Ein verfluchter Halbfinaltag bei August-Doppel-Veranstaltung

Was für ein verrrückter Sommer! Auch die Hobby-Tennis-Tour bekommt die Auswirkungen des mega-feuchten 2009er-Sommers hinlänglich zu spüren. Seit dem Mai-Grand-Slam-Turnier ist nicht ein einziges Event des Circuits ohne eine Regenunterbrechung über die Bühne gegangen. Auch nicht die zur Zeit am Programm stehende “August-Doppelveranstaltung”, wo das Finish des gestrigen Halbfinalteages beim TC Terra Rossa in den Fluten eines Gewitters versank. Zwei Sieger zum Tag gab es trotzdem. Alexander Geisler bei den Super-4-Stars und Robert Heuberger bei den Second-Series-Assen, die als erste Spieler ihr Finalticket buchten. Ein Bericht von C.L

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Tennis – schönster Sport der Welt und manchmal doch der blanke Horror

Montag 10. August 2009, Tag der halbfinalen Entscheidungen, vorallem aber ein Tag, an dem einfach alles nur erdenkliche schief gegangen ist. Auch wenn Tennis für die meisten Tourspieler der absolut schönste Sport der Welt ist, so kann das Spiel mit dem kleinen gelben Fliz für Turnierveranstalter manchmal zum echten Horror ausarten. So auch am gestrigen Halbfinaltag, wo wie erwähnt ein Gewitter über Hernals und ein Marathon in Simmering das Programm durcheinander wirbelten. Wieder einmal bekam man vor Augen geführt, wie riesig unberechenbar sich ein Tennis-Nachmittag entwickeln kann. Tennis ist eben nicht so leicht plan- und organisierbar wie Fußball, wo ein Match nach 90 Minuten und ein paar Nachspiel-Augenblicken beendet ist. Diese leidvolle Erfahrung musste am Montag Nachmittag auch der 3fache Grand-Slam-Sieger Mario Kiss machen. Zwei Stunden saß er am Centercourt, bangen Blickes auf die Uhr, auf den grauen Wolken verhangenen Himmel und den 1er-Platz, wo sich “Wimbledonsieger Thomas Müller” und sein Herausforderer Mark Frei drei Stunden lang durch ein eher mäßiges Match quälten. Mehr als ein paar Tropfen fielen dann auch nicht aus dem Simmeringer Abendhimmel, doch Müller & Frei hatten weder mit Kiss noch dem Veranstalter ein Einsehen. Dabei hätte alles auch gut ausgehen können, nämlich wenn Frei im zweiten Satz bei 6:3, 5:3 weiter cool sein Ding durchgezogen hätte. Doch mit dem berühmten “Beistrich in der Hose” strapazierte er nicht nur die eigenen Nerven noch eine weitere Stunde lang.

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Mark Frei beendet Thomas Müllers 15 Siege andauernde Erfolgsserie auf der HTT

Bei den Zusehern herrschte längst die große Fadesse, und als die beiden Akteure knapp vor 20:00 Uhr zum Shakehands am Netz auftauchten, ging angesichts der endlosen Wartezeit und des gekappten Turnierplans beinahe der sensationelle Ausgang des letzten August-Super-4-Viertelfinales unter. Nach 15 Einzelsiegen in Folge ging am Montag Abend Thomas Müllers großartige Siegesserie auf der Hobby-Tennis-Tour zu Ende. Nach fast drei Stunden Spielzeit musste sich der Ranglisten-Erste gegen den Topstar vom TC Seeschlacht mit 3:6, 7:6, 6:7 und erstmals seit 31. Mai wieder geschlagen geben. Müller fehlte in seiner zweiten Partie nach dem “Wimbledon-Triumph” die zuletzt beinahe schon unheimlich anmutende Konstanz. Zudem wirkte der 38jährige bei all seinen famosen Erfolgen der jüngsten Vergangenheit weitaus frischer als hier. Auf der anderen Seite des Netzes stand am Montag Nachmittag aber auch ein äußerst unangenehmer Gegner. Frei spielte clever, taktisch klug und er war auch fit genug für seinen bereits dritten Marathon im Verlauf dieses Turniers. “Hätte mich auch gewundert, wenn ich nicht wieder über drei Sätze gegangen wäre”, war Freis einziger Kommentar, während sich der unterlegene Thomas Müller bei einem Fußballspiel mit Sohnemann Michi den Frust aus den Beinen lief. “Nein, die Niederlage ist kein Beinbruch. Der Mark hat sehr gut gespielt und ich war diesmal einfach nicht so gut drauf. Ein paar Punkte für die Rangliste sind es aber trotzdem geworden”, nahm Müller die erste Niederlage seit mehr als zwei Monaten gelassen auf.

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Alexander Geisler steht zum dritten Mal in Folge im Finale eines HTT-Turniers

Während sich Mario Kiss knapp vor 20:00 Uhr unverrichteter Dinge wieder auf den Heimweg machte, feierte der amtierende “French Open-Champion der Hobby-Tennis-Tour” Alexander Geisler seinen Einzug ins Finale. Im Gegensatz zu Marathon-Mann Mark Frei, der seine bisherigen Gegner allesamt erst nach drei umkämpften Sätzen niedergerungen hatte, avancierte der Tiroler Himmelsstürmer einmal mehr zur echten Sprint-Rakete. Vierter Erfolg beim August-Super-4-Turnier, vierter Kantersieg und bei erst 14 abgegbenen Games fragt sich die Konkurrenz natürlich ernsthaft, wer den 29jährigen Schwazer auf dem Weg zum seinem dritten Turniersieg in Serie stoppen wird können. Natürlich stehen mit Müller-Bezwinger Mark Frei und vorallem mit dem 3fachen Grand-Slam-Sieger Mario Kiss noch zwei echte Herausforderer parat, um das Tiroler Triple zu verhindern, andererseits beeindruckte Geisler dieser Tage die Konkurrenz einmal mehr mit einer Top-Performance auf Sand. Denn die Gegner denen “Alex” teilweise eine Lehrstunde erteilte, sind auf der Tour ja auch keine Unbekannten gewesen. Eigentlich konnte sich bislang nur der aktuelle “US Open Sieger der HTT” Robert Libal gegen den Tiroler Hero beachtlich aus der Affäre ziehen. Im Achtelfinale blieb Gerald Sangl hingegen nur das Ehrengame, im Viertelfinale ging der “noch” als Sandplatzkönig gehandelte Markus Seitner schwer k.o., und im ersten Halbfinale gestern Abend musste auch Thomas Gottesheim die Überlegenheit des Champions-Race-Neunten anerkennen. Gottesheim wäre freilich von Geislers bisherigen August-Super-4-Kontrahenten der einzige gewesen, der es mit ihm spielerisch hätte aufnehmen können. Gigantische Vorhandschüsse ließen erahnen, was der 29jährige einst einmal für großes Tennis seinen Gegner aufgezwungen hatte. Ein Lendenwirbelbruch machte aber alles zunichte. Eine lange Zeit der Verletzungspause strich ins Land, “Gottes” verlor die Motivation und mittlerweile auch die körperlichen Voraussetzungen um gegen Topleute wie Geisler reüssieren zu können. “Schade, aber früher hätte der Gottesheim solche Matches sicher gewonnen”, erklärte Mario Kiss.

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Ein heftiger Gewitter unterbricht die halbfinale Night-Session beim TC Terra Rossa

Nun während in der Leberstraße die hereinbrechende Dunkelheit den Halbfinaltag beim August-Super-4-Turnier beendete, ging es zeitgleich beim TC Terra-Rossa in Wien-Hernals erst so richtig los. Mit einer Night-Session sollte der semifinale Abend beim 3. August-Second-Series-Turnier stilvoll beendet werden. Doch dann kam es, wie es kommen musste, und wie man es schon knapp nach 16:30 Uhr befürchtet hatte. Ein hefitges Gewitter zog über den Nordwesten der Stadt und setzte binnen Minuten die Courts des Hernalser Tennisclubs unter Wasser. Den Second-Series-Stars gelang gerade noch die Flucht ins Clubhaus, ehe sich das Unwetter so richtig auszutoben begann. Das kühle Naß von oben, es kam freilich um ein paar Minuten zu früh. Im Doppelfinale standen die beiden Paare Robert Libal-Eva Kapcsos sowie Manuela und Robert Heuberger ganz knapp vor der spannenden Entscheidung. Das östereichisch-ungarische Duo führte gegen die Mutter-Sohn-Paarung mit 6:3, 3:5, ehe knapp vor dem möglichen Champions-Tie-Break der Regen einsetzte. Fuchsteufelswild echauffierte sich auch Thomas Peyerl, der im zweiten Semifinale des Einzelbewerbs eine beinahe makellose Leistung im ersten Satz ablieferte, nach dem 6:1 durch das schlechte Wetter aber außer Tritt geriet. Jetzt nach dem Regenabbruch liegt der Titelverteidiger mit 0:2 zurück, und was das gegen einen wie Fritz Pliemitscher bedeutet, das wurde dem Vorjahressieger auf dem Weg in die Dusche so richtig bewusst.

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Entfesselt aufspielender Robert Heuberger gewinnt erstmals gegen Marcel Pliemitscher

Indes gibt es auch beim August-Second-Series-Turnier bereits den ersten Finalisten. Und der heißt überraschender Weise Robert Heuberger, der sch im vereinsinternen Duell der Top-Serve-Jungstars gegen Marcel Pliemitscher mit 6:4, 6:4 durchsetzte. “Auf der Fahrt hierher habe ich zu meinem Papa gesagt, dass ich noch nie gegen den Marcel gewonnen habe. Aber heute ist es soweit”, erzählte der Heuberger-Junior dem Veranstalter unmittelbar vor dem halbfinalen Duell seine großen Pläne. Und in der Tat ging der 14jährige nach einem Treffen mit seinem Teamkollegen noch nie als Sieger vom Platz. Viermal traf man sich bisher auf der Future-Tour, und eben so oft blieb Pliemitscher erfolgreich. Doch das erste Duell auf der großen Tour, sollte den Premierensieg für Heuberger bringen. Für Marcel ging der Tag schon schlecht los, als er auf der Anreise von Simmering nach Hernals im Stau stecken blieb. Und dann auf dem Centercourt schien dem 16jährigen der sensationelle Kraftakt des Vortages in den Knochen zu stecken. Nach acht Stunden Tennis mit neun gewonnenen Sätzen hatte sich der Pliemitscher-Junior ins Semifinale gekämpft. Und auch wenn Marcel beteuerte – “ich war körperlich nicht müde” – so fehlte ihm im Halbfinale mit Sicherheit die geistige Frische, um einem entfesselt aufspielenden Robert Heuberger Paroli bieten zu können. Pliemitschers Anstrengungen von der Grundlinie aus und über die Rückhand Heubergers agierend zum Erfolg zu kommen, blieben ohne den gewünschten Erfolg. Doch viele Beobachter des Junior-Hits am Centercourt stellten sich ohnehin in Frage, ob Marcel an diesem Nachmittag selbst in Topform gegen Heuberger eine Chance gehabt hätte. In einem Match, in dem “Roberto” einfach alles traf, wie von einem anderen Stern agierte, und sich so selbst für seinen möglichen ersten Karriere-Titel ins Gespräch brachte.

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Claus Lippert, 11. August 2009