Mai-First-Series-Eröffnungstag sorgt für Gesprächsstoff

Mit nur fünf Spielen erfolgte am gestrigen letzten April-Tag der Auftakt zur 3. Auflage des Mai-First-Series-Turniers 2010. Und trotz Rumpf-Programm gab es am Freitag Nachmittag jede Menge Gesprächsstoff. Abseits der Courts sorgte die wahrgemachte Drohung des Veranstalters für Aufregung, der die abermals durch Abwesenheit glänzende First-Series-Elite im Raster wie angekündigt durch WTB-Stars ersetzte. Bei frühsommerlichen Temperaturen gab es nur eine Woche nach den Kreislauf-Problemen von Second-Series-Mann Markus Fessel wieder Kollaps-Alarm. Diesmal war Sandra Sladek betroffen, die im Gegensatz zu Fessel aber rechtzeitig die Notbremse zog, und ihr Erstrundenmatch mit Werner Kovarik im dritten Satz aufgab. Und dann war da auch noch das erfolgreiche Comeback eines ehemaligen Topspielers der Tour mit ganz klingendem Namen. Ein Bericht von C.L

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Eine komplette Turnierserie von ihren “Erfindern” kaputt boykottiert

Beginnen wir aber abseits der Courts, quasi auf der politischen Bühne der Hobby-Tennis-Tour. Nachdem die beiden ersten First-Series-Events des Jahres mehr als mäßig besetzt waren, stellte Tour-Veranstalter Claus Lippert den Assen mittels Ultimatum die Route ins Fenster. Entweder die First-Series-Spieler nehmen “ihr Turnier” entsprechend an, oder die künftigen Veranstaltungen dieser Turnierreihe werden wieder mit WTB-Spielern besetzt. Eine Warnung, die ernst gemeint war, von der First-Series-Akteuren aber scheinbar in den Wind geschossen wurde. Gerade einmal 10 der insgesamt 85 First-Series-Herrschaften bekundeten für das dritte Saison-Turnier ihr Interesse. Ein schlechter Witz, womit der Tour-Veranstalter zum Handeln gezwungen war, und mit der “Hereinnahme” von insgesamt sieben WTB-Spielen seine Drohung wahrmachte. Aufmerksamen Lesern von hobbytennistour.at wird freilich aber nicht die “kuriose Auslosung” entgangen sein, die seit Donnerstag Abend veröffentlich ist. Die stärkeren Spieler allesamt in der oberen Raster-Hälfte, die schwächeren Akteure in der unteren Hälfte des Tableaus, das bedarf einer entsprechenden Erklärung. Da mit der eigentlich nicht mehr vorgesehenen Hereinnahme von WTB-Spielern eine First-Series-Austragung wie ursprünglich geplant nicht möglich war, und um die schwächeren Spieler ob der kurzfristigen Änderung nicht zu verärgern, erfolgte vor der Auslosung eine Art Setzung in drei Akten. Zunächst wurden alle Teilnehmer in die drei Kategorien “Second”, “First” und “WTB” unterteilt, ehe es zu “drei Auslosungen in nur einem Turnier” kam. Die 18 Second-Series-Starter wanderten nach unten, wo sie gegeneinander gelost wurden. Nach oben hin wurde der Rest des Feldes “verschoben”, wobei dann zuerst noch alle WTB-Spieler gegeneinander, und schließlich noch die First-Series-Teilnehmer gelost wurden. Für die 10köpfige First-Series-Phalanx gab es dann noch eine “Zwischen-Auslosung”, bei der es ein Glückslos und eine Niete zu ziehen gab. Das Glücklos – von Thomas Peyerl – gezogen, ermöglichte den “Abstieg” in die untere Hälfte, da in der oberen Rasterhälfte mit 17 Teilnehmern (Quali wollte man den besseren Spielern ersparen) einer zuviel war. Die Niete – von Markus Hobiger gezogen – verdammte den Niederösterreicher zu einem Duell mit einem der “7 WTB-Stars”. Eine komplizierte Angelegenheit! Am Ende hat die Hobby-Tennis-Tour jetzt ein Turnier vor sich, wie es eigentlich niemand möchte, und wie es auch sicher keine Zukunft haben wird. Den daheim gebliebenen First-Series-Spielern kann man nur gratulieren! Sie haben jene Turnierserie, die sie jahrelang beim Veranstalter eingefordert haben, regelrecht kaputt boykottiert!

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Von “trotzenden” First-Series-Akteuren und was mit der Turnierserie jetzt passiert

Die Motive, warum man eine Turnierserie nach der man jahrelang lautstark ruft, dem Untergang weiht, sind unklar. Allerdings stehen viele First-Series-Spieler mit ihren Kollegen in Kontakt, wo intern und ohne Beisein des Veranstalters über die Problematik “First-Series” diskutiert wird. Und so hat einer der am Wochenende mitwirkenden First-Series-Spieler – mit der Bitte anonym bleiben zu dürfen – dem Veranstalter Folgendes zugetragen. “Viele Spieler beklagen sich, dass die Hobby-Tennis-Tour zu stark geworden ist, und es nichts mehr zu gewinnen gibt”! Was für eine neue Erkenntnis, und genau aus diesem Grund wurde ja die First-Series im Jahr 2008 eingeführt. Bei WTB-Turnieren gibts keinen Blumentopf mehr zu gewinnen, bei Second-Series-Veranstaltungen nicht erwünscht, doch statt die Chance in der First-Series wahrzunehmen, sitzen die Rebellen daheim, jammern und durchstöbern Fotoalben aus den guten alten Zeiten. Das Trotzen und boykottieren soll uns recht sein, denn am gestrigen ersten Spieltag des Mai-First-Series-Turniers wurde seitens des Veranstalters abgerechnet. Mit Jahresfrist läuft die First-Series nach nur drei Jahren im Tour-Kalender wieder aus, es sei denn, bei den restlichen Saison-Veranstaltungen würde sich grundlegendes ändern. “Wir werden die freien Termine dann mit Doppel-Pack-Veranstaltungen (Second-Series & Grand-Prix) auffüllen”, so Tour-Veranstalter Claus Lippert. “Wir werden nicht mit Gewalt eine Turnierserie durchdrücken und am Leben erhalten, wenn sie gar nicht gewünscht wird”, so der 42jährige weiter. Eine letzten Rettungsversuch wird der Tour-Verantwortliche im Sommer aber doch noch starten. “Zum Schleuderpreis von nur 2 Euro sollen alle 85 First-Series-Spieler eine Einladung bekommen, um ein echtes First-Series-Turnier zu spielen und zu sehen, wovon man sich mittels eisernem Boykott verabschiedet hat.

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Wenitzky und Steinberger gewinnen Auftakt der Mai-First-Series-Quali

Und so steht uns jetzt am ersten Mai-Wochenende des Jahres also ein Turnier in Haus, wie es eigentlich niemand möchte. Mit zwei oder sogar drei künstlich geschaffenen Raster-Unterteilungen, die in den Vorrunden wahrscheinlich einige enge und spannende Matches garantieren, die aber ab dem Halbfinale für gähnende Langeweile sorgen werden. Nichtsdestotrotz konzentrieren wir uns aber ab sofort wieder auf die sportlichen Highlights des 18. Saisonturniers, das am gestrigen Freitag bei frühsommerlichen Verhältnissen in Szene gegangen ist. Wenig aufregend, weil ziemlich deutlich in ihrem Ausgang verliefen die beiden Quali-Partien des Mai-First-Series-Turniers 2010. Peter Wenitzky deklassierte dabei in der Auftakt-Begegnung seines 95. Karriere-Turnier-Starts Clemens Lederbauer mit 6:1, 6:0 und steuerte unaufhaltsam in den Hauptbewerb, wo sein Doppelpartner Thomas Peyerl wartet. “Gegen den Thomas erwarte ich mir nicht viel, aber heute war ich der klar überlegene Spieler”, meinte der Ranglisten-Vierundvierzigste. Ein solches Erfolgserlebnis, und sei es auch nur gegen einen weitaus schwächeren Kontrahenten würde sich momentan auch Patrick Khandroo sehnlichst wünschen. Der 20jährige, der vor einer Woche beim April-Second-Series seinen 60. Karriere-Turnierstart feierte, schlittert derzeit von einer Auftaktniederlage in die nächste. Am Freitag Nachmittag kassierte Khandroo bereits die siebente Startpleite in Folge, womit er seit seiner Rückkehr aus England auf einen Einzelsieg warten muss. Diesmal wurde er von Peter Steinberger mit nur drei gewonnenen Games nach Hause geschickt. “Für das erste Mal auf Sand war es ok. Für mich ist die Spielpraxis das Wichtigste. Vielleicht geht ja noch die ein oder andere Runde”, zeigte sich der Sieger zufrieden.

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Alexander Sterzl gewinnt “kurioses” Erstrunden-Match gegen Michael Pichler

6:3, 6:0 gewann Alexander Sterzl am 22. Jänner dieses Jahres die erste von zwei Quali-Runden beim Hallen-Grand-Slam-Turnier im Tennispoint Vienna gegen Matthias Rübenbauer und damit sein bislang einziges Single-Match in dieser Saison. Viermal “crashte” der 40jährige zuletzt in Runde 1 aus dem Bewerb, ehe er am Freitag Nachmittag nach einem ganz kuriosen Auftakt-Match endlich wieder einmal das Achtelfinale auf der Tour erreichte. Beim 0:6, 6:0 und 6:2 Erfolg über Michael Pichler konnte Sterzl allerdings lange Zeit nicht wirklich überzeugen. Im Gegenteil, war doch der erste Durchgang eine im höchsten Maße ausgefallene Bankrott-Erklärung. “Das fehlende Timing beim Service”, gab Sterzl als Grund für den Totalversager im ersten Satz an. Bei 0:5 erschien plötzlich sein Doppelpartner Sascha Kogler, der sich mit einer Fahrrad-Tour für seinen Samstag-Auftritt gegen David Hühne aufwärmte. Und bloß die Anwesenheit Koglers genügte scheinbar, das sich Sterzl am Riemen und das Match aus dem Feuer reißen konnte. Der September-Second-Series-Sieger von 2007 wurde sicherer und in seinen Schlägen von der Grundlinie länger. Pichler wiederum baute im gleichen Maße körperlich ab, und war am Ende eines “unglaublichen Matchverlaufs” auch verwirrt. “Ich hatte den Gegner im ersten Satz gut im Griff. Ich zweiten Satz habe ich das Spiel zu locker genommen, und im Finish ist mir die Kraft ausgegangen”, resümierte der amtierende März-Second-Series-Sieger. “Die ganze Unsicherheit im ersten Satz ist nur von meinen Problemen mit dem Aufschlag ausgegangen. Wenn ich heute einen stärkeren Spieler zum Gegner gehabt hätte, dann wäre die Sache vermutlich ins Auge gegangen”, meinte indes Sterzl, der nun am Samstag auf den Sieger der Partie Thomas Valek gegen Michael Karner treffen wird. Und was machte derweil Mama Sterzl: Die hielt Ausschau, ob an diesem Wochenende vielleicht sogar mehr möglich sein könnte als nur ein Achtelfinale!

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Sandra Sladek zieht im Duell mit Werner Kovarik rechtzeitig die Notbremse

Noch ist der Frühling gerade einmal 5 Wochen alt, da gab es am letzten Nachmittag des Aprils erstmals in diesem Jahr bereits richtig sommerliche Verhältnisse in der Leberstraße. Bei intensiver Sonneneinstrahlung und “heißen” Temperaturen von 27 Grad gab es nur eine Woche nach dem Kreislauf-Crash des Markus Fessel erneut Kollaps-Alarm. Sandra Sladek, die im vergangenen Sommer mit Papa Bernhard die Bronze-Medaille im Mixed-Doppel eroberte, musste – am Rande eines körperlichen Zusammenbruchs stehend – ihr Erstrunden-Match mit Werner Kovarik zu Beginn des dritten Satzes abbrechen. “Weil ich unmöglich weiterspielen konnte”, meinte Sandra, die bis dahin das Geschlechter-Duell am Centercourt beherrschte. Als diejenige, die dem Ball mehr Fahrt und mehr Drall mitgeben konnte, hatte Sladek Satz 1 mit 6:3 für sich entschieden. Danach ging es körperlich in rasantem Tempo bergab. Die Pausen wurden immer länger, die Schläge immer kürzer, ehe die 22jährige wie erwähnt zu Beginn des entscheidenden dritten Satzes die Notbremse zog. “Eine kluge Entscheidung, die vor einer Woche wohl auch Markus Fessel hätte treffen sollen, und die ihm eine Blaulicht-Fahrt mit dem Notarzt erspart hätte. Sladek konnte sich in Begleitung von Patrick Khandroo “auf eigenen Beinen” auf den Heimweg machen, und sollte für den Doppel-Bewerb an der Seite von Alexander Kastler wieder fit sein. Kovarik hingegen bekommt es im Achtelfinale mit dem Sieger der Partie Steinberger-Posteiner zu tun.

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“Modeerscheinung Comeback” diesmal mit der Rückkehr von Stefan Schwing

Comebacks sind in den letzten Wochen auf der Hobby-Tennis-Tour scheinbar wieder in Mode gekommen. Eine Woche nach der Tour-Rückkehr von Stanislav Perepelkin, durfte sich das Mai-First-Series-Turnier über das Comeback eines ganz namhaften Spielers freuen. Stefan Schwing, jüngerer Bruder des ehemaligen Ranglisten-Ersten Patrick Schwing feierte am Freitag Nachmittag nach 18monatiger Pause sein Comeback auf der Hobby-Tennis-Tour. Einst als “Wunderkind” gepriesen, das bereits mit 10 Jahren sein Debüt im “Konzert der Erwachsenen” feierte, wurde es in den vergangenen Jahren still um die von allen Experten als zukünftige Nummer 1 gehandelte Nachwuchs-Hoffnung. Motivationsprobleme und Verletzungen beendeten eine Karriere, die erfolgreicher als die aller Alterskollegen hätte verlaufen können. Kaum ein Spieler im Circuit verfügt wohl über ähnlich viel “Touch” im Handgelenk wie der jüngere Schwing-Spross. Aus dem einstigen Kinderstar ist aber in den Jahren ein hochaufgeschossener junger Mann geworden, der Tennis nicht mehr so wichtig nimmt und daher sogar ohne Ranking sein Comeback in Angriff nehmen musste. Noch immer ist Stefan Schwing der jüngste Spieler der Geschichte, der am Jahresende unter den Top Ten der Entry-List stand. Im Alter von nur 12 Jahren gelang ihm dieses Kunststück, genauso wie der Rekord als jüngster Mastersteilnehmer aller Zeiten. Davon unbeeindruckt – weil erst seit wenigen Monaten auf der Tour – sollte eigentlich Schwedens Nicklas Iversson in die Auftakt-Partie am Centercourt starten. Und am Ende machte dem “Nordlicht” beim 3:6, 6:7 auch mehr das für skandinavische Verhältnisse fast schon tropisch anmutende Wetter Probleme. “Das ist kein Tenniswetter für einen Schweden”, lachte Iversson mit hochrotem Kopf, während Schwing seinen ersten Auftritt seit Oktober 2008 zufrieden kommentierte. “Es ist ganz gut gegangen. Im zweiten Satz hatte ich Probleme weil der Nicklas mir vornehmlich auf die Rückhand gespielt hat. Hoffentlich schaffe ich noch die ein oder andere Runde”, so der mittlerweile 18jährige.

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Claus Lippert, 30. April 2010