Top gesetztes Duo muss im Semifinale des Oktober-HTT-500-Turniers den Hut nehmen

Für das top gesetzte Duo Christoph Kramer und Mario Kiss ist am Montag Abend im Semifinale des Oktober-HTT-500-Turniers im UTC La Ville Endstation gewesen. Sowohl der an Nummer 1 gereihte US-Open-Champion aus Leopoldsdorf als auch der ehemalige Ranglisten-Erste aus Wiener Neustadt mussten sich in ihren Vorschluss-Runden-Partien in jeweils drei Sätzen geschlagen geben. Christoph Kramer unterlag zunächst im ersten Halbfinale bei seinem bereits 11. Oktober-HTT-500-Start dem neuen deutschen Shooting-Star Jan-Philip Hupasch nach 2:09 mit 4:6, 7:5, 6:3, und Mario Kiss scheiterte im zweiten Semifinal-Schlager und im Duell zweier ehemaliger Ranglisten-Leader am Vorarlberger Vorjahresfinalisten Markus Kurzemann mit 7:5, 2:6, 2:6. Damit kommt es im 21. Endspiel des 500-Punkte-Klassikers zum bereits 24. Mal in der Geschichte der Hobby-Tennis-Tour seit 1990 zu einer “deutsch-österreichischen” Finalentscheidung. Ein Bericht von C.L

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Christoph Kramer kämpft sich gegen Deutschlands neuen Shooting-Star nach 4:6, 1:4 Rückstand noch in einen dritten Satz

Der an Nummer 1 gesetzte Leopoldsdorfer Christoph Kramer ist auch bei seinem dritten “semifinalen Versuch” gescheitert, erstmals in seiner Karriere das Endspiel des Oktober-HTT-500-Turniers zu erreichen. Der 29jährige Ranglisten-Zweite hatte im ersten Halbfinale des 72. Saisonturniers gegen Deutschlands “Neuen” Jan-Philip Hupasch zwar einmal mehr seine außergewöhnlichen kämpferischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt, und sich nach 4:6, 1:4 Rückstand noch in einen dritten Satz gefightet, letztlich konnte aber auch der amtierende US-Open-Champion der Hobby-Tennis-Tour den Siegeszug des aus dem Nichts aufgetauchten jungen Deutschen nicht stoppen. Kramer erwischte im Duell mit dem frisch gebackenen Oktober-Masters-Series-1000-Sieger aus Niedersaschsen einen ganz schlechten Start, lag nach 0:7 Punkten rasch mit 0:3 zurück, und fand erst in die Partie, als ihm das Re-Break zum 2:3 gelang. In diesem fünften Game des ersten Satzes hattes Hupasch einen Spielball zum 4:1 ausgelassen, und danach mit drei Eigenfehlern in Serie sowas wie “Menschlichkeit” in dieser aus seiner Sicht “außerirdisch” tollen Anfangsphase erkennen lassen. Als der 21jährige dann auch noch wutentbrannt sein Racket zu Boden schleuderte, hatte Kramer endgültig das Gefühl, an diesem Abend nicht chancenlos gegen einen unbesiegbaren Gegner auf dem Platz zu stehen. Zwar kassierte die Nummer 1 des Turniers in der Folge erneut ein Break zum 3:5, doch wie der bald 30jährige im nächsten Aufschlagspiel seines Gegenübers zwei Satzbälle des blonden Deutschen mit zwei sensationell gespielten Vorhand-Winnern abwehrte, zeugte wieder einmal davon, wie nahe Kramer mittlerweile auch spierlerisch an den absoluten Topspielern der Szene dran ist. Kämpferisch kann man bekanntlich beim 11fachen Turniersieger aus Leopoldsdorf ohnehin keine Kritik üben. Denn nachdem der erste Satz mit 4:6 verloren gegangen war, und er im zweiten Durchgang zwischenzeitlich mit 0:3 und 1:4 zurücklag, hätten viele andere Spieler gegen einen so starken Mann wie Hupasch das Handtuch geworfen. Nicht aber Christoph Kramer, der sich zu Null das Re-Break zum 3:4 sicherte, in der Folge bei eigenem Aufschlag souveränst agierte, und im 11. Game zum entscheidenden Schlag ausholte, als er seinem deutschen Kontrahenten den Aufschlag zum 6:5 abnehmen konnte.

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Hupasch holt in der Entscheidung ein 1:3 auf, und steht nach seinem neunten Einzelsieg in Serie im zweiten Karriere-Finale binnen einer Woche

Nach 88 Minuten stand es zwischen Kramer und Hupasch also 1:1 in Sätzen, und auch sonst war das erste Semifinale des 21. Oktober-HTT-500-Turniers zu diesem Zeitpunkt ein total offener und ausgeglichener Schlagabtausch auf Augenhöhe. Die Match-Statistik von hobbytennistour.at belegte: Nach 150 ausgespielten Ballwechseln, hatten beide Akteure je 75 Punkte gewonnen, und dazu 4 Breaks aus 10 Break-Chancen genützt. Der entscheidende dritte Heat sah zunächst auch Kramer in der besseren Position und auf Kurs Finale. Zwar hatte der 29jährige im Eröffnungs-Game bei 0:40 drei Break-Chancen ausgelassen, wenige Minuten später aber nach geschafftem Break im dritten Game eine 3:1 Führung inne. Was danach geschah, konnte Kramer auch nach Matchende nicht erklären. Plötzlich hatte er den “berühmten Faden” verloren, dazu auch seinen ersten Aufschlag, und dann wird es gegen einen von der Klasse eines Jan-Philip Hupasch richtig schwierig und dann kann es auch ganz rasch gehen. Kramer machte kein Game mehr, Hupasch hingegen deren fünf in Folge, und damit war Deutschlands neuer Shooting-Star nach exakt 2:09 Stunden mit 6:4, 5:7, 6:3 und seinem neunten Einzelsieg in Serie in sein zweites Karriere-Finale binnen 7 Tagen eingezogen. “Ich bin trotzdem nicht unzufrieden. Ich denke das war eine gute Leistung von mir und allgemein ein starkes Match von beiden Spielern. In jedem Fall hat es richtig viel Spaß gemacht”, kommentierte Kramer sein semifinales Ausscheiden. Kleines Trostpflaster für den Ranglisten-Zweiten. An diesem Montag Abend war er im dritten Versuch zum ersten Mal richtig knapp dran an seinem ersten Oktober-HTT-500-Finale. 1999 im zarten Alter von fast 17 Jahren kam er im Halbfinale des Oktober-HTT-500-Turniers gegen einen gewissen Christian Leiner nämlich mit 0:6, 1:6 unter die Räder. Und 12 Jahre ist es auch schon wieder her, dass Kramer als 18jähriges Bürscherl in seinem zweiten Oktober-HTT-500-Semi im Jahr 2000 dem späteren Sieger Claus Lippert mit 4:6, 1:6 unterlag. Anno 2012 tat die dritte Vorschluss-Runden-Niederlage bei diesem Turnier der prächtigen Kramer-Stimmung aber keinen Abbruch. Im Urlaub befindlich, genoss der Niederösterreicher live ort Ort mit dem ein oder anderen Bierchen auch noch das zweite Semifinale, und den allgemeinen Höhenflug, den er derzeit im Circuit erlebt. Auch wenn er am Dienstag Abend nach dem Finale seinen zweiten Platz in der Rangliste wieder an Mario Kiss abgeben muss, biegt für den Tour-Rekordler doch die bislang beste Saison seiner Laufbahn in die Zielgerade. Die letzten Wochen des Jahres kann Kramer ohne den sonst üblichen Masters-Quali-Stress genießen, mit aktuell 6.190 eroberten Ranglistenpunkten im Jahr 2012, liegt er im inoffiziellen Race auf Platz 2. Nur Franz Mayrhuber hat heuer mehr Punkte gemacht als er.

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Kiss führte mit “Satz & Break” vor, ehe er mit körperlichen Problemen sein 22. Karriere-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour verpasste

2007 hatte er nach Siegen über Alexander Sterzl, Markus Seitner, Robin Douglas, Andreas Harbarth und Michael Schremmer schon einmal das Oktober-HTT-500-Turnier für sich entschieden, im Viertelfinale am Sonntag Abend gegen Martin Mayerhofer obendrein den 160. Einzelsieg seiner Karriere gefeiert, doch am Montag Abend im zweiten Semifinale des 72. Saison-Turniers war es mit den Erfolgsmeldungen aus dem Kiss-Lager vorbei. Der 33jährige vom TC Donaufeld unterlag im Duell zweier ehemaliger Ranglisten-Ersten dem Vorarlberger Markus Kurzemann nach einer Stunde und 55 Minuten mit 7:5, 2:6, 2:6, und verpasste damit den Einzug in sein 22. Karriere-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour. Dabei sah lange Zeit alles nach einem Erfolg des 11fachen Turniersiegers aus Wiener Neustadt aus. Kiss hatte nach 52 Minuten einen von insgesamt 7 Breaks geprägten ersten Satz mit 7:5 gewonnen, und kurz darauf mit dem frühen Break zum 1:0 scheinbar die Weichen Richtung Finaleinzug gestellt. Doch die Satz- und Break beinhaltende Führung täuschte! Das erste Game im zweiten Durchgang dauerte 9 ganz intensive Minuten, in denen sich schon abzeichnete, dass dem nicht voll austrainierten 3fachen Grand-Slam-Champion noch ein heißer Tanz mit dem Ländle-Server bevorstehen würde. Was Kiss zu leisten und zu spielen im Stande ist, wenn er in einem ersten Satz und noch bei Kräften in einer von Witterungseinflüssen freien Umgebung – sprich einer Tennishalle – auf den kleinen gelben Filz hauen kann, ist allen Tennis-Insidern dieser Stadt bekannt. Einzig der 33jährige kann sein atemberaubend schnelles und hochklassiges Tennis nicht über ein ganzes Match hinweg durchziehen, vorallem wenn das Tempo vom Gegner relativ hoch gehalten werden kann. Körperlich sind dem Power-Server vom TC Donaufeld derzeit einfach Grenzen gessetzt, die zu überwinden das große Ziel und die neue Herausforderung für den Ranglisten-Dritten sein müssen. Am Montag Abend aber war “Super-Mario” nicht im Stande, über diese Grenzen hinaus zu gehen. 7:5, 1:0 und 30:0 führte Kiss bei eigenem Aufschlag, als er mit Doppelfehler Nr.8 die Wende hin zum Negativen selbst einleitete. 4 Fehler in Serie bescherten Kurzemann das Re-Break zum 1:1, und der 32jährige Vorarlberger nützte diesen Aufwärtstrend mit fünf Games in Serie. Auch ein Break zum 2:5 samt der Vergabe von zwei Satzbällen brachte Kurzemann nicht mehr aus dem Konzept, zu Null sicherte sich der ehemalige Ranglisten-Erste den zweiten Satz schließlich mit 6:2.

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Kurzemann läßt in der Entscheidung nichts mehr anbrennen

Kiss war körperlich längst angezählt, angeschlagen und bereit, fortan “Hollywood” zu spielen. Wobei der Topstar des TC Donaufeld in seinem Tennis eigentlich nie recht viele Kompromisse eingeht, und sich seine Taktik für den alles entscheidenden dritten Satz damit nicht so gravierend änderte. Zu seinem Leidwesen handelte sich Kiss im vierten Game das wohl vorentscheidende Break zum 1:3 ein, und diesem Rückstand lief der 33jährige in der Folge dummerweise hinterher. Es war in diesem dritten Heat aus Sicht von Mario Kiss im Großen und Ganzen aber auch nicht mehr wirklich viel zu machen. Kurzemann gab sich bei eigenem Aufschlag keine Blöße mehr, im Gegenteil: Er servierte hervorragend, steigerte seine zu Beginn des Spieles noch recht erbärmliche Quote in akzeptable Höhen, schüttelte Asse und Service-Winner aus dem Handgelenk, und setzte damit sein Gegenüber immer wieder gekonnt unter Druck. Ein einziges Mal gab es für die Kiss-Fans daheim am Live-Ticker sitzend, den Lichtblick einer möglichen Trendwende, als der Ranglisten-Dritte bei 2:4, 15:30 und Aufschlag seines Gegners in die Nähe des nötigen Re-Breaks kam. Doch weil er im nachfolgenden Ballwechsel einen zweiten Aufschlag Kurzemanns mit einem völlig unnötigen Return-Fehler beantwortete, überstand der Vorarlberger mit fremder Hilfe auch diese letzte knifflige Situation in dieser Schlussphase. Mit Ass Nr. 5 machte Kurzemann das 5:2 und damit alles klar. Das zweite Break im letzten Game war nur mehr die logische Konsequenz aus einer nicht mehr realisierbaren Aufholjagd. Mit Doppelfehler Nr. 11 “offerierte” Kiss seinem Gegner drei Matchbälle, und mit einem missglückten Stoppball sorgte “Super-Mario” höchst persönlich für den Schlusspunkt in dieser Partie. “Wahnsinn, ich habe ein glatt laufendes Match aus der Hand gegeben”, ärgerte sich der Unterlegene, während Markus Kurzemann so wie im Vorjahr das Endspiel des Oktober-HTT-500-Turniers erreichte, und nach dem Einzug in sein 12. Karrierefinale, zufrieden Bilanz zog. “Ich habe mich im Verlauf dieses Matches gesteigert, und ich freue mich schon auf das Finale gegen Hupasch”, so der 32jährige. Apropos Finale: Am Dienstag Abend kommt es nach dem Scheitern der beiden Topgesetzten zum Treffen zwischen Jan-Philip Hupasch und Markus Kurzemann, und damit zum 24. deutsch-österreichischen Endspielvergleich der Open Ära. Die Bilanz vor dem morgigen Gipfel: Rot-Weiss-Rot führt gegen Schwarz-Rot-Gold mit 13:10 Siegen.