Triple der Nummer 1

Andreas Harbarth gewinnt zum dritten Mal in Folge das Februar-Grand-Prix-Turnier

Ranglistenleader Andreas Harbarth ist beim Februar-Grand-Prix-Turnier weiterhin nicht zu schlagen und eine eigene Klasse für sich. Bei seinem ersten Antreten im neuen Jahr gewann der 25jährige zum dritten Mal in Folge nach 2007 und 2008 das Februar-GP-Turnier, verteidigte damit als erster Spieler im Jahr 2009 einen Titel aus dem Vorjahr mit Erfolg, und feierte seinen insgesamt 17. Karriere-Turniersieg. Zum Februar-GP-Hattrick kam Harbarth übrigens durch einen Abbruchsieg im Finale gegen Robin Douglas, der nach nur 55 Minuten Spielzeit erschöpft aufgab. Der Turnier-Report von C.L

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Harbarth als erster Spieler seit mehr als 7 Jahren mit einem Turnier-Triple-Pack

Starke Newcomer, noch stärkere Deutsche, doch am Ende siegte beinahe wie immer Andreas Harbarth. Zumindest wenn das Februar-Grand-Prix-Turnier auf dem Progamm steht, ist der Ranglisten-Erste mega-present. Mit seinem 14. Februar-GP-Einzelsieg in Serie weiter ungeschlagen, mit seinem 17. Karriere-Erfolg nur mehr zwei Turniersiege vom 19fachen Titelträger Roman Ainberger und damit vom 5. Platz der Ewigenbestenliste in Sachen Turniersiege entfernt, so stahl Harbarth bei seinem Saison-Debüt im Tennispoint Vienna dem überzeugend spielenden Neuling Gerald Kostolani und dem deutschen Top-Duo “Hühne-Douglas” die Show. Allerdings fehlte der Harbarth-Show an diesem ersten Februar-Wochenende der finale Höhepunkt. Was mit dem Viertelfinalerfolg über den amtierenden “US Open-Sieger der HTT” Robert Libal grandios begann und mit dem triumphalen Kantersieg im Semifinale gegen David Hühne seine Fortsetzung fand, schien sowas wie das “Comeback des Branchen-Leaders” zu sein. Die unkonstanten Vorstellungen des vergangenen halben Jahres trotz Masterssieg schienen vergessen, die einst spielerische Souveränität in Person des 25jährigen wieder zurück im Circuit. Doch Vorsicht, denn im Endspiel der 18. Februar-GP-Auflage trat Harbarth ungewollt aber heftig auf die Euphorie-Bremse. Die finale Darbietung gegen Deutschlands Nummer 1 Robin Douglas, sie ließ aus Sicht des Ranglisten-Ersten viele Wünsche offen. Positives aus dem 55minütigen Kurzeinsatz kann Harbarth wohl nur in Form der ersten 50 Zähler für das Champions-Race mitnehmen. Und am Ende steht eben auch noch das Februar-GP-Triple, welches die magere spielerische Leistung überstrahlt. Denn drei Siege in Serie bei ein und dem selben Turnier, kommen halt auch nicht jeden Tag vor. Genaugenommen ist Harbarth mit seinem Februar-GP-Hattrick sogar der erste Spieler seit mehr als sieben Jahren. Der letzte mit 3 Titeln in Folge bei einem Turnier war der legendäre 5fache Masterssieger Christian Kainz, der sich beim November-Super-4 in den Jahren 1999 bis 2001 den Titel sicherte.

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Erschöpfter Robin Douglas macht nach nur 55 Minuten Februar-GP-Finale zur Farce

Diese großartige Erfolgsbilanz überdeckt aber wie schon erwähnt die spielerische Darbietung des Ranglisten-Ersten im Finale. Ein 43minütiges, an Langweile kaum mehr überbietbares sich an der Grundlinie belauern, war das was Harbarth und Douglas am Centercourt des Tennispoint Vienna im ersten Satz zu bieten hatten. Es fehlte der Spielwitz, es mangelde an Spannung, und so war es auch kaum weiter verwunderlich, dass ein demoliertes Harbarth-Racket beim Stand von 3:5 für den Höhepunkt des Abends sorgte. 55 unforced errores produzierten Harbarth & Douglas gemeinsam bei 85 ausgespielten Punkten. Gut möglich daher, dass im Publikum großes Aufatmen herrschte, als Douglas um 22:11 Uhr plötzlich und unvermutet beim Veranstalter auftaucht und nachfragt, ob dieser bei einer möglichen Aufgabe seinerseits “böse” wäre. Augenblicke später wird der nach nur 55 Minuten völlig “erschöpfte” Douglas dann bei seinem verdutzten Finalgegner vorstellig und gratuliert diesem mittels Shakehands zum Erfolg. Der 30jährige beendete damit ein Endspiel, welches er locker hätte gewinnen können, und er warf mit seiner zur Farce avancierenden walk over Entscheidung einige ungeklärte Fragen auf. Wie kann es zum Beispiel sein, dass ein voll trainierter Spieler nach nur 55 Minuten erschöpft vom Teppich schleicht. Das harte Training scheint sich also voll bezahlt gemacht zu haben!

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Vom gefeierten Tour-Helden zum vergessenen Mitläufer – der Abstieg des Bernie N.

Was steckte aber wirklich hinter der plötzlichen Douglas-Flucht aus der Halle? Wie fit der Deutsche nämlich wirklich ist, demonstrierte er am Montag Abend im Semifinale gegen Gerald Kostolani. Da fightete “Robinho” mit dem sechs Jahre jüngeren Newcomer zwei Stunden lang in einer intensivst geführten Partie um einen Platz im Finale, und behielt am Ende mit 6:0, 4:6, 6:4 die Oberhand. Womöglich fehlte Douglas im Endspiel viel eher die Lust auf einen drohenden engen Schlagabtausch. Atmosphärische Spannungen zwischen den einstigen Freunden sind ja kein Geheimnis. Wie auch immer, es ist äußerst schade, wie leichtfertig Douglas ein Finale und einen möglichen Turniersieg am Donnerstag Abend abschrieb. Dabei hätten an diesem ersten Februar-Wochenende viele Spieler einiges gegeben, um im Endspiel dabei sein zu können. Darunter auch so prominente Namen wie jener von Bernhard Nagl. Es war ein Bild mit Symbolcharakter, das sich da am vergangenen Samstag Abend an der Bar des Tennispoint Vienna den Besuchern bot. Der Spieltag fast zu Ende, die Halle beinahe leer, nur die Second-Series-Stars Peter Prinz und Patrick Khandroo duellierten sich noch zu später Stunde, und da saß völlig alleine und beinahe unbeachtet der 2fache “French Open-Sieger der Hobby-Tennis-Tour” Bernhard Nagl an der Bar und nippte an seinem Bier. “Keiner interessiert sich mehr für mich”, meinte “Bernie” scherzhaft. Doch Scherz hat einen durchaus reellen Hintergrund. Die Zeiten haben sich in der Tat geändert. Einst der große gefeierte Held auf der Hobby-Tennis-Tour, der Mann für die “big Events”, ist Bernhard Nagl an diesem fünften Turnier-Wochenende des Jahres 2009 nicht mehr als “Einer von Vielen” im 55 Mann starken Teilnehmerfeld. Und so saß der 30jährige “verlassen” an der Bar und schwelgte wohl in Erinnerungen an glanzvolle und noch gar nicht so weit zurückliegende Zeiten. Als er sich in der Halle gleich zweimal zum Masterssieger kürte, als er den Jänner-Grand-Slam-Titel an Land zog, oder als er die Ranglisten der Tour souverän anführte.

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“David Hühne im Duell mit Robin Douglas um die duetsche Nummer 1”

Doch die Grznars, Stabrawas, Harbarths und wie sie alle heißen, haben dem einstigen Helden den Rang abgelaufen. Ein Nagl-Aus in Runde 1, einst wohl als Sensation gefeiert, ist im Jahr 2009 kaum mehr ein Aufreger. Schon gar nicht, wenn in den Ergebnislisten der Name David Hühne als Bezwinger geführt wird. Der 28jährige vom Bodensee gilt in Insiderkreisen als der am meisten verbesserte Spieler der letzten Monate im Circuit. Vor eineinhalb Jahren tummelte sich der extrovertierte Deutsche noch auf Second-Series-Turnieren umher, mittlerweile hat er nicht nur sein erstes Turnier auf der Tour, sondern auch jede Menge Respekt bei der Konkurrenz gewonnen. Ein Sieg über Nagl wird von den Kollegen nicht mal mehr als Überraschung gehandelt, ein Beweis für Hühnes Stärke. Der zwischenzeitliche Sprung in die Top Ten war die Belohnung seiner harten Arbeit im vergangenen Jahr, und die Rückkehr unter die 10 besten Tourspieler scheint nur eine Frage der Zeit. Messen kann er sich mit den Topstars allemal, wie sein Auftritt beim Jänner-Grand-Slam-Turnier gegen Oliver Rauschil zeigte. Woran es noch mangelt, ist klar. Hühne fehlt es im mentalten Bereich an Stabilität. Kleinigkeiten während eines Matches bringen den Süddeutschen schon mal aus dem Gleichgewicht und dazu, sich mit der Gegnerschaft verbal anzulegen. Insgesamt ist Hühne aber auf dem richtigen Weg ein ganz Großer zu werden.

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“Robert Libal verblüfft bei seinem Comeback nach Verletzung die Konkurrenz”

Ein solcher – nämlich ganz Großer – auf der Tour ist bereits Robert Libal. Obwohl nicht einmal noch 5 Turnierauftritte seine persönliche Tour-Bilanz zieren, ist der 31jährige eine fixe Größe im Circuit. Kein Wunder, immerhin holte sich Libal doch im vergangenen September den “US Open-Titel der Hobby-Tennis-Tour”. Dort beeindruckte er damals mit einer unglaublichen Sicherheit von der Grundlinie, und ähnlich imposant fiel am letzten Wochenende sein Start beim Februar-GP-Turnier aus. Obwohl schon im Viertelfinale Endstation war, staunte die Tour-Familie nicht schlecht über das unerwartete Libal-Comeback. Nur wenige Wochen nachdem er sich das Bein gebrochen hatte, stürmte der September-Grand-Slam-Champion durch den Raster des 2-Sterne-GP-Events und bis ins Viertelfinale. Mit einer Spezialbandage sperrte er die Gedanken an die Verletzung weg, und deklassierte in den ersten Runden die Konkurrenz auf das Schlimmste. WAT-Ottakring-Star Markus Altsinger wurde in 45 Minuten mit einer Doppel-Null gedemütigt, und auch Februar-First-Series-Sieger Markus Hobiger blieb im zweiten Satz des Achtelfinales die Null nicht erspart. Erst im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Andreas Harbarth endete für den noch nicht voll fiten Robert Libal der Erfolgs-Run beim Comeback. Dennoch war der Februar-GP-Auftritt des Hartplatz-Grand-Slam-Siegers eine echte Warnung für die Konkurrenz. Wenn Libal körperlich in Hochform ist, heißt es für die Gegnerschaft “warm anziehen”.

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“Piatek & Kostolani – das nächste Duo aus der Newcomer-Welle”

Kaum ein Wochenende vergeht derzeit auch, ohne dass unzählige starke Newcomer ihre Visitenkarten auf der Tour abgeben. Jüngstes Beispiel sind die Herren Gerald Kostolani und Arek Piatek. Im Achtelfinale hätte es den direkten Vergleich der beiden spielstarken Debütanten gegeben, wäre Piatek nicht ein privater Termin dazwischen gekommen. Vielen Lesern wird der Name Piatek übrigens bekannt vorkommen und sie werden sich wohl fragen, in welchem Zusammenhang er mit dem Tour-Oldie Robert Piatek steht. Nun, Arek ist der Neffe von Robert, seit letzten Freitag allerdings aus ganz anderem Grund “tourbekannt”. Der gebürtige Pole mit der Liebe zu “rot-weiss-rot”, kämpfte bei seinem Debüt den Ranglisten-Siebenten Christoph Kramer in drei spannenden Sätzen nieder. Ähnlich imposant fiel auch der Premieren-Auftritt von Gerald Kostolani aus. Gegen Roman Riegler und Christopher Caesar ohne Satzverlust, drehte der Neuling im Halbfinale gegen Robin Douglas ein 0:6, 0:4, und scheiterte erst im Finish des dritten Satzes. “Nach längerer Zeit ohne Tennis, ist man gegen gute Gegner auf gewisse Situation noch nicht richtig eingestellt”, erklärte Kostolani die Gründe für sein Vorschluss-Runden-Aus. Dennoch überzeugte der für Vösendorf Meisterschaft spielende Neuling mit einer gewaltigen Grundlinien-Performance. Laufstark, ballsicher und trickreich, das Kostolani-Debüt fiel äußerst gelungen aus. Und auch hier bleibt nur die Warnung an die Konkurrenz. “Warm anziehen wenn der 24jährige Newcomer nach seiner langen Tennispause erst einmal so richtig in Fahrt kommt”.

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Claus Lippert, 13. Februar 2009