Sieg zu starten. Der 35jährige bekam es immerhin mit dem frischgebackenen Jänner-Challenger-Sieger Sascha Kobsik zu tun, der sich nur 48 Stunden zuvor seinen lange gehegten Traum vom ersten Tour-Titel erfüllte. Mit diesem Premieren-Erfolg wollte der 31jährige Wiener fortan “locker drauf los spielen”, die Situation des abgestreiften Drucks genießen, und mit Powertennis die Gegnerschaft überzeugen. Das an diesem Wochenende beim Februar-HTT-500-Turnier kein zweiter Pokal für das heimische Wohnzimmer im Kobsik-Haushalt hinzukommen würde, war dem Jänner-Challenger-Sieger natürlich schon vor dem ersten Aufschlag bewusst, mit dem ein oder anderen Match-Erfolg hatte er aber womöglich schon spekuliert. Die Nr. 237 im HTT-Computer-Ranking als Auftaktgegner zugelost bekommen, mit Markus Mohr ein eher “noch” unbeschriebenes Blatt im Tour-Zirkus als Achtelfinal-Hürde vor der Brust, so unmöglich schien ein sechster Einzelsieg in Serie nicht zu sein. Auf dem Platz freilich sah die Sache dann schon ein wenig anders aus. Kobsik bemühte sich redlich, versuchte sein Vorhaben vom forcierten Powertennis in die Tat umzusetzen, doch fehlende Konstanz und die individuelle Klasse seines Gegners verhinderten die “heimlich erhoffte” Fortsetzung seiner Siegesserie. Das letztlich doch recht klare 1:6, 2:6, kommentierte Kobsik dann aber freilich mit der Gelassenheit des zwei Tage zuvor errungenen Premieren-Titels. “Ich habe mich wahnsinnig auf diese Partie gefreut, und ich bin mir auch sicher, dass ich trotz der Niederlage einiges für die Zukunft mitnehmen kann”, so Kobsik, während sein Bezwinger trotz geglücktem Auftakt keine Zukunft für seine HTT-Indoor-Karriere sieht. “Ich bin überrascht über mich selbst, denn Teppich ist nicht unbedingt mein favorisierter Belag. Das war eine gute Partie zum Start, aber mein nächstes Turnier wird wohl erst wieder eines auf Sand sein”, lachte der Tourspieler vom SV Sozialministerium.

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