Tag der Comebacks

Ainbergers erfolgreiche Rückkehr auf die Grand-Slam-Bühne nach 9 Jahren

Der erste Spieltag beim Jänner-Grand-Slam-Turnier 2006 stand ganz im Zeichen einiger interessanter Comebackversuche, die allerdings mit einer Ausnahme erfolglos endeten. Ein erfolgreiches Comeback verzeichnete November-GP-Sieger Roman Ainberger. Der 31jährige feierte unglaubliche 9 Jahre nach seinem letzten Jänner-Grand-Slam-Antreten ein Wiedersehen mit dem Hallenklassiker, ein erfolgreiches noch dazu. Und so wie er 1997 die Grand-Slam-Bühne mit einem Finalsieg verließ, so startete er 2006 sein Grand-Slam-Comenack mit einem Erstrundenerfolg. Gegen Florian Dinter zeigte sich der 19fache Turniersieger in blendender Spiellaune, und versüsste sich seinen 130. Einzelstart mit einem 6:2, 6:0 Kantersieg. “Mein Gegner hatte keine Chance. Ich möchte in diesem Turnier so weit wie möglich kommen, und ich werde mich in den nächsten Tagen voll bemühen”, war Ainberger mit seinem knapp eine Stunde dauernden Auftritt zufrieden. Dinter wiederum ist nach seinem Semifinaleinzug beim November-Without-Top-Ten-Turnier und den dort wirklich starken Leistungen in ein Formtief gefallen. “Ich bin im Moment nicht gut drauf, allerdings bin ich heute den ganzen Tag gelegen. Mir war nicht gut, ich glaube ich brüte eine Krankheit aus”, entschuldigte er seinen matten Auftritt.

Papousek mit enttäuschendem Comeback und gegen Jänner-GP-Finalist Ebner ohne Chance

Die anderen Comebacks des Eröffnungstages gingen daneben. Zum Beispiel jenes von Michael Papousek. Sein erstes Tourmatch seit 8. Oktober des Vorjahres, sein erstes Antreten in der Hallensaison 2005/06, endete wie schon im Jahr 2003 in der ersten Runde. Gegen einen neuerlich solide spielenden Hans Ebner, musste Papousek bereits die dritte Erstrundenniederlage in Folge einstecken, ein Umstand der den Vorhandkönig aber wenig interessierte. “Was soll`s, wenn man nicht fit ist, dann ist es sehr schwer ein Spiel auf der Tour zu gewinnen. Ich hatte im Match wieder Schmerzen, außerdem hat Ebner sehr gut gespielt. Ich hatte zuletzt auch kein Losglück”. Ohne Kommentar verließ Jänner-GP-Finalist Hans Ebner nach dem 5. Sieg im 6. Match seiner Karriere die Halle, allerdings nicht ohne sich zu erkundigen, wann das Duell seiner möglichen nächsten Gegner (Wagner und Zimmermann) steigt.

Minichshofer-Comeback sorgt nur beim Apres-Tennis für Aufsehen

Chancenlos und enttäuschend, so kann man auch das Minichshofer-Comeback zusammenfassen. Der 2fache Turniersieger kehrte exakt drei Jahre nach seinem Rücktritt genau bei jenem Turnier auf die Tour zurück, wo er sie vor 36 Monaten verließ. Das Match gegen Reinhard Hos war nach 50 Minuten vorbei, und “Kurti” konnte nur abseits des Tenniscourts für Aufmerksamkeit sorgen. Was vom Comeback des 44jährigen in Erinnerung bleibt, war ein intensiver Apres-Tennis-Auftritt. Aufschlüsse über die Form des Reinhard Hos, der bei seinem Jänner-Grand-Slam-Debüt unterfordert war, konnte die Partie auch nicht geben.

Herbert Döcker nach 6 monatiger Verletzungspause verunsichert und weit weg von seiner Normalform

Eine Überraschung, wahrscheinlich die einzige am ersten Spieltag brachte die Partie zwischen Herbert Döcker und Armin Zadic. Im Blickpunkt dabei zunächst das Comeback von Herbert Döcker, der erstmals seit 17. Juli des Vorjahres wieder zum Racket griff. Die Armverletzung zwar ausgeheilt, doch Döcker wirkte in seinem 115. Karriere-Match weit, weit weg von seiner Normalform. Unsicherheit in seinen Schlägen und mangelndes Vertrauen in sein Tennis waren die Ursachen für Döckers zweite Erstrundenniederlage beim Jänner-Grand-Slam in Serie. “Ein wenig mehr hätte ich mir schon erwartet”, zeigte sich der September-Without-Top-Ten-Sieger von 2004 enttäuscht. “Ich habe mich nicht getraut, meine Schläge durchzuziehen. Es wird schwer, wieder an meine alte Form anzuschließen, aber ich werde es versuchen. Gegen Nagl hätte ich sehr gerne noch gespielt, da hätte ich vielleicht auch ein wenig Rhythmus bekommen”. Döckers schwache Performance, aber auch eine solide Vorstellung seinerseits bescherten Zadic mit dem 6:3, 2:6, 6:3 die geglückte Revanche für die Zweitrundenniederlage gegen Döcker beim letztjährigen Rasen-Grand-Slam-Turnier. “Die Leistung war ganz in Ordnung, jetzt wartet aber die Nummer 1 auf mich. Kommen und anschauen was passiert werde ich mit Sicherheit”, meinte Zadic.

“I have a dream” Günter Zack beim 25. Turnierstart von der Wirklichkeit und einem kaputten Racket eingeholt

Das zweite Dreisatzmatch des Tages lieferten sich in der 1. Runde zwei Spieler, die zuletzt mit starken Leistungen und exzellenten Resultaten aufhorchen ließen. Alexander Udovc, Semifinalist beim Jänner-GP vor einer Woche und Günter Zack, zuletzt zweimal Viertelfinalist in Serie, sorgten am Centercourt im Tennispoint für einen zwei Stunden dauernden Schlagabtausch mit dem besseren Ende für Udovc. Drei völlig unterschiedliche Sätze lagen hinter den beiden Mannschaftskollegen, nachdem sie zur im Hintergrund spielenden Musik mit dem Titel “i have a dream” ins Spieler-Restaurant einmarschierten. “Ich hatte einen Traum, nämlich den vom Finale” scherzte derweil Zack, als er den Song hörte, ehe er die 120 schweißtreibenden Minuten Revue passieren ließ. “Im ersten Satz hat er mich kalt erwischt. Dazu ging mein Schläger kaputt. Im zweiten Durchgang habe ich zurückgekämpft, im dritten Heat ist gar nichts mehr gegangen. Dennoch war es ein Supermatch. Ich fühle mich als glücklicher Verlierer. Ich habe zwei Stunden Tennis gespielt, und es hat neuerlich viel Spaß gemacht”, analysierte Günter seinen 25. Turnierstart. Sieger Udovc bestätigte eindrucksvoll seinen momentan Lauf, und freut sich auf sein Zweitrundenmatch am Sonntag gegen Robert Piatek.

Hradtezky und Zimmermann gewinnen erstmals ein Match beim Jänner-Grand-Slam. während Novak neue Negativ-Serie aufbaut

Die jeweils ersten Einzelsiege beim Jänner-Grand-Slam überhaupt, gab es am Freitag Abend für die Herren Andreas Hradtezky und Roman Zimmermann. Beim 3. Antreten klappte es erstmals mit einem Aufstieg für Hradtezky, der den für den kurzfristig absagenden Alexander Szele eingesprungenen Helmut Gruna mit 6:2 und 6:0 abfertigte. “Die Leistung war ganz ok, aber jetzt kommt mit Scheller ein ganz harter Brocken”, richtete Andreas seinen Blick schon auf Sonntag. Gruna gab nach dem Match bekannt, dass er sich einer Operation an der Schulter unterziehen werde. Ebenfalls zum ersten Einzelsieg beim Jänner-Grand-Slam kam November-GP-Semifinalist Roman Zimmermann. Der Aufschlagriese feierte mit einer sehenswerten Performance zudem den 25. Einzelsieg seiner Karriere, und fügte einem seiner ständigen Doppelpartner eine glatte 2:6, 2:6 Niederlage zu. Sein Name ist Werner Novak, der auch beim 3. Antreten bei den “Australian Open der Hobby-Tennis-Tour” in der 1. Runde scheiterte. Noch schlimmer wiegt die Tatsache, dass der 36jährige im 60. Karriere-Match die 7. Erstrundenniederlage in Folge einfuhr. “Dabei habe ich gar nicht schlecht gespielt, aber Roman hat eine tolle Leistung gezeigt. In der Form ist er für mich einer der Turnierfavoriten, kann auch dem Christoph Wagner in der nächsten Runde Probleme bereiten”. Der von Novak ernannte Geheimfavorit, wehrte derweil die Favoritenrolle ab, und freute sich indes vielmehr über die gezeigte Leistung.

Foitik gewinnt Eröffnungsspiel gegen Pröbstl

Zuletzt zeigte seine Jänner-Grand-Slam-Erfolgskurve stetig und konstant nach unten, jetzt scheint Michael Schremmer der Umschwung geglückt zu sein. Der 3fache Without-Top-Ten-Sieger, der 2002 ins Viertelfinale vorstieß, 2003 noch im Achtelfinale stand, ehe er sich im Vorjahr nach einer Erstrundenschlappe im Jahr 2004 eine Pause gönnte, siegte am Freitag Abend gegen Ermin Dzafic mit 6:3 und 6:3, und stellte im Head to Head auf 2:0. “Es war kein besonderes Match” meinte Schremmer, während Dzafic gar davon sprach “für diese Hobby-Tennis-Tour zu schwach zu sein”. Schremmers nächster Gegner im Achtelfinale heißt übrigens Christoph Foitik. Der 2fache Turniersieger der letzten Saison war am ersten Tag als einziger Gesetzter im Einsatz, und er rechtfertigte die Setzung im Eröffnungsspiel des Turniers gegen Jürgen Pröbstl. Die Nummer 6 des Turniers hielt sich gerade einmal eine Stunde auf dem Weg in die zweite Runde auf, und meinte nach dem 6:0, 6:0 Kantersieg kurz angebunden: “Mein Aufschlag war in Ordnung, während Jürgen an seinem Service noch arbeiten muss, dann wäre sehr wohl auch bei ihm was möglich”. Was dem 34jährigen Niederösterreicher nur ein müdes Lächeln ins Gesicht zauberte, meinte dieser zu seiner dritten Erstrundenniederlage in Folge nur: “Er hat mit mir gemacht was er wollte”. So ähnlich wird sich wohl auch Nihad Berzengi bei seinem Jänner-Grand-Slam-Debüt und der 3:6, 0:6 Schlappe gegen Christian Schindler gefühlt haben, obwohl der 15jährige nach dem Match nicht unzufrieden war. “Im ersten Satz war ich halbwegs dabei. Ich bin mir nicht so schlecht vorgekommen. Mehr ärgert mich, dass ich kein Freilos hatte und nur 7 Punkte für das Champions-Race bekomme”. Schindler erkundigte sich derweil nur nach seinem nächsten Gegner, und da wartet auf den 22jährigen mit Franz Kastler nicht nur einer der Turnierfavoriten, sondern mit 0:3 auch eine äußerst negative Head to Head Bilanz.

Claus Lippert, 21.Jänner 2006