David Hühne ist seit Sonntag Nachmittag nicht mehr Deutschlands Nummer 1

Viertelfinaltag beim 12. Jänner-HTT-500-Turnier im UTC La Ville, und unter den letzten Acht des Saison-Eröffnungs-Events am Altmannsdorfer Ast tummelten sich am gestrigen Sonntag Nachmittag nicht weniger als drei Akteure die ihr Ranglisten-Dasein außerhalb der Top 300 fristen. Damit kann das erste Turnier des Jahres auf der Hobby-Tennis-Tour ganz getrost und ohne Übertreibung als Turnier der Sensationen bezeichnet werden. Das sich immer wieder eine ganz Menge “rührt” im Circuit, auch wenn die Top-Stars durch Abwesenheit glänzen, beweist das aktuelle Premieren-Weekend, an dem neben dem “Aufstand der Underdogs” noch zwei weitere Themen für große Schlagzeilen sorgen. Masterssieger Franz Mayrhuber hat am Montag Abend im Semifinale die Möglichkeit, sich mit einem Sieg über Peter Baumann nicht nur für sein 21. Karriere-Finale zu qualifizieren, sondern vorallem als erster und bislang einziger Spieler die magische 10.000 Punktemarke im Entry-Ranking zu knacken. Und dann gibts da ja auch noch den blonden deutschen Shooting-Star namens Jan-Philip Hupasch, der mit Einzug in die Vorschluss-Runde des 649. Single-Events der Open Ära David Hühne als Deutschlands Nummer 1 abgelöst hat, und in der am Dienstag Abend erscheinenden neuen Rangliste zur vierten schwarz-rot-goldenen Nummer 1 avancieren wird. Ein Bericht von C.L

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Jan-Philip Hupasch gewinnt zweites deutsch-französisches Duell der Open Ära gegen Sebastien Grange und löst David Hühne als neue deutsche Nummer 1 der HTT ab

Tennis-Deutschland hat seit Sonntag 16:47 Uhr eine neue Nummer 1 auf der Hobby-Tennis-Tour. Jan-Philip Hupasch, 21jähriger Blondschopf von der Nordseeküste, der vor exakt genau drei Monaten sein Tour-Debüt feierte, hat binnen nur 92 Tagen das Kunststück zu Wege gebracht, mit exzellenten Leistungen und großartigen Resultaten, dem seit April 2010 permanent als besten Deutschen geführten David Hühne den “inoffiziellen Status” der deutschen Nummer 1 abzujagen. Ein 6:1, 6:2 Erfolg über den Franzosen Sebastien Grange reichte, um in der in Kürze erscheinenden neuesten Ausgabe der HTT-Entry-List am 32jährigen Süddeutschen vorbeizuziehen. Mit dem ganz locker errungenen Erfolg des Niedersachsen über den Marhold-Bezwinger haben die deutschen Tennis-Cracks im Duell mit der “Grande Nation” übrigens auch zum 1:1 ausgeglichen, war das gestrige Viertelfinal-Match zwischen Hupasch und Grange doch erst das zweite deutsch-französische Aufeinandertreffen der Open Ära. Das erste und bislang einzige Duell der beiden Nationen liegt fast 9 Jahre zurück, und datiert vom 18. Juni 2004, als Frankreichs Maxime Flahaut sein deutsches Gegenüber Alfred Weinberg in Runde 1 des Juni-Grand-Prix-Turniers am Kunstrasen des Wasserparks mit 6:1, und 6:2 besiegte.

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Wie stark ist Hupasch wirklich? – 0:4 Rückstand im Semifinale gegen die HTT-Nr. 84 Thomas Löffelmann war nämlich kein Ruhmesblatt für den 21jährigen aus Varel

Trotz des rasanten und kometenhaften Aufstieges des neuen deutschen Hobby-Tennis-Tour-Stars stellen sich viele Experten immer noch die berechtigte Frage, wie stark denn dieser Blondschopf aus Varel nun wirklich ist. An die Grenzen musste Hupasch dieser Tage noch nicht gehen, eine erste echte Standortbestimmung wird wohl erst der finale Showdown gegen Masterssieger Franz Mayrhuber bringen, soferne der seiner Favoritenrolle im zweiten Semifinale gegen Peter Baumann gerecht wird. Im bereits vorgezogenen Halbfinale der unteren Tableau-Hälfte bekleckerte sich Hupasch nämlich auch nicht unbedingt mit Ruhm. Der 21jährige Oktober-Masters-Series-1000-Champion legte im Vorschluss-Runden-Duell mit der Nr. 84 des HTT-Entry-Rankings Thomas Löffelmann einen brutalen Fehlstart hin, und sah sich nach einer schwachen Viertelstunde einem höchst sensationell anmutenden 0:4 Rückstand gegenüber. Natürlich spielte Hupasch in der Folge seine Klasse aus, natürlich hievte er sich mit nur mehr einem in der Folge abgegebenen Game in sein drittes Karriere-Finale, und natürlich ist Deutschlands neuer Bester im Verlauf des Saison-Eröffnungsturniers weiter ohne Satzverlust geblieben, doch ohne entsprechender Leistungssteigerung, wird es bei dem am kommenden Wochenende auf dem Programm stehenden ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres eine böse Überraschung geben.

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Thomas Löffelmann bejubelt ein “geiles Turnier” und das bislang beste Resultat seiner Hobby-Tennis-Tour-Karriere

Es wirkte irgendwie kurios, dass der letztlich – zumindest ergebnistechnisch – souverän gebliebene Finalist mit seinem Spiel und da speziell mit seiner Vorhand unzufrieden wirkte, während der unterlegene Semifinalist glücklich und zufrieden das beste Ergebnis seiner Karriere genießen konnte. Thomas Löffelmann war in der Tat “der größte Hit” in einem von Außenseitern und Ranking-Underdogs geprägten Saison-Auftakt-Turnier. Der 34jährige legte am Sonntag-Nachmittag einen famosen Triple-Pack auf die Courts des UTC La Ville, beendete im Achtelfinale mit einem klaren 6:4, 6:1 Erfolg über den an Nummer 3 gesetzten Markus Hobiger die Hoffnungen des 35jährigen Guntramsdorfers auf eine Halbfinal-Teilnahme zum Saisonstart, kippte im Viertelfinale die eine Runde zuvor groß aufspielende 16jährige Niederösterreicherin Nina Geretschläger mit 6:4, 6:3 aus dem Bewerb, und genoss “spitzbübisch” jede einzelne der ersten 20 Minuten des Halbfinal-Hits gegen Jan-Philip Hupasch. Zu recht, denn wann führt man als Challenger-Spieler denn schon einmal gegen einen der besten Spieler im Circuit mit 4:0, und das noch dazu in einem HTT-500-Semifinale, das dann schon eine wirklich medienwirksame Bühne im Tour-Zirkus darstellt. “Was will ich mehr. Ein Halbfinale bei einem 500er, das nimmt mir keiner mehr weg. Ich habe heute eine Super-Leistung gebracht, aber der Jan ist natürlich eine Nummer zu groß für mich. Ich konnte ihn aber auf alle Fälle ein wenig ärgern, und das war mein Ziel vor dem Spiel. Es war einfach ein richtig geiles Turnier”, jubelte “Leffe”. Und dann lehnte sich der 34jährige – der mit 180 Semifinalpunkten knapp ran an die Top 60 kommen wird – auch noch gleich mit seinem Siegertipp recht weit aus dem Fenster. “Das war mein drittes Semifinale auf der Hobby-Tennis-Tour, und immer bin ich bislang am späteren Turniersieger gescheitert”. Was für einen Jänner-HTT-500-Titelgewinn von Jan-Philip Hupasch sprechen würde.

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Nina Geretschläger begeistert Gegner und Zuseher mit attraktivem Power-Tennis

Was tat sich sonst noch am dritten Spieltag der neuen Tennissaison? Nina Geretschläger hat am Sonntag Nachmittag eine weitere Talentprobe im Circuit abgegeben, und mit ihrer Art Tennis zu spielen, die Gegnerschaft begeistert. Die Zuseher am 9er-Court kamen im Achtelfinal-Duell der 16jährigen Altenbergerin gegen Griechenlands Neuen Vasilis Vamvakidis kaum aus dem Staunen heraus, in welch atemberaubendem Stil die junge Power-Lady ihrem Gegenüber ein “griechisches Sparpaket” in Sachen Gamegewinnen aufoktroyierte. Keine 20 Minuten waren gespielt, da lag die gebürtige Klosterneuburgerin vor den Augen ihrer Eltern und nach einer phantastischen Darbietung mit 6:0 ,2:0 in Front. Geretschläger begeisterte mit unfassbarer Dynamik in ihren Schlägen, und mit einer famosen Quote an erfolgreich und direkt verwandelten Return-Punkten. Vamvakidis konnte einem richtig leid tun, so chancenlos “trabte” der 41jährige Hellas-Star aus Chalkida den Filzkugelgeschossen seiner jungen Gegnerin hinterher. Für den griechischen Tour-Debütanten spricht aber freilich, dass er trotz der rasch abzeichnenden Aussichtslosigkeit in keiner Phase des Matches die Flinte ins Korn warf, und aufopfernd um die letztlich durchaus verdiente Ergebniskosmetik kämpfte. Ja mehr noch, hätte Vamvakidis beinahe ein längst verloren scheinendes Match noch gedreht. Der Greece-Export holte drei Games in Folge lag plötzlich im zweiten Heat mit 3:2 und 4:3 voran, ehe sich Geretschläger nach einer kurzen künstlerischen Auszeit im Finish noch einmal ihrer Stärken besinnen, und mit 6:4 den Viertelfinal-Aufstieg fixieren konnte. Den sensationellen Gesamteindruck den die 16jährige beim Jänner-HTT-500-Turnier hinterließ, konnte auch das viertelfinale Aus gegen Thomas Löffelmann und damit die zweite Niederlage im zweiten Duell mit dem 34jährigen nicht mehr trüben. “Ich bin mit meiner Leistung bei diesem Turnier auch sehr zufrieden. Vielleicht war ich im zweiten Spiel ein bißchen zu fehlerhaft, aber ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin”, analysierte die Tennis-Beau vom TK Big Point Muckendorf.

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Peter Baumann bestätigt seine Jänner-HTT-500-Setzung, und Jens Gudenus avanciert nach 1:6, 0:3 Rückstand gegen Russlands Boris Macheev zum Comeback-Star des Tages

Während der an Nummer 3 gesetzte Markus Hobiger am Sonntag Abend seiner Setzung nicht gerecht werden konnte, und nach einer verjuxten 4:3 Führung im ersten Satz sein Achtelfinale gegen Thomas Löffelmann verlor, damit im Head to Head mit dem 34jährigen 0:2 zurück liegt und den 125. Einzelsieg seiner Karriere verpasste, zeigte Peter Baumann vor, wie man als Underdog in einem “schwächlich” besetzten Turnier seine Setzung rechtfertigt. Als Nummer 4 in sein 41. Karriere-Turnier gestartet, steht Peter Baumann nach einem ungefährdeten 6:2, 6:2 Erfolg über Jens Gudenus im Semifinale, und trifft dort am Montag Abend auf den Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber. Aprops Gudenus: Er war neben Löffelmann und Geretschläger die große Sensation des gestrigen Tages: Der 29jährige Mai-Future-Finalist feierte im Achtelfinale gegen Russlands Boris Macheev ein echtes Super-Comeback, und drehte einen 1:6 0:3 Rückstand noch in einen 1:6, 6:4, 6:3 Erfolg. Gudenus jubelte über eine sehenswerte, phantastische Aufholjagd, und dazu über ein HTT-500-Viertelfinale samt 90 Ranglistenpunkten, während Macheev die achtelfinale Pleite als “die mit Abstand schlimmste Niederlage seines Lebens” bezeichnete. “Das 1:6 gegen Macheev war der schlechteste Satz den ich je in der Halle gespielt habe. Ich bin froh dieses Match noch gedreht zu haben, denn so wirklich hatte ich bei 0:3 im zweiten Satz nicht mehr daran geglaubt. Gegen den Peter Baumann habe ich einfach kein Rezept. Er macht wenige Fehler, spielt sehr sicher und ist daher äußerst schwer zu spielen. Ich freue mich aber riesig über das Viertelfinale und die 90 Ranglistenpunkte. Trotzdem schade, denn ich wollte unbedingt gegen Mayrhuber spielen und mal sehen, wie es ist, gegen die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour auf dem Platz zu stehen. Dieses Vergnügen hat jetzt der Peter Baumann, aber mein Turnierfavorit ist der Hupasch”, legte sich Gudenus fest.

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