Mai-First-Series-Auftakt trotz Regenunterbrechung nach Plan

Es ist mittlerweile schon ein bißchen Tradition auf der Hobby-Tennis-Tour, das Warten auf die erste Regenunterbrechung nach Beginn der Sandplatz-Saison. 2007 störte das kühle Nass von oben erstmals am 7. Mai die Stars der Szene, im Vorjahr trübte bereits am 25. April der Regen frühzeitig das Spielvergnügen auf der Hobby-Tennis-Tour. Von daher liegt man mit dem heurigen 1. Mai 2009 ganz gut in der statistischen Mitte, und obendrein entpuppte sich der nachmittägliche Schauer nur als lästige 30 Minuten-Unterbrechung. So waren am Ende des ersten Spieltages beim 2. Mai-First-Series-Turnier alle 12 Begegnungen plamäßig über die Bühne gegangen. Ein Bericht von C.L

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Christoph Straninger aus Neumarkt an der Ybbs feiert gelungenes Tour-Debüt

Das Erstrunden-Duell zwischen Markus Posteiner und Alexander Szele stand 4:4 im dritten Satz, Patrick Meinhart hatte im Achtelfinale gegen Gerald Kostolani nach Verlust des ersten Satzes eine 3:0 Führung herausgespielt und einen perfekten Lauf, als sich der Ausläufer eines Gewitters über der Anlage des TC Top Serve in Wien-Simmering entlud. Bitter für die zu dieser Zeit auf den Show-Courts handelnden Akteure, letztlich aber nicht annähernd so ärgerlich wie der Regen für jenen jungen Mann gewesen wäre, der am Samstag Nachmittag sein Debüt auf der Tour feierte. Die Rede ist von Christoph Straninger, für den der schwarze Himmel über Simmering zum echten Albtraum hätte werden können. Nach einer 120km langen Anreise, ohne Ballwechsel auf weitere 120km Heimreise zurück nach Neumarkt an der Ybbs, das wäre in der Tat alles andere als lustig gewesen. Doch der Wettergott hatte ein Einsehen mit dem 27jährigen, und belohnte Engagement & Enthusiasmus Straningers mit sonnigen Verhältnissen am Centercourt. Und das im doppelten Sinn, denn nur 20 Minuten nach dem Regen, lachte nicht nur die Sonne von einem plötzlich wieder strahlend blauen Himmel, sondern auch Christoph Straninger hatte nach einem erfolgreichen Debüt allen Grund zur Freude. Der Niederösterreicher gewann sein Premieren-Spiel auf der Hobby-Tennis-Tour gegen Alexander Sterzl mit 6:4, 6:1 und qualifizierte sich für das Achtelfinale beim 2. Mai-First-Series-Turnier 2009. Der 27jährige erinnerte in seinem Auftreten am Centercourt des TC Top Serve an die ehemalige Nummer 1 der Tour Patrick Schwing. Die Ähnlichkeit im Aussehen, die Art und Weise Tennis zu spielen, der Mann vom TC Raika Neumarkt erregte gleich beim ersten Antreten das Interesse der Konkurrenz. Da spielt einer ganz starkes Tennis, schnell machte die Kunde vom Neuling die Runde auf der Anlage des TC Top Serve. Ein krachendes Service, druckvolle Grundschläge, rasch stand Debüt-Gegner Alexander Sterzl ganz schön unter Druck. Ein Glück, dass der Newcomer aus Neumarkt mit jeder Menge Nervosität zu kämpfen hatte. Das Lampenfieber bei der Premiere, es verhinderte wohl auch einen glatten ersten Satz, auf den Straninger zunächst eigentlich zuzusteuern schien. Die einzige Unsicherheit folgte, als der 27jährige seinen Gegner von 2:5 auf 4:5 herankommen lassen musste. Danach ließ “Christoph” aber nichts mehr anbrennen, und ging schließlich als klarer 6:4, 6:1 Sieger vom Platz. “Ich war extrem nervös vor meinem ersten Match auf der Tour, und nach der schnellen 5:2 Führung auf einmal auch unkonzentriert”, schilderte der Newcomer seine ersten Eindrücke, während Gegner Alexander Sterzl am Samstag Nachmittag über eine riesig vergebene Chance klagte. “Hätte ich so gespielt wie letzte Woche gegen den Gregor Fink, dann hätte ich heute auch um den Sieg gekämpft. So habe ich ihm den Aufstieg aber am Präsentierteller serviert. Beim Einspielen dachte ich das ist ein Gegner für den Harbarth. Zum Glück hat der Christoph dann aber auch Fehler gemacht”, meinte der 38jährige.

Titelverteidiger Christoph Kramer scheitert diesmal schon zum Auftakt in Runde 1

Wer erinnert sich nicht an die Bilder aus dem Vorjahr, vom Finale und der anschließenden Siegerehrung beim Mai-First-Series-Turnier 2008. Nach 11 Jahren Tour-Zugehörigkeit feierte Christoph Kramer mit einem 6:0, 6:2 Endspiel-Erfolg über Ronald Raith den allerersten Turniersieg seiner Karriere. Mit Sektdusche und Jubelstimmung beging Kramer eine der unglaublichsten Geschichten in 19 Jahren Hobby-Tennis-Tour. Ein Jahr später sieht die Welt des 26jährigen aber ganz anders aus. Erinnerungen an den vielleicht größten Tag seiner Laufbahn zählen genauso wenig wie die Tatsache, dass der Vorjahressieger als topgesetzter Spieler in das “Unternehmen Titelverteidigung” startete. Und auch die Routine von 53 in Serie gespielten Turnieren halfen dem sympathischen Top-Ten-Mann nicht weiter. Der Centercourt-Schlager gegen März-First-Series-Sieger Gerald Kostolani ging daneben, und mit 0:6, 3:6 obendrein recht gründlich. Kramer fehlte im Duell mit dem Sandplatz-Spezialisten ganz einfach die Konstanz, um den Vösendorfer Meisterschafts-Spieler ernsthaft gefährden zu können. Derweil scheint Kostolanis First-Series-Ära an diesem Wochenende zwar einem weiteren Höhepunkt zuzusteuern, gleichzeitig dürfte sein Engagement in der First-Series aber auch zu Ende zu gehen. Denn der 24jährige Wiener ist für viele Tour-Experten an diesem Wochenende wohl kaum am Titelgewinn zu hindern, und längst aussichtsreicher Anwärter für weitaus höhere Aufgaben. Wie auch sein vorgezogenes Achtelfinale gegen Patrick Meinhart zeigte. Ein 0:3 im zweiten Satz verwandelte Kostolani nach der Regenunterbrechung beinahe mühelos in ein 6:4. “Es läuft ganz gut, aber ich bin der letzte der überheblich davon redet, wen er in diesem Turnier noch aller schlagen wird. Warten wir lieber einmal ab”.

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Bernhard Nagl schlägt beim großen Comeback in Runde 1 Martin Mayerhofer

Und während Kostolani vorzeitige Glückwünsche zum zweiten First-Series-Titel seiner Karriere noch ablehnt und “zuwarten” möchte, ist das Warten auf einen ganz Großen der Tour-Geschichte am Samstag Nachmittag endlich zu Ende gegangen. Bernhard Nagl, 2facher “French Open-Sieger der Hobby-Tennis-Tour”, 2facher Masterssieger und ehemalige Nummer 1 der Tour ist nach fast drei Monaten Pause in den Circuit zurückgekehrt. Noch länger lag “Bernies” letzter Sand-Auftritt zurück. Über 7 Monate ist es her, als der Mödlinger beim September-WTT-Turnier in Wiener Neudorf im Achtelfinale strauchelte. Gegner damals beim 5:7, 5:7 war Roland Mayerhofer, und zur Begrüßung beim Comeback stand wieder ein Mayerhofer parat. Diesmal der jüngere Bruder Martin, jener Mann der zuletzt mit Erfolgen (u.a gegen Michael Kunz) und guten Leistungen aufhorchen ließ. So auch diesmal, wo der 22jährige dem ehemaligen Tour-Hero einen sehenswerten Schlagabtausch lieferte. Mayerhofer – am Vormittag noch beim TC Kapellerfeld im Meisterschaftseinsatz – sicherte sich den ersten Satz trotz 2:5 Rückstand mit 7:5, und bot seinem Gegenüber auch danach als vollwertiger Konkurrent einen ebenbürtigen Kampf. Vielleicht fehlte am Ende aber doch die Substanz, immerhin kam der mit fehlender Spielpraxis angereiste Nagl noch zu einem Dreisatzsieg. “Ich habe so lange nicht gespielt, dafür war die Leistung ganz ok. Nur der Aufschlag war grausam. Gegen den Fink in der nächsten Runde wird es sehr interessant. Es hat großen Spass gemacht. Ich habe am Donnerstag auf das SMS vom Veranstalter gewartet. Wäre keine Einladung gekommen, dann hätte ich in jedem Fall um eine Wild Card angesucht. Denn im Moment passe ich ganz einfach in die First Series. Ok, ich bin wahrscheinlich einer der Favoriten hier, aber ich kann die Szene im Moment auch nicht genau einschätzen. Es gibt ja so viele neue Stars auf der Tour, die ich alle nur vom lesen der Berichte kenne”, so Nagl.

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Auch Markus Posteiner darf sich über Comeback und Sieg gegen Alex Szele freuen

“Es ist ein schönes Gefühl wieder hier zu sein, und einfach wunderbar auch gleich wieder gewonnen zu haben”. Ein Statement mit Gefühl und so unendlich viel Kraft in seiner Aussage, getätigt von einem jungen Mann, für den die tennislose Zeit zuletzt zur echten Qual wurde. Markus Posteiner ist zurück auf der Tour, nach privaten Problemen und nach über 6 Monaten, in denen der Tour-Veranstalter auf den disziplinlosen Wiener verzichtet hatte. Die Funkstille zwischen dem einst begeisterten Tour-Spieler und dem Veranstalter hielt fast ein halbes Jahr, ehe Posteiner vor wenigen Wochen das Eis mit einer ehrlichen SMS zu brechen versuchte. “Die Freitag-Nachmittage, an denen er von der Arbeit kommend statt auf die Tour in Richtung heimwärts fuhr, die schmerzen gewaltig”, schrieb der 22jährige. Zum Comeback kam es vorerst trotzdem nicht, ehe Rene Karlik am Donnerstag den Weg Posteiners zurück auf die Tour ebnete. Mit der Anfrage, ob er gemeinsam mit dem Posti-Junior “doppeln” könnte, kam die Rückkehr des “verlorenen Sohnes” ins Rollen. Am Freitag Nachmittag war es dann soweit. Posteiner betrat den 3er Court des TC Top Serve zum Comeback, um ihn zweieinhalb Stunden, drei Sätze und eine Regenunterbrechung später als 7:5, 3:6, 6:4 Sieger wieder zu verlassen. “Es war sehr schwer, weil mir das Spiel vom Szele überhaupt nicht liegt. Aber natürlich bin ich mit meinem Comeback sehr zufrieden”, strahlte der Sieger, während das Lächeln des unterlegenen Alex Szele ein wenig gequält wirkte. Gut gespielt, viel besser vorallem als zuletzt und doch verloren. Mit neuem Racket in der Hand wirkte Szeles Spiel viel druckvoller und konstanter als bislang, was der Betroffene freilich ganz anders sah: “Der Schläger war sehr ungewohnt für mich. Ich konnte daher nur “gedämpften Druck ausüben”. Aber mein Spiel wird insgesamt immer besser. Schade nur, dass bei 4:4 im dritten Satz wegen dem Regen unterbrochen werden musste. Ich habe danach nicht mehr ins Spiel zurück gefunden”.

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“Trio in der Krise” – Berzengi-Hobiger-Perepelkin laufen zum Auftakt ins Debakel

Während Alexander Szele also am Ende des dritten Satzes seines Auftakt-Matches gegen Markus Posteiner nicht mehr zurück ins Spiel gefunden hatte, fand ein arriviertes Hobby-Tennis-Tour-Trio am Eröffnunstag des 2. Mai-First-Series-Turniers von Beginn an erst gar nicht in ihre Erstrunden-Matches. Nihad Berzengi, Stanislav Perepelkin und Markus Hobiger, traurig, bitter, grottenschlecht. Was die “Stars mit Namen” da am Tag der Arbeit ablieferten, war teilweise eine glatte Verweigerung der selbigen. Vorallem Nihad Berzengi agierte wieder einmal jenseits von Gut und Böse. Es ist schon alleine die Körpersprache, mit der der 19jährige seinem Gegenüber einen riesigen psychologischen Vorteil verschafft. Diesmal war der Nutznieser Tour-Neuling Gregor Fink. Dem 28jährigen Steirer genügte eine solide Vorstellung, um das Eröffnungsspiel am Centercourt souveränst mit 6:2, 6:2 für sich zu entscheiden. “Ich bin zufrieden, aber es kann natürlich noch besser sein”, meinte der Sieger. Unterirdisch schlecht war dann die Vorstellung von Markus Hobiger. Der 32jährige Guntramsdorfer schlitterte mit der vielleicht schlechtesten Leistung seiner Tour-Karriere in ein fast schon dramatisch schlimm ausfallendes 2:6, 0:6 Debakel gegen Clemens Schmeitzl. Der 24jährige Braunauer spazierte problemlos ins Achtelfinale, während Hobiger die großen und in sich selbst gesteckten Erwartungen für den First-Series-Saisonstart auf Sand nicht erfüllen konnte. “Ich bin noch sprachlos. Ich muss erst realisieren, dass ich schon ausgeschieden bin. Ich hatte für dieses Turnier so viel vor, wollte unbedingt bis Montag im Bewerb sein. Aber das war einer meiner schwärzesten Tage auf der Tour”, so der Februar-First-Series-Sieger von 2008. Nichts zu gewinnen gab es letztlich auch noch für den einzigen internationalen Teilnehmer im 32 Mann starken Mai-First-Series-Feld. Russlands Nummer 1 Stanislav Perepelkin kam im Duell mit Roman Ainberger mit 2:6, 1:6 unter die Räder, und dachte danach erstmals über einen Second-Series-Start nach. “Ich bin mir nicht zu gut dafür, vielleicht sollte ich eine Teilnahme dort in Erwägung ziehen”, so der 25jährige aus Moskau.

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Kallabs mit Doppelschlag und Thomas Peyerl übersteht nach 6. Versuchen endlich wieder einmal die 1. Runde

Mit einem Doppelschlag hat am Freitag Vormittag die Kallab-Familie das Mai-First-Series-Turnier in Angriff genommen. “Vater & Sohn” sicherten sich im Gleichschritt und ohne Satzverlust ein Achtelfinal-Ticket, ohne dabei aber groß zu glänzen. Was bei Papa Kallab wohl aufgrund des Umstandes zurückzuführen war, dass er sich in der Anfangsphase seines Auftaktmatches mit Patrick Khandroo am Kreuz verriss. So kam Khandroo gegen den favorisieren Oldie ganz gut ins Spiel und auch ergebnistechnisch passabel davon. Das der 19jährige bei eigenem Aufschlag und 5:4 Führung einen Satzball vergeigte, war der gröbste Schönheitsfehler im Spiel des TC Top Serve-Neuzugangs. Das 5:7, 1:6, verbuchte Khandroo trotzdem als eines seiner besseren Matches. “Bei 5:4 war leider mein Aufschlag zu schlecht. Schade, da wäre heute mehr drinnen gewesen”, urteilte der 19jährige. Der zweite Kallab, Sohnemann Stephan blieb in seinem Auftaktspiel gegen Clemens Lederbauer ungefährdet, obwohl ihm erst kürzlich mit neuem Trainer die komplette Technik umgestellt wurde. “Ich habe eine neue Vorhand, eine neue Rückhand und einen neuen Aufschlag”, erklärte der 14jährige Trumauer. Wie gut diese neuen Waffen beim Future-Tour-Masterssieger schon funktionieren wird das Achtelfinale gegen Thomas Peyerl zeigen. Der 24jährige beendete am Feiertag seine Negativ-Serie mit 6 Erstrunden-Niederlagen in Folge durch einen 6:3 und 7:5 Erfolg über Markus Winter. Noch nicht in Form bei seinem Sandplatz-Saison-Debüt präsentierte sich auch Roman Arbeiter. Der Februar-First-Series-Champion unterlag etwas überraschend Patrick Meinhart in zwei Sätzen.

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Claus Lippert, 2. Mai 2009