Patrick Schwing beeindruckt die Konkurrenz

Es herrschte großes Staunen und ungläubiges Kopfschütteln während und nach den Auftritten von Patrick Schwing beim September-WTB-Turnier 2009. Der ehemalige Ranglisten-Erste schockte und beeindruckte die Konkurrenz gleichermaßen, und rief mit seiner Sensations-Performance Erinnerungen an seine besten Zeiten wach. Sollte der 19jährige nur annähernd ähnlich agieren wie in den beiden Tagen des vergangenen Wochenendes, dann besteht über den Sieger des 8. WTB-Saison-Turniers ohnehin nicht der leiseste Zweifel. Viel mehr als die bislang bemitleidenswerte WTB-Gegnerschaft sollten sich aber die Topstars der Szene ernste Gedanken machen. Denn der einstige Überflieger vom TC Top Serve scheint derzeit endgültig den Sprung zurück in höchste Tour-Spähren vorzubereiten. Ein Bericht von C.L

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“Stärker als Harbarth & Douglas” – Gerald Stangl traut Schwing noch einiges zu

Er saß am Rande des Centercourts bei einer vorzüglich schmeckenden Käsekrainer und verdaute mit dem lukulischen Genuss aus Ilses Kantine ein weitaus unverdaulicheres Menü, das ihm eine Stunde davor der 2fache Jänner-Grand-Slam-Sieger Patrick Schwing am Centercourt auftischte. Mit 6:2, 6:0 deklassierte der 19jährige seinen mehr als doppelt so alten Gegner, der nach einer regelrechten “Centercourt-Hinrichtung” noch älter wirkte. Stangl war an diesem Sonntag Mittag des 13. Septembers unter die Räder gekommen, wie noch nie in seiner Karriere auf der Hobby-Tennis-Tour. “Das war schon eine schlimme Niederlage. So hat mich noch nie wer geschlagen, und so ohne eine Chance war ich noch nie in einem Tennismatch, auf der Hobby-Tennis-Tour schon gar nicht. Vorallem im zweiten Satz hat der Patrick alles getroffen”, klagte die unterlegene Nummer 2 des Turniers. Und wenn aus dem Mund des eigentlich sonst recht kritischen Gerald Stangl Lobeshymnen in höchsten Tönen kommen, dann kann man erahnen, welche Gewaltleistung Patrick Schwing im Viertelfinalkracher des September-WTB-Turniers vollbracht hatte. “Der Patrick hat schon eine einmalige Vorhand. Die vom Mario Kiss ist auf keinen Fall so schnell. Am ehesten ist sein Spiel mit jenem vom Planteu zu vergleichen. Wenn der Schwing trainieren würde wie vor einiger Zeit der Douglas oder jetzt der Harbarth, dann wäre er weitaus stärker und von niemanden auf dieser Tour zu halten”, diagnostizierte Stangl. Nun, der 19jährige hat am gestrigen Sonntag in der Tat eine sensationelle Vorstellung abgeliefert, doch fehlt dem Sieger von 3 Grand-Slam-Turnieren “noch” die Konstanz. Erst wenn er zu seinem zugegeben unnachahmlichen Tennis auch die Konstanz findet, dann wird es für die oberste Liga der Hobby-Tennis-Tour-Stars bitter ernst. Schwing schlägt in der Tat härter als jeder andere Spieler im Circuit, und mitlerweile auch wieder mit dem Selbstvertrauen einiger Erfolgserlebnisse. Auch wenn sich diese Erfolge im Vergleich zu seiner Glanzzeit noch mickrig ausnehmen, sind sie für den lange verletzungsgeplagten Jungstar wie Balsam auf die geschundene Tennisseele. Die Leidensgeschichte des 19jährigen ist ausführlichst bekannt und scheint nun endlich der Vergangeheit anzugehören. Fortan sollen wieder Siege und Titel mit dem Namen Patrick Schwing in Zusammenhang gebracht werden.

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Patrick Schwing schlägt Straninger auf dem Weg in sein 29. Karriere-Finale

Und diese Erfolge hat der ehemalige Ranglisten-Erste am Wochenende wieder eingefahren. Nachdem sich der 19jährige in Runde 1 und im 170. Karriere-Single gegen Roman Arbeiter durchsetzte, im Achtelfinale den “US Open-Finalisten von 2008 Andreas Fegerl besiegte, und im Viertelfinal-Schlager Gerald Stangl deklassierte, qualifizierte sich Schwing mit einem 2:6, 6:2, 6:4 Erfolg über Christoph Straninger zum zweiten Mal in Folge für ein WTB-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour. Insgesamt steht der Wiener bereits zum 29. Mal in einem Tour-Endspiel und jetzt vor seinem 15. Karriere-Turniersieg. Daran zweifelt nach seinem Halbfinal-Sieg über Kramer-Bezwinger Christoph Straninger niemand mehr. Denn im Treffen gegen den Neumarkter, das am Centercourt zu einem echten “Bumm-Bumm-Duell” ausartete, unterstrich Schwing nun auch, dass er neben der spielerischen Topform auch das Kämpfen wieder “drauf” hat. Einen Satzrückstand gegen einen groß in Form agierenden Gegner wettzumachen zeigt, wie stark das Gesamtpaket Schwing wieder ist. “Ich treffe zur Zeit jeden Ball und es läuft einfach prächtig”, zeigte sich Schwing nach seinem Finaleinzug höchst erfreut. Straninger, der im Achtelfinale einen enttäsuchenden Markus Hobiger auf den Boden der Tatsachen zurückholte, hielt sich dafür im Doppelbewerb des September-Grand-Slam-Turniers an der Seite von Bernhard Nagl mit dem Einzug ins Halbfinale schadlos.

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Martin Mayerhofer im Achtelfinale gegen Martin Fegerl müde und ohne Ideen

Im Finale des 6. September-WTB-Turniers wird Lokalmatador Patrick Schwing entweder auf den Schärdinger Juli-GP-Halbfinalisten Philipp Mayer oder auf Niederösterreichs Martin Fegerl treffen. Mayer machte im letzten Viertelfinale des Turniers mit Rother-Bezwinger Harald Rieder kurzen Prozess und siegte mit 6:1, 6:0. Damit hat Rieder bei allen seinen vier Turnierstarts die erste Runde überstanden, in der nächsten Partie aber verloren. “Da liegt wohl ein Fluch auf meinen Zweitrundenmatches lachte”, Harald vor dem Duell mit Mayer. “Es hat nichts mit einem Fluch zu tun”, korrigierte er nach dem bitter ausgegangenen Viertelfinale. “Der Mayer war mein bisher stärkster Gegner auf der Hobby-Tennis-Tour. Hatte ich in allen anderen Matches ein Chance auf den Sieg, so war ich heute definitiv ohne Chance”, so der 28jährige. Mayers Gegner in der Vorschluss-Runde wird am Montag Abend Martin Fegerl sein. Der mit 2,04 Metern größte Spieler im Circuit hat erstmals auf der Hobby-Tennis-Tour das Semifinale erreicht. Nach seinem Sieg am Samstag Nachmittag über David Hühne, kämpfte der Mann aus Maria Elend am Sonntag überraschender Weise auch Martin Mayerhofer mit 6:3, 7:6 nieder. Dem zuletzt in der Südstadt gegen Franz Mayrhuber imposant agierenden Topstar vom TC Kapellerfeld lief rein gar nichts zusammen. Mental wirkte Mayerhofer müde und nicht bereit, sich richtig in die Begegnung mit Fegerl zu verbeissen. Auch spielerisch klappte beim sonst so spielfreudigen Mayerhofer nichts. “Ich bin müde von unserem Clubturnier am Samstag” entschuldigte sich der Wiener.

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“Gelungene Revanche” Marcus Rotter fügt Louie Austen dessen allererste Auftaktniederlage zu

Über einen großen Erfolg und viele Punkte freute sich am Sonntag auch Second-Series-Star Marcus Rotter. Der 35jährige vom Tennispoint Südstadt erreichte mit Siegen über Clemens Lederbauer und Louie Austen ohne Satzverlust das Viertelfinale, wo er sich gegen Mayerhofer-Bezwinger Martin Fegerl geschlagen geben musste. Davor aber gelang dem Ottakringer eine erfolgreiche Revanche für die beim Juni-Grand-Prix auf Rasen erlittene Erstrundenniederlage gegen Austen. “Auf Rasen habe ich den Marcus noch geschlagen, aber heute hat er wirklich sehr gut gespielt und verdient gewonnen”, lobte der älteste Spieler im Feld. Rotter zog von der Grundlinie sein Spiel auf, agierte sicher und entgegen der letzten Wochen auch mit genügend Selbstvertrauen, um dem prominenten Gegner eine ganz besondere Niederlage zu bescheren.. Denn Rotter fügte Austen bei dessen 9. Karriere-Turnier die allererste Auftaktniederlage überhaupt zu. “Das gibt viele Punkte für die Rangliste”, strahlte der 35jährige.

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Claus Lippert, 14. September 2009