Die Sandplatz-Saison 2010 wurde mit Verspätung eröffnet

Ans “Warten” ist man dieser Tage ja allgemein, und im speziellen auf der Hobby-Tennis-Tour gewohnt. Während die vulkanische Asche-Wolke “Hunderttausende” auf den europäischen Flughäfen an diesem Wochenende zum “Warten” zwingt, und die Tour-Stars in der vorigen Woche beim März-Super-4-Turnier in der Südstadt ob des Dauerregens vier Tage lang in der Warteschleife ausharren mussten, hieß es nun auch am gestrigen ersten Spieltag des 7. April-WTB-Turniers beim TK Eden “bitte warten”. Erst mit 50minütiger Verspätung ging der allererste Spieltag der Sandplatz-Saison 2010 in Szene. Die knapp einstündige Wartezeit verging zwar im Vergleich zu den zuletzt erlebten März-Super-4-Ereignissen wie im Flug, dennoch drohte dem Sandplatz-Saison-Opening beim TK Eden am gestrigen Vormittag ein echter Fehlstart. Was war passiert? Der Chef der Anlage nicht vor Ort, keine freien Plätze für die avisierte Hobby-Tennis-Tour, Ratlosigkeit aller Orts und erste Überlegungen einer kurzfristigen Absage machten sich breit. Doch statt dem unausweichlich scheinenden Super-Gau hatte sich der Floridsdorfer Tradtionsclub im Verlauf des ersten Spieltages auf einmal seiner Stärken besonnen, mit denen er schon im vergangenen Jahr bei der Premieren-Veranstaltung zum perfekten Gastgeber avancierte. Zuvorkommend und kundenfreundlich hatte man “An der Schanze” gerade noch rechtzeitig den “Absprung” geschafft. Ein großes Lob muss an dieser Stelle auch dem dortigen Platzwart für die durchaus gut bespielbaren Courts ausgesprochen werden. Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang nämlich, dass es in den Tagen vor dem ersten Sandplatz-Turnier des Jahres beinahe ohne Unterbrechung geregnet hatte. Ein Bericht von C.L

Italien-Juli-Turniere_05_25397.jpg

Topgereihter Christoph Kramer von UTC-Wien-Star Tina Weiss entzaubert

Mit 50 Minuten Verspätung war es dann knapp vor 11 Uhr soweit. Die Sandplatz-Saison 2010 wurde eröffnet, und der allererste Spieltag auf dem rutschigen roten Untergrund hatte es ergebnistechnisch ganz ordentlich in sich. Arrivierte Tour-Stars die sich vorzeitig verabschieden mussten, ein “Dreimäderlhaus” das für Furore sorgte, Newcomer die immer frecher in die Spitze drängen und ein Lokalmatador, der die Heimischen in Floridsdorf vom Titelgewinn träumen läßt. Doch alles schön der Reihe nach. Das ganz große Thema des ersten Spieltages bei der 7. Auflage des April-WTB-Turniers war das frühe Aus des an Nummer 1 gereihten Christoph Kramer. Der 27jährige, der im Vorjahr noch bis ins Halbfinale gestürmt war, wurde beim Versuch das Achtelfinale zu erreichen, von UTC-Wien-Powerlady Tina Weiss ganz böse entzaubert. Die 22jährige behielt als – an diesem Tag – bessere Spielerin ganz souverän mit 6:2, 6:3 die Oberhand und stürzte den Ranglisten-Fünften in ein tiefes Tal der Enttäuschung. Selten sah man Kramer nach einem seiner mittlerweile 176. Turnierstarts ähnlich deprimiert wie an diesem gestrigen sonnigen Samstag. Das frühe und doch recht deutliche Aus, war ein Rückschlag auf allen Ebenen. Im Entry-Ranking droht nach dem Vorjahres-Halbfinale ein Absturz, im Champions-Race kommt der 27jährige heuer nicht und nicht in die Gänge, und auch ein wirklicher Formanstieg ist nicht zu erkennen. “Ich bin mit der Umstellung auf Sand überhaupt nicht klar gekommen. Vorallem die Beinarbeit passte nicht”, jammerte Kramer, während sich seine Bezwingerin rundum zufrieden zeigte. “Ich habe einen guten Tag erwischt und ziemlich stark gespielt. Ich hatte viel Spin auf den Bällen, und mit denen ist Kramer überhaupt nicht zurecht gekommen”, so die 22jährige.

Italien-Juli-Turniere_05_25412.jpg

UTC-Dreimäderlhaus aus Landesliga A überzeugt trotz Debüt-Niederlagen

Neben der siegreich gebliebenen Tina Weiss, sorgten aber auch die beiden anderen UTC-Wien-Girls trotz Auftaktniederlagen für Aufsehen. Karolina Godina und Melanie Wyka, das “charmante Duo” blieb zwar ergebnistechnisch hinter den Erwartungen zurück, wusste aber spielerisch durchaus zu überzeugen. Zumindest ließen beide Damen erahnen, was sie mit dem Racket in Händen wirklich drauf haben. Godina hatte mit Asiens Nummer 1 Tashi Liu aber freilich einen denkbar unangenehmen Debüt-Gegner zugelost bekommen. Weil der 32jährige in seinem 255. Karriere-Single seiner Kontrahentin wie erwartet keinen Rhythmus gab, und so dem Tennis der 22jährigen die Gefährlichkeit nahm. “Es war mein erstes Match im Freien auf Sand und dementsprechend schlecht”, zog “Karo” Bilanz. Ganz ähnlich verlief auch der Premieren-Auftritt von Melanie Wyka. Die 20jährige vermochte in ihrem “Kampf der Geschlechter” gegen Gerald Marhold trotz phasenweiser ganz gefälliger Vorstellung nicht ihr bestes Tennis abzurufen. In vielen engen Games blieben die sogenannten “big points” ungenützt und am Ende mit 3:6, 3:6 die Einsicht, dass in diesem Match eigentlich viel mehr möglich gewesen wäre. “Ich denke schon, dass ich den Gerald hätte schlagen können. Aber ich bin zu Beginn einfach nicht ins Spiel gekommen. Nach 5 Minuten stand es schon 0:3. Das kann ja nicht sein, habe ich mir gedacht. Hätte ich ihm im zweiten Satz einmal den Aufschlag abnehmen können, dann wäre sicher mehr gegangen”, so die Jüngste aus dem UTC-Wien-Trio.

Italien-Juli-Turniere_05_25419.jpg

Kovas Talfahrt auf der Tour geht ungebremst weiter – diesmal Auftakt-Aus gegen Sascha Kogler

In rasanter Talfahrt befindet sich zur Zeit auch die Karriere des ehemaligen Ranglisten-Ersten Martin Kova. 29 Turniersiege konnte der 26jährige in seiner ausgewöhnlichen und mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt andauernden Laufbahn erringen. Doch vom so heiß ersehnten Jubiläums-Triumph Nr. 30 ist Kova Lichtjahre entfernt. Inzwischen muss der 4fache “French Open-Sieger der HTT” schon froh sein, wenn bei einem seiner Turnierstarts am Ende das Achtelfinale herausschaut. Denn am gestrigen Samstag schrammte der Wiener im Auftakt-Duell mit Tour-Neuling Sascha Kogler bereits in die fünfte Erstrundenpleite in Serie. Beim 2:6, 5:7 hatte man als neutraler Beobachter nie das Gefühl, dass die ehemalige Nummer 1 der Partie gegen den frech und munter drauf los spielenden Newcomer eine Wende geben könnte. Zur Ehrenrettung Kovas muss man vielleicht sagen, dass Kogler eine mehr als solide Vorstellung auf den Sandplätzen des TK Eden ablieferte, und seinem Gegenüber phasenweise kaum die Chance zur Entfaltung ließ. Kogler beeindruckte mit einer schnörkellosen Darbietung und ließ danach mit einer gewagten Zielsetzung aufhorchen. “Ich bin auf die Tour gekommen um Titel zu gewinnen. Ich will zum Masters und ich möchte noch heuer unter die Top 10 der Hobby-Tennis-Tour. Ich denke das ist nicht so schwierig. Mit guten Resultaten bei den großen Turnieren ist das sicher machbar”, so der 39jährige.

Italien-Juli-Turniere_05_25400.jpg

Italien-Juli-Turniere_05_25399.jpg

Robert Rath erreicht nach Dreisatzsieg über Deutschlands David Hühne das Achtelfinale

Ebenfalls immer frecher und besser werden die Auftritte eines weiteren starken Newcomers. Die Rede ist von Robert Rath, der am Samstag Nachmittag im Duell mit dem Deutschen David Hühne in drei Sätzen die Oberhand behielt. Das ganz große Match bekam Papa Rath von seinem Sohnemann und Deutschlands Nummer 1 zwar nicht geboten, interessant weil intensiv und von beiden Seiten recht leidenschaftlich geführt, war es allemal. Hühne – nach einer 5wöchigen Tourpause und einer noch immer noch vollständig ausgeheilten Grippe – hatte den besseren Start für sich, während Rath sich mehr mit “Fluchen & Schimpfen” über einen seiner Meinung nach desolaten Platz beschäftigte. Den Frust erst einmal abgebaut, kam Rath mit Fortdauer der Partie aber immer besser in Spiel, und komischer Weise auf dem selben “desolaten Platz” zum Satzausgleich. Plötzlich war der Platz gar nicht mehr so schlecht, zumindest gab es keine verbalen Rath-Kritiken mehr zu hören. “Ich weiß, dass das bei mir alles eine Kopfsache ist. Wenn es nicht läuft, dann suchst du halt nach Ausreden und Gründen. Im Nachhinein tut es mir eh immer leid und ich denke mir wie dumm und unnötig solche Aussagen während des Matches immer sind”, übte Rath Selbstkritik. Am Ende erreichte der 29jährige mit einem 3:6, 6:3, 6:4 Erfolg aber das Achtelfinale, wo Stefan Rieger warten wird. Der Doppel-Masterssieger wahrte mit einem Kraftakt im Finish sein Gesicht, welches er im Duell mit Second-Series-Star Lucas Rydl im Falle eines Satzverlustes verloren hätte. Der Underdog “floppte” im ersten Satz beim 0:6, überzeugte und überraschte mit einer ganz starken Darbiertung aber in Durchgang 2. So könnte der Terra-Rossa-Neuzugang am kommenden Wochenende beim April-Second-Series-Turnier ein gewichtiges Wort um den Titel mitreden.

Italien-Juli-Turniere_05_25460.jpg

Christian Lewold trägt als Lokalmatador die Titel-Hoffnungen des TK Eden

Eigentlich hätte Serbiens Jungstar Nenad Vladusic am Wochenende des Sandplatz-Saison-Openings die Rolle des aussichtsreichen Lokalmatadors beim TK Eden inne haben sollen. Doch auf die Nennung des 15jährigen wartet man seitens des Heimvereins vergeblich, und so ruhen beim 7. April-WTB-Turnier plötzlich auf einem ganz anderen Mann die Hoffnungen der Tennis-Familie des TK Eden. Ein Routiner soll es nun richten, ein 42jähriger Tour-Debütant soll dem Floridsdorfer Traditionsverein zu Titelehren verhelfen. Klappte es im Vorjahr mit dem jugendlichen Vladusic nicht mit dem erhofften Heimsieg, könnte diesmal aber der routinierte Christian Lewold tatsächlich die Kastanien aus dem Feuer holen. Und geht es nach seinem Auftaktgegner Markus Hobiger, dann besteht ohnehin nicht der geringste Zweifel, dass “Lewi” am kommenden Dienstag zu Titelehren kommen wird. “Wenn der Lewold am Ende nicht das Turnier gewinnt, dann weiß ich nicht. Dann habe ich überhaupt keine Ahnung von Tennis”, meinte Hobiger nach seinem 0:6, 1:6 Debakel gegen den Newcomer. “Sowas von keine Chance hatte ich noch nie in einem Match. Selbst gegen den Mario Kiss bekomme ich in einem Spiel mehr Chancen”, jammerte der unterlegene Guntramsdorfer. “Ich habe gegen einen ganz starken Gegner gewonnen, der letztlich nur an Sonne & Wind gescheitert ist”, meinte Lewold diplomatisch. “Nein im Ernst, es ist verdammt schwer für alle Spieler, sich beim ersten Mal auf Sand auf die neuen Bedingungen einzustellen. Wir müssen aber froh sein, dass man überhaupt spielen kann nach der verregneten letzten Woche”.

Italien-Juli-Turniere_05_25478.jpg

Sterzls-Nostalgie-Auftritt und Guems erster Outdoor-Einzelsieg

Was tat sich sonst noch am ersten Spieltag der neuen Sandplatzsaison? Alexander Sterzls “Nostalgie-Auftritt” mit der “schlägertechnischen” Rückkehr ins Jahr 1989, endete in Runde 1 gegen Martin Mayerhofer mit einer 4:6, 4:6 Niederlage. Auch wenn die Statistik eine eher traurige Sprache spricht, immerhin kassierte der 40jährige beim dritten April-WTB-Antreten die dritte Auftaktniederlage, und insgesamt war es heuer auch schon wieder Startpleite Nummer 4 (die dritte in Serie), so gab die Performance des ISFO-Stars doch Grund zur Hoffnung. Denn im zweiten Durchgang wurde Sterzl nach einer 4:1 Führung zum großen Chancen-Vernebler. Den Marathon zum Tag lieferten März-WTB-Sieger Thomas Guem und Roland Mayerhofer ab. 2:49 Stunnden dauerte es, bis sich der Tiroler Shootingstar mit 6:7, 6:4, 6:3 seinen ersten Outdoor-Einzelsieg gesichert und sich an Mayerhofer für die Erstrunden-Niederlage beim heurigen Jänner-Grand-Prix-Turnier revanchiert hatte. “Ich bin einerseits gar nicht so unzufrieden, vorallem in Anbetracht meiner zweimonatigen Pause und dem Umstand erstmals mit neuen Schlägern gespielt zu haben. Trotzdem bin ich ein kleinwenig enttäuscht, weil halt doch viel mehr in dieser Partie möglich gewesen wäre”, resümierte Roland Mayerhofer.

Italien-Juli-Turniere_05_25477.jpg

Italien-Juli-Turniere_05_25481.jpg

Claus Lippert, 18. April 2010