Deutschlands neue Nummer 1 holt ersten Titel der Hobby-Tennis-Tour-Saison 2013

Die schon im vergangenen Jahr so starken internationalen Stars der Hobby-Tennis-Tour haben auch gleich zu Beginn der neuen Saison ein kräftiges Ausrufezeichen gesetzt. Deutschlands Shooting-Star Jan-Philip Hupasch sorgte im Endspiel des 12. Jänner-HTT-500-Turniers mit einem 6:4, 3:6, 6:4 Erfolg über den Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber für einen perfekten und in “Schwarz-Rot-Gold” gehaltenen Start ins Tennisjahr 2013, und krönte mit seinem zweiten Karriere-Erfolg auf der Hobby-Tennis-Tour auch seinen am Sonntag Nachmittag fixierten Aufstieg als neue deutsche Nummer 1 im Tour-Zirkus. Der 21jährige Niedersachse gewann ein überaus spannendes, attraktives und höchst ausgeglichenes erstes Saisonfinale nach exakt 1:45 Stunden und 197 ausgespielten Punkten, und zeigte sich wenige Tage vor Beginn des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres in blendender Form. Bestens gerüstet und mit einer durchaus optimal verlaufenden Generalprobe reist aber auch der unterlegene Franz Mayrhuber zu den am Freitag beginnenden “Australian Open der Hobby-Tennis-Tour”. Der 48jährige Masterssieger musste sich zwar erstmals nach 6 Siegen en suite wieder geschlagen geben, doch die als erster Spieler der Geschichte erreichte Traummarke von 10.000 Ranglisten-Punkten waren am Ende des ersten Turnier-Wochenendes ein richtig schönes Trostpflaster. Ein Bericht von C.L

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Wie ein Punkt oder Nuancen über Sieg oder Niederlage im ersten Saisonfinale entschieden

98:99 – einen lächerlichen Punkt weniger spuckte die Match-Statistik von hobbytennistour.at nach dem Endspiel des 12. Jänner-HTT-500-Turniers für den knapp geschlagenen Masterssieger Franz Mayrhuber aus, und in der Tat waren es nur Nuancen, die den Ausschlag über Sieg oder Niederlage im Finale des Saison-Auftakt-Events gaben. Zum Beispiel jene Szene, die auch nach Spielende bei den Beteiligten noch für Gesprächsstoff sorgte. Es steht 3:3 im entscheidenden dritten Satz, das Finale beim 649. Single-Turnier der Geschichte ist längst in seiner heißen Phase, als Franz Mayrhuber nach einem missglückten Volley seines deutschen Gegenübers mit einem Breakball zum vielleicht vorentscheidenden 4:3 auf den nächsten Return wartet. Hupasch serviert einen “Ersten” durch die Mitte, sofort kommt der Out-Ruf des Rückschlägers, als sich Deutschlands Bester intervenierend an seinen Gegner wendet. Der sieht sich den Ballabdruck – so weit auf Teppich erkennbar – noch einmal an, und gibt den Ball nach reiflicher Überlegung gut. Der 21jährige Norddeutsche bedankt sich artig, schickt Mayrhuber als anerkennende Geste noch ein Ass hinterher, und holt sich schließlich mit einem perfekt gesetzten Volley noch das Game zum 4:3. “Das war eine phantastisch faire Aktion vom Franz. Ich wäre ganz schön unter Druck gekommen. Ich hätte bei Breakball über den zweiten Aufschlag gehen müssen, und ich war in dieser Phase ohnehin nicht sehr sicher beim zweiten Service. Das wäre eng geworden, bei 5:3 wäre er zu 99 Prozent durch gewesen”, schildete Hupasch später die kritische Situation.

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Hupasch offensiver und risikobereiter und damit nicht unverdient Sieger von Satz 1

Beide Akteure waren ohne Satzverlust in dieses Jänner-HTT-500-Finale gestürmt, und so starteten sowohl der Routinier aus Österreich als auch der Shooting-Star aus Deutschland mit jeder Menge Selbstvertrauen hinein in die Anfangsphase dieses 25. deutsch-österreichischen Final-Duells der Tour-Geschichte. Nur je einen Punkt gaben die Aufschläger in ihren jeweils ersten Service-Games ab, ehe Hupasch quasi aus heiterem Himmel das erste Break in diesem Endspiel gelingt. Halten kann der 21jährige diesen vermeintlichen Vorteil freilich nicht, weil er sich mit zwei Doppelfehlern und dem damit verbundenen Re-Break selbst um die Früchte seiner Arbeit bringt. Mayrhuber konterte mit einem zu Null gewonnenen Aufschlagspiel, und dann war es der 48jährige gebürtige Oberösterreicher, der es verabsäumte, frühzeitig “klar Schiff” zu machen. Der Masterssieger kann trotz 0:30 kein Kapital daraus schlagen, dass sein deutscher Widerpart erneut zwei Doppelfehler ins Netz kracht und letztlich zum 4:4 ausgleicht. Erst Break Nr. 2 bringt Hupasch im ersten Satz letztlich auf die Siegerstraße, das er in der Folge mit einem souverän durchgezogenen Aufschlagspiel zum 6:4 bestätigt. 4 Punkte weist die Matchstatistik zu diesem Zeitpunkt mehr aus für den deutschen Überflieger, der allerdings mit 20:2 Winnern weitaus offensiver und risikobereiter in diesem ersten Heat agierte, und damit nicht unverdient nach 33 Minuten mit 1:0 in Sätzen führte.

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Jungstar Hupasch schwächelt beim Aufschlag, Routinier Mayrhuber ist sofort zur Stelle und gleicht zum 1:1 in Sätzen aus

Imposant auch die Netz-Statistik des 21jährigen aus Varel, der im ersten Durchgang bei 19 Attacken am Netz großartige 15 Mal zum Punktgewinn kommt. Vielleicht hätte Hupasch seinen zweiten Tour-Titel schon weitaus früher unter Dach und Fach bringen können, nämlich dann, wenn der Jungstar von der Nordseeküste eine seiner drei Break-Möglichkeiten zu Beginn des zweiten Satzes genützt hätte. Doch Mayrhuber kommt trotz 0:40 zurück, ein Kunststück, das übrigens Minuten später auch Hupasch gelingt, womit der Deutsche ein frühes 0:2 verhindern kann. Nicht verhindern konnte der Oktober-Masters-Series-1000-Champion aus Niedersachsen aber den Satzausgleich, und das hing vorallem mit einer Aufschlag-Schwäche zusammen, die Hupasch Mitte des Satzes behinderte. Ein kassiertes Break zum 1:3, ein weiterer Aufschlag-Verlust zum 2:4, und schon war “J.P” massiv unter Druck. Zu allem Übel klappte in dieser Phase auch die Vorhand nicht nach Wunsch, mit vier unerzwungenen Fehlern mit seinem eigentlichen Paradeschlag, war rasch das 2:5 besiegelt. Mayrhuber musste “nur mehr” seinen Aufschlag halten, und das tat der Routinier in souveräner Manier. Mit einem Ass nützte der Ranglisten-Leader seinen zweiten Satzball zum 6:3, nach weiteren 33 Minuten war das erste Finale des neuen Jahres also wieder völlig offen. Aus statistischer Sicht auffallend sind in dieser Phase die mehr als mageren 15 Prozent, die Hupasch zum Punktgewinn kommt, wenn er über seinen zweiten Aufschlag musste, und bemerkenswert auch die deutlich nachlassende Effizienz am Netz, die sich mit “nur” mehr 9 gewonnenen Punkten bei 21 Netzangriffen widerspiegelte.

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Offensiv-Geist Hupasch – Mit 78 Netz-Attacken zum Titelgewinn

Wie schon im ersten direkten Duell der beiden Topstars im Viertelfinale des letztjährigen Oktober-Masters-Series-1000-Turniers, musste also wieder ein dritter Satz die Entscheidung bringen, und den besseren Start in die spannende Schlussphase verzeichnete ganz eindeutig der blonde Jungstar aus Varel. Das Break zum 2:0 schien die Vorentscheidung zu bedeuten, erst recht als der Ranglisten-Fünfundzwanzigste im Folge-Game Spielball zum 3:0 vorfindet. Das Mayrhuber in dieser Phase ausgerechnet mit einem gewonnenen “Volley-Duell am Netz” das Schlimmste verhindern kann, wirkte wirklich kurios. Das Re-Break war freilich geschafft, und die Partie fortan mit recht sicher durchgebrachten Aufschlagspielen der beiden Endspiel-Protagonisten völlig ausgeglichen. Hupasch überstand in der Folge die bereits eingangs erwähnte enge Situation mit der Fair-Play-Aktion seines Gegners, ehe er bei einer 5:4 Führung zum großen Schlag ansetzten. Mutig, offensiv orientiert und mit zwei verwandelten Volleys, setzte Hupasch schließlich mit einem letzten Break den Schluss-Strich hinter eine Partie, die richtig unterhaltsam, ansprechend und vorallem spannend für ein erstes sehenswertes Saisonfinale sorgte. Unglaubliche 78 Mal war Hupasch in seinem dritten Karriere-Endspiel am Netz erschienen, beim 79. Auftauchen ganz vorne am Netz holte sich der 21jährige schließlich noch die Gratulationen seines knapp unterlegenen Gegners ab.

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“Natürlich wollte ich meinen Kritikern zeigen, was ich drauf habe und wie gut ich spielen kann”

“Ich habe eine große Freude mit dem Titel, zumal das Turnier für mich ja nicht so optimal verlaufen ist. Heute aber war es schon recht gut, wie ich gespielt habe. Ich bin mit dem Slice meines Gegners gut zurecht gekommen, und ich hatte mir schon vor dem Match eine Taktik überlegt. Bei eigenem Aufschlag wollte ich permanent Serve & Volley spielen, und beim Rückschlag wollte ich so oft wie möglich mit seinem Slice mitspielen, und dann über seine Rückhand auch angreifen. Mein einziges Problem ist derzeit die Vorhand, die spielte ich heute wie jemand mit 6 Promille und einem Zuckerschock”, so der neue Jänner-HTT-500-Champ. Mit seinem 16. Sieg im 18. Match sorgte der nunmehr 2fache Mayrhuber-Bezwinger einerseits für den 14. Turniersieg Deutschlands in der Open Ära, dazu für den elften schwarz-rot-goldenen Triumph im 25. Final-Duell der Tour-Geschichte mit den rot-weiss-roten HTT-Assen, und mit den 500 Siegpunkten schob sich Deutschlands neue Nummer 1 am Dienstag Abend sogar bis auf Platz 14  im neuesten Entry-Ranking vor. Und dieser zweite Titel seiner HTT-Karriere war auch ein wenig Wiedergutmachung für den verpatzten November, wo er mit seinem “Facebook-Fauxpas” und dem nachfolgenden frühen Aus beim November-Masters-Series-1000-Turnier gegen Franz Korger in die Schlagzeilen und aus dem Tritt geriet. “Natürlich wollte ich diesen Kritikern zeigen, was ich drauf habe und wie gut ich spielen kann. Von daher hatte ich heute auch ein bißchen Druck verspürt. Verlieren wollte ich heute auf keinen Fall, eine Niederlage wäre richtig bitter gewesen”, gestand Hupasch, der für das anstehende erste Grand-Slam-Turnier des Jahres nur eine Devise ausgab. “Mein Ziel ist natürlich der Titel”.

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Franz Mayrhuber: “Hupasch hat clever gespielt und verdient gewonnen”

Bescheidener nahm sich da schon die Zielsetzung seines besiegten Finalgegners aus, der beim ersten Major-Auftritt des Jahres  schon mit einem Semifinale zufrieden wäre. “Dann hätte ich mein Vorjahresergebnis verteidigt, und meine 10.000 Punkte in der Rangliste weiter inne”, lachte der 48jährige, der sich zum knapp verlorenen Jänner-HTT-500-Finale wie folgt äußerte: “Das war eine spannende Angelegenheit wie 98:99 Punkte beweisen. Ich bin froh, dass ich nicht einen oder mehrere Punkte in der Statistik mehr gemacht habe, sonst würde ich mich vielleicht über den Ausgang des Matches ärgern. Hupasch hat verdient gewonnen, er war offensiver und hat clever gespielt. Ich habe aber auch keine schlechte Leistung gebracht”, zeigte sich der Masterssieger nach verpasstem 12. Karriere-Titel dennoch zufrieden.

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Die erfolgreichsten deutschen Spieler der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte

1. Robin DOUGLAS 6 Turniersiege
2. David HÜHNE 4 Turniersiege
3. Jan-Philip HUPASCH 2 Turniersiege
4. Marko BOGDANOV 1 Turniersieg
Karsten SCHÜTZE 1 Turniersieg