Wagner – Mister Bombastic – Mister-Fantastic

Wagner gewinnt als erster Spieler der Geschichte vier Super-4-Titel in Serie

Es ist exakt 17.49 Uhr, als Christoph Wagner am vergangenen Mittwoch den zweiten Matchball im Finale des Mai-Super-4-Turniers 2006 verwandelt. Eine wuchtiger Vorhandschlag seines Gegner Svetlin Stoynanov landet wie 28 andere Versuche des Bulgaren im Out. Doch dieser letzte seiner insgesamt 29 unerzwungenen Fehler von der Grundlinie sollte ein tourhistorischer werden, weil der seine 1:6, 1:6 Niederlage besiegelt, und den 15jährigen Kontrahenten zum ersten Spieler der Geschichte mit vier in Serie gewonnenen Super-4-Titeln macht. Der Finalbericht von C.L

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Stoyanov bei Final-Premiere nach 44 Minuten geschlagen

Die letzten Tage müssen Christoph Wagner wie ein wunderschöner Traum vorgekommen sein. Am letzten Donnerstag übernahm der erst 15jährige erstmals die Führung im Entry-Ranking, und knapp eine Woche später kürt er sich als neue Nummer 1 der Tour auch gleich zum Mai-Super-4-Sieger 2006. Und das in einer eindrucksvollen Art, mit einem nur 44 Minuten dauernden Final-Auftritt gegen einen keineswegs schwachen Gegner. Doch Svetlin Stoyanov war in diesem Endspiel dem neuen Jungstar der Tour nicht gewachsen. Weil er einerseits ungewohnt fehlerhaft spielte, und weil “Super-4-Time” war. Und bei den Turnieren der zweithöchsten Kategorie gab es zuletzt nur einen Spieler.

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Wagner seit 17. Einzelspielen auf Super-4-Ebene unbesiegt

Wagner setzt auf Super-4-Ebene noch nie dagewesene Maßstäbe. 4 Titel in Folge hat wie erwähnt noch nie ein Spieler in der Geschichte der Hobby-Tennis-Tour gewonnen. Der 15jährige feierte den 17. Super-4-Einzelsieg en suite, blieb auch in seinem 4. Super-4-Finale ungeschlagen, und eroberte quasi zum Drüberstreuen auch den 70. Einzelerfolg seiner Laufbahn. Das der Junior dies alles bei seinem 50. Karriere-Turnier vollbringt ist fast schon ein wenig kitschig.

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Stoyanov mit Schwächen beim 2. Aufschlag und beim Nützen seiner Breakchancen

Dem Rekord-Triumph war eines dieser vielen “Sprint-Endspiele” der letzten Monate vorangegangen. Eine knappe Dreiviertelstunde, die eigentlich recht kurios verlief. “Vom Tempo her trotz Fehlerorgie auf beiden Seiten schön anzusehen”, so lautete das einstimmige Resümee der anwesenden Zuseher. Es wurde “gepowert” was das Zeug hält, auf der anderen Seite aber auch eine Lawine an sogenannten “unforced errors” produziert. Zieht man die Klasse der beiden Topspieler in Betracht, dann muten 21 direkte Punkte für ein Finalspiel doch recht wenig an. Nach 14 Minuten führte Wagner bereits 5:0, ehe der bulgarische Newcomer nach 0:30 doch noch zu seinem Ehrengame im ersten Satz kam. Der 2. Heat war dann fast ein Spiegelbild von Durchgang 1 nur mit dem Unterschied, dass Stoyanov sein einziges Aufschlagspiel schon zum 1:2 durchbringt. Ansonsten konnte der 31jährige bei seiner Finalpremiere aber nicht an seine Vorrunden-Resultate anknüpfen. Achillesferse war diesmal mit Sicherheit seine erschreckend schwache Quote beim 2. Aufschlag, die mit 56,5 % bei 10 Doppelfehlern rekordverdächtig tief lag. Und Svetlin zeigte sich auch beim Nützen seiner insgesamt 5 Breakchancen nicht sonderlich geschickt, blieb er doch letztlich ohne Break.

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Svetlin bei Tour-Debüt mit Finale und Turnierverlauf zufrieden

Umso interessanter fiel dann die Nachbetrachtung des Finales aus Sicht des Vladkov-Freundes aus. “Ich denke nicht, dass das heute eines meiner schwächeren Spiele im Verlauf dieses Turniers war. Im Gegenteil, ich finde es war sogar eines meiner besseren Matches”. machte er seinem Bezwinger indirekt ein riesiges Kompliment. “Es war wie erwartet sehr schwer gegen Wagner. Er war der erste Gegner in diesem Turnier, gegen den ich meine Rückhand umstellen musste. Ich habe versucht, mit mehr Drive zu spielen, weil er mit seiner Klasse auf meine Slice-Rückhand immer sofort das Kommando übernommen hat. Insgesamt war mein erster Auftritt auf der Tour aber nicht so schlecht. Ich bin zufrieden, und jetzt hoffe ich nur, dass Christoph auch nächste Woche beim Mai-Grand-Slam dabei sein wird. Dort würde ich mir eine Revanche wünschen.

“Wahnsinn, wer hätte das vor einem Jahr erwartet”

Glücklich über den großen Erfolg, allerdings keineswegs euphorisch analysierte der neue Mai-Super-4-Champion den Mega-Triumph. “Echt super, dieser heutige Sieg freut mich wirklich sehr. Es war nicht leicht, weil der Wind sehr störend war, und man sich ständig neu einstellen musste. Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht und vor allem schnell gehen wird”. Angesprochen auf seinen historischen Triumph mit vier gewonnenen Super-4-Titeln en suite meinte der 15jährige: “Wahnsinn, wer hätte das vor fast einem Jahr beim Juni-Super-4-Turnier gedacht. Als ich damals das Finale gegen Bernhard Nagl gewonnen habe, hätte ich mir niemals erträumen lassen, dass ich die nächsten 4 Super-4-Turniere gewinnen werde. Ich spiele bei Super-4-Bewerben völlig befreit, die Siegesserie von 17 Spielen kommt mir natürlich jetzt auch entgegen. Da geht alles viel leichter als sonst. Jetzt werde ich probieren auch noch ein fünftes Super-4-Turnier zu gewinnen.

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“Er spielt momentan in einer anderen Liga”

Dazu muss Wagner in wenigen Wochen seinen Vorjahrestitel vom Juni-Super-4-Turnier 2005 verteidigen. Vorerst hält der Jungstar aber bei 5. Karriere-Turniersiegen und bei 9 Spielen auf Sand ohne Niederlage. “Er spielt momentan in einer anderen Liga. Das muss man ganz klar so sagen”, meinte am Tag danach Wagners Viertelfinalgegner Hans Ebner. Mit dem Sieg bei der Mai-Grand-Slam-Generalprobe und der momentanen Form wird die neue Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour auch bei den in einer Woche stattfindenden “French Open der Tour” nur sehr schwer zu schlagen sein.

Claus Lippert, 19. Mai 2006