Tour-Jugend weiter im Vormarsch

Die Tour-Jugend hat am dritten Mai-Grand-Slam-Spieltag wieder einmal für Furore gesorgt und ihr ganz großes Können demonstriert. Lohr, Trifunovic & Co mischen längst im Konzert der Großen mit, und manchmal diese sogar auf. Ein Rückblick auf die Jugendmatches des dritten Spieltages von C.L

Die neue Jelena T.

Jelena Trifunovic hat nach drei Erstrundenpleiten in Serie endlich wieder einmal ein Auftaktspiel gewonnen. Die 16jährige Vorjahres-Achtelfinalistin steht nach einem 6:3, 7:5 Erfolg über Günter Zack in der zweiten Runde des Mai-Grand-Slam-Turniers. Der Teenager bot im ersten Satz eine spielerische Topleistung, und stellte im zweiten Heat erstmals nach langer Zeit auch ihre kämpferischen und mentalen Qualitäten unter Beweis. Nachdem die einzige Dame im Feld Durchgang 1 in souveräner Manier mit 6:3 für sich entschieden hatte, und auch in Satz 2 rasch mit 2:0 führte, schlich sich plötzlich nicht erwarteter Schlendrian im Spiel der 16jährigen ein. Zack erkannte in dieser heiklen Phase nicht nur das kurzfristige Tirunovic-Tief, sondern endlich auch wo die Gegnerin ihre Stärken bzw. Schwächen hatte. Dies perfekt ausgenützt, zog Zack im zweiten Satz auf 4:2 davon. Ein Szenario das bislang im Normalfall genügte, um bei Trifunovic sämtliche Sicherungen durchbrennen zu lassen. Doch die “neue Jelena” stellte sich der Herausforderung, den zwischenzeitlichen Problemen und löste diese mit einer grandiosen Aufholjagd perfekt zu ihren Gunsten. Am Ende freute sich Trifunovic mehr über die Art und Weise wie sie ihren Erstrundensieg im Geschlechter-Duell errungen hatte, als über das Resultat schlechthin. “Ich habe eigentlich im Moment den Kopf gar nicht beim Tennis. Wenn man mit den Gedanken woanders ist, dann fällt es einem nicht leicht konzentriert bei der Sache zu sein. Ich habe momentan viele entscheidenende Prüfungen in der Schule. Darum bin ich umso glücklicher, dass ich diesmal einen Rückstand im zweiten Satz umdrehen konnte. Früher habe ich solche Spiele weggeworfen”. Lob gab es auch vom unterlegenen Gegner. “Ich habe sehr lange gebraucht um Jelenas Schwächen zu finden. Da war es eigentlich schon zu spät. Sie hat vor allem zu Beginn phantastisch gespielt. Ich bin am Ende der Partie sehr müde geworden”, urteilte Zack.

Italien-Juli-Turniere_05_1310.jpg

“Super-Lohr” schlägt Robert Piatek

Eine Riesenüberraschung, die für viele Tourinsider letztlich gar keine war, erlebten die Zuseher am Samstag Nachmittag auf Court Nr. 8. Future-Tour-Star Matthias Lohr, zuletzt sogar im Viertelfinale des April-Without-Top-Ten-Turniers hat wieder einmal seine Visitenkarte bei einem der arrivierten Tourspieler abgegeben. Empfänger der neuesten druckfrischen Ausgabe war Robert Piatek. Der polnische Routinier musste sich dem seit seinem letzten Tour-Auftritt abermals stark verbesserten Jungstar mit 3:6 und 6:7 geschlagen geben. “Er hat echt super gespielt. Wenn Matthias weiter so macht wie bisher, dann kann er sehr weit kommen” lobte Piatek. Der Super-Junior selbst war derweil mit seiner Darbietung im 25. Karriere-Turnier gar nicht sonderlich zufrieden. “Ich habe im ersten Satz recht gut begonnen, doch dann lief es plötzlich nicht mehr nach Wunsch. Bei 6:3, 5:4 habe ich es wieder nicht geschafft, das Match frühzeitig zu beenden. Ansonsten war das Match ganz in Ordnung”, analysierte der 11jährige.

Italien-Juli-Turniere_05_1319.jpg

Renee Glatzl schickt Helmut Gruna in “Pension”

Lohrs U12 Teamkollege Renee Glatzl hat sich am Samstag Nachmittag ebenfalls perfekt in Szene gesetzt. Der 11jährige fightete in einer kampfbetonten Marathonpartie Helmut Gruna in drei Sätzen mit 6:2, 3:6, 6:4 nieder. Belohnung für die nachmittägliche Kraftanstengung ist ein Zweitrundenstartplatz für das Duell mit dem 4fachen Mai-Grand-Slam-Sieger Martin Kova. “Ich habe nicht gut gespielt”, lautete der kurze knapp gehaltene Kommentar des “Junior-Siegers”. Ganz andere Töne schlug da schon Helmut Gruna an, der bereits im Jahr 2000 beim Mai-Grand-Slam im Einsatz war. “Ich glaube mit Saisonende werde ich meine Karriere beenden. Es geht nicht mehr wirklich was vorwärts. So macht das keinen Sinn”, sinnierte der unterlegene Gruna.

Italien-Juli-Turniere_05_1291.jpg

Jaswinder Saroy müht sich mit Lohr-Bruder und ins Achtelfinale

Als ob ein Lohr-Sieg pro Tag noch nicht genug wäre, versuchte am späten Nachmittag der Bruder von Matthias es seinem jüngeren erfolgreichen Geschwisterteil gleich zu tun. Marcus Lohr, bislang nur auf der Future-Tour auf Challenger-Ebene in Erscheinung getreten, bekam nach der Absage von Stefan Breuer vom Veranstalter eine Wild-Card. Und beinahe hätte der Zweier-Lohr die ganz große Sensation vollbracht. Viel fehlte dem großgewachsenen Junior am Ende nicht, um den zeitweise überheblich agierenden Jaswinder Saroy aus seinen Grand-Slam-Träumen zu reißen. Der Inder behielt zwar schließlich mit 6:3, 5:7, 6:4 die Oberhand, konnte sich aber bei seinem zweiten Mai-Grand-Slam-Antreten nicht mit Ruhm bekleckern und musste nach dem Spiel sogar heftige Kritik von seinem Dppelpartner Christian Mersich einstecken. “Ein Witz diese Einstellung von Jaswinder. Da warten wir auf das Doppel, kommen der Reinhard und die “kranke” Jeannine (Hos) auf den Platz, und er “wurschtelt” da mit einem Junior herum”, schimpfte Mersich. In der Tat “wurschtelte” sich ein zunächst überheblich und später verkrampft wirkender Jaswinder durch die Begegnung mit Lohr. Am Ende zahlte sich der “Krampf-Erfolg” aber voll aus, landete der Asiate doch ein “doppelten Sieg”. Durch das verletzungsbedingte Aus von Patrick Schwing steht der Inder mit einem Schlag im Achtelfinale.

Italien-Juli-Turniere_05_1347.jpg

Claus Lippert, 28.Mai 2006