Schaaf-Comeback nach nur 44 Minuten zu Ende

Bereits in drei Wochen startet die Freiluft-Saison 2010 mit ihrem Auftakt-Turnier im Tennispoint Südstadt. “Das wird eher nichts”, dachten sich wohl die Stars des März-WTB-Turniers am Samstag Abend bei ihrer Heimfahrt durch dichtes Schneegestöber. Doch schon am nächsten Morgen war die weiße Pracht wieder dahin, und zudem standen ohenhin ganz andere Themen im Fokus des Tour-Geschehens. Zum Beispiel das mit großer Spannung erwartete Comeback von Stefan Schaaf, der im Vorjahr die Indoor-WTB-Events nach Belieben dominierte und sich so den Titel des “Hallen-WTB-Königs” sicherte. Ein Bericht von C.L

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Angst der Konkurrenz vor Edelschupfer Stefan Schaaf war unbegründet

Er selbst titulierte sich gerne als der “Edelschupfer der Hobby-Tennis-Tour”, für die staunende und stets das Nachsehen habende Konkurrenz wurde er in der zweiten Hälfte der letztjährigen Wintersaison zum Schreckgespenst und ultimativen Alptraum. Stefan Schaaf, Gewinner von drei WTB-Turnieren im Jahr 2009 hatte auf den Courts dieser Tour ohne spektakulär zu glänzen, der Gegnerschaft das Fürchten gelehrt. Mit einer unheimlichen Konstanz und der Fähigkeit den kleinen gelben Filz das entscheidende eine Mal mehr über das Netz zu spielen, degradierte der Schupferkönig die WTB-Gegner zu echten Statisten. Umso größer war der Aufschrei in der Szene, als man am Donnerstag Nachmittag plötzlich den Namen Stefan Schaaf in der Nennliste des März-WTB-Turniers erblickte. Der Respekt von Hühne & Co vor dem schupfenden Ungeheuer war enorm, die Angst vor einem neuerlichen Solo des 32jährigen letztlich aber unbegründet. Denn dem Spuk und Mythos des unschlagbaren Stefan Schaaf bei WTB-Hallen-Events machte am Sonntag Nachmittag der Tiroler Thomas Guem ein Ende. Der Schönwieser der Schaaf nur vom “Hören & Sagen” kannte, ging daher unbelastet in das Duell mit dem comebackenden Titelverteidiger.

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Statt glanzvoller Wiederkehr setzte es für Stefan Schaaf beim Tour-Comeback eine gnadenlose Auflistung momentaner Schwächen

Um 13:43 Uhr an diesem gestrigen Sonntag war es dann soweit. Das Comeback des Stefan Schaaf war angelaufen. Achteinhalb Monate seit seinem letzten Single-Einsatz beim Juni-Super-4-Turnier, wo er hoch über Oberlaa sein Achtelfinale gegen Victor Stabrawa nach 1:1 in Sätzen mit Schmerzen im Rücken w.o. gab, griff der 32jährige Vorjahressieger also erstmals wieder im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour zum Racket. Doch statt einer glanzvollen Wiederkehr wurde Schaafs neuerliches Rendezvous mit der Tour zu einer knallharten Offenlegung seiner momentanen Schwächen. Nach nur 7 Minuten Spielzeit un einem 0:3 Rückstand waren die Hoffnungen des 32jährigen auf ein geglücktes Comeback am Nullpunkt, nach nur 15 Minuten und einem 0:6 verlorenen Satz machte sich wohl Resignation breit, und am Ende nach 44 enttäuschenden Minuten hatte sich die Gewissheit breit gemacht, dass selbst an einem Ausnahmespieler wie Schaaf fast 9 Monate Tennis-Abstinenz nicht spurlos vorübergehen. So krachte der in einer schwachen dreiviertel Stunde entthronte Titelverteidiger nach 15 in Serie errungenen Einzelsiegen auf WTB-Indoor-Ebene in seine erste Niederlage. “Das es mich schon in Runde 1 erwischt hat ist schade, aber ich habe ohnehin nicht mit dem Titel spekuliert. Ich kannte den Thomas Guem ja nicht, aber mit dem Einzug ins Semifinale hätte ich schon gerechnet. Auch an mir nagt halt der Zahn der Zeit”, lächelte der 32jährige ehe er weiter analysierte: “Konditionell fehlt mir halt sehr viel, und heute hat es auch an der Präzision gemangelt. Letztes Jahr hätte mir so ein Abschneiden noch weh getan, aber jetzt bin ich darüber hinweg. Es ist einfach so wie es ist”, klang aber doch auch ein bißchen Wehmut bei Schaafs Statement mit. Denn nach einem dreiviertel Jahr mit “Akupunktur, Infiltration und Infusionen” und weiter täglichen Übungen für einen stabilen schmerzfreien Rücken, ist die Leidenschaft und Angriffslust des 3fachen WTB-Champions deutlich abgekühlt. “Vor einem Jahr im März war ich voll motiviert. Da hatte auch der Harbarth gerade eine schwäche Phase und Motivationsprobleme. Und da hatte ich schon die Motivtion zu schauen, was in Richtung Nummer 1 möglich wäre. Ich war zwar nicht der Favorit, aber aus dem Hinterhalt mit ein paar Semifinali hier und ein paar Viertelfinali dort wäre schon was gegangen wie man ja auch bei Kramer gesehen hat. Man muss ja nicht gleich Grand-Slam-Turniere gewinnen. Doch leider ließ das mein Rücken nicht zu”, philosophierte der Ranglisten-Zwanzigste.

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Duell der “Schwedenbomben & Björn Borg-Unterhosen” bringt 3:09 Stunden Marathon

Den üblichen Marathon zum Tag lieferten diesmal Nicklas Iversson und Leitner Bezwinger Fabrizian Pokorny. Das Duell der beiden “Schwedenbomben” (Iversson ist Schwede und Pokorny sieht aus wie einer aus dem hohen Norden) dauerte exakt 3:09 Stunden und wurde erst im Tie-Break des dritten Satzes zugunsten des “unechten” Skandinaviers Pokorny entschieden. Davor hatten sich die beiden mit “Björn Borg-Unterhosen” adjustierten Tour-Neulinge einen stets hin und her wogenden Kampf auf Biegen und Brechen geliefert. Pokorny hätte aus dem Marathon einen glatten Zweisatzsieg machen können, wenn er im ersten Durchgang einen Satzball genützt hätte. Das der 18jährige bis zum Schluss zittern musste, hatte er dann noch einer vergebenen 4:2 Führung im Finish zu verdanken. Und insgesamt kosteten ihm all diese Nachlässigkeiten soviel Kraft, dass er nach seinem heroisch eroberten 5:7, 6:2, 7:6 Erfolg über Iversson sein Viertelfinale gegen Schaaf-Bezwinger Thomas Guem w.o. geben musste. “Das macht nichts, das hätte jetzt sowieso keinen Sinn gemacht. Ich bin mit meiner Leistung diesmal aber sehr zufrieden”, lächelte der Blondschopf nach über viereinhalb Stunden Tuniertennis am Stück. Weniger Grund zur Freude hatte derweil Pokorny-Freund Hamed Tanghatari. Der 19jährige aus St. Andrä Wördern wartet weiter auf seinen ersten Einzelsieg auf der Hobby-Tennis-Tour. Diesmal beim dritten Antreten musste sich der unter persischer Flagge spielende Niederösterreicher gegen Schwedens Nicklas Iversson geschlagen. Beim 6:7, 2:6 lief nichts nach Wunsch und schon gar nicht so zusammen, wie es der 19jährige im Training und auch in seiner Debüt-Partie beim Februar-GP gegen Tina Weiss schon zeigte.

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David Hühne hilft seinem Doppelpartner Markus Seitner auf die Erfolgsspur

Das Semifinale des vierten März-WTB-Turniers erreichten neben Thomas Guem auch noch Philipp Mayer, David Hühne und Markus Seitner. Mayer beherrschte im Achtelfinale Ungarns weiblichen Second-Series-Star Orsolya Riesz und entledigte sich mit 6:2, 6:3 recht “gentleman-like” seiner ersten Aufgabe am Sonntag Nachmittag. Im Viertelfinale hatte der Schärdinger dann weitaus mehr Mühe, ehe er den steirischen Valek-Bezwinger Harald Schauer mit 7:5, 6:2 niedergekämpft hatte. Dabei hatte Schauer den ersten Durchgang dieses Viertelfinal-Hits unter Kontrolle, servierte bei 5:4 auf den Satzgewinn, ehe Mayer bei Satzball gegen sich mit einem glücklichen Rahmenball den Umschwung einleitete. Ebenfalls einem Momentum hatte Vorjahresfinalist Markus Seitner den Umschwung und Aufstieg ins Semifinale zu verdanken. Der 30jährige Salzburger raste im abschließenden Viertelfinalschlager gegen Rainer Stolz zunächst im Eiltempo ins Verderben, ehe sich auf der Spielerbank der zusehende David Hühne bemüssigt fühlte, seinem Doppelpartner per Coaching auf die Erfolgsspur zurück zu verhelfen. “Du musst das Tempo rausnehmen und den Ball im Spiel lassen”, lautete Hühnes Tipp an den ehemaligen Sandplatzkönig. Und so wurde aus dem vermeintlich raschen Tagesabschluss ein weiterer zwei stündiger Mararthon, der letztendlich Seitner ins Semifnale spülte, wo er nun auf Hühne treffen wird. Wenn sich der Deutsche da nicht mal ein klassisches Eigentor geschossen hat! Stolz hingegen war mächtig sauer, und rauschte mit einem Kurz-Statement und kurzärmelig hinaus in eine finstere kalte März-Nacht. “Jetzt habe ich schon zum zweiten Mal als der bessere Spieler ein Match auf der Tour verloren”.

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Claus Lippert, 8. März 2010