Grznar und Stabrawa um letzten Grand-Prix-Titel des Jahres

Zwei unter 18jährige duellieren sich am heutigen Abend um den letzten Grand-Prix-Titel des Jahres. Der noch 16jährige Victor Stabrawa von WAT Ottakring und der 17jährige Neo-Top-Server Branislav Grznar bestreiten das Endspiel der 17. November-Grand-Prix-Auflage und beschließen damit die Grand-Prix-Saison 2008 auf der Hobby-Tennis-Tour. Bevor sich der Sieger des finalen Jugend-Duells aber zum 20. neuen Siegergesicht der Saison küren lassen kann, hatten die beiden November-GP-Finalisten aber noch “mehr oder wenig” viel Vorschluss-Runden-Arbeit zu verrichten. Denn während der slowakische Jungstar Branislav Grznar in nur 49 Minuten sein zweites Karriere-Finale erstürmt hatte, musste WAT-Ottakring-Star Victor Stabrawa Überstunden schieben und gegen den amtierenden “Wimbledonsieger der Hobby-Tennis-Tour” Michael Kunz über die volle Distanz von drei Sätzen gehen, ehe er nach exakt 1:48 Stunden sein drittes Karriere-Endspiel erreicht hatte. Ein Bericht von C.L

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Grznar nach Sieg über Berzengi nur mehr einen Sieg vom 1. Karriere-Titel entfernt

“Ich bleibe solange in Wien, bis ich den Pokal in Händen halte”, kündigte der slowakische Tour-Jungstar Branislav Grznar am Donnerstag Abend nach der Auslosung zum 17. November-Grand-Prix-Turnier 2008 an. Und dieses Versprechen, das so mancher Kontrahent gar als gefährliche Drohung verstanden haben dürfte, scheint der 17jährige Neuzugang des TC Top Serve nun einzulösen. Grznar setzte sich am Montag Abend im ersten Halbfinale gegen Nihad Berzengi mit 6:2, 6:2 durch, und ist nur noch einen Sieg von besagter Pokalübergabe und dem ersten slowakischen Tourtitel der Geschichte entfernt. Nach seinen bisherigen Siegen hier beim November-GP-Turnier gegen Thomas Müller, Ewald Derflinger und Gerald Stangl schien im gestrigen Semifinale die vermeintlich bislang leichteste Hürde auf dem Weg zum angepeilten ersten Tourtitel auf den jungen Slowaken zu warten. In Gefahr, womöglich doch noch vor dem großen Finale auszurutschen, war Grznar dann auch wie erwartet nie. Der 17jährige präsentierte sich ohne am Limit zu spielen als eine Nummer zu groß für Berzengi, und feierte den vierten Einzelsieg ohne Satzverlust in Serie. Der Stangl-Bezwinger beschränkte sich in der abendlichen Auseinandersetzung mit Berzengi auf das Halten seines Aufschlags, und ließ bei seinen Return-Games das ein oder andere mehr als sonst üblich zu. “Nihad spielt nicht schlecht, nur scheint er in kritischen Situationen zu hektisch zu sein”, lobte Grznar seinen Gegner und diktierte Papa Milan dann in flüssigem Slowakisch noch ein paar Statements. “Der Branislav hat heute mit 60 bis 70 % gespielt und mit Sicherheit noch einige Reserven. Er hat sehr dipolmatisch gespielt”, lächelte der Grznar-Oldie.

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Berzengi zieht sich mit beachtlicher Vorstellung gegen Grznar aus der Affäre

Nihad Berzengi in seinem 31. Karriere-Hallenturnier erstmals im Semifinale und in einer Partie, in der es für ihn nichts zu gewinnen, dafür aber umso mehr zu lernen gab. Diesen Umstand von Beginn an akzeptiert, machte der 2fache Second-Series-Champion dann am Centercourt des Tennispoint Vienna das absolut beste aus der Begegnung mit dem spielstarken Gegenüber. Berzengi engagierte sich in einem ganz schwierigen Match gegen einen absoluten Top-Mann, entwickelte in der guten Dreiviertelstunde Kampfgeist und Motivation und zog sich am Ende mehr als beachtlich mit vier Games aus der Affäre. Zudem lieferte der 18jährige in seinem ersten “Indoor-Semi” abermals den Beweis für sein großes spielerisches Können. Mehr als einmal bot Berzengi dem großen Turnierfavoriten mit sehenswerten Ballwechseln die Stirn und erntete dafür Szenenapplaus aus dem Publikum. “Ein Break hätte ich halt gerne gemacht, dann hätte ich aus dieser Partie alles herausgeholt was möglich war. Dann wäre ich zu 100 Prozent zufrieden gewesen. In vielen Phasen konnte ich das Tempo mithalten. Gut Ding braucht eben Weile, und jetzt freue ich mich schon auf mein 32. Hallenturnier, denn auf diese Leistung kann ich in Zukunft sicher aufbauen”, resümierte der unterlegene Berzengi.

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Victor Stabrawa gelingt gegen Michi Kunz die Revanche für das Juni-GP-Semifinale

Der Gegner von Branislav Grznar im 17. November-GP-Finale der Geschichte heißt Victor Stabrawa. Der Jungstar von WAT Ottakring besiegte im zweiten Semifinale den Ranglisten-Fünften Michael Kunz mit 6:7, 6:4, 6:2 und revanchierte sich mit Erfolg für die in zwei Sätzen erlittene Semifinal-Niederlage beim Juni-Grand-Prix-Turnier in Oberlaa. Dort gewann damals Kunz in zwei spannenden Sätzen mit 7:5, 7:6, und ähnlich eng fiel auch das gestrige zweite direkte Duell der beiden Tourstars aus. Fast zwei Stunden lang bekämpften sich “Victor & Michael” am 7er-Court des Tennispoint Vienna, ehe Stabrawa ins sein drittes Karriere-Endspiel einziehen konnte. Für Kunz setzte es hingegen drei Tage vor Beginn des Masters-Turniers eine ärgerliche Niederlage, womit zwar der Traum vom zweiten November-Grand-Prix-Titel nach 2006 wie eine Seifenblase platzte, die Erwartungen für seinen dritten Masters-Start aber nicht sonderlich getrübt wurden. “Die Form für das Masters stimmt und der Sieg dort bleibt auch nach dem heutigen Abend das große Ziel”, zog der 37jährige eine erste Bilanz.

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Bei 2:2 im dritten Satz jagt Kunz einen leichten Volley ins Aus und sich aus dem Turnier

Das Halbfinal-Match selbst wurde für den “Wimbledonsieger der Hobby-Tennis-Tour” zur echten Hochschaubahnfahrt der Gefühle. Den ersten Durchgang nach 58 Minuten und nach Abwehr von zwei Satzbällen im Tie-Break mit 11:9 gewonnen, sah der 37jährige Deutsch Wagramer im zweiten Satz bei einer 4:3 Führung und zwei Breakchancen schon wie der sichere Sieger aus. Doch Stabrawa wehrte die beiden “Mini-Matchbälle” souverän ab, schaffte seinerseits im Anschluss das für den zweiten Heat entscheidende Break und wahrte so seine Chancen auf Revanche. Ein dritter Satz musste das zweite Semifinale also entscheiden, der letztlich ziemlich klar mit 6:2 an den Jungstar aus Ottakring ging. Die spielentscheidende Szene beim Stand von 2:2 war dann ein eigentlich todsicherer Volley, den Kunz im Normalfall “blind” verwandelt, in dieser Ausnahme-Situation aber beinahe stümperhaft ins seitliche Out jagte. “Dieser Fehler hat mir das ganze Match gekostet”, ärgerte sich der Unterlegene im Nachhinein. “Ansonsten bin ich aber mit Ausnahme des dritten Satzes doch zufrieden. Der Victor hat außerdem echt stark gespielt. Ich frage mich, wie er gegen den David Hühne verlieren konnte. Das Match war eigentlich genauso eng wie jenes im Sommer auf Kunstrasen, nur war es diesmal besser”, meinte Kunz. Eine Einschätzung die auch der Sieger teilte: “Es ist so wie es der Michi schon gesagt hat. Das Match heute war viel besser als jenes beim Juni-GP-Turnier. Ich habe gut gespielt und vorallem sehr gut aufgeschlagen. Im dritten Satz habe ich auch keine Fehler mehr gemacht. Nach der letzten Woche lief es nicht so gut bei mir, aber jetzt geht es wieder aufwärts. Ich freue mich auf das Finale. Wenn der Nihad gegen den Grznar vier Games gemacht hat, dann ist auch für mich im Finale alles drinnen”, gab sich Stabrawa für den finalen Showdown zuversichtlich.

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Claus Lippert, 11. November 2008