Mayerhofer und Stabrawa um letzten WTT-Titel der Geschichte

Zum historischen Abschluss der über 12 Jahre im Tourkalender etablierten und äußerst beliebten Without-Top-Ten-Turnierserie könnte es am heutigen Abend ein ganz großes Finale und eine würdige Abschieds-Vorstellung geben. Den finalen Showdown der insgesamt 68 Turniere andauernden WTT-Ära bestreiten nämlich Juli-Without-Top-Ten-Sieger Roland Mayerhofer und der seit Wochen in Hochform spielende November-Grand-Prix-Champion Victor Stabrawa. Die beiden Toustars mit der Chance sich am heutigen Abend in die Geschichtsbücher zu spielen, blieben am gestrigen Montag Abend in ihren Vorschluss-Runden-Spielen ungefährdet. Roland Mayerhofer beendete in nur 52 Minuten mit einem 6:3, 6:0 Sieg die Hoffnungen von Markus Hobiger auf sein drittes Karriere-Finale, und Victor Stabrawa prolongierte mit seinem achten Hallen-Einzelsieg in Serie und einem 6:3, 6:3 Erfolg über Hans Ebner seinen augenblicklichen Erfolgslauf auf der Tour. Ein Bericht von C.L

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Hans Ebner beendet nach Halbfinal-Niederlage gegen Victor Stabrawa erstmals eine Saison auf der Hobby-Tennis-Tour ohne Turniersieg

Geht es nach Hans Ebner selbst, dann hat er am gestrigen Abend im ersten Semifinale des 13. November-Without-Top-Ten-Turniers endgültig die Chance vergeben, WAT Ottakring-Jungstar Victor Stabrawa jemals zu besiegen. Für den “US Open-Champion der Hobby-Tennis-Tour von 2007” stand schon vor dem dritten Kräftemessen mit dem “Mann der Stunde” fest. “Entweder ich schlage in diesmal oder niemehr”. Nach exakt 63 Minuten am Centercourt des Tennispoint Vienna scheint Ebner sich mit der traurigen Gewissheit abgefunden zu haben, dass ein Sieg über Stabrawa in diesem Leben wohl nicht mehr auf seiner umfangreichen Hobby-Tennis-Tour-Erfolgs-Visitenkarte Platz finden wird. Stattdessen verabschiedete sich der 39jährige mit einem 3:6, 3:6 in seinem letzten Saisonmatch in die wohlverdiente Winterpause. Dort wird Ebner nun versuchen, sich für die ersten fünf Monate des Jahres 2009 noch einmal so richtig gut in Schwung zu bringen. Bis Mai will der Korneuburger Tourstar ein letztes Mal einen Angriff auf die Top Ten wagen. Und danach? Es gibt Spekulationen, wonach der sympathische Niederösterreicher sich mit “40” nicht mehr das Powertennis der “Young Generation” antun möchte. Das es Jahr für Jahr härter wird auf der Tour, zeigte auch die vergangene Saison, die Ebner erstmals ohne Titelgewinn beenden musste. Um eine titellose Saison zu verhindern, hätte der 2fache Turniersieger vorerst am Montag Abend die derzeit heißeste Jugend-Aktie der Hobby-Tennis-Tour schlagen müssen. Der momentane Kurs des 16jährigen am HTT-Index sprich Entry-Ranking zeigt ganz steil nach oben. Der noch nicht überarbeitete 52 Wochen-Arbeitsnachweis der Tourstars würde den Jungstar schon auf Platz 10 ausweisen, nach dem letzten Without-Top-Ten-Turnier der Geschichte sollte ihm gar Rang 9 in der Entry-List sicher sein. Zahlen und Daten, die den November-Grand-Prix-Sieger am Platz aber derzeit nicht wirklich interessieren.

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“Der Stabrawa erinnert mich ganz stark an den Wagner als ich auf der Tour einstieg”

Für solche statistischen Zahlenspielchen hat Stabrawa wenig über, speziell wenn er derzeit die Courts der Hobby-Tennis-Tour betritt. Dann läßt er mit einem gewaltigen Selbstvertrauen und einer Top-Performance die Konkurrenz erzittern, wie auch am gestrigen Abend die Nummer 3 des Turniers Hans Ebner. Stabrawa glänzte an der Grundlinie mit wuchtigen und langen Schlägen, überzeugte beim Service und punktete sogar reihenweise beim Volley. Es war eine konzentrierte und kompakte Vorstellung, die dem Jungstar am Ende den dritten Sieg im dritten Duell mit Ebner sicherte. Das Ebner zu Beginn des Spieles ohne “ersten Aufschlag” agierte, machte die Sache für Stabrawa um ein vielfaches einfacher. Dem Junior glückte ein frühes Break gleich im Auftaktspiel, eines das er mit eigenem Aufschlag gekonnt hielt, und das er zum Ende des Satzes noch verdoppelte. Nach 35 Minuten und zwei Breaks hatte der WAT-Ottakring-Jungstar also Kurs auf sein viertes Karriere-Finale genommen, und diesen auch trotz kurzer Künstlerpause zur Mitte von Durchgang 2 nicht mehr verlassen. Mit einem weiteren Break zum 2:0 schien die Partie zudem vorzeitig vorentschieden, zumal Ebners bislang einziges Karriere-Break gegen den Jüngling vom Heuberg aus dem vergangenen Jänner datierte. Damals im Erstrundenhit des Jänner-Grand-Slam-Turniers hatte Ebner dem 16jährigen im ersten Satz einmal dessen Service abgenommen. Seitdem versuchte der 39jährige in 4 Sätzen vergeblich den Aufschlag seines Konkurrenten zu knacken. Bis zum 12. Game dieses Halbfinales, wo Ebner zumindest einen kleinen Teilerfolg verbuchen und eine kurze Aufholjagd starten konnte. Der Routinier aus Korneuburg verkürzte mit dem lange herbei gesehnten ersten Break seit Januar auf 1:2, und ging Minuten später mit einem weiteren Break sogar erstmals in diesem Match in Führung. Ein Warnschuss vor den Bug des Juniors, den dieser aber offensichtlich nur zu gut verstand, und im Finish wieder ganz ordentlich Gas gab. Mit drei Games in Folge fixierte Stabrawa seinen achten Einzelsieg in der Halle in Serie und den insgesamt 25. Single-Erfolg seiner noch so kurzen Karriere. “Ich habe wieder nicht so gut gespielt. Vorallem deshalb nicht, weil ich zwar einige ganz tolle Punkte gemacht habe, danach aber wieder dumme Fehler begangen habe. Allerdings hatte ich in diesem Spiel nie das Gefühl, verlieren zu können. Im Finale zählt für mich nur der Sieg”, verkündete der amtierende November-Grand-Prix-Sieger. Und was meinte Hans Ebner nach seiner Abschiedsvorstellung 2008: “Ich war chancenlos. Der Victor war rundum zu stark für mich. Aber ich bleibe bei meiner Aussage die ich schon im Jänner zu Beginn der Saison getroffen habe. Der Stabrawa spielt jetzt nicht anders als einst der Wagner bei meinem Tour-Einstieg. Damals gab es einen Wagner und einen Nagl, und heute das ganze “hoch 20″. Er erinnert mich wirklich sehr stark an den Wagner. Schnell, sicher und mit einem guten Zug”.

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Roland Mayerhofer schießt sich in nur 52 Minuten gegen Markus Hobiger ins Endspiel

Einen ziemlich schnellen Weg ins drittletzte Endspiel des Jahres wählte am Montag Abend auch Juli-Without-Top-Ten-Sieger Roland Mayerhofer. Der 29jährige deklassierte im zweiten Vorschluss-Runden-Spiel Februar-First-Series-Champion Markus Hobiger in nur 52 Minuten mit 6:3, 6:0 und sicherte sich so den Einzug in sein zweites Karriere-Finale. Hobiger dagegen musste erstmals in seiner Laufbahn mit einer Halbfinal-Niederlage fertig werden. Mit einer deftigen noch dazu, kassierte der bald 32jährige Guntramsdorfer im zweiten Satz doch immerhin ein schmerzliches 0:6 Debakel. In nur 17 Minuten war “Hobi” in diesem rabenschwarzen zweiten Durchgang regelrecht weggebrochen. Ohne Kraft, die er am zurückliegenden Wochenende in die Duelle mit Ronny Raith und der Steirer-Connection “Wieser-Podlipnig” investiert hatte, brach binnen Minuten auch die spielerische Linie beim Niederösterreicher zusammen. Dabei hatte Hobiger den ersten Durchgang gegen Mayerhofer recht lange offen gestalten können. Zwar gelang dem 29jährigen für Groß-Enzersdorf spielenden Tourstar ein Break zum 3:1, doch wirklich absetzen konnte er sich damit nicht. Hobiger hielt mit eigenem Aufschlag das Geschehen am 7er-Court des Tennispoint Vienna offen und hatte eigentlich in den ersten 35 Minuten dieses Spieles nur ein Pech, nämlich das sich Mayerhofer seinerseits bei eigenem Aufschlag überhaupt keine Blöße gab. Wie ein Uhrwerk spulte “Roli” seine Service-Games herunter, was Hobiger für Durchgang Nr. 2 zusätzlich unter Druck brachte. Mit dem raschen 0:1, zustande gekommen durch ein neuerliches Break, brachen im Spiel Hobigers dann auch alle Dämme. Kaum mehr ein vernünftiger Ballwechsel, ganz seltene Punktegewinne, um dann nach nur 17 Minuten Spielzeit in diesem zweiten Heat zum bitteren Shakehands ans Netz schreiten zu müssen. “Die Enttäuschung hält sich trotzdem in Grenzen”, meinte der unterlegene Guntramsdorfer in einer ersten Reaktion.

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“Die Hobby-Tennis-Tour ist ja kein Wunschkonzert, auch bei der First-Series nicht”

“Ich bin nicht großartig enttäuscht, weil ich mein Ziel mit dem Semifinale erreicht habe. Der Mayerhofer war ja auch nicht irgend ein Gegner, und er ist ja auch kein unbeschriebenes Blatt auf der Tour. Leider bin ich heute nicht an meine gestrige Leistung heran gekommen. Ich war richtiggehend kraftlos, denn der Weg bisher in diesem Turnier war mit “2 x über 3 Sätze” doch sehr hart. Wenn ich aber am kommenden Montag wieder hier sitze, dann wäre ich sehr zufrieden”, sprach Hobiger seine Zielsetzung für die anstehende November-First-Series-Premieren-Veranstaltung an. Ob er dort zum Abschluss der Saison seinen zweiten Karriere-Titel feiern könnte, darauf antwortete Hobiger so: “Die Hobby-Tennis-Tour ist kein Wunschkonzert. Auch bei First-Seris-Turnieren spielen viele gute Leute mit. Ein Sieg dort wird ganz schwierig. Da muss schon alles zusammen passen, angefangen von der Form über die Tagesverfassung bis hin zur Kondition”. Was Hobigers Bezwinger Roland Mayerhofer nur bestätigen konnte. “Ich habe die letzten Kraftreserven mobilisiert, um den Jahresabschluss doch noch versöhnlich zu beenden, nachdem mein erstes halbes Jahr auf der Tour nicht immer nach meinen Vorstellungen verlaufen ist. Daher will ich es jetzt beim letzten Turnier noch einmal wissen. Im heutigen Match hat der “Hobi” im zweiten Satz extrem stark abgebaut. Zu Beginn dieses Satzes war es noch recht knapp. Doch da waren viele Bälle recht unglücklich für ihn. Danach habe ich mein Spiel aber umgestellt, und nur mehr rechts und links die Bälle verteilt, weil ich gesehen habe, dass bei ihm von der Kraft her nichts mehr ging. Der Hobi ist aber ein unberechenbarer Spieler den man nie unterschätzen darf”, analysierte der Sieger. Und Mayerhofer wagte auch noch einen kurzen Ausblick auf das große Finale. “Das wird ein ganz schweres Match werden, weil der Stabrawa ähnlich spielt wie ich. Und er hat nach dem November-GP-Sieg sicherlich einiges an Selbstvertrauen getankt. Ein Grund mehr für mich im Endspiel voll motiviert zu sein. So kann ich dann vielleicht am Ende sagen, einen Grand-Prix-Sieger geschlagen zu haben”.

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Claus Lippert, 25. November 2008