Start in die Hallensaison mit der 18. Oktober-GP-Auflage

Verkehrte Welt auf der Hobby-Tennis-Tour! Während am vergangenen Wochenende das Oktober-Second-Series-Turnier wegen widriger Wetterverhältnisse abgesagt werden musste, geht der Auftakt in die Hallensaison 2009/10 bei fast frühlingshaften Bedingungen über die Bühne. Verkehrte Welt auch was das erste Indoor-Event, das Oktober-Grand-Prix-Turnier betrifft. Schwärmten im Vorjahr noch die Aktiven vom am besten besetzten Hallen-GP der Geschichte, präsentiert sich die 18. Auflage des Oktober-Grand-Prix-Turniers heuer in einem eher bescheidenen und überschaubaren Rahmen. Die große – wie im Vorbericht erwähnte – Vorfreude auf Tennis in der Halle scheint sich bei den Spielern der Tour in Grenzen zu halten. Nichtsdestotrotz kann der Indoor-Auftakt mit 5 Top-Ten-Spielern aufwarten. Ein Bericht vom 1. Spieltag von C.L

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Auftakt-Aus wie im Vorjahr – Victor Stabrawa verliert hochklassiges Schlagerspiel des ersten Tages gegen Patrick Schwing in 3 Sätzen

Startschuss in die neue Hallensaison der Hobby-Tennis-Tour, die insgesamt 18te der Geschichte mit ein paar statistischen Zahlen zum Aufwärmen. Das aktuelle Oktober-Grand-Prix-Turnier ist das 444. der Open Ära, das 155. auf Grand-Prix-Ebene, das 160. auf Teppich ausgetragene, und das 132. Singleturnier im Tennispoint Vienna. Es ist aber auch die fünftletzte Veranstaltung vor dem Masters und damit für einige Herren ein Event mit großer Bedeutung. Einer der sich mit einem brauchbaren Resultat im Champions-Race entsprechend in Position bringen hätte können, war WAT-Ottakring-Star Victor Stabrawa. Doch für den 17jährigen scheint das Oktober-GP kein guter Boden für Erfolge zu sein. Der November-Grand-Prix-Sieger vom Heuberg verhaute neuerlich den Start in die Hallensaison und musste sich so wie im Vorjahr bereits in Runde 1 verabschieden. Wurde im vergangenen Jahr der Vorarlberger Daniel Schmid in drei Sätzen zum Stolperstein des Jungstars, entpuppte sich am gestrigen Eröffnungstag der Hallensaison Patrick Schwing als Spielverderber in Sachen Aufstieg. Der ehemalige Ranglisten-Erste gewann ein phasenweise hochklassiges und fast 100 Minuten dauerndes Erstrundenmatch mit 6:3, 3:6, 6:3, und qualifizierte sich zum zweiten Mal nach 2002 für das Oktober-GP-Viertelfinale. Im besten Match des ersten Spieltages lieferten sich die beiden Jungstars einen rasant geführten Schlagabtausch, mit sehenswerten Ballwechseln und einem teilweise atemberaubenden Tempo. Das am Ende Schwing den 8er-Court des Tennispoint Vienna als Sieger verließ lag sicherlich daran, dass er insgesamt um die Spur konstanter agierte. Das wiederum war die Überraschung des Tages, lieferte uns der 14fache Turniersieger doch heuer schon einige “unkonstante Geschichten” ab. “Das war ein Supermatch, noch dazu für das erste Antreten in der Halle. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, nur gesundheitlich müsste ich fiter sein. Ich bin schon seit 3 Wochen verkühlt, und das habe ich im Verlauf des Spieles gespürt”, ortete Schwing mögliche Probleme für den weiteren Turnierverlauf. Nicht unzufrieden trotz des neuerlichen Fehlstarts in die Hallensaison zeigte sich auch der unterlegene Victor Stabrawa. “Ich habe die Rückhand umgestellt, spiele sie jetzt seit 3 Wochen beidhändig. Ich habe heute zeitweise gar nicht schlecht gespielt, aber je länger das Match dauerte, desto feiger wurde ich. Der Patrick hat nur Hopp oder Dropp gespielt, da war es sehr schwierig einen guten Rhythmus zu finden”, meinte der 17jährige.

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Eine Stunde Supertennis war zu wenig – Martin Mayerhofer verliert gegen Christoph Kramer in 3 Sätzen

Keine Sorgen in Sachen Masters-Quali braucht sich Schwings nächster Gegner im Viertelfinale zu machen. Die Rede ist von Christoph Kramer, dem Rekordteilnehmer unter den am Start befindlichen Spielern des 18. Oktober-Grand-Prix-Turniers. Der 26jährige Neo-Leopoldsdorfer ist bereits zum 8. Mal beim Indoor-Auftakt der Hobby-Tennis-Tour mit von der Partie und seit dem Oktober-First-Series-Turnier auch für das Masters qualifiziert. Dementsprechend locker durfte man den 2fachen Saisonsieger im Duell mit Martin Mayerhofer erwarten. Doch Kramer wirkte lange Zeit an diesem Freitag-Abend alles andere als entspannt. Im Gegenteil: Kramers Gegner auf der anderen Seite des Netzes war es, der mit einer feinen Vorstellung Ansprüche auf eine Mastersteilnahme anmelden hätte können. Beinahe alles was der jüngere Mayerhofer im ersten Satz probierte, ging ihm auf. Der 23jährige nahm mehr Risiko als sein Gegenüber und wurde dafür zumindest im ersten Durchgang voll auf belohnt. In der knappsten aller Entscheidungen, dem Tie-Break setzte sich Martin Mayerhofer durch, womit ein neuerlicher Erfolgsrun beim Oktober-GP möglich schien. Im Vorjahr spielte sich der 23jährige ja mit einer famosen Leistung und Siegen über Michal Chudy, Norbert Heuberger und Robert Grünwald bis ins Viertelfinale, wo dann erst gegen Daniel Schmid Endstation war. Ein Jahr später hätte dem Star vom TC Kapellerfeld ein einziger Sieg gereicht um die Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen und neuerlich ins Viertelfinale einzuziehen. Doch den dazu nötigen zweiten Satz konnte Mayerhofer nicht mehr gewinnen, viel eher musste er sich mit zwei Games in den folgenden beiden Durchgängen abspeisen lassen. Bis 2:5 im zweiten Satz war die Partie noch offen und ausgeglichen, dann lief das Auftaktmatch in die neue Hallensaison am 23jährigen komplett vorbei. Stattdessen war Kramer wie so oft in dieser Saison plötzlich hellwach und topmotiviert, beim achten Oktober-GP-Antreten eine vierte Erstrundenniederlage zu vermeiden. Mit 6:7, 6:2, 6:0 nach knapp zweistündiger Spielzeit hatte der Ranglisten-Vierte seinen 37. Einzelsieg in dieser Saison unter Dach und Fach gebracht, und sich bei seinem 74. Turnierstart in ununterbrochener Reihenfolge für das Viertelfinale gegen Patrick Schwing qualifiziert. “Es war ein geiles Match, aber ein hart erkämpfter Sieg”, erklärte Kramer, während Mayerhofer nur seine fehlende Konstanz zu beklagen hatte. “Die Konstantheit hat mir gefehlt, aber ansonsten bin ich mit meiner Leistung sehr zufrieden”.

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“Ein Sieg für den Papa” – Marcus Rotter widmete seinen Auftakterfolg über Stephan Kallab seinem kürzlich verstorbenen Vater

Es sind ganz schwierige Tage, die Second-Series-Star Marcus Rotter derzeit durchlebt. Vor wenigen Tagen musste er vom Ableben seines Vaters erfahren, am heutigen Samstag muss er den schweren Gang des Begräbnisses in Bad Ischl antreten, und dennoch ließ es sich der 35jährige nicht nehmen, beim Indoor-Auftakt der Hobby-Tennis-Tour im Tennispoint Vienna mit von der Partie zu sein. Vielleicht ist es auch gut so, dass Rotter bei seinem geliebten Hobby ein bißchen Abstand zu den tragischen und traurigen Momenten findet. Bei der Tour ist der beliebte Ottakringer perfekt aufgehoben, hat er doch hier im Circuit heuer sowas wie eine zweite kleine Familie gefunden. Rotter hat sich seit dem Frühjahr zu einem fixen Bestandteil der Tour-Szene entwickelt. Kaum ein Spieltag geht ohne den 35jährigen in Szene, egal ob er nun als Aktiver am Centercourt steht, oder im Publikum als “Manager” agiert. Rotter ist in nur wenigen Monaten zu sowas wie “everbodys darling” unter den Mitspielern geworden. Einer der bei allen Akteuren beliebt, und der bei jedem Spass und jedem Event auch abseits der Courts dieser Tour dabei ist. Beim vor zwei Wochen stattfndenden Oktober-First-Series in der Leberstraße feierte der 35jährige mit seinem 30. Karriere-Turnierstart ein kleines Jubiläum, und am gestrigen Eröffnungstag der neuen Hallensaison den 16. Einzelsieg seiner Laufbahn. Einen ganz speziellen obendrein, widmete Rotter doch den 6:3, 7:5 Auftakterfolg über Jungstar Stephan Kallab seinem verstorbenen Papa. “Und auch der Oma und dem Onkel die ebenfalls heuer gestorben sind”, ergänzte Rotter. Die Hände über den Kopf geschlagen, den Blick nach oben zur Hallendecke und zum gedachten Himmel gerichtet, war Rotter nach dem Spiel um die entsprechende Symbolik bemüht. Als jemand der in den letzten Wochen und Monaten auf dramatische Weise erfahren musste, was wirklich wichtig ist im Leben, nahm er das Geschehen am Centercourt des TPV locker und ohne Erwartungshaltung. Vielleicht half ihm das gegen einen äußerst stark und ambitioniert spielenden Stephan Kallab, um letztlich zu einem Zweisatzsieg zu kommen. Denn selbst der Unterlegene sprach nach dem spannenden Erstrunden-Duell von einem tollen Match. “Ich habe so gut wie noch nie gespielt, aber mir hat leider heute die Kraft gefehlt”, meinte der junge Trumauer nach seinem Aus im Generationenduell der beiden Linkshänder.

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“Unglaublich aber wahr” – Basel Abdelmoneim verliert sein Hallen-Debüt gegen Andreas Stockerer trotz 5:1 Führung im dritten Satz

Mit einem unglaublichen Finish endete am Freitag Abend schließlich noch das vierte Erstrundenduell des ersten Spieltages zwischen Andreas Stockerer und Basel Abdelmoneim. 5:1 führte “Basel” im entscheidenden dritten Satz, um kurioser Weise am Ende noch als 5:7 Verlierer vom Platz zu müssen. Der 26jährige Ägypter erlebte so einen enttäuschenden Abschluss eines eigentlich ganz ansehnlichen Hallen-Debüts. Über weite Strecken hatte der gebürtige Beiruter nicht nur viel besseres Tennis als bei seinen bisherigen Sandplatz-Auftritten gezeigt, sondern sein Gegenüber auch ergebnistechnisch fest im Griff. Der symphatische Afrikaner hatte zunächst einmal ein Match umgedreht, dass ihm nach dem ersten Durchgang (3:6) schon frühzeitig zu entgleiten schien. Doch mit Kampfgeist und einer starken spielerischen Performance, kam “Basel” zurück in sein allererstes Hallenmatch auf der Hobby-Tennis-Tour. Er gewann Satz 2 mit 6:3 und führte wie schon erwähnt im Schlussdurchgang scheinbar uneinholbar mit 5:1. Was dann passierte, war im Nachhinein wohl beiden Akteuren nicht so ganz bewusst. Beide hatten die Partie schon abgehakt, wobei Abdelmoneim nachlässig und unkonzentriert wurde, und Stockerer mit viel “Wurstigkeit” das Finish bestritt. Und so wurde das Unmögliche noch möglich, gewann Stockerer mit sechs Games in Folge noch mit 7:5. Damit verhinderte der Wiener bei seinem dritten Oktober-GP-Start die dritte Erstrundenpleite. Vor 10 Jahren, im Oktober 1999 unterlag “Stocki” in Runde 1 gegen Harald Minarik in drei Sätzen, im Jahr 2000 war gegen Voglreiter zum Auftakt Schluss. “Das hat sich alles im Kopf abgespielt, dabei hatte ich das Match schon im zweiten Satz bei 2:5 Rückstand für verloren betrachtet”, jubelte Stockerer über seinen ersten Einzelsieg beim Oktober-GP-Turnier. “Das waren wahrscheinlich die Nerven”, urteile Basel Abdelmoneim in einer ersten Reaktion auf seine kuriose Auftaktniederlage. “Ich hatte gedacht, dieses Spiel sicher gewonnen zu haben. Es war eigentlich unmöglich hier noch zu verlieren. Jetzt bin ich ein bißchen enttäuscht. Aber so ist es eben. Der Stockerer hätte ja im dritten Satz bei 1:5 auch aufgeben können. Es hat trotzdem irrsinnig viel Spaß gemacht, auch weil mein Gegner extrem anständig und fair war. Der Platz hier ist schneller als auf Sand, vielleicht ein Grund warum mir das Spiel hier so gefallen hat” analysierte der 26jährige Ägypter.

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Claus Lippert, 23. Oktober 2009