Cabildo vs. Peyerl – Das Traumfinale beim Babolat-Challenger-Tour-Final ist perfekt

Die 3. Auflage des Babolat-Challenger-Tour-Finals im UTC La Ville kann mit dem allseits prognostizierten Traumfinale aufwarten. Asiens Nummer 1 Bernard Cabildo von den Philippinen und Terra-Rossa-Star Thomas Peyerl aus Österreich duellieren sich am heutigen Abend im wohl bislang wichtigsten Match ihrer Karriere um den prestigeträchtigsten Titel, den man im Hobby-Tennis auf Challenger-Ebene erobern kann. Die beiden schon im Vorfeld als große Titelanwärter gehandelten Challenger-Asse, demonstrierten auch im montägigen Semifinale ihre Extraklasse, und düpierten die chancenlose Konkurrenz scheinbar nach Belieben. Cabildo deklassierte einen – allerdings durch eine Verletzung gehandicapten – Peter Baumann in nur 46 Minuten mit 6:1, 6:1, und auch Thomas Peyerl benötigte bei seinem letztlich mehr als souveränen 6:1, 6:3 Erfolg über Sascha Kobsik nur unwesentlich länger. Nach 69 Minuten hatte der 28jährige vom TC Terra Rossa die Finaltüre zum Challenger-Tour-Final aufgestoßen, wo es nun wie erwähnt zum großen Traumfinale kommen wird. Ein Bericht von C.L

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Peter Baumann hadert in der Anfangsphase mit zwei aus seiner Sicht recht strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen

Das Traumfinale beim 3. Babolat-Challenger-Tour-Final (Dienstag ab 21 Uhr LIVE auf hobbytennistour.at) ist also perfekt. Bernard Cabildo gegen Thomas Peyerl ist aber nicht nur das “finale Treffen” der beiden stärksten Akteure im Challenger-Feld, sondern auch das Duell jener beiden Herren die ihre Tickets beim Oktober- und November-Challenger-Turnier, und damit quasi am letzten Drücker gelöst hatten. Und seit Montag Abend ist es auch ein spannungsgeladenes Duell zweier Siegesserien. Denn sowohl Bernard Cabildo als auch Thomas Peyerl sind seit jeweils 8 Spielen auf Challenger-Ebene ungeschlagen. Davor “spazierten” die beiden Ausnahmespieler des 3. Babolat-Challenger-Tour-Finals noch durch ihre Vorschluss-Runden-Matches, und sie taten das in einem Stil, der wahrlich Beachtung verdiente. Besonders imposamt fiel diesmal der Auftritt von “Pinoy” Bernard Cabildo aus. Der 37jährge aus Südostasien scheint in der Form seines Lebens, und nach seinem Triumph beim November-Challenger-Turnier auch mit Selbstvertrauen ohne Ende ausgestattet. Der Philippiner zerlegte einen “brav kämpfenden”, ab und an schön punktenden, letztlich aber chancenlosen Peter Baumann in gerade einmal 46 Minuten mit 6:1, 6:1, und demonstrierte dabei eindrucksvoll, welch harte Nuss er auch für Finalgegner Thomas Peyerl werden könnte. Gleich im ersten Aufschlagsspiel seiner insgesamt sieben Service-Games in diesem Semifinale zeigte Asiens Topmann, dass er an diesem Abend zu keinerlei Konzessionen in Sachen Break bereit war. Das locker erzielte 1:0 bereitete Baumann freilich noch keine Kopfzerbrechen. Aus der Fassung und ein wenig aus dem Rhythmus kam der älteste Challenger-Tour-Final-Semifinalteilnehmer aller Zeiten allerdings durch zwei Schiedsrichterentscheidungen, die Stuhl-Schiri Marko Bogdanov aus Deutschland im Folge-Game mit bestem Wissen und Gewissen fällte. Baumann führte 40:15, als es eine Fußfehler-Entscheidung gegen ihn gab. Bei 40:30 wurde ihm auch noch ein aus seiner Sicht auf die Linie klatschender Aufschlag “out” gegeben, und damit war es mit der Konzentration vorbei. Cabildo hatte vier Punkte in Serie geholt, und damit das Break zum 2:0 gemacht.

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Bernard Cabildo beim Aufschlag höchst souverän und insgesamt verdienter 6:1-Sieger des ersten Satzes

Dieses viel zu frühe 2:0 war irgendwie der Startschuss zu einer asiatischen Solo-Show. Baumann konnte zwischenzweitlich zwar immer wieder mit phantastischen Punktgewinnen glänzen, die wichtigen und vorallem Games bringenden Punkte machte aber allesamt sein Gegnerüber aus Asien. Zwei prächtige Returns zum 0:30 nützten beispielsweise nichts, Cabildo ging trotzdem mit eigenem Aufschlag 3:0 in Führung. Das 0:4 handelte sich der 49jährige mit einem Doppelfehler ein, und als der frischgebackene November-Challenger-Sieger zu Null sein Service zum 5:0 durchgebracht hatte, waren gerade einmal 14 Minuten gespielt. Augenblicke später stand Cabildo vor seinem dritten – in Serie erzielten – Satzgewinn zu Null. 3 Satzbälle fand der 37jährige vor, doch Baumann wehrte sie allesamt mit den schon erwähnten – Highlight-Bällen” ab. Da demonstrierte der 49jährige, dass er im Vollbesitz seiner Kräfte sehr wohl eine Möglichkeit gehabt hätte, dieses Semifinale weitaus enger zu gestalten. Baumann hatte zum 1:5 angeschrieben, sich mit zwei spektakulären Returns ein 0:30 und danach sogar einen Breakball bei 15:40 gesichert, als Cabildo dem Spuk des ersten Satzes ein Ende machte. Mit einem wuchtigen Service-Winner nützte der “Asia-Man” seinen vierten Satzball zum 6:1.

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Asiens Nr. 1 strotzt vor dem Final-Hit beim Challenger-Tour-Final voller Selbstbewusstsein

Nach dem ersten Game im zweiten Satz durfte sich Baumann bei 1:0 über seine einmalige Führung in diesem Semifinale freuen, dananch lief das Spiel wieder ausschließlich in die Richtung seines Gegners, der sich mit 6 Games in Folge für sein drittes Karriere-Finale qualifizierte, und danach bei der Pressekonferenz enorm viel Selbstbewusstsein für den Final-Schlager am Dienstag Abend gegen Thomas Peyerl an den Tag legte. “Ich habe heute gleich am Anfang des Spieles sehr gut begonnen, und ich war nach den Matches gegen Perepelkin und Pliemitscher jetzt schon auf langsame Bälle geübt”, lachte der 37jährige, ehe das Gespräch natürlich auf das bevorstehende Endspiel kam. “Gegen den Peyerl wird es sehr schwierig, aber ich will unbedingt gewinnen. Und ich glaube eine sehr große Siegchance zu haben. Ich habe wie vor jedem Gegner enorm viel Respekt, aber morgen kommen sehr viele Fans von mir, und das wird sehr speziell. Ich werde auch nicht sonderlich nervös sein, denn ich habe mein Ziel mit der Teilnahme am Finale schon erreicht. Jetzt habe ich keine Angst mehr. Ich werde dieses Finale gewinnen”, tönte der sonst so bescheiden wirkende Asiate.

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Thomas Peyerl verliert “indirekten Wettlauf” gegen Cabildo, gewinnt aber den ersten Satz gegen Sascha Kobsik mit 6:1

Schauen wir einmal, wie cool Cabildo im Finale dann tatsächlich sein wird, in einem Endspiel, in dem er gegen Thomas Peyerl antreten muss, gegen den er vor wenigen Wochen beim Oktober-Challenger-Turnier im finalen Treffen in drei Sätzen unterlegen war. Peyerl erreichte sein 8. Karriere-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour ohne Satzverlust in diesem Turnier, und nach einer großteils souveränen semifinalen Vorstellung gegen Sascha Kobsik. Nach 4 Minuten hatte Kobsik eigentlich seinen “Traumstart” hingelegt. Der beste Aufschläger im Challenger-Circuit hatte gegen den großen Favoriten ein frühes Break geschafft, und mit seinem “stärksten” Schlag die Chance, auf 2:0 zu stellen, und dem Match gleich einmal einen “engeren” Charakter zu verleihen. Doch wie schon am Sonntag im letzten Gruppen-Match gegen Rudolf Ronovsky verabsäumte es der 30jährige wieder, ein rasches Break zu bestätigen, und so blieb dieser unschätzbare Vorteil abermals ungenützt. Peyerl nahm das Re-Break dankend an, und zündete den Turbo. Plötzlich stand der 28jährige Terra-Rossa-Star in einem indirekten Wettlauf mit dem am Nebenplatz spielenden Bernard Cabildo, wer denn nun den ersten Satz schneller für sich entscheiden würde. Am Ende siegte Cabildo um lächerliche 60 Sekunden. Egal, in 26 Minuten hatte sich Peyerl gegen Kobsik drei Breaks und ein 6:1 gesichert, und die Weichen Richtung Finaleinzug gestellt.

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Sascha Kobsik entschuldigt sich für angezettelten Psychokrieg und plant für 2013 seinen ersten Karriere-Titel auf der Hobby-Tennis-Tour

Aus Sicht Kobsiks war es wirklich jammerschade, dass ihm im wichtigsten Match seiner bisherigen Karriere ausgerechnet mit dem Service sein bester Schlag abhanden kam. Zwar konnte der 30jährige im zweiten Heat die Quote beim ersten Aufschlag steigern, weitere drei kassierte Breaks waren aber zuviel, um einen Gegner vom Kaliber des Thomas Peyerl ernsthaft gefährden zu können. Vielleicht hätte Kobsik eine ganz kleine Chance zur Wende gehabt, doch dazu hätte der Juni-Challenger-Finalist nach geschafftem Break zum 3:5 sein folgendes Aufschlagspiel durchbringen müssen. Dann hätte der leicht wackelnde Peyerl noch einmal ran müssen, ans Ausservieren! So aber ersparte Kobsik seinem Gegenüber ein nervenzerfetzendes Finish, und nach 1:09 Stunden war auch der Kobsik’sche Versuch zu Ende, seinen Gegner mit allen möglichen Mitteln am Einzug ins Finale zu hindern. Der 30jährige führte seit Sonntag Abend eine Art Psychokrieg gegen den Terra-Rossa-Star, für den er sich nach dem Spiel dann auch entschuldigte. “Also ich muss zunächst einmal vorweg sagen, dass der Thomas Peyerl einer der sympathischten Spieler überhaupt auf der Hobby-Tennis-Tour ist. Meine Aussage vom Sonntag Abend, wonach ich den Peyerl im Semifinale wegschieße, war nur ein Scherz und ein taktischer Versuch, den Thomas aus der Ruhe zu bringen. Ich musste einen kleinen Psychokrieg führen. Ich wollte jede Möglichkeit ausschöpfen, weil ich doch ganz klarer Underdog vor diesem Match war. Aber der Thomas war zu abgebrüht. Kompliment an ihn! Ich habe heute für mich eine ganz gute Partie gespielt. Leider bin ich zu spät in dieses Match hineingekommen. Vielleicht wäre am Ende noch was möglich gewesen, denn im zweiten Satz ist er bei 3:5 noch einmal ins Wackeln gekommen. Es wäre sicherlich noch einmal interessant geworden, wenn Peyerl bei 4:5 ausservieren hätte müssen. Da hat er schon Nerven gezeigt. Bei mir fehlt halt noch die Konstanz im Spiel. Teilweise mache ich schöne Punkte, aber dann wieder katastrophale Fehler. Da sind noch viele Unsicherheiten, Stellungsfehler und Unkonzentriertheiten bei mir abzustellen”, so der unterlegene Sascha Kobsik, der eine durchwachsene Challenger-Tour-Final-Bilanz zog, sich gleichzeitig für die kommende Saison 2013 aber höchst motiviert zeigte: “Die Gruppenphase war für mich nicht erwähnenswert. Die Matches gegen Mayer und Ronovsky waren mit tempomäßig zu wenig anspruchsvoll. Da habe ich nur das Nötigste getan. Und wenn man bedenkt, dass ich erst seit März wieder Tennis spiele, dann waren meine ersten 8 Monate durchaus zufriedenstellend auf der Tour. Ich habe einen großen Sprung auf der HTT gemacht. 2013 muss aber endlich mein erster Titel her. Ich werde mich voll reinhängen, und enorm viel spielen und trainieren”, so Kobsik.

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“Ich erwarte mir den Sieg, alles andere zählt am Dienstag einfach nicht”

Und während sich Sascha Kobsik nun in eine wohlverdiente Winterpause begibt, hat sein Bezwinger Thomas Peyerl am Dienstag Abend das wichtigste Match seines Lebens vor der Brust. Davor zog er noch ein Resümee des Semifinales und er machte einen ersten Blick voraus zum großen Challenger-Tour-Final-Endspiel 2012. “Ich bin wieder sehr zufrieden mit meiner Leistung. Es war wieder ein gutes Match, der Sascha hat phasenweise sehr gut dagegengehalten. Es war definitiv eine gute Vorbereitung auf das Finale”, so der 28jährige. Und für dieses Endspiel ist der Terra-Rossa-Star voll auf Sieg eingestellt. “Ich erwarte mit den Sieg, alles andere zählt am Dienstag einfach nicht. Wenn ich diesen Erfolg nicht erwarten würde, dann bräuchte ich gar nicht erst einzulaufen. Ich will diesen Turniersieg unbedingt, er war von Anfang an mein ganz großes Saisonziel. Ich denke schon, dass es eine Nervenschlacht werden wird. Es geht halt doch um sehr viel, die Preise die wir gewinnen können sind ein Wahnsinn und nicht zu verachten. Bei unserem letzten Duell im Finale des Oktober-Challenger-Turniers ging es nur um die Quali für dieses Final, aber morgen wird es um alles gehen. Ja es wird definitiv eine Nervenschlacht, und es wird darauf ankommen, wie wir beide in dieses Finale starten”, betonte Peyerl.

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“Verdammter Latissimus” – Peter Baumann hadert mit Verletzungspech

Zum Schluss wollen wir auch noch Cabildo-Gegner Peter Baumann zu Wort kommen lassen, der sich im Semifinale trotz verletztem “Latissimus” bravourös durch den Montag Abend kämpfte. “Der Bernard ist sicher eine Klasse stärker als ich. Auch topfit hätte ich ihn nicht besiegt. Da kann man ihm nur gratulieren. Ich habe mich aber gefreut, heute wieder einige ganz tolle Winner geschlagen zu haben, denn das ist gar nicht so leicht gegen einen Spieler wie den Cabildo. Das Turnier war schön und eine neue interessante Erfahrung für mich. Das Semifinale war das Maximum, und das habe ich erreicht. Schade nur, dass ich beim wichtigsten Turnier des Jahres nicht fit war”, klagte Baumann nach seinem unglaublichen 40. Saison-Turnier-Start seit April diesen Jahres.

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Peyerl und Cabildo vor finalem Kräftemessen, und worauf es im wichtigsten Challenger-Match des Jahres ankommen wird

Nach 4 Quali-Matches und 14 Haupt-Bewerbsspielen steht am heutigen Abend also der mit großer Spannung erwartete finale Showdown beim 3. Babolat-Challenger-Tour-Final 2012 auf dem Programm. Cabildo gegen Peyerl, der Oktober- gegen den November-Challenger-Sieger, die beiden jeweils seit 8 Matches unbesiegten Top-Titel-Favoriten, die zusammen auf dem Weg ins Finale in sechs Matches nur einen Satz und 21 Games abgegeben haben. Eine Favoritenrolle gibt es wohl nicht, obwohl Peyerl im Head to Head mit 1:0 führt, und von den meisten Mitspielern – wie auch von Fritz Pliemitscher – als Favorit gehandelt wird. “Der Thomas ist um die Spur konstanter, und wird es machen”, so der in der Vorrunde gescheiterte 6fache Challenger-Champion. Peter Baumann wiederum glaubt an Asiens Nr. 1. “Das ist keine Frage, der Cabildo gewinnt dieses Turnier ganz sicher. Er ist enorm stark”. Drei Komponenten werden wohl entscheiden, wer sich am späten Abend die Trophäe, ein Gratis-Tennisjahr auf der Hobby-Tennis-Tour und den von Babolat gesponserten Ausrüstervertrag abholen wird. Zunächst einmal wird der Spielverlauf entscheidend sein. Wie reagieren die beiden bislang so souverän aufgetretenen Titel-Aspiranten, wenn sie erstmals in diesem Turnier mit heftiger Gegenwehr umzugehen haben, und das Spiel vielleicht nicht so “rund” wie in den Runden davor läuft. Der vielleicht entscheidendste Faktor wird aber der mentale sein! Auf Cabildo und Peyerl wartet eine nervenzerreißende Situation, das bisherige Match ihres Lebens, und kein Null-Acht-Fünfzehn-Auftritt bei igrendeinem Challenger in Mitten der Saison. Und vielleicht wird auch der Cabildo-Aufschlag eine entscheidende Rolle spielen. Wenn der 37jährige Asiate ähnlich stark serviert wie im Semifinale und auch in vielen seiner letzten Matches, dann wird Peyerl auch bei seinen Aufschlagspielen entsprechend unter Druck kommen. Toms Vorteil für den gigantischen Schlußakt beim Challenger-Tour-Final ist mit Sicherheit seine Routine. Immerhin spielt Peyerl an diesem Wochenende sein 100. Karriere-Turnier, womit er als erst 14. Spieler der Geschichte seit 1990 Aufnahme in den 100er-Club jener Spieler findet, die 100 oder mehr Karriere-Turniere bestritten haben. Zum Abschluss bleibt noch ein kleiner statistischer Blick auf zwei Serien, bei der egal wie dieses Finale endete, eine Serie bestehen bleibt. Gewinnt Peyerl, dann hat Terra-Rossa nach dem Vorjahressieger Rares Maftei abermals den Challenger-Tour-Final-Champion gestellt. Siegt Cabildo, dann geht der prestigeträchtigste Titel der Challenger-Szene zum zweiten Mal in Folge an einen internationalen Spieler!