Ersatzmann Renee Glatzl macht Aufstiegsrennen in Masters-Gruppe A spannend

Während in Gruppe B die Würfel in Sachen Semifinal-Aufstieg bereits gefallen sind, dürfen wir uns für den heutigen letzten Vorrunden-Spieltag auf ein richtig spannendes Aufstiegs-Rennen in Gruppe A freuen. Der durch die Verletzung von Franz Korger ins Turnier gehievte Ersatzmann Renee Glatzl und die äußerst komplexe Aufstiegs-Arithmetik machen es möglich, dass wir am zweiten Dezember-Nachmittag ein Aufstiegs-Szenario erleben, in dem sich alle vier Akteure der Vorrunden-Gruppe A noch Hoffnungen auf einen Platz im Semifinale machen dürfen. Selbst der bislang zwei Mal ohne Sieg und Satzgewinn gebliebene rumänische Masters-Debütant Rares Maftei darf bei entsprechendem Ausgang des Parallel-Matches noch mit einer Halbfinal-Quali spekulieren. Entspannt in die abschließende Aufstiegs-Entscheidung am Sonntag Abend kann eigentlich nur Franz Mayrhuber gehen. Der Ranglisten-Erste besiegte am Samstag Nachmittag Vorarlbergs Nr. 1 Markus Kurzemann mit 6:4, 6:2, und ist vorzeitig als Gruppensieger in die Vorschluss-Runde der 23. Masters-Ausgabe im UTC La Ville eingezogen. Beeindruckend fiel am Samstag Abend aber auch die Masters-Premiere von Renee Glatzl aus, der bei seinem 6:4, 6:1 Erfolg über Rares Maftei vorallem spielerisch überzeugen konnte, und damit für exzellenten Ersatz für den am Vortag verletzt aus dem Turnier scheidenden Franz Korger sorgte. Ein Bericht von C.L

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Die komplexe Aufstiegs-Arithmetik machts möglich – Franz Mayrhuber steht vorzeitig im Semifinale, aber dahinter haben noch alle Spieler – auch Rares Maftei – die Chance ins Masters-Halbfinale 2012 einzuziehen

Samstag knapp nach 20 Uhr im UTC La Ville: Vorne im Restaurant feiert man beim Punschfest gemeinsam mit DJ “El Figaro” den Advent-Auftakt, während hinten am Centercourt der Tennisanlage am Altmannsdorfer Ast ganz andere Themen für Aufregung sorgen. Die Protagonisten der Masters-Gruppe A diskutieren nach dem überraschend klaren 6:4, 6:2 Erfolg von Franz Mayrhuber gegen Markus Kurzemann, wer wie das Semifinale am Sonntag Nachmittag erreichen wird können. Mayrhuber machte sich mit dem Gefühl auf den Heimweg, dass es schon mit dem Teufel zu gehen müsste, wenn es nach zwei 2:0 Siegen nicht mit dem dritten Semifinaleinzug beim vierten Masters-Start seiner Karriere klappen würde. Renee Glatzl und Markus Kurzemann traten ihre Heimreise mit der großen Ungewissheit an, ob ein Sieg am Sonntag und damit eine 2:1 bzw. 2:0 Bilanz überhaupt für das Masters-Semifinale 2012 reichen würde. Und Rares Maftei dürfte sich Richtung heimwärts mit dem Gefühl aufgemacht haben, nach zwei Niederlagen erst einmal das berühmte Lehrgeld bezahlt zu haben, und in Sachen Semifinale nur mehr Zünglein an der Waage zu sein. “Pustekuchen”, denn die komplizierte Arithmetik – auch durch Ersatzmann Renee Glatzl entstanden – hat für alle Vorrunden-Starter der Gruppe A ein schönes kleines “Geschenk” im imaginären HTT-Adventkalender zum 2. Dezember parat. Fix ist nur, dass der Ranglisten-Erste Franz Mayrhuber bereits als Gruppensieger und Semifinalteilnehmer feststeht. Dahinter haben allerdings noch alle drei Akteure die Chance, am Dienstag Abend um einen Platz im Masters-Finale zu spielen.

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Wer sich wie in Gruppe A am Sonntag Nachmittag für das Semifinale qualifizieren kann

Renee Glatzl braucht am Sonntag Nachmittag im Duell mit dem Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber zunächst einmal einen Sieg, und danach die Schützenhilfe seines ehemaligen Clubkollegen Rares Maftei. Denn nur wenn der 18jährige mit Mayrhuber alleine am Ende der Gruppenphase zwei Siege auf dem Konto hätte, wäre ihm ein Platz im “Semi” sicher. Sollte auch Kurzemann gewinnen, dann würden Glatzl auch zwei Siege nichts helfen, weil dann Punkt 2 der Aufstiegs-Regeln in Kraft tritt, wonach die Anzahl der bestrittenen Matches entscheidend ist. Das wiederum bedeutet für Kurzemann, dass er mit einem Sieg die Vorrunden-Gruppe A in jedem Fall auf Platz 2 abschließen würde. Sollte nämlich Glatzl gegen Mayrhuber gewinnen, würde der 18jährige aus der Wertung genommen, und das direkte Duell entscheiden, das Kurzemann ja bekannter Weise am Samstag Abend gegen Mayrhuber verloren hatte. Sollte Kurzemann allerdings sein letztes Vorrunden-Spiel gegen Rares Maftei verlieren, und gleichzeitig der bereits fix für das Halbfinale qualifizierte Franz Mayrhuber dem ambitionierten Ersatzmann Renee Glatzl ein Bein stellen können, dann wäre plötzlich der schon ausgeschieden geglaubte Rares Maftei der lachende Dritte. Denn dann wären drei Spieler mit je einem Sieg in der Wertung, Ersatzmann Glatzl wieder aufgrund weniger absolvierter Matches zurückzusetzen, und das direkte Duell ausschlaggebend, das dann für Maftei sprechen würde. Also, es ist für jede Menge Spannung gesorgt, der Arithmetik und Renee Glatzl sei Dank.

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Franz Mayrhuber nach dem vierten Sieg im fünften Duell mit Markus Kurzemann sehr zufrieden

Jetzt noch kurz zum sportlichen Geschehen des dritten Masters-Spieltages im UTC La Ville. Es war kein Tag, der in der Masters-Geschichte herausragen würde, eher einer, den man rasch vergessen wird. Spannungsgeladene Momente waren Mangelware, großes Tennis Fehlanzeige, die Stars aus Gruppe A sorgten da sogar noch für Schadensbegrenzung nach zwei mehr als enttäuschenden Vorrunden-Partien der Gruppe B. Zwischen Franz Mayrhuber und Markus Kurzemann entwickelten sich wenigstens schöne lange Rallyes, man bekam Tennis zu sehen, und einen Ranglisten-Ersten, der hoch konzentriert zu Werke ging, und nach 1:23 Stunden hoch verdient den vierten Erfolg im fünften direkten Duell mit Kurzemann feierte. Mayrhuber hatte in den 44 Minuten des von vielen Aufschlagverlusten geprägten ersten Satzes das eine Break mehr gemacht, und mit 6:4 den Grundstein zum Sieg gelegt. Im ersten Game des zweiten Satzes kassierte Kurzemann gleich das nächste Break, eine Verwarnung von Schiedsrichter Marko Bogdanov wegen wiederholtem Werfen seines Rackets, und damit war der 32jährige Dornbirner mental schon angezählt. Spätestens mit dem zweiten Break zum 4:1 war der Kuchen gegessen, denn mit der Routine von 163 absolvierten Single-Matches auf der HTT, ließ sich Mayrhuber diesen Sieg nicht mehr nehmen. Ein Return-Fehler Kurzemanns besiegelt letztlich den 6:4, 6:2 Erfolg des Branchen-Besten, der seinen 45. Saison-Einzelsieg, und den 10. Masters-Matcherfolg seiner Karriere bejubeln durfte. “Ich habe ganz gut gespielt, und der Platz ist doch nicht so schnell wie erwartet. Er kommt mir ganz gut entgegen”, befand Mayrhuber, während der unterlegene Kurzemann eine bittere Niederlage zu analysieren hatte. “Ich habe die falsche Taktik gewählt. Ich hätte beim Return viel aggressiver agieren müssen. Leider ist mein Aufschlag derzeit noch immer jenseitig”, klagte der Vorarlberger.

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Renee Glatzl sorgt mit atemberaubender Performance gegen Rares Maftei für perfekten Korger-Ersatz

Einen wirklich beeindruckenden ersten Masters-Auftritt hat am Samstag Abend Jungstar Renee Glatzl auf den Centercourt des UTC La Ville gezaubert. Neben der Top-Performance von Patrick Wiesmühler, war das was der 18jährige Ex-Terra-Rossa-Star im abschließenden Single des dritten Spieltages ablieferte, das Beste was man im Verlauf dieses Turniers bisher zu sehen bekam. Der November-Masters-Series-1000-Champion brillierte fast eine Stunde lang mit atemberaubend schnellen Grundschlägen, und einer im zweiten Satz sensationell ausfallenden Aufschlag-Leistung. Glatzl knallte seinem Gegner 74 % erster Aufschläge ins Feld, machte danach zu unglaublichen 86 % den Punkt, und leistete sich auch keinen einzigen Doppelfehler. Konzentriert auch bei seinen Break-Chancen, spielte der 18jährige im zweiten Heat nach deutlicher 4:1 Führung das zu Ende, was er schon im ersten Satz hätte tun müssen. Da lag der Glatzl-Junior nach phantastischer Darbietung gegen einen chancenlosen Maftei sogar mit 4:0 voran, ehe er sich eine Künstlerpause leistete. Mafei nützte – aufopfernd kämpfend wie immer – die Glatzl’sche Schwächephase und glich mit vier gewonnenen Games in Serie zum 4:4 aus. Die Aufholjagd des rumänischen Masters-Debütanten blieb aber unbelohnt, weil der 30jährige aus Bukarest bei 4:5 sein Service nicht halten konnte. Mit dem Satzgewinn im Rücken wurde Glatzls Dominanz für Maftei schließlich richtig erdrückend, und nach 1:04 Stunden hatte der 18jährige sein Masters-Debüt mit Bravour gewonnen, während Maftei bereits die vierte Niederlage in Serie einzustecken hatte. “Der Renee hat heute wirklich hervorragend gespielt, er war klar besser als ich. Aber ich werde auch im letzten Match am Sonntag noch einmal alles geben”, stellte der Rumäne klar. “Das war nicht schlecht! Bei 4:0 im ersten Satz war ich im Kopf nicht ganz bei der Sache, und das hat der Rares perfekt ausgenützt”, zeigte sich der Sieger zufrieden.