Markus Seitner scheitert im Halbfinale an Franz Mayrhuber

Andreas Harbarths letzte Hürde auf dem Weg zum persönlichen Karriere-Grand-Slam heißt Franz Mayrhuber. Der 44jährige Olympiasieger gewann am Mittwoch Nachmittag das 2. Semifinale gegen Korger-Bezwinger Markus Seitner in 2:12 Stunden und nach hartem Kampf mit 4:6, 6:4, 6:1. Der unterlegene Salzburger ist hingegen auch beim 2. Versuch ein Grand-Slam-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour zu erreichen, knapp gescheitert. Ein Bericht von C.L

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Mayrhuber und Seitner liefern sich mit “Slice” einen Kampf auf Biegen und Brechen

Das vierte Game im entscheidenden dritten Satz des zweiten Halbfinales beim 18. September-Grand-Slam-Turnier zwischen der Nummer 4 der Setzliste Markus Seitner und Müller-Bezwinger Franz Mayrhuber war ganz typisch und stand perfekt für das gesamte Match. Gezählte 21 Mal brachten es die beiden Slice-Könige in diesem einen Aufschlagspiel von Seitner auf Einstand, ehe Mayrhuber mit einem Break zum 3:1 für die Vorentscheidung sorgte. Ja, es war eine Begegnung auf Biegen und Brechen, eine Schlacht zwischen zwei Spielern, die Sicherheit und Konstanz bevorzugen und körperlich zu den allerfitesten im Circuit zählen. Nur so war überhaupt ein Match wie dieses möglich. Abseits des in diesen Tagen häufig beobachteten Spielstils von unkontrollierter Power der jungen Wilden, lieferten sich “Madmax & Franz” einen taktisch geprägten Kampf um jeden einzelnen Ball. Ok, wer – vorallem auf Hartplatz – auf die schnellen Ballwechsel hoffte, der kam beim Duell der “besten Slicer” nicht auf seine Kosten. Doch irgendwie hatte auch dieses strategisch aufgebaute Vorschluss-Runden-Duell seinen ganz speziellen Reiz.

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Hart aber fair – Mayrhuber und Seitner in einer 132 Minuten dauernden Tennisschlacht

Schon im ersten Game wurde Mayrhuber klar, welch riesige Herausforderung und noch größere Aufgabe da auf ihn zukommen würde. “Unglaublich was der Markus ausgräbt, das wird eine ganz schwierige Aufgabe”, war sich der spätere Sieger schon beim ersten Seitenwechsel sicher. Und es kam dann auch wie erwartet. Seitner konnte mit einem phantastischen Start aufwarten, und dem Gegner durch das Erlaufen sämtlicher Bälle ein klein bißchen den “Nipf ziehen”. Mayrhuber fand zwar noch im ersten Durchgang ins Spiel zurück, nicht aber das Rezept um Seitner diesen auch abknöpfen zu können. Mit 6:4 hatte sich der 29jährige scheinbar die Basis zum Erreichen des ersten Grand-Slam-Finales seiner Karriere gelegt. Die Rechnung aber, die hatte er ohne Franz Mayrhuber gemacht. Das Match in diesem zweiten Satz war längst in einer höchst intensiven Tennis-Schlacht ausgeartet. Außerordentlich fair wie man angesichts der Verwendung des Wortes “Schlacht” betonen muss. Beide Akteure begegneten sich mit dem nötigen Respekt angesichts der Leistung ihres Gegenübers. Und die war unabhängig vom Ausgang grandios. Natürlich brannten Seitner und Mayrhuber spielerisch nicht das große Feuerwerk ab, doch wie sie sich quälten, wie sie um jeden Punkt fighteten und wie sie sich angesichts der beiderseitigen Laufstärke auszuspielen versuchten, faszinierte im Zuschauerraum auch die Nummer 2 der Tour Andreas Harbarth. Er war am Ende neben Franz Mayrhuber der große Sieger des Nachmittags. Kein Wunder, denn nachdem Mayrhuber den zweiten Satz mit 6:4 für sich entscheiden hatte, musste ein dritter Durchgang über den Aufstieg ins Endspiel entscheiden.

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21 Mal Einstand im vierten Game – dann war die Entscheidung gefallen

Längst war die Sonne hinter dem Wienerwald verschwunden, doch die beiden Halbfinal-Protagonisten matchten sich noch immer am Centercourt. Da wurde gelaufen, geslict was das Zeug hielt, mit dem Höhepunkt im bereits eingangs erwähnten vierten Game. 21 Mal ging dieses letztlich entscheidene Aufschlagspiel Seitners über Einstand, bis Mayrhuber mit dem Break die Weichen Richtung sein erstes Grand-Slam-Finale gestellt hatte. Fortan ging es schnell. Dem Kraftpaket Markus Seitner ging regelrecht die Energie aus, während der 15 Jahre ältere Gegner auf der anderen Seite des Netzes noch immer seine Meter an der Grundlinie wie ein Uhrwerk abspulte. Was für eine Kondition muss der 44jährige haben, um einen der ausgewiesen fitesten Spieler im Circuit nach über zwei Stunden und drei Sätzen niederlaufen zu können. Die restlichen drei Games waren nur mehr Formsache, sodaß sich der Olympiasieger nach 132 kampfbetonten Minuten über den Finaleinzug freuen durfte. “Es war unheimlich schwierig gegen den Markus hier zu spielen. Was er läuferisch drauf hat, ist unwahrscheinlich. Ich bin jetzt weniger von seinem Spiel angetan, aber von seinen kämpferischen Qualitäten schwer begeistert”, meinte der Sieger. “Ich habe heute alle Punkte die ich gemacht habe, im nächsten Moment wieder verschenkt. Für gewisse Bälle war ich nicht mehr so frisch. Im dritten Satz konnte ich nicht mehr volle Leistung bringen. Ich habe am Sonntag im Match gegen den Korger alles an Kraft liegengelassen”, klagte indes Markus Seitner.

Harbarth und Mayrhuber beschließen die ausgeglichenste Major-Saison seit 2002

Sofort nach dem kampfbetonten Halbfinale ersuchte Sieger Franz Mayrhuber beim Veranstalter um einen Tag mehr Pause und um Verschiebung des Finales von Donnerstag auf Freitag. Ein Endspiel das die Tourfamilie mit großer Spannung erwartet und das nach dem eher matten Vorjahresfinale wieder einmal für Furore sorgen könnte. Die Vorzeichen dafür stehen gut, weil mit dem an Nummer 2 gesetzten Andreas Harbarth und Olympiasieger Franz Mayrhuber zwei absolute Größen des Hobby-Tennis-Sports um den letzten Grand-Slam-Titel des Jahres kämpfen. Schon vor dem finalen Showdown am Centercourt des Tennispoint Südstadt steht fest: Die “US Open der Hobby-Tennis-Tour bekommen ein neues Siegergesicht, das insgesamt erst Zehnte in der 18 Jährigen Geschichte des Turniers. Die beiden Tourstars beschließen am Nachmittag aber nicht nur ein Event das wieder einmal ausgesprochen ausgeglichen ablief, sondern auch eine Grand-Slam-Saison die einmal mehr bestätigte, wie breit die Spitze auf der Tour geworden ist. Egal wer sich am Abend mit dem gläsernen Pokal dem Fotographen stellt, er wird eine Major-Saison mit vier verschiedenen Siegern beschließen. Grznar im Tennispoint Vienna auf Teppich, Geisler beim TC Top Serve auf Sand, Müller beim SC Austrian Airlines auf Rasen und der neue Harplatz-Champion in der Südstadt, erstmals seit dem Jahr 2002 gibt es keinen 2fachen Saison-Grand-Slam-Sieger. Übrigens: Geht es nach der Statistik, dann erleben wir heute in keinem Fall ein Match über die volle Distanz von 5 Sätzen. Weil es bei den heurigen drei bisherigen Major-Endspielen noch keine 5-Satz-Entscheidung gab, und beim September-Grand-Slam-Finale überhaupt noch nie mehr als vier Sätze zur Ermittlung des Siegers nötig waren.

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Andreas Harbarth kann mit Karriere-Titel Nr. 20 den persönlichen Grand-Slam schaffen

Bleibt die Frage nach dem Favoriten für das 72. Grand-Slam-Finale der Tour-Geschichte. Im Head to Head führt Andreas Harbarth mit 2:0, doch in einem Best of five-Endspiel sind solche Bilanzen rasch Schall und Rauch. Dennoch dürfte die Nummer 2 des Turniers Andreas Harbarth zumindest als leichter Favorit in die Entscheidung und das insgesamt 7. Grand-Slam-Finale seiner Karriere gehen. Für den 25jährigen Schwechater wird es ein ganz besonderes Spiel, eines in dem er einiges gutzumachen hat, in dem er auf der anderen Seite aber auch sehr viel gewinnen kann. Es gibt wirklich einiges gutzumachen. Mit nur einem Sieg, dem heutigen könnte Harbarth eine an und für sich komplett verkorkste Grand-Slam-Saison retten. Zweimal nicht über das Viertelfinale hinausgekommen, für den ehemaligen Ranglisten-Ersten eine mäßige Bilanz. Überhaupt lief es auf Major-Ebene schon lange nicht mehr richtig rund. Seinen letzten 200-Punkte-Titel eroberte Harbarth im Mai 2007 und während er von seinen bisherigen 6 Karriere-Major-Endspielen die ersten drei davon mit dem Sieger-Pokal in Händen beendete, musste er sich in den letzten drei Finali stets geschlagen geben. Es wird also heute Nachmittag wirklich ein Match zur Wiedergutmachtung. Andererseits könnte Harbarth an diesem 11. September 2009 mit einem vollen Triumph wieder einmal Geschichte schreiben. Als erst vierter Spieler der Tourgeschichte könnte der 25jährige nach dem Karriere-Grand-Slam greifen. Alle vier Major-Events irgendwann zumindest einmal gewinnen, das war zuletzt vor 14 Jahren der Fall, als Klaus Hofer ähnliches Kunststück gelang. Harbarth könnte sich mit seinem ersten Turniersieg seit März auch einen echten Jubiläumstitel sichern. Mit seinem 20. Karriere-Titel würde er in der Ewigen-Bestenliste Roman Ainberger (19 Titel) überholen und die alleinige Nummer 5 in dieser Hitliste sein. Und noch ein Detail am Rande dürfte für den Champions-Race-Vierten äußerst interessant sein. Wenn der auf Hartplatz seit 11 Spielen ungeschlagene Harbarth bei seinem 10. Grand-Slam-Turnierstart im 45. Major-Single seiner Laufbahn siegreich bleiben sollte, dann kommt er im Entry-Ranking bis auf 53 Punkte an den derzeit führenden Thomas Müller und seine Lieblingsposition heran. Wenn das keine zusätzliche Motivation ist!

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Komplettiert Franz Mayrhuber die Liste der Major-Premierensieger im Jahr 2009?

Angesichts der monströs wirkenden Zahlen und Fakten rund um Andreas Harbarth scheint für Olympiasieger Franz Mayrhuber eigentlich nur die Rolle des Außenseiters übrig zu bleiben. Als Major-Final-Debütant der ungesetzt in die “US Open der HTT” startete, kann Mayrhuber aber vielleicht um die Spur entspannter in das finale Duell mit Harbarth gehen. Und auch der 44jährige Routinier kann sich durchaus auf die Statistik berufen, um seine Ansprüche auf den letzten Grand-Slam-Titel des Jahres anzumelden. Schon im Vorjahr siegte mit Robert Libal ein ungesetzter Spieler, warum also nicht auch heuer. Dazu kommt, dass in dieser Saison bislang alle drei Grand-Slam-Events mit Premierensiegen endete. Weder Grznar, noch Geisler und Müller hatten vor ihrem großen Triumph heuer, davor ein Major-Turnier gewonnen. Mayrhuber würde also die Serie an Premieren-Champions fortführen und sich zum insgesamt 26. Grand-Slam-Sieger der Geschichte küren. So nebenbei wäre er mit 44 Jahren auch der älteste Major-Gewinner auf höchster Ebene im Tour-Zirkus.

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Claus Lippert, 11. September 2009