Wagner gewinnt 1. Grand-Prix-Titel seiner Karriere

Jungstar Christoph Wagner hat beim Juni-Grand-Prix-Turnier seine Titelsammlung erweitert. Der 15jährige Ranglisten-Erste feierte am Mittwoch Nachmittag mit einem 6:3, 6:2 Finalsieg über Christoph Kramer den 1. Grand-Prix-Titel seiner Karriere. Ein Finalbericht von C.L

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Tropische Bedingungen als Spielverderber beim Juni-GP-Finale

Das 5. Juni-Grand-Prix-Turnier ist zu Ende. Mit Christoph Wagner setzte sich letztlich der Favorit durch, überzeugen konnte er im 11. Saisonendspiel aber nicht. Lag es an den tropischen Verhältnissen mit drückender Schwüle über Simmering? Das Quecksilber kletterte auf Werte jenseits der 30 Grad-Marke, als Wagner und Kramer zu ihrem zweiten direkten Vergleich den Centercourt betraten. Eine vorsichtige Anfangsphase mit gemächlichen Versuchen zu Punkten zu kommen war die Folge. Je ein Service-Winner und eine Menge unerzwungener Fehler von der Grundlinie war alles, was Wagner & Co in den beiden ersten Aufschlagspielen zu bieten hatten. So richtig “heiß” wurde das Juni-GP-Finale erstmals im 5. Game. Da gelang Kramer mit seiner dritten Chance das erste Break zur 3:2 Führung. Doch statt im nächsten Aufschlagspiel das Break zu bestätigen und mit 4:2 davon zu ziehen, produzierte der 23jährige “Doppelfehler am Fließband”. Unglaubliche 4 Stück an der Zahl, die den bis dahin wenig aktiven und höchsten fehlerhaft agierenden Wagner wieder ins Match zurückholten. Das Kramer in diesem Juni-GP-Endspiel gegen einen ungewohnt schwachen Wagner zu viel mehr Möglichkeiten als erwartet kam, belegt auch die Matchstatistik. Bei 3:4 ließ er bei eigenem Aufschlag zwei Spielbälle zum 4:4 ungenützt, und beim satzentscheidenden Service-Game Wagners vergeigte Kramer noch eine Breakchance zum 4:5. So aber verwandelte Wagner nach exakt 31 Minuten mit einem Rückhandwinner seinen zweiten Satzball.

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Brüderlich aufgeteilte 62 Eigenfehler an der Grundlinie

Rückblickend war das bereits die Entscheidung in diesem Match zugunsten Wagners. Der 15jährige setzte sofort nach, und sicherte sich mit einem raschen Break die 1:0 Führung. Postwendend folgte zwar der Kramer-Konter mit Break zum 1:1, doch in Wahrheit war das nur mehr das letzte Aufflackern des längst gebrochenen Kramer-Widerstands. Der “Lange” wurde immer kürzer in seinen Schlägen, und er war vor allem nicht mehr in der Lage, sein eigentlich gutes Service zu halten. Die Mega-Hitze zum kalendarischen Sommerbeginn lähmte die Partie mit Fortdauer des Spieles. In trauter Einigkeit sorgten Wagner und Kramer fortan für eine Lawine an sogenannten unforced errors. Brüderlich aufgeteilte 62 unerzwungene Fehler von der Grundlinie sorgten für Langeweile bei den Besuchern. Beinahe erlösend und auch bezeichnend dann der Matchball. Mit seinem ersten und einzigen Netzangriff schließt Kramer ein Mondball-Duell ab, scheitert damit kläglich, und beendet nach genau 57 Minuten das Endspiel.

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“Wir können uns heute auf das Wetter ausreden”

Im Head to Head mit Kramer auf 2:0 gestellt, als erster Spieler der Saison einen dritten Turniersieg erobert, mit Karriere-Titel Nr. 6 zu Tour-Größen wie Franz Kastler, Florian Urach, Thomas Valek oder Tashi Liu aufgeschlossen, dennoch zeigte sich Wagner nach seinem 10. Karriere-Finale alles andere als zufrieden. “Es war eine ganz schlechte Leistung von mir. Wir können uns wenigstens auf das Wetter heute ausreden, aber für diese Vorstellung hätte ich gar keinen Pokal verdient. Ich hatte zudem Probleme mit der Besaitung meines Rackets. Ich bilde mir ein, dass der Schläger zu weich bespannt ist”, übte der Ranglisten-Leader Selbstkritik.

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“Es war ein komisches Match, und die Hitze ein Wahnsinn”

Ähnlich die erste Reaktion Kramers, der der dritten Niederlage im dritten Endspiel seiner Laufbahn wenig Positives abgewinnen konnte. “Es war ein komisches Match. Irgendwie ist heute nichts so gelaufen wie ich mir das vorgestellt habe. Die Hitze war ein Wahnsinn, man hatte bei diesem Wetter den Eindruck erdrückt zu werden. Daher war das Tempo auf beiden Seiten auch nicht sonderlich hoch. Trotzdem war heute mehr möglich in diesem Finale. Schade das ich die Situation bei 3:2 und eigenem Service nicht nutzen konnte. Dann sind mir unverständlicher Weise 4 Doppelfehler passiert. Ich habe keine Erklärung dafür. Die heutige Leistung stellt mich nicht zufrieden, aber mit dem Turnier insgesamt kann ich sehr wohl zufrieden sein. Ich habe einige sehr starke Spieler im Verlauf des Turnier besiegt”, analysierte der 23jährige.

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“Der Juni-GP-Sieg bedeutet mir nicht so viel, mein Ziel ist das Juni-Super-4-Turnier”

Die Pause zwischen Einzel – und Doppelfinale nützte Wagner dann für einen ersten Blick in die nähere Zukunft und eine nochmalige kurze Rückblende auf die vergangenen sechs Tage. “Am Ende habe ich das Juni-GP-Turnier leichter gewonnen als zunächst erwartet. Ich habe vor Turnierbeginn wirklich nicht damit gerechnet, so einfach und ohne Satzverlust hier gewinnen zu können. Die ersten beiden Runden habe ich ohne voll zu spielen locker hinter mich gebracht, erst im Viertelfinale gegen Michael Kunz habe ich erstmals voll gespielt. Und zum Glück ist mir in diesem wichtigsten Spiel des Turniers meine beste Leistung gelungen. Der Juni-GP-Sieg bedeutet mir nicht so viel. Mein Ziel ist das nächste Super-4-Turnier auf Kunstrasen und die Grand-Slams in naher Zukunft”, formulierte Wagner seine Eindrücke vom Juni-GP und konkretisierte seine nächsten Ziele. Mit dem Sieg im insgesamt 110. Sandplatzturnier der Tour-Geschichte hat sich Wagner also gerade rechtzeitig vor dem Juni-Super-4-Turnier in Schwung gebracht. Den möglichen 5. Super-4-Titel in Folge nimmt Wagner mit einer imposanten Bilanz in Angriff. Seit 13 Spielen ist der 15jährige ohne Niederlage, zuletzt verlor er am 26. Jänner das Jänner-Grand-Slam-Endspiel gegen Bernhard Nagl. Auf Sand feierte Christoph bereits den 14. Einzelsieg in Serie, von der Realisierung großer Tour-Rekorde will der Jungstar aber nichts wissen. “Mal sehen was sich noch ergibt. Ich habe heuer noch große Ziele, aber die Einstellung irgendwelcher Tour-Rekorde zählt nicht dazu.

Claus Lippert, 22. Juni 2006