Neue Gesichter sorgen für Schlagzeilen beim Juni-GP

Erstmals in dieser Saison scheint “schönes Wetter” einem Turnier der Hobby-Tennis-Turnier hold zu sein. Sommer pur am 3. Spieltag beim Juni-Grand-Prix-Turnier, und mit den perfekten äußeren Bedingungen wuchsen auch die Akteure mit ihren Leistungen über sich hinaus. Dazu weht dieser Tage ein “frischer Wind” durch die Szene, neue Gesichter beleben das Geschehen und sorgen für die Schlagzeilen beim letzten Sandplatzturnier vor der Kunstrasensaison. Ein Bericht vom Viertelfinaltag von C.L

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Urach, Piatek & Co im Halbfinale

“Neuer Männer” braucht die Tour, ein Motto das die 5. Ausgabe des Juni-GP-Turniers prägt. Auch wenn mit Florian Urach eher ein “altes neues Gesicht” im Halbfinale steht, auch wenn Newcomer Michael Kunz im Viertelfinale ausgeschieden ist und Robert Piatek nicht gerade die “New Generation” verkörpert, sorgten sie für die positiven Schlagzeilen und eine höchst interessanete Zusammensetzung des Semifinales.

Bilderbuch-Comeback mit Kantersieg

Ein Bilderbuch-Comeback feiert derzeit Florian Urach. Der Mai-Grand-Slam-Sieger von 2002 steht gleich beim ersten Antreten nach fast 3 Jahren Tourpause auf Anhieb im Halbfinale des Juni-Grand-Prix-Turniers. Dem Zittersieg zum Auftakt gegen Reinhard Hos ließ der bald 19jährige nach dem souveränen Sieg über Jaswinder Saroy einen weiteren Kantersieg folgen. Das Duell um ein Halbfinalticket gegen Thomas Windisch wurde für den 6fachen Turniersieger zum Solo. Probleme wenn überhaupt hatte “Flo” höchstens mit den hohen Temperaturen und der Tatsache, nach wie vor mit einem “fremden Racket” spielen zu müssen. Das 6:0, 6:0 wolte Urach genau so wenig überbewerten wie kommentieren. Gesprächiger zeigte sich da schon wie immer Thomas Windisch. “Es wird die Zeit kommen, wo ich Urach besiegen werde. Ich brenne auf eine Revanche. Heute ist mir leider nicht sehr viel gelungen. Es wird Zeit für intensives Training mit Franz Korger. Urach ist für mich jetzt der absolute Favorit. Ich glaube nicht, dass Wagner gegen ihn eine Chance hat”.

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Wagner gewinnt viertelfinales “Gipfeltreffen” am Centercourt

Wagner selbst hatte zu dieser Zeit noch ganz andere Sorgen als einen möglicher Weise übermächtigen Final-Gegner namens Florian Urach. Der Ranglisten-Erste hatte die ganz schwierige Aufgabe zu lösen, den bisherigen “Favoriten-Schreck” Michael Kunz zu entschärfen. Und es wurde zumindest in der Anfangsphase des Viertelfinalschlagers eine ganz heikle Angelegenheit für Wagner. Der 15jährige tat sich ausgesprochen schwer mit den Slice-Attacken seines Gegners. Die “tiefen Bälle” zwangen den Mai-Super-4-Sieger ebenso “tief” in die Knie zu gehen, um entsprechend druckvoll kontern zu können. Der von vielen Zusehern mit Spannung erwartete “Gipfel der Spielkulturen” hielt über weite Strecken was man sich von ihm versprochen hatte. Wagner übernahm mit Fortdauer des Spieles das Kommando, diktierte die Ballwechsel von der Grundlinie und stellte sich perfekt auf das unangenehme weil grandios vorgetragene Tennis seines Gegners ein. Am Ende feierte Wagner mit einem 6:3, 6:4 den 12. Einzelsieg auf Sand in Serie und seinen dritten Halbfinaleinzug beim Juni-GP. “Das Spiel war gut. Der Beginn war holprig, Kunz spielte sehr stark und ich hatte Probleme mit meinem Schläger. Zum Glück hat mir Christopher Scharrach dann ein Racket geliehen, mit dem ich halbwegs ordentlich spielen konnte. Ohne diesen Schlägerwechsel hätte ich mit Sicherheit verloren”. Bei Bier, Hot dog und dem Fußball-WM-Match Frankreich gegen Südkorea auf Großbild ließ Michael Kunz sein erstes Turnier-Wochenende auf der Hobby-Tennis-Tour gemütlich ausklingen. “Es hat mir gut gefallen, ich komme sicher wieder. Turniere mit so großen Rastern machen viel mehr Spass, und auch auf zwei Gewinnsätze zu spielen ist mir wichtig”, zog der 35jährige Niederösterreicher eine erste Gesamtbilanz. Und auch sein viertelfinales Ausscheiden ließ der Tour-Neuling aus Deutsch Wagram nicht unkommentiert. “Ich konnte Wagner gleich zu Beginn zweimal breaken. Dann hat er sich aber gesteigert. Ich habe in diesem Match vielleicht zu wenig selbst getan, war zu inaktiv. Nur reinspielen und warten ist gegen einen Spieler wie Wagner schlecht. Er hat auch keine richtige Schwäche. Gut die Vorhand ist vielleicht nicht so stark wie seine Rückhand, aber so schwach um das Spiel darauf aufzubauen ist sie auch nicht. Er hat mir einige ganz schöne Bälle als Punkte ins Feld gesetzt. Ich habe gerne Gegner, wo ich eine offensichtliche Schwäche ausmachen, und diese dann attackieren kann”.

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Meinhart schrammt an Sensation vorbei – Kramer mit Mühe weiter

Zur Beinahe-Sensation wäre das Viertelfinale zwischen Christoph Kramer und Patrick Meinhart avanciert. 7:5, 3:0 führte ” Underdog Meinhart”, ehe ” Favorit Kramer” mit Einsatz, Leidenschaft und Chemie die Wende und den zweiten Halbfinaleinzug innerhalb von 8 Tagen realisieren konnte. Bei brütender Hitze setzte zunächst Meinhart die Akzente. Der 16jährige präsentierte sich ganz stark, zeigte vor dem etablierten Gegner keinerlei Respekt und schon gar keine Angst. Dazu wirkte der 3fache Future-Tour-Sieger höchst motiviert. Ständiges pushen und anfeuern führten schließlich auch zum völlig verdienten Gewinn des ersten Satzes. Dem 7:5 setzte Meinhart noch eins drauf, und bei 3:0 spekulierten die Zuseher am Centercourt bereits mit der Sensation. Vermutlich ging es Meinhart ähnlich, doch der Junior konnte aus dem 7:5, 3:0 nicht den erhofften Halbfinaleinzug machen. Bekam er die berühmte “Angst vor dem Gewinnen”, wurde er müde (immerhin spielte er vor dem Viertelfinale schon eine Jugendmeisterschaftsrunde mit Einzel & Doppel), oder wurde Kramer plötzlich stärker. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte, wenngleich Patrick selbst die Gründe zu kennen glaubte. “Es stimmt, ich wurde Mitte des zweiten Satzes ein bißchen müde. Aber das ist schnell wieder vergangen, ich habe mich rasch erholt”. Kramer mit Magenschmerzen in die Partie gestartet, war ab Mitte von Durchgang 2 längst wieder zu “kämpferischen Großtaten” bereit und mit zwei Tabletten “chemisch unterstützt” schaffte der 23jährige tatsächlich die große Aufholjagd. 5:7, 6:4, 6:3 Kramer zeigte sich sichtlich erleichert, riß nach verwandeltem Matchball die Arme in die Höhe und schrie sich mit einem “na endlich” die ganze Anspannung der vergangenen zwei Stunden von der Seele. “Es war eine ganz schwierige Partie. Ich hatte Magenschmerzen und dann sind auch noch Probleme im Oberarm meiner Schlaghand aufgetreten. Dazu die Hitze und der wirklich gut spielende Gegner. Meinhart hat mir alles abverlangt. Ich habe den Start verschlafen und lange Zeit überhaupt nicht zu meinem Spiel gefunden. Wenn ein Gegner dann auch noch so stark drauf ist wie Meinhart heute, wird es eben hart”. Eine Einschätzung die auch Tour-Coach Franz Korger teilt. Speziell jene von der gewaltigen Leistungssteigerung der Patrick M. in den vergangenen Wochen. “Patrick hat sich zuletzt enorm verbessert. Er lernt vor allem sehr schnell, das ist seine große Stärke. Die Jugendarbeit des TC Schmelz scheint also weiter Früchte zu tragen. Meinhart wird in den nächsten Jahren noch einiges auf der Tour erreichen”.

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Robert Piatek steht erstmals seit Juli 2004 wieder in einem Tour-Halbfinale

Apropos erreichen. Robert Piatek hat endlich wieder einmal das Halbfinale eines Turniers auf der Hobby-Tennis-Tour erreicht. Der polnische Routinier sicherte sich mit einem 6:3, 6:4 Erfolg über Freund und Doppelpartner Hans Krammer den dritten Semifinaleinzug seiner Karriere. Erstmals seit Juli 2004 darf sich Piatek also wieder um ein Finalticket matchen. Diesen Umstand verdankt er einem “Doppelpack” am Sonntag Nachmittag. Nachdem Florian Dinter die am Samstag wegen Dunkelheit abgebrochene Erstrunden-Marathon-Partie kampflos aufgab, entledigte sich Piatek zunächst im Achtelfinale von Debütant Michael Holzer ohne Satzverlust, ehe der prestigeträchtige Showdown mit Krammer auf dem Programm stand. Abseits vom großen Geschehen, trugen die beiden Doppelspezialisten ihr Viertelfinale auf Court Nr. 7 aus. Härter als erwartet musste Piatek kämpfen, um am Ende sein Halbfinalticket gegen Christoph Wagner in Händen halten zu können. “Hans war mein schwerster Gegner im Verlauf des Turniers. Es ist immer sehr schwer gegen ihn zu spielen, weil wir uns auch gegenseitig sehr gut kennen. Ich freue mich, wieder einmal im Halbfinale zu stehen, aber jetzt wird es ganz hart. Ich möchte keine Doppel-Null kassieren, das ist mein erklärtes Ziel”, blickt Piatek dem Halbfinalduell mit der Nummer 1 entgegen. Einer doch vorhandenen Chance, Piatek heute zumindest in einen dritten Satz zu zwingen, trauerte hingegen Johann Krammer nach. “Im zweiten Satz hätte ich ihn schlagen können. Da waren schon einige Möglichkeiten. So klar war das heute nicht für Robert. Aber er steht verdient unter den letzten Vier”, gratulierte der Champions-Race-Zehnte.

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Claus Lippert, 19. Juni 2006