Comebackspieler beherrschen weiter das Turnier-Geschehen

Zwei große Fragen beherrschten den zweiten Spieltag beim Mai-Grand-Slam-Turnier 2006. Erstens ob die dichte Ansammlung an dicken Regenwolken über Wien eine Austragung der Matches am Freitag zuläßt, und zweitens ob die beiden Tourstars Patrick Schwing und Martin Kova nach ihren am Donnerstag erlittenen Verletzungen rechtzeitig fit werden. Vorweg, mit viel Glück konnten alle angesetzten Matches des zweiten Spieltages ins Trockene gebracht werden, und es wurde neuerlich ein Tag der Comebackspieler. Die Zusammenfassung von Tag 2 von C.L.

Erfolgreiche Weismann-Rückkehr nach 23 Monaten Tourpause

Und diese Comebacks erfolgten teilweise nach ganz beachtlichen Pausen. Knapp zwei Jahre liegt beispielsweise der letzte und bisher auch einzige Auftritt des Günter Weismann zurück. Der Floridsdorfer stand beim Juni-GP-Turnier 2004 am Wasserpark im Halbfinale, schlug sich auf seinem Weg dorthin ohne Satzverlust durch, und im Achtelfinale einen gewissen Filip Vladkov gar 6:1, 6:0. 23 Monate später beim zweiten Tour-Antreten gelang Weismann in der 1. Runde des Mai-Grand-Slam-Turniers 2006 abermals ein überzeugender Sieg. Mit einem 6:1, 6:2 Erfolg über Fröhlich-Bezwinger Mario Eberhard qualifizierte sich Weismann als zweiter Spieler nach Hans Ebner für das Achtelfinale. “Es war gar nicht so einfach wie das Ergebnis aussagt. Die Bedingungen waren durch den starken Wind extrem schwierig. Zunächst dachte ich, gegen Eberhard kann ich leicht und oft ans Netz kommen, weil er den Ball ziemlich hoch übers Netz spielte. Doch er hat dann sehr gut passiert, und so habe ich mein Spiel ein wenig umgestellt”, erklärte Weismann nach seinem 5. Einzelsieg auf der Tour.

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Vytisk verabschiedet Berzengi mit Höchststrafe aus Einzel-Bewerb

Nicht ganz so lange wie Weismann, allerdings ähnlich souverän setzen sich auch die beiden anderen “Comebacker” des Tages in ihren Auftaktpartien zum Mai-Grand-Slam 2006 durch. Martin Vytisk deklassierte bei seiner Tour-Rückkehr nach 6 Monaten Pause in der Eröffnungspartie am Centercourt Nihad Berzengi mit zweimal 6:0. Die Höchststrafe kommentierten beide relativ emotionslos. “Es gibt nicht viel zu sagen, nur das ich vielleicht die nötige Kraft für kommende Aufgaben eingespart habe”, meinte Vytisk. “Er hat mir kein Game gelassen, da kann man nichts machen. Martin ist gut in Form. Wichtig ist für mich aber, dass ich die zweite Runde erreicht habe und gute Punkte für die Rangliste holen konnte”, bilanzierte der 15jährige Nihad sein Aus im Einzelbewerb.

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Auch Christopher Scharrach feiert gelungenes Comeback

Unwesentlich länger beschäftigte sich Christopher Scharrach mit seinem Erstrundengegner am zweiten Spieltag. Der bald 16jährige schlug erstmals seit dem 19. Juli des Vorjahres wieder in einem Tour-Match auf. Damals an diesem 19. Juli unterlag Scharrach im “Wimbledon-Finale der Tour” Bernhard Nagl in drei Sätzen und setzte danach zur Megapause an. Im zweiten direkten Duell gegen Christian Moller merkte man freilich von einer Monsterpause nichts, zeigte sich der Junior beim 6:0, 6:1 Erstrundensieg bei einsetzendem Regen in gewohnter Stärke. “Christian hat diesmal aber auch nicht so gut gespielt. In der nächsten Runde wird es jetzt mit Sicherheit schwerer werden” rechnet Scharrach.

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Den einzigen Dreisatzauftritt am Freitag Nachmittag lieferten die Herren Florian Dinter und Andreas Hradtezky ab. Das Eröffnungsspiel des Tages bei böigem Wind sah zunächst Hradtezky in der Rolle des Siegers. Der Traiskirchner spielte solide, abgeklärt mit der Routine von über 80 Einzeleinsätzen auf der Tour und mit dem Selbstvertrauen seines April-GP-Doppelerfolges. Das Resultat war ein 6:4 im ersten Heat. Doch schon das Finish dieses ersten Satzes ließ erahnen, was auf Court 8 in diesem Eröffnungsspiel noch passieren sollte. Hradtezky beurteilte das nachfolgende Szenario in der Nachbetrachtung mit folgendem Kommentar. “Bis 5:2 habe ich super gespielt, danach bin ich in alte Gewohnheiten verfallen”. Alte Gewohnheiten? Am Ende der Partie war man tatsächlich an alte Zeiten mit typischen Hradtezky-Ergebnissen erinnert. Zum Beispiel an den bis heute legendären Auftritt beim Mai-Grand-Slam-Turnier 2003. Rückblende in die erste Runde der “French Open der Tour” vor drei Jahren. Hradtezky trifft zum Auftakt auf Andreas Stockerer II, beherrscht Gegner und Spiel nach Belieben, geht bei 6:3 und 5:1 mit eigenem Aufschlag ans Werk “das Ding zu vollenden”, und am Ende als 6:3, 5:7, 4:6 Verlierer vom Platz. Ganz so schlimm war die gestrige Darbietung dann zwar nicht, doch nach 6:4, 1:2, ohne weiteres Game sang- und klanglos auszuscheiden, erhellte die Laune des Niederösterreichers nicht wirklich. “Ich habe die mentale Stärke eines 4jährigen Kleinkindes. Keine Ahnung was ich da immer mache, und vor allem auch keine Ahnung wie ich das in Zukunft anders machen kann. Bis 5:2 habe ich wirklich gut gespielt, dann ging mit einem Schlag übrhaupt nichts mehr. Alle Schläge waren plötzlich wie weg”, zeigte sich Hradtezky frustriert. Bevor er den Heimweg antrat, sorgte er gemeinsam mit Alexander Szele noch für ein wenig Frust-Aufarbeitung. Ein lockerer 6:0, 6:2 Sieg im Doppelbewerb über Krendl-Lohr brachte ein Ticket im Viertelfinale. Dort stehen auch schon Hans Ebner und Thomas Prinz, die im Achtelfinale die Wimbledon-Doppel-Sieger von 2005 und Vize-Masterssieger Martin Kova und Markus Altsinger mit 6:1 und 6:4 aus dem Bewerb verabschiedeten. Geklärt wurde dabei auch die Frage nach den Verletzungen von Kova und Schwing. Der 4fache Mai-Grand-Slam-Sieger Martin Kova wird seinen achten Start beim größten Turnier der Saison wagen, rechnet sich aber nicht viel aus. “Die eine oder andere Runde geht vielleicht, weiter komme ich mit diesem Knöchel sicher nicht”. Schlechte Nachrichten hingegen von Patrick Schwing. Der Meniskus ist wieder eingeklemmt, eine weitere Operation im Sommer droht, Coemback Teil 2 am Samstag ist damit ad acta gelegt. Noch ein Nachtrag zum Einzelbewerb: Christian Merisch steht nach einem 6:2, 6:4 Erfolg über Andreas Krendl in der zweiten Runde des Mai-Grand-Slam-Turniers 2006.

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Claus Lippert, 27. Mai 2006