Stoyanov`s Erbe

Hristo Paunov holt sich bei seinem Tour-Debüt den November-First-Series-Titel

Von Simmering bis Landstrasse, von Hobiger bis Paunov, die erste First-Series-Saison auf der Hobby-Tennis-Tour ist seit gestern Abend vorüber, und sie endete mit einem Erfolg des bulgarischen Tour-Neulings Hristo Paunov. Der 31jährige aus Dimitrovgrad gewann das rein internationale Finale des 1. November-First-Series-Turniers gegen Deutschlands David Hühne in nur 1:04 Stunden mit 6:1, 6:4, und sorgte damit für den ersten bulgarischen Turniersieg seit April 2006. Paunov ist aber nicht nur der zweite bulgarische Titelträger nach seinem Landsmann Filip Vladkov, sondern auch der 21. neue Turnier-Champion im Jahr 2008, das insgesamt 29. Siegergesicht der zu Ende gehenden Saison und der siebente Debütant, der im Jahr 2008 gleich bei der Premiere den Pokal des Siegers mit nach Hause nehmen konnte. Ein Bericht vom Finale von C.L

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Die erste Bilanz nach acht First-Series-Ausgaben fällt zufriedenstellend aus

Die erste volle First-Series-Saison auf der Hobby-Tennis-Tour ist also am Dienstag Abend mit dem Match zwischen Hristo Paunov und David Hühne zu Ende gegangen. Zeit und Gelegenheit für uns, um eine kurze Bilanz über dieses im letzten Winter beschlossenes neue Tour-Projekt zu ziehen. Bei acht Turnieren waren immerhin 229 Spieler am Start, was einen beachtlichen Schnitt von 29 Teilnehmern pro Turnier ergibt. Vom Eröffnungsmatch der Premieren-Veranstaltung im vergangenen Februar zwischen Werner Novak und Thomas Peyerl, bis zum gestrigen Finale der November-Ausgabe standen 207 First-Series-Einzelspiele auf dem Programm, in denen sich einiges ereignete. Wer erinnert sich nicht an die heftige Kiwi-Diskussion rund um den angeblichen Neuseeländischen Tennis-Pro Mark Carruthers bei der Februar-Ausgabe, oder an den Premieren-Turniersieg von Christoph Kramer, der seinen ersten Karriere-Titel nach 11 Jahren Tour-Zugehörigkeit bei der Mai-Ausgabe mit einer feucht fröhlichen Siegesparty am Centercourt feierte. Und auch die bislang letzte Ausgabe dieser noch jungen Turnierserie hatte zum Saisonende nochmals historisches zu bieten.

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Erster bulgarischer Turniersieg nach 951 Tagen und seit Filip Vladkov

Denn seit gestern Abend jubelt Bulgarien über den zweiten Turniersieg der 19jährigen Tour-Geschichte. Exakt 951 Tage nach dem bislang einzigen bulgarischen Titelgewinn durch Filip Vladkov beim April-Without-Top-Ten-Turnier 2006 ist die Balkan-Republik wieder durch einen Siegspieler im Circuit vertreten. Tour-Neuling Hristo Paunov hat am Dienstag Abend im Finale des November-First-Series-Turniers sein Debüt mit dem Titelgewinn gekrönt. Der 31jährige aus Dimitrovgrad gewann ein eher mäßiges Endspiel gegen den deutschen Oktober-Without-Top-Ten-Sieger David Hühne in nur 64 Minuten mit 6:1, 6:4, und sorgte so für den insgeamt 23. internationalen Turniersieg der Geschichte. Und so hatte am Ende auch Paunovs unterlegener Viertelfinalgegner Alexander Neuhauser mit seiner Einschätzung und seinem Tipp recht behalten. “Ich kann mir nicht vorstellen, wer den Hristo hier in diesem Turnier schlagen soll”, lag “Experte Alex” goldrichtig.

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Hühne rast in seinem dritten Karriere-Finale mit hoher Eigenfehler-Quote ins Debakel

Das die 45ste und vorletzte finale Entscheidung des Jahres nur knapp mehr als eine Stunde dauern würde, und dabei über weite Strecken des Endspiels die hochgesteckten Erwartungen unerfüllt bleiben sollten, damit konnte man eigentlich im Vorfeld nicht rechnen. Auf der einen Seite stand doch David Hühne, der in einer beneidenswerten Spätform und ohne Satzverlust über teils namhafte Gegnerschaft hinweggebraust war, und auf der anderen Seite Hristo Paunov, der als spielstarker Neuling für Staunen unter seinen teils überforderten Kontrahenten sorgte. Doch mit ihrer bisher im Turnierverlauf gezeigten Top-Performance konnten die beiden Finalisten im entscheidenden Endspiel leider nicht aufwarten. Im Gegenteil: Vorallem Deutschlands Hoffnung David Hühne war es, der mit einer unerwartet hohen Eigenfehler-Quote zum eher mäßigen Niveau des Spieles erheblich beitrug. Schon den Start in sein drittes Karriere-Finale verhaute der 28jährige Singener total. Mit vier Fehlern von der Grundlinie “schenkte” Hühne seinem Gegner praktisch das Eröffnungs-Game und verhalf so dem bulgaischen Newcomer bei dessen Final-Premiere zu einem Start nach Maß. Obgleich sich auch Paunov zunächst alles andere als in Vorrunden-Form präsentierte und von der Grundlinie auch nur recht langsam und zögerlich seinen Rhythmus fand. Und so hatte die hobbyTennisTour.at-Statistik von den ersten 10 ausgespielten Punkten des Finales gleich 9 unerzwungene Fehler zu verzeichnen. Allerdings fing sich Paunov schneller als Hühne, der im ersten Satz über weite Strecken wie ausgewechselt zu den Vortagen wirkte. Und so konnte das muntere “Fehler machen” auf deutscher Seite weiter gehen. Die erste Schallmauer von 20 unerzwungenen Fehlern von der Grundlinie durchbrach der Ranglisten-Dreizehnte vom Bodensee schon im fünften Game des ersten Satzes, was er mit dem Sager “Das ist ja zum heulen” quittierte. Die Performance des Deutschen in diesem ersten Finalsatz war tatsächlich eine äußerst traurige. Mit 29 Fehlern insgesamt raste Hühne ungebremst in ein 1:6 Debakel, welches nach nur 31 Minuten besiegelt war. Bezeichnender Weise auch noch mit einem Fehler von der Rückhand, die in der ersten halben Stunde dieses Endspiels insgesamt als eklatanteste Schwäche im Spiel des Deutschen auffiel.

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Paunov auch im zweiten Satz der konstantere Spieler und daher verdienter Sieger

Den Frust über einen total verkorksten ersten Satz, klopfte sich Hühne dann zunächst im ersten Game des zweiten Durchgangs von der Seele. Mit drei präzisen und wuchtigen Aufschlägen ging er erstmals in diesem Match in Führung, und sorgte damit auf seiner Bank wo Christian Brix mitfieberte für neue Hoffnung. Die der bulgarische Debütant auf der anderen Seite des Netzes aber schon in den nächsten Games wieder zerstörte. Paunov spielte von der Grundlinie aus eine ganz solide Partie, sorgte mit einem höchst effektiven Rückhand-Slice für den bei Hühne ungeliebten Tempowechsel und präsentierte sich insgesamt als der konstantere Spieler. Hühne hingegen schraubte in diesem zweiten Satz nur mehr seine Eigenfehler-Quote in die Höhe und fiel noch mit dem ein oder anderen lautstarken Sager auf. Sprüche wie, “Das ist ja lächerlich”, oder “Kannst du bitte mal den Ball ins Feld spielen, es ist ja eh so groß”, heiterten das Publikum auf und machten deutlich, wie hilflos der 28jährige Süddeutsche in diesem internationalen Finaltreff tatsächlich war. Das Paunov noch dazu gar nicht sein bestes Tennis zeigen musste, dokumentierte auch wie weit weg von seiner Bestform Hühne an diesem Abend agierte. Das sein dritter finaler Karriere-Auftritt nicht auch im zweiten Satz im Debakel endete, hatte er dann schließlich noch dem späteren Sieger zu verdanken. Paunov begann plötzlich bei 5:2 und 30:0 eine Show abzuziehen, vollierte am Netz durch die Beine und nahm das Finish des Finales mit einer bekannt südländischen Lässigkeit nicht mehr ernst. Die Strafe folgte auf den Fuss, denn prompt kassierte Paunov das erste Break im Verlauf des Spieles. Hühne witterte noch einmal eine kleine Chance, erst recht als er mit eigenem Aufschlag auf 4:5 verkürzen konnte und sich bei 15:15 im Folge-Game die winzige Möglichkeit auf den Ausgleich auftat. Doch für eine Wende aus eigener Kraft war Hühne letztlich auch in dieser Schluss-Phase zu schwach. Mit einem Rückhand-Slice ins Netz beendete der Deutsche das November-First-Series-Finale 2008 und ein aus seiner Sicht mehr als enttäuschendes Spiel.

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“Ich werde Anfang 2009 stärker denn je auf die Tour zurück kommen”

“Frohe Weihnachten und man sieht sich im neuen Jahr”, meinte der unterlegene Finalist und wollte sich mit diesem frechen Statement vor der obligaten Match-Analyse drücken. “Ich habe einfach zuviele Fehler gemacht und von Anfang an nicht meinen Rhythmus gefunden. Außerdem habe ich mich extrem schlecht bewegt und mit seinem Rückhand-Slice bin ich überhaupt nie zurecht gekommen. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber die Enttäuschung ist nicht so riesig. Denn ehrlich gesagt habe ich mich schon sehr bald im ersten Satz mit der Niederlage heute angefreundet. Und außerdem ist der Hristo nicht der einzige Gegner auf der Tour, dessen Spiel mir nicht liegt. Diese Niederlage hat aber auch ihr Gutes. Jetzt bin ich voll motiviert für die kommende Saison, und dieses Spiel hat mir gezeigt, wo meine Schwächen liegen und woran ich in der nächsten Zeit noch zu arbeiten habe. Ich werde Anfang 2009 aber stärker als je zuvor auf die Tour zurückkommen”, richtete Hühne eine erste Kampfansage an die Konkurrenz. Davor freilich blieb noch ein wenig Zeit, um die abgelaufene Saison noch einmal Revue passieren zu lassen. “Es war eine schlechte Saison aus meiner Sicht. Ich habe zuviel verschenkt, mental viele Matches weggeschmissen und deutlich zu viele Punkte liegen gelassen. Außerdem hatte ich heuer sehr oft Auslosungspech. Der schönste Moment im Jahr 2008 war sicherlich mein erster Titel, der sehr wichtig war. Der bitterste Augenblick war meine Viertelfinal-Niederlage beim Jänner-Without-Top-Ten-Turnier gegen den Stefan Rieger, als ich schon 6:1, 5:3 führte und zwei Matchbälle vergab”, blickte Hühne zurück. Trotz der Finalpleite beim November-First-Series-Turnier hat der Deutsche bei seinem letzten Start im Jahr 2008 aber noch zwei kleine Saisonziele erreicht. Der 28jährige wird seine erste volle Saison auf der Tour unter den Top Ten im Champions-Race abschließen und damit vor seinem Erzrivalen Stefan Rieger das Jahr beenden, und er wird im Entry-Ranking an Robin Douglas vorbeiziehen, und damit als neue Deutsche Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour überwintern.

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Der Trainingspartner von Svetlin Stoyanov holt letzten First-Series-Titel des Jahres

“Danke für dieses schöne Turnier. Solche Veranstaltungen sind eine tolle Sache um sich mit Leuten zu treffen und schöne Tennisspiele zu haben. Ich freue mich sehr, dass ich hier mitgespielt habe und das mir der Sieg gelungen ist. Und hoffentlich kann ich beim nächsten Mal wieder dabei sein. Ich freue mich schon auf Jänner und vielleicht spiele ich ja auch bei den Doppelturnieren in zwei Wochen mit”, begann der neue bulgarische Tour-Star ganz anders als all die anderen Sieger des Jahres sein abschließendes Interview. Der auf Engagement von Svetlin Stoyanov auf der Tour spielende November-First-Series-Sieger nahm dann aber auch noch zum Match an sich Stellung. “Heute war es viel leichter als gestern. Das Semifinale mit dem Christoph Kramer war viel schwieriger und anstrengender für mich. Von daher war ich auch noch sehr müde, aber wie schon gesagt, gestern war es für mich viel schwerer als heute. Es hängt auch immer vom Gegner ab. Manchmal sieht man stärker aus, und manchmal eben schwächer”, meinte der neue Champion. Noch besser ist es, wenn man so wie Paunov bislang nur “stark” ausgesehen hat.

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Claus Lippert, 3. Dezember 2008