Mai-Grand-Prix im Schatten des anstehenden Höhepunkts

Ein Turnier mit Image-Problemen im Schatten des alles überstrahlenden und am kommenden Wochenende in Szene gehenden zweiten Major-Events des Jahres, das ist das bittere Los des zur Zeit stattfindenden Mai-Grand-Prix-Turniers der Hobby-Tennis-Tour. Der 45-Punkte-Veranstaltung fehlt die große Anerkennung innerhalb des Circuits, und das obwohl sie immerhin den Status “Grand-Slam-Generalprobe” inne hat und mit 45 Teilnehmern umfangreichst besetzt war. Doch alles was die Asse bei dieser 3. Mai-GP-Auflage auch vollbrachten, ob sie groß in Form siegten oder sich frühzeitig mit einer Niederlage verabschiedeten, es wurde immer in Zusammenhang mit dem anstehenden Sandplatz-Saisonhöhepunkt gebracht. Und so brachte es stellvertretend für die ganze Branche Olympiasieger Christoph Mayer am Sonntag Abend nach seinem souveränen Halbfinaleinzug treffend auf den Punkt. “Das ist alles nur ein letzter Test für das kommende Wochenende”. Ein Bericht von C.L

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“Ein schwaches Turnier” mit Kova, Mayer, Schaaf, Stangl, Kostolani usw.

“Die Form für das Mai-Grand-Slam-Turnier stimmt” äußerten sich viele Spieler nach erfolgreich geschlagenen Mai-Grand-Prix-Matches, und “hoffentlich bin ich nächste Woche beim Grand-Slam besser drauf”, hörte man von den Verlierern. Kaum ein Statement ohne diese Floskeln war in den vergangenen Tagen auf der Anlage des TC Top Serve zu vernehmen, was einmal mehr ganz deutlich charakterisiert, welch gewaltige Bedeutung die 18. “French Open der Hobby-Tennis-Tour” schon im Vorfeld auf die Hobby-Tennis-Szene ausübt. Das aktuelle Geschehen rückte beinahe in den Hintergrund, kein Wunder herrschte doch zudem die allgemeine Meinung in Spielerkreisen, das Mai-Grand-Prix-Turnier 2009 wäre eher schwach besetzt. Und selbst diese Einschätzung hängt wohl wieder irgendwie mit dem anstehenden Super-Event am kommenden Wochenende zusammen. Denn wie sonst könnte man auf die Idee kommen, ein Turnier mit 5 aktuellen Saisonsiegern und insgesamt 16 Spielern die schon einen Titel auf der Tour gewonnen haben, als schwach zu bezeichnen. Die Extreme, mit der so mancher selbsternannte Tour-Experte Momente und Szenen der Hobby-Tennis-Tour empor jazzt und auf der anderen Seite wieder ein Feld von verdienten und arriverten Tourspielern als schwächlich abstempelt, sorgte für so manches Kopfschütteln im Circuit. Nun, von einer schwach besetzten Mai-Grand-Slam-Generalbprobe kann definitiv nicht gesprochen werden. Bei einem Tableau mit Spielern wie dem 4fachen “French-Open-Sieger der Hobby-Tennis-Tour” Martin Kova, der das Feld beim Mai-GP als Nummer 1 anführte, über den WTB-Dominator der Saison Stefan Schaaf, Olympiasieger Christoph Mayer, die Top-Ten-Stars Gerald Stangl und Christoph Kramer, die Mayerhofer-Brüder und und und….. .

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Olympiasieger Christoph Mayer steht zum dritten Mal in dieser Saison im Halbfinale

Bedurfte es noch eines letzten Beweises, dann spiegelte ein Blick auf die Halbfinal-Paarungen endgültig die Stärke des Mai-Grand-Prix-Turniers 09 wieder. Mayer gegen Mayerhofer, Schaaf gegen Stangl, jede Menge Qualität die sich da in der Entscheidung von Saison-Turnier Nummer 22 um den Titel streitet. Und gut möglich, dass der ein oder andere dieser Herren auch in einer Woche wieder unter den Letzten 4 mit von der Partie ist, dann freilich im Kampf um die Sandplatz-Krone der Hobby-Tennis-Tour. Am ehesten trauen Fachleute und Kenner der Szene dieses Husarenstück dem amtierenden Olympiasieger Christoph Mayer zu. Der 24jährige Kärntner, der sich auf Sand so pudelwohl fühlt und mit seiner bisherigen Saison-Performance auf dem roten rutschigen Untergrund mehr als überzeugte, schaffte am souveränsten den Einzug ins Semifinale. Zum dritten Mal übrigens in diesem Jahr, und zum dritten Mal auch ohne Satzverlust. Sellmeister, Gaunersdorfer, Glatzl waren zwar womöglich nicht das unbedingt hochkarätigste Trio um einen wie Mayer – vorallem auf Sand – ernsthaft zu fordern, doch auf Namen kommt es derzeit gar nicht an, wenn der Treffener Sandplatz-Hero auf dem Court steht. Seine weitaus namhafteren Vorrundengegner bei den beiden bisherigen Semifinal-Einzügen des Kärntners hatten nämlich auch keine Chance und bleiben ebenso ohne Satzgewinn. Beim April-Grand-Prix hieß das besiegte Trio Libal-Hacker-Seitner und beim Mai-Super-4-Turnier gingen Kerschenbauer-Kova und Franz Mayrhuber leer aus. Mayer räumt zur Zeit auf Sand beinahe alles zur Seite was Rang und Namen hat. Und selbst für die größten Ignoranten seiner Person – von denen es immer noch genug gibt – sollte jetzt klar sein. Mayer gehört zum Kreis der Favoriten für das Mai-Grand-Slam-Turnier, und zwar nicht in den erweiterten, sondern in den engsten, den absoluten Favoritenkreis.

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Stefan Schaaf mit kleinem Schritt aus der Krise und Peyerl mit “Beinahe-Sensation”

Dorthin würde wohl auch WTB-König Stefan Schaaf gehören, doch Gerüchten zufolge wird der 31jährige beim größten und wichtigsten Sandplatz-Turnier des Jahres fehlen. Und das obwohl der 3fache Saisonsieger noch in der Hallensaison vom “French Open-Titel der Hobby-Tennis-Tour” als sein großes Ziel sprach. Doch seit seinem atemberaubenden Erfolgs-Run durch die Indoor-Bewerbe während der ersten drei Monate des Jahres hat sich viel geändert. Der Edelschupfer, von Freunden und Kennern seiner Person als auf Asche noch viel stärker und unangenehmer eingestuft als in der Halle, läuft bislang vergeblich der winterlichen Top-Performance hinterher. Die heißeste Sandplatz-Aktie der Tour für 2009 ist in den Keller und ein unerwartetes Tief gerutscht. Einen kleinen Aufwärtstrend freilich gab es am letzten Wochenende, wo Schaaf sich in altbekannter Manier für sein fünftes Saison-Semifinale qualifizierte. Wie der Champions-Race-Vierte am gestrigen dritten Spieltag im Achtelfinale den 4fachen “French Open-Sieger der Hobby-Tennis-Tour” Martin Kova am Centercourt ausschaltete, erinnerte stark an seine Hallen-Darbietungen zu Beginn des Jahres. Immer die bessere Antwort als sein Gegner, immer einen Schritt schneller und einen Ball mehr übers Netz gespielt, so entnervte der 31jährige mit Kova einen Mann, der mit einer ähnlichen Spielweise seinerseits die Gegner zur Verzweiflung bringt. Als Entschuldigung für ein 2:6, 0:6 Debakel durfte Kova aber eine verhärtete Wade ins Treffen führen, an der der 26jährige nach seinem Meisterschaftseinsatz am vergangenen Donnerstag laboriert. Damit war für den 29fachen Turniersieger eigentlich schon vor seinem ersten Aufschlag klar, dass selbst bei dem laut Experten so schwach besetzten Mai-GP-Turnier Karriere-Titel Nr. 30 unmöglich sein wird. Kovas gesundheitliche Probleme hätte nämlich beinahe auch schon Second-Series-Star Thomas Peyerl am Samstag in Runde 1 ausgenützt. Der 25jährige spielte gegen den ehemaligen Ranglisten-Ersten das “Match seines Lebens”, ohne am Ende dafür aber belohnt zu werden. Peyerl hatte im ungleichen Duell am Centercourt dem prominenten Gegner nicht nur Satz 1 abgenommen, sondern die Nummer 1 des Turniers phasenweise auch regelrecht vorgeführt. Peyerl jagte alle Bälle mit großem Risiko übers Netz und wurde an einem Tag – an dem alles aufgeht – mit Szenenapplaus und standing ovations bedacht. Schnell hatte Peyerls 5:0 Führung und der Gewinn des ersten Satzes mit 6:3 die Runde auf der Tennisanlage gemacht. Von überall her waren sie dann geeilt, Peyerls Freunde und Kollegen, um stimmkräftig mitzuhelfen, die ganz große Sensation in die Tat umzusetzen. Der in der Anonymität herausgespielte erste Satz war aber Geschichte, als “Tom” in der Folge vor vollem Haus den Sack zumachen musste. Zwar punktete der Jänner-Second-Series-Sieger noch immer spektakulärst, doch die Routine und Klasse seines Gegners setzte sich am Ende doch durch.

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Roman Riegler führte gegen Gerald Stangl mit 7:5, 4:2 ehe der Favorit noch siegte

Über das steigende Niveau auf Second-Series-Ebene wurde ja schon am letzten Wochenende diskutiert. Und in der Tat haben die “Stars der zweiten Reihe” in den vergangenen Monaten eine weitere Annäherung an die Elite vollzogen. Denn nur einen Tag nach der Beinahe-Sensation durch Thomas Peyerl, machte schon der nächste Second-Series-Held von sich reden. Roman Riegler, im ersten Saisonviertel eher als Heulsuse und Dauernörgler aufgefallen, lieferte am Sonntag Nachmittag das womöglich beste Match seiner Tour-Karriere ab. Dem etablierten und hoch eingeschätzten Top-Ten-Mann Gerald Stangl lieferte der 26jährige Oberösterreicher einen heroischen Kampf, einen der er beinahe gewonnen hätte. 7:5, 4:2 lag der gebürtige Linzer in Front, eine Führung die nicht nur “Riegler-like” erkämpft, sondern auch erspielt war. Selten sah man den Second-Series-Star dermaßen spielstark wie an diesem gestrigen Frühsommer-Nachmitag beim TC Top Serve. “Schade, ich hätte dieses Match gewinnen können, aber am Ende bleibt die Freude über ein Super-Match”, konstatierte der Verlierer. “Ich bin körperlich zur Zeit am Sand. Außerdem habe ich dieses Match völlig unterschätzt und mich blöd gespielt”, erklärte hingegen Gerald Stangl seinen mühevollen Weg ins Semifinale.

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Roland Mayerhofer steht nach Dreisatz-Sieg über Daniel Schmid im Semifinale

Der vierte Mann im Mai-Grand-Prix-Halbfinale heißt Roland Mayerhofer. Wunderdinge hört man gerüchteweise immer wieder vom 29jährigen, und zwar dann wenn er in Diensten seines Vereins TC Gross-Enzersdorf in der Meisterschaft auf Punktejagd geht. Auf Tour-Ebene wurde er zuletzt meistens unter Wert geschlagen, und so stapelte Mayerhofer auch vor dem Mai-GP-Turnier eher tief. “Ich bin schon froh, wenn ich wieder einmal eine dritte Runde erreiche”, so der Juli-WTT-Champion von 2008. Nun, jetzt ist es zwischenzeitlich sogar die vierte Runde geworden, und das alles mit der Aussicht auf einen Platz im Finale. Denn mit Ausnahme des ersten Satzes im Viertelfinal-Schlager gegen Serve-Volley-König Daniel Schmid, wirkte alles was die Nummer 8 des Mai-GP-Turniers bislang tat, souverän und stark genug, um auch dem Olympiasieger in der Vorschluss-Runde gefährlich werden zu können. “Wenn das Spiel normal läuft, und der Roli im ersten Satz nicht so viele Fehler macht, dann gehe ich glatt in zwei Sätzen als Verlierer vom Platz”, bekundete auch Mayerhofers Viertelfinal-Gegner aus Vorarlberg.

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Tour-Newcomer fallen wieder einmal höchst positiv auf

Äußerst positiv aufgefallen sind an diesem vorletzten Mai-Wochenende auch wieder die vielen Newcomer der Hobby-Tennis-Tour. Peter Weber feierte mit einem 6:2, 6:3 Erfolg in der Qualifikation über Clemens Lederbauer seinen ersten Einzelsieg auf der Tour, genauso wie Grazy Wajsbard, die sich im Quali-Duell zweier Damen gegen die oberösterreichische Newcomerin Christina Maier in zwei Sätzen zum ersten Sieg ihrer Tour-Laufbahn spielte. “Ich bin froh, endlich einmal gewonnen zu haben”, erklärte die 28jährige nach ihrem dritten Turnierstart. Damit hatte die gebürtige Polin den entscheidenden Vorteil im Aufeinandertreffen mit ihrer oberösterreichischen Erstrunden-Konkurrentin. Denn für Christina Maier hieß es beim Debüt beinahe erwartungsgemäß Lehrgeld zahlen. Der 22jährigen aus Andorf war nach ihrem Premieren-Match zwar durchaus ein beachtliches Tenniskönnen zu bescheinigen, so locker und leicht wie womöglich beim “Freispielen” ging es der Newcomerin aber nicht von der Hand. “Das war nicht sehr gut, aber ich werde mich ja hoffentlich steigern”, trauerte Maier einem durchaus möglichen besseren Resultat hinterher. Ein beachtliches Tour-Debüt legte am Samstag Abend auch Harald Rieder hin. Der 27jährige schoss in der Quali mit Dominik Hochleitner den aktuellen Future-Tour-Sieger des letzten Wochenendes mit einer Doppel-Null vom Platz, ehe ihm in Runde 2 muskuläre Probleme einen Strich durch seine Achtelfinal-Rechnung machten. So musste Rieder beim Stand von 1:2 im ersten Satz gegen Martin Mayerhofer von Krämpfen geplagt aufgeben.

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Gaunersdorfer & Schinnerl sorgen für die große Doppel-Sensation

Kein beachtliches, sondern für ein traumhaftes Tour-Debüt sorgte schließlich am Sonntag Nachmittag noch ein gewisser Bernd Schinnerl. Der Neuling aus Alt-Lichtenwarth erreichte mit einem 7:6, 6:3 Erfolg über Lucas Rydl das Achtelfinale, doch nicht sein Single-Start war die ganz große Nummer des dritten Mai-GP-Spieltages, sondern sein Auftritt im Doppel-Bewerb an der Seite seines Clubkollegen Michael Gaunersdorfer. Das NÖ-Duo spielte sich ohne Satzverlust ins Finale, und machte vorallem in den ersten beiden Runden aus den durchaus arrivierten Gegner-Paaren echte Statisten. Beim 6:0, 6:2 über das Duo Kramer-Riemer und beim 6:1, 6:0 gegen – die heuer um einen Mastersstartplatz fightenden – Szele-Riegler, gab das Sensations-Doppel aus Alt-Lichtenwarth gerade einmal drei Games, dafür aber einen homogenen und äußerst eingespielten Eindruck ab. Das vorläufige Meisterstück lieferten Gaunersdorfer-Schinnerl dann im Semifinale ab, wo man die weitaus höher eingeschätzte Jugend-Paarung Berzengi-Glatzl mit 6:4, 7:5 niederkämpfte. “Der Auftakt war nicht schlecht. Im Doppel das Finale zu erreichen ist ein Wahnsinn. Überrascht bin ich auch vom Einzel, weil da habe ich mir vor dem Turnier nichts erwartet. Die Atmosphäre hier hat mir sehr gut gefallen. Ich fand es toll, neue Leute kennenzulernen und auch gegen sie zu spielen. Wir sehen uns sicher wieder”, erklärte Schinnerl nach seinem gelungenen Debüt.

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Peter Sachs waren drei Matches beim Comeback doch zuviel

Licht und Schatten hatte das Mai-GP-Turnier dann noch für eine Vielzahl von Teilnehmern zu bieten. Eine starke Leistung, dann wieder eine matte Vorstellung, mit fehlender Konstanz aus den verschiedensten Gründen hatten bei der Grand-Slam-Generalprobe viele Tourstars zu kämpfen. Zum Beispiel auch Peter Sachs, der bei seinem Comeback mit wechselndem Erfolg agierte. Sein erstes Tour-Antreten seit März endete in der zweiten Hauptrunde noch mit einem ungefährdeten 6:0, 6:1 Kantersieg über Peter Weber, ehe es im Achtelfinale ein böses “konditionelles” Erwachen gab. Nach verlorenem ersten Satz hing Sachs seinem Gegner eine Null an, ehe in der Entscheidung “Bringer” Roman Riegler wieder zuschlug. So endete ein äußerst kurioses Match aus Sicht von Sachs mit 2:6, 6:0, 2:6 und der Erkenntnis, dass drei Spiele an einem Tag der Nummer 1 von Alt-Lichtenwarth doch zu viel. “Das Einzel war ein gutes Training, mehr nicht. 3 Spiele waren mir einfach zuviel. Schade ist es um das Doppel, aber da ist mein Partner der Stefan Schaaf umgegangen wie ein 90jähriger. Trotzdem hat es Spaß gemacht, wieder einmal auf der Tour dabei zu sein”, resümierte Sachs. Eine zwiespältige Bilanz nach dem Mai-Grand-Prix-Turnier wird wohl auch Christoph Eigenseder ziehen. Nach seinem mühevollen Quali-Sieg im Geschlechter-Duell mit Tatjana Aubram war der Mann vom TC Alt Erlaa noch unzufrieden vom Platz gestapft, während ihm das vormittägige Sonntags-Aus in Runde 2 gegen Terra-Rossa-Jungstar Rene Glatzl “Berge gab”. “Es war sehr geil gegen den Renee zu spielen, für mich das schönste Match des ganzen Jahres, vorallem aber ein Spiel, das mir womöglich wieder den nötigen Kick gegeben hat, um weiter zu spielen”, strahlte der 32jährige.

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Philipp Hacker – ein Mann mit Zukunft, aber was war mit Gerald Kostolani los?

Bleibt die Frage, was an diesem Wochenende mit Gerald Kostolani los war. Am Freitag noch “verprügelte” der 24jährige Wiener mit Andreas Mayer einen namhaften und starken Konkurrenten, um sich am Tag darauf im Achtelfinale als einer der Mifavoriten auch schon wieder zu verabschieden. 6:2, 2:6, 1:4, w.o., Kostolani lief an einem eigentlich herrlichen Frühsommer-Tag unentspannt in eine unnötige Niederlage. Nur drei Fehler hatte der 2fache Saisonsieger am Freitag Abend am Centercourt begangen, womit er sein Pulver aber praktisch verschossen hatte. Im ersten Achtelfinale des Turniers wartete dann mit Philipp Hacker aber ein Gegner, der sich als bislang unbeschriebenes Blatt schon bald einen ganz exzellenten Namen auf der Tour machen könnte. “Gegen Alexander Sterzl ist meine Leistung gar nicht entsprechend gewürdigt worden”, trat der 25jährige selbstbewusst an den Veranstalter heran. Und genauso selbstbewusst präsentierte sich Hacker auch in seinen drei Mai-GP-Auftritten auf den Courts des TC Top Serve. Gegen Kostolani behielt er im dritten vieldiskutierten Satz die Nerven. Da waren sich die beiden Protagonisten uneinig, ob man denn nun zu Beginn des dritten Durchgangs die Bälle wechseln sollte oder nicht. Nachdem sich Hacker scheinbar durchgesetzt hatte, ging Kostolani bei 1:4 vom Platz. Im Viertelfinale gegen Stefan Schaaf zeigte der im Turnier verbliebene Hacker dann aber, was in ihm steckt. Der 25jährige kann den kleinen gelben Filz nicht nur höchst effektiv beschleunigen, sondern auch mit viel Geduld und Gefühl im Spiel halten. So rang er dem Edelschupfer ein knappes und respektables 4:6, 4:6 ab, ein Ergebnis das ihn durchaus zufrieden analysieren ließ. “Es war eine geile Partie mit dem Stefan. Das Match hat mir voll getaugt. Es ist einfach unfaßbar, was der alles zurückbringt. Aber ich habe heute mein bestes Spiel im Verlauf dieses Turniers gemacht, und am Ende hat gar nicht viel zum Sieg gefehlt. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden”, erklärte Hacker.

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Claus Lippert, 25. Mai 2009