Newcomer sorgen für frischen Wind zum Saisonende

Drei Spieltage vor Ende der bislang längsten Saison der 19jährigen Tour-Geschichte war bei den Stars der dritten November-Second-Series-Auflage von Müdigkeit keine Spur. Bei “frischen”, neuen Namen wie Gerald Marhold, Martin Knab, Jürgen Kaltenböck oder Lucas Rydl auch kein Wunder. Ein Bericht von C.L

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Werner Kovarik verliert gegen den “Federer des November-Second-Series-Turniers”

Wurde am ersten Spieltag des letzten Saisonturniers noch Mixed-Olympiasieger Karl Pater als der Topfavorit auf den Titel gehandelt, ist ihm am gestrigen frühen Samstag Nachmittag mit Tour-Neuling Gerald Marhold ein ernster Konkurrent erwachsen. Zumindest wenn es nach Werner Kovarik geht, der sich im Erstrunden-Duell mit dem Newcomer 2:6, 2:6 geschlagen geben musste. Eine bittere Niederlage wie Kovarik später bemerken sollte. Denn nach zwei Achtelfinal-Einzügen bei den beiden letzten Hallenturnieren hatte der 34jährige für den Saisonabschluss auf Second-Series-Ebene viel vor. “Ich wollte nach den guten Leistungen zuletzt endlich einmal ein bißchen mehr, ein besseres Resultat mit einem möglichen Viertelfinale erzielen”, so der doch recht enttäuschte Kovarik. Keine ganze Stunde dauerte es, bis die Hoffnungen des Tour-Routiniers auf ein Top-Resultat zum Saison-Kehraus zerstört waren. Vom wahrscheinlichen Turniersieger, wie Kovarik zu wissen glaubt. “Das war ein echtes Pechlos. Das ausgrechnet ich gegen den Federer dieses Turniers spielen muss, ärgert mich schon sehr”. Und dieser “Federer des November-Second-Series-Turniers 08” ist in der Tat ein heißer Tipp auf den Gewinn des letzten Saison-Titels. Allerdings aus der Welt war die Performance des 30jährigen Wieners aber auch nicht. Vielleicht war die Second-Series-Ebene die falsch gewählte Bühne für das Tour-Debüt des Donaustädter Meisterschaftsspielers, der klare Sieg im Premieren-Match war aber nicht nur auf seine eigene Leistung zurückzuführen, sondern auch auf das diesmal teils doch recht mangelhafte Engagement seines Gegners. Kovarik hatte die Partie schon nach dem ersten Game im Kopf abgehakt und damit auch verloren, wodurch Marhold dann zu einer locker leichten Debüt-Vorstellung kam. “Ich habe ein paar Elfmeter verschossen, aber sonst war meine Leistung ganz ok”, meinte der Sieger nach seinem ersten Tour-Single.

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Dominik Hochleitner gewinnt kurioses Erstrunden-Match gegen Robert Grünwald

Keiner jubelt derzeit so schön wie Dominik Hochleitner. Zum Himmel gereckte Fäuste, freudige Luftsprünge oder bühnenreife Umfaller, der 12jährige Austro-Ungar feiert Siege im Moment so enthusiastisch wie kein zweiter Spieler. Und Hochleitner jubelt derzeit nicht nur am schönsten, sondern mittlerweile auch in schöner Regelmäßigkeit. Denn auch bei seinem dritten Antreten auf der Hobby-Tennis-Tour hat der junge Mann aus Abda in Ungarn seine erste Runde erfolgreich überstanden. In einem äußerst kuriosen Match blieb der Junior gegen Robert Gründwald mit 0:6, 6:2, 6:0 siegreich und steht damit wie schon zuletzt beim November-Without-Top-Ten-Turnier im Achtelfinale. Dabei schien die stolze Serie des Jungstars diesmal ziemlich rasch und vor allem brutal zu Ende zu gehen. Keine 25 Minuten waren gespielt, als Hochleitner von einem optisch clever agierenden Gegner eine “Null” angehängt bekam. Dominiks Auftritt am 9er-Court des Tennis-Point Vienna schien an diesem Nikolo-Tag kürzer auszufallen, als seine mit mehr als 100km doch recht heftige Anreise dauerte. Doch schon in diesem ersten Satz entwickelten beide Spieler ein eigenartiges Gefühl, eines das für Augenzeugen dieses Erstrunden-Duells nicht wahrnehmbar war. “Ich habe schon zu Beginn des Spieles gespürt, dass bei mir heute wieder nichts geht. Der Dominik war am Anfang ein bißchen nervös und hat viele Fehler gemacht, darum dieses 6:0 im ersten Satz”, meinte Grünwald nach seiner dritten Auftaktniederlage in der Halle in Folge. Hochleitner dagegen fand mit Fortdauer der Begegnung immer besser zu seinem Spiel, und zeigte sich erstmals überhaupt fast über die gesamte Matchdauer in Sachen Spielweise von der aggressiven Seite. Waren seine Aufritte bisher immer so eine Mischung zwischen “Genialität & Schlamperei”, versuchte der 12jährige diesmal konstant druckvoll zu agieren. Was ihm gut gelang und am Ende mit seinem vierten Karriere-Einzelsieg belohnt wurde. “Es war ein gutes Match. Leider ist im ersten Satz nichts gegangen”, erklärte der Sieger. “Der Dominik hatte zu Beginn große Probleme mit den Netzattacken seines Gegners. Flach konnte er ihn nie passieren, ehe er es im zweiten und dritten Satz mit Lobs probiert hat. Das war der Schlüssel zum Erfolg”, stellte Papa Hochleitner fest.

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Lucas Rydl überrascht Geburtstagskind Robert Heuberger auf und abseits des Courts

Immer besser kommt derweil auch Tour-Neuling Lucas Rydl in Fahrt. Der 21jährige setzt sich dabei nicht nur auf den Courts der Tour immer besser und erfolgreicher in Szene, er scheint auch abseits des Platzes seine Hausaufgaben recht gründlich zu erledigen. So verblüffte Rydl am Samstag Nachmittag die Kollegenschaft, als er unmittelbar vor Spielbeginn seinem Erstrundengegner Robert Heubeurger zu dessen 14. Geburtstag gratulierte. Die Match-Bilanz seines Kontrahenten für die staunende Menge auch noch parat, spätestens da wusste Robert Heuberger, dass er an diesem “doppelten Feiertag” mit Geburtstag und Nikolo keine Geschenke von Rydl erwarten durfte. Viel eher erwartete das Geburtstagskind von Beginn an ein heißer Tanz am Centercourt. Für den 14jährigen Neuzugung des TC Top Serve war daher recht rasch klar, dass eine entsprechende Topleistung her musste, um erstmals nach vier Erstrunden-Niederlagen in Serie wieder einmal siegreich zu bleiben. Eine Vorstellung wie sie der Heuberger-Junior im Jahr 2007 zur Freude seiner Eltern öfters abrufen konnte wäre ihm auch zu wünschen gewesen, weniger wegen seinem Geburtstag, sondern um endlich wieder einmal ordentlich Selbstvertrauen tanken zu können und um den entstandenen Druck ein wenig abzubauen. Denn im Moment kann der Heuberger-Junior bei weitem im Wettkampf nicht jenes Potential abrufen, welches er laufend im Training zeigt und das er auch in der Vergangenheit auf Tour-Ebene schon öfters zum Besten gab. Licht und Schatten wechseln beim 14jährigen im Sekunden-Takt, und bescheren den Eltern Manuela und Norbert beim Zuschauen eine wahre Hochschaubahnfahrt der Gefühle. Wenn Robert zum Schlag ausholt, weiß man derzeit nicht was passiert. Geniale Punkte oder herbe Schnitzer, der Heuberger-Spross spielt momentan sein ganzes Repertoire in Sachen Unbeständigkeit aus. Schade, denn ein nur halbwegs konstanter “Roberto” hätte im Normalfall mit einem Großteil der November-Second-Series-Stars seine helle Freude. Bleibt nach der fünften Erstrunden-Niederlage in Folge nur ein riesiges Happy Birthday in Richtung Robert Heuberger, verbunden mit der Hoffnung auf bessere Zeiten. Und auf die hofft auch Lucas Rydl für den weiteren Verlauf des Turniers. “Schlimmer als heute kann es ja nicht mehr kommen. Ich habe ganz schlecht gespielt und muss froh sein, dass mir der Robert mit seinen vielen Fehlern weitergeholfen hat”, resümmierte Rydl.

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Günter Zack schlägt zum Auftakt Jürgen Kaltenböck, der schon bald sein eigenes Heimturnier in Linz bekommen wird

Die Verhandlungen laufen und sie sind auf einem äußerst fortgeschrittenen und guten Weg, dass die Hobby-Tennis-Tour im kommenden Jahr in Linz Station machen, und in Oberösterreichs Hauptstadt ein Gastspiel geben wird. Erstmals wird der Circuit dann den Osten Österreichs verlassen und ein gewisser Jürgen Kaltenböck zum Lokalmatador avancieren. Davor feierte der Linzer aber schon am Samstag Nachmittag sein Debüt auf der Hobby-Tennis-Tour. Seinen Auftritt in der Racketlon-Bundesliga verband der 31jährige zu einem Besuch der Tour, wo Kaltenböck in Runde des November-Second-Series-Turniers auf Günter Zack traf. In einem interessanten Linkshänder-Duell setzte sich nach 80minütiger Spielzeit der Routinier gegen den Neuling mit 7:5, 6:2 durch, womit “Zacki” seine Erstrundenpleite aus dem Vorjahr vergessen machte. “Ich habe eine sensationelle Leistung gebracht und nur so das Achtelfinale erreicht. Der Jürgen war ein verdammt starker Gegner. Aber ich war sehr konzentriert und mir sind heute reihenweise echte Mörderschläge gelungen”, frohlockte ein äußerst euphorischer Gewinner. Der 41jährige zeigte in der Tat erfrischendes Tennis von der Grundlinie und profitierte auch von der unkonstanten Vorstellung seines Gegenübers. Was weiter nicht verwunderte, immerhin war der Ausflug in die Bundeshauptstadt für Kaltenböck was völlig Ungewohntes. Neue Gegner, fremde Menschen, dazu ein Bodenbelag der ihm nicht sonderlich behagt und das Racketlon-Programm zum Tag, der Rest der Saison-Newcomer ist sicherlich entspannter ins Tour-Debüt gestartet als der sympathische Oberösterreicher. Der übrigens ein echter Sportfreak zu sein scheint. Den Kontakt zum Tour-Veranstalter stellte Jürgen schon vor Wochen her. Und dieser wunderte sich damals über die Lockerheit des 31jährigen und wie unkompliziert er dem Mehr-Tages-Event HTT trotz weiter Anreise gegenüberstand. “Kein Problem wenn ich in der ersten Runde weiterkomme. Ich habe einen riesigen Bus in dem ich schlafen kann”, meinte Jürgen damals. Das ist echte Liebe zum Tennis.

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Christoph Eigenseder qualifiziert sich mit Zweisatzsieg über Bernd Saurugger für das Achtelfinal-Duell mit der Nummer 1 des Turniers Roman Riegler

Den Spass am Tennis nach einer langen Verletzungspause scheint auch Christoph Eigenseder wieder gefunden zu haben. Der 32jährige feierte in Runde 1 des November-Second-Series-Turniers gegen Bernd Saurugger einen souveränen 6:2, 6:2 Erfolg, und überstand damit bereits zum vierten Mal in Folge die erste Runde eines Hauptbewerbs auf der Hobby-Tennis-Tour. Gegen einen – an fehlender Matchpraxis – sichtlich leidenden Gegner, spielte der November-GP-Viertelfinalist trotz heftiger Knie-Beschwerden seine momentane Lockerheit auf den Courts der Tour voll aus. Auf das Wesentliche konzentriert, hatte Eigenseder nach nur einer Stunde sein Achtelfinal-Ticket für das Duell mit der Nummer 1 des Turniers Roman Riegler gelöst, und Zeit sich im Point-Restaurant einem verdienten Mittagessen zu widmen. Davor analysierte der 32jährige seinen gelungenen November-Second-Series-Auftakt aber noch wie folgt: “Es war schmerzvoll, weil mein Knie weh tut. Es hat vor ein paar Wochen bei einem Hallenturnier begonnen, und jetzt ist es eigentlich schlimmer geworden. Der erste Satz heute war ganz gut, obwohl ich ganz zu Beginn ein wenig geschlafen habe. Der zweite Durchgang war ein “Deja-vu” und verlief genau wie der erste Satz. Insgesamt bin ich heute aber sehr ruhig geblieben, habe nichts übertrieben und nur das gemacht was notwendig war”, schilderte der Sieger. Da war Bernd Saurugger mit seiner zweiten Hallen-Erstrunden-Niederlage in Folge schon wieder auf dem Heimweg, allerdings ganz und gar nicht traurig oder sonderlich enttäuscht. “Mir fehlt im Augenblick das freie Spielen, das wir im Sommer halt so oft praktizieren. Von daher war meine Leistung heute gar nicht so schlecht. Ich spiele im Moment auch nicht auf Resultat. Ergebnisse sind mir egal, ich möchte nur Tennis spielen und schöne Matches haben”, resümmierte der Simmeringer.

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Martin Knab deklassiert Clemens Lederbauer und feierte ersten Karriere-Einzelsieg

Am zweiten Spieltag des 3. November-Second-Series-Turniers reichte es schließlich auch noch zum ersten Karriere-Einzelsieg für Tour-Neuling Martin Knab. Eine Woche nachdem der 23jährige sein Debüt gegen Günter Zack mit einer ernüchternden 3:6, 1:6, Niederlage in den Sand setzte, konnte sich Knab für den Ausrutscher beim November-First-Series-Turnier eindrucksvoll rehabilitieren. Beim 6:1, 6:0 Kantersieg über Clemens Lederbauer überzeugte der Newcomer vorallem mit einer starken läuferischen Leistung und sehenswerten Bringer-Qualitäten. Knab brachte die unmöglichsten Bälle aus den entfernsten Winkeln des Platzes ins Feld seines Gegners zurück, sehr zum Verdruss des dort wartenden Clemens Lederbauer. “Der Martin hat heute alles erlaufen. Ich bin absolut unzufrieden. Meine Niederlage war eh klar, und bei so vielen Doppelfehlern kein Wunder”, klagte Lederbauer der weiter auf seinen ersten Einzelsieg warten muss. Aufmunternde Worte für den Unterlegenen kamen dann zum Schluss noch vom Sieger selbst. “Der Anfang dieses Matches war eigentlich sehr ausgeglichen. Bis 2:1 war es eine enge Partie, erst danach ist es schnell gegangen. Der zweite Satz war ein eindeutige Sache”, bilanzierte Knab, der nun im Achtelfinale auf den Sieger der Erstrundenpartie Alexander Schick gegen Werner Novak treffen wird.

Claus Lippert, 6. Dezember 2008