Krisen wohin du schaust – auch bei den Masters-Startern

Du schaltest dein Fernsehgerät ein und siehst Krisen, aus dem Radio im Auto hörst du über aktuelle Krisen, du schlägst die Zeitungen auf uns liest über Krisen. Das Modewort derzeit heißt ohne Zweifel “Krise”. Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Krisen ganz einfach überall wohin du schaust. Und so hat auch die Hobby-Tennis-Tour die ihrige, und zwar die sogenannte “Masters-Krise”. 10 Tage vor Beginn des Saisonfinales der Top 8 auf der Hobby-Tennis-Tour sind die qualifizierten Stars dieses Top-Events beinahe kollektiv in eine äußerst deftige Krise gerutscht. Böhm, Douglas und Kiss geben zum Ende der Saison den Ton an, während Harbarth & Co im Nirwana der Hobby-Tennis-Tour zu verschwinden scheinen. Ein Bericht vom 3. Spieltag beim letzten Super-4-Turnier des Jahres von C.L

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Douglas, Böhm & Co geben im Saisonfinish das Tempo vor

Es war ein Bild mit Symbol-Charakter! Während drinnen auf den Courts der neue Tour-Shooting-Star Florian Böhm gerade zum Sturmlauf auf das November-Super-4-Semifinale ansetzte, standen sie draußen an der Tennispoint Bar aufgefädelt, die längst ausgeschiedenen Masters-Helden der Hobby-Tennis-Tour. Kunz, Seitner, Kramer, Harbarth, mit der Entscheidung in Sachen Halbfinale hatten die Asse des bevorstehenden Saisonhöhepunkts von 13. bis 18. November 2008 im Tennispoint Vienna allesamt nichts zu tun. Stattdessen waren jene Herrschaften, die in rund eineinhalb Wochen die Tour bei ihrem Top-Event repräsentieren sollten, längst nur mehr staunende Beobachter, als der dritte Spieltag beim 13. November-Super-4-Turnier in seine finale Phase ging. Dieser Tage geben andere das Tempo vor, wie Florian Böhm, Robin Douglas oder Mario Kiss, während für Harbarth, Kramer & Co Wunden lecken angesagt ist.

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Krise der Masters-Starter ist nach dem November-Super-4-Sonntag nicht mehr wegzuleugnen

Ein aufregender Spieltag mit interessanten Matches und teils überraschenden Resultaten liegt hinter uns, ein Tag der zudem mit Robin Douglas und Florian Böhm die beiden derzeit wohl formstärksten Spieler ins Halbfinale schwemmte, für den abwesenden Oktober-GP-Finalisten Martin Kova das fixe Masters-Ticket bedeutete und für Titelverteidiger Mario Kiss ein bislang gelungenes Tour-Comeback brachte. Doch das alles geriet an diesem 3. November ein wenig in den Hintergrund. Diskutiert wurde weniger über die Sensations-Performance eines Florian Böhm, auch nicht darüber wer das letzte Masters-Ticket ergattern wird, sondern einzig und allein über die handfeste Krise der Masters-Stars. Angekündigt hatte sich diese ja schon vor einer Woche, nach dem gestrigen Sonntag ist sie aber nicht mehr wegzuleugnen und schon gar nicht wegzureden. Dem Masters droht der Super-Gau, mit einer handvoll Spielern, die zum nahenden Saisonende ihre – während des Jahres – ausgespielte Topform verloren haben.

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Robin Douglas schlägt erstmals Andreas Harbarth und schießt die Nummer 1 endgültig in die Krise

Und der Leader der Tourstars ist selbst in der Krise Andreas Harbarth. Der Branchen-Primus der vergangenen beiden Jahre kommt aus seinem hartnäckigen Formtief einfach nicht mehr heraus, und musste sich am Sonntag Nachmittag im Viertelfinale seinem Freund und Doppelpartner Robin Douglas mit 3:6 und 2:6 geschlagen geben. Was freilich den momentanen Höhepunkt der Harbarth`schen Krise bedeutet, denn immerhin war der Ranglisten-Erste bislang sowas wie ein uneinnehmbares Bollwerk für Douglas. Der exzentrische deutsche Topstar hatte es auf Tour-Ebene dreimal, und in Trainings und Freundschaftsspielen wohl unzählige Male vergeblich probiert, seinen Mannschaftskollegen zu besiegen. So wird der 3. November 2008 fortan wohl ein echter Feiertag im Hause Douglas werden. Der Mann aus Singen am Bodensee besiegte mit einer phantastischen Vorstellung den Fluch gegen Harbarth nicht gewinnen zu können, und qualifizierte sich so für sein zweites Tour-Semifinale innerhalb einer Woche. “Wenn ich trainieren würde, dann hätte der Harbarth gegen mich noch nie einen Stich gemacht”, posaunte der 30jährige beim Verlassen des 5er-Courts im Tennispoint Vienna. Und es war ein beinahe stilgerechter Abgang, den “Robinho” da hinlegte. Wie ein echter Tennis-Star, der soeben einen großen Sieg errungen hatte, schritt der Deutsche den langen Gang im Tennispoint mit breiter Brust in Richtung Restaurant. In seinem Schlepptau Freundin Victoria, und die Mitspieler die Zeugen seines Sensationssieges wurden. Fortan saß Douglas dann bei einem guten Abendessen im Point-Restaurant, wo sein immer noch breites Grinsen nicht verriet, ob er mehr die kredenzten Köstlichkeiten oder den Triumph über die Nummer 1 genoß. In jedem Fall aber war ihm, vom Super-Erfolg angestachelt, wieder einmal nach einigen deftigen Kommentaren. “Es war ein sehr gutes Match von meiner Seite. Der Andi trifft halt derzeit nicht sehr viel. Der Florian Böhm wäre eh nichts für ihn gewesen. Der macht mit dem Harbarth ein null, null und spielt mit ihm “suchs Balli”. Der Harbarth soll den Böhm lieber nicht reizen. Heute war ja sogar ich ihm viel zu stark. Ich habe sehr gut gespielt, und der Andi ist eineinhalb Stunden nur unter Druck gestanden”, erklärte der Sieger.

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Harbarth hat keinen Bock mehr, und Seitner hätte sich laut Eigendefinition heute gegen jeden Second-Series-Spieler blamiert

“Das wars für heuer, ich sage meinen Mastersstart hiermit definitiv ab. So macht das nämlich absolut keinen Sinn”, meinte ein um die Nase etwas blass wirkender Champions-Race-Sieger. Der 25jährige durchlebt derzeit keine einfache Situation. Einst gefeierter Held und 15facher Turniersieger auf der Hobby-Tennis-Tour avanciert Harbarth dieser Tage zum bemitleidenswerten und unmotivierten Mitläufer. “Ich habe keinen Bock mehr, und werde in Zukunft daher wahrscheinlich weniger spielen. Meine Motivation ist auf Null gesunken, und es ist für mich kein Reiz mehr, gegen irgendwelche Spieler zu gewinnen”, verriet der Ranglisten-Erste, der seinen Tennisfrust so nebenbei auch wieder an einem seiner Rackets ausließ. Erinnerungen wurden wach an den Finaltag beim Juli-GP-Turnier, wo Harbarth nach seiner Endspiel-Niederlage gegen Markus Seitner zu einem Aufsehen erregenden “racketmordenden Amoklauf” startete. Apropos Markus Seitner. Der 4fache Saisonsieger scheint auch am Tiefpunkt seiner Form angelangt zu sein. 1:6, 0:5, w.o., der achtelfinale Auftritt des Champions-Race-Dritten wurde zu einer echten Bankrott-Erkärung. Seitners Darbietung am Centercourt gegen den amtierenden “French-Open-Sieger der Hobby-Tennis-Tour” Mario Kiss war ein echter Schock für alle seine Fans. Dabei hätte der Salzburger Sandplatzkönig als einziger der schwächelnden Masters-Starter ein Alibi für seine Katastrophen-Vorstellung vorschieben können. Die im August bei einem Autounfall erlittene Verletzung wäre ein plausibler Grund für seine schwache Performance gewesen. Doch die war überraschender Weise gar kein Thema. “Das Ganze ist zum Wegschmeißen. Ich bringe derzeit keine 10 Bälle übers Netz. Eine echte Katastrophe. Dabei hatte ich vom Fuss her überhaupt keine Schmerzen und dachte, heute kannst du voll rennen. Und dann diese Leistung. Heute hätte ich mich gegen jeden Second-Series-Spieler voll blamiert”, klang Seitner äußerst unzufrieden. Und schön langsam scheint der 28jährige sich auch mit dem Umstand anzufreunden, dass er ganz einfach kein Hallenspieler ist. Verletzung hin, Rekonvaleszenz her, der König der Sandplätze hat schon im Vorjahr unter den Dächern des Tennispoint Vienna keine Bäume ausgerissen. Und so fragte “Madmax” dann am Abend ganz still und leise beim Veranstalter ob folgender Idee an. “Können wir das Masters ab 2009 nicht auf Sand spielen?”.

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Michael Kunz überlegt nach November-Super-4-Debakel wo er seinen Masters-Titel feiern wird

Fehlt jetzt nur noch, dass der Michi Kunz den Saisonhöhepunkt der Top 8 auf Kunstrasen ausgetragen haben möchte. Was ihm derzeit zweifelsohne ganz gewaltig helfen würde, denn die große Form vom Sommer, als der Deutsch Wagramer die Rasen-Turniere beim SC Austrian Airlines beherrschte, liegen eben auch schon wieder ein Weilchen zurück. Sein 2:6, 0:6 im Achtelfinale gegen Oktober-GP-Sieger Flo Böhm bezeichnete der Doppel-Masterssieger als ernüchternd. “Wenn du in einem Match nur zwei Mal deinen Aufschlag durchbringst, dann ist das eben entschieden zu wenig. Am Ende war mir das Tempo zeitweise zu hoch”, übte der 37jährige Selbstkritik, um sich gleichzeitig aber auch wieder für das Masters ins Gespräch zu bringen. “Mein Ziel dort bleibt der Titel, und wenn alle Teilnehmer schwächeln, gleicht es sich ohenhin wieder aus. Ich überlege mir daher jetzt schon ernsthaft, wo ich meinen Masterstitel feiern werde”, lächelte Michi und gab seine neue Taktik für den in 10 Tagen beginnenden Showdown der Top 8 bekannt. “Ich muss mich wieder mit brisanten Aussagen aus dem Fenster lehnen, so wie vor dem Rasen-Grand-Slam-Turnier. Das ist damals perfekt aufgegangen,vielleicht klappt es ja auch diesmal”.

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Christoph Kramer nach 36 Turnierstarts in dieser Saison müde und ausgelaugt

Bleibt die Frage, was da der Christoph Kramer in seiner Krise machen soll. Brisante Aussagen und aus dem Fenster lehnen ist nicht so das Seine, und Lieblingsbelag auf dem das Masters ausgetragen werden könnte, kann der 3fache Saisonsieger aus nicht reklamieren. Bei den letzten sechs Turnierteilnahmen gleich fünfmal in Runde 1 ausgeschieden, beim sechsten November-Super-4-Antreten seit 1999 zum vierten Mal im ersten Match gescheitert, und in der neuen Hallensaison auch noch ohne Einzelsieg, so liest sich die wenig erfolgreiche und traurige Kramer-Bilanz dieser Tage. Dabei stand der Champions-Race-Fünfte am Sonntag Nachmittag so dicht vor einem ersten Indoor-Einzelsieg in dieser neuen Spielzeit und dem damit verbundenen Einzug ins Achtelfinale. Gegen 2,02 Meter-Mann Andreas Fegerl führte “Chris” im entscheidenden dritten Satz schon 4:1 und 5:2, ohne daraus aber Kapital schlagen zu können. Vielleicht ist der 25jährige nach einer elends langen Saison und unglaublichen 36 Turnierstarts im Jahr 2008 (ohne Doppel) auch schon ein wenig müde geworden. Im Finish des Erstrunden-Hits gegen den “US Open-Finalisten der HTT” Andreas Fegerl wirkte sein Gegner aber in jedem Fall frischer, aggressiver, und um die Spur motivierter. “Das Gefühl war da, ich wollte diese Partie noch unbedingt umdrehen. Es war einfach unglaublich, dabei war ich schon 2:5 zurück. Ich habe zwar nicht mein bestes Tennis gespielt, aber versucht wenige Fehler zu machen und in den richtigen Momenten Risiko zu nehmen. Das ist mir sehr gut gelungen”, freute sich der Aufschlag-Gigant aus Maria Elend.

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Stangl und Kiss liefern sich eine tolle “Wimbledon-Revanche”

“Es war ein geiles Match. Ich spiele immer sehr gerne gegen den Mario”, so kommentierte Gerald Stangl die im Rahmen des letzten Viertelfinales geschlagene “Wimbledon-Revanche” gegen Mario Kiss. Der 5. Juli 2008 wird auf der Hobby-Tennis-Tour noch länger als spezielles Datum geführt werden, im Kalender von Gerald Stangl wird er wohl rot angestrichen sein, und im Kalender des Mario Kiss wird die Seite dieses denkwürdigen Tages wohl herausgerissen sein und fehlen. An diesem erwähnten Sommertag spielte sich Gerald Stangl aus der Sicht von Kiss als Spielverderber in Sachen Grand-Slam auf, während er aus der Sicht der Hobby-Tennis-Tour zum Hüter der “Marke Grand-Slam” avancierte. Getan hat er es mit einem 6:4, 6:4 Erfolg, den viele Leute damals mit den speziellen Bedingungen vor Ort erklärten. Doch der Wind allein war es damals vor fast vier Monaten nicht, der Marios Grand-Slam-Träume verwehte. Er hat schon einiges drauf dieser Gerald Stangl, der als walk over König verschrien ist, und seinen Kritikern damit am Sonntag Abend nach seinem 6:2, 2:6, w.o. Abgang wieder ein wenig Zündstoff lieferte. Vorallem aber ist dieser Gerald Stangl am gestrigen Abend gegen den 2fachen Saison-Grand-Slam-Sieger wieder einmal über sich hinausgewachsen. Mit einer famosen Vorstellung lieferte “Gery” eindrucksvoll den Beweis ab, dass sein legendärer Sieg im “Wimbledon der Hobby-Tennis-Tour” kein Zufall war. “Es ist arg, der Gery spielt immer gegen mich die unglaublichsten Partien. Der hat im ersten Satz mit mir gemacht was er wollte. Im zweiten Satz war er dann aber gezeichnet, immerhin musste er davor gegen den Fegerl sehr viel laufen. Andererseits bin ich gegen den Seitner auch nicht wirklich ins Spiel gekommen. Der Markus hat soviele Eigenfehler gemacht wie wahrscheinlich in der ganzen Saison nicht. Nach dem ersten Satz gegen den Stangl ist meine Euphorie für das Semifinale gegen den Böhm gebremst worden”, zeigte sich Kiss nach seinem 8. Einzelsieg beim November-Super-4-Turnier in Serie nachdenklich, während Stangl als einziger der Masters-Starter halbwegs in Form zu sein scheint. “Ich bin noch nicht in Topform, aber ich komme langsam wieder. Ich spüre es geht aufwärts”, gab sich Stangl für die kommenden Wochen optimistisch.

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Patrick Schwing auf dem Weg zurück: Zuerst matchte er sich mit Schützling seines Ex-Coaches und danach machte er zwischenzeitlich das Masters-Rennen spannend

Rieger 303, Rauschil 301, Hühne 296, drei Spieler im Kampf um den letzten freien Mastersplatz nur durch sieben Punkte getrennt, die spannende Entscheidung in Sachen Masters-Quali schien sich knapp nach 17:30 Uhr so richtig zuzuspitzen. Da hatte im dritten und vorletzten Viertelfinale des Tages der ehemalige Ranglisten-Erste Patrick Schwing gerade den ersten Satz gegen Oliver Rauschil mit 6:1 gewonnen und den Jänner-GP-Sieger ordentlich verprügelt. Mit Aufschlag und Vorhand diktierte der November-Super-4-Finalist von 2004 das Geschehen und schien eindrucksvoll auf dem Weg zurück in den Kreis der Tour-Elite zu sein. 14 Turniere hat der einstige Topstar der Hobby-Tennis-Tour gewonnen, und nach dem ersten Satz wussten Gegner Oliver Rauschil und das Publikum warum. Aufschläge nahe der 200km/h Marke, eine beeindruckende Vorhand-Peitsche und schon war der Gegner auf der anderen Seite des Netzes zum Statisten degradiert. Und so suchte Rauschil nach einem kuriosen und letztlich doch noch gewonnenen Match auch gar keine Ausreden. “Der Patrick hat schon eine Wahnsinns-Vorhand”. Und Mario Kiss ging sogar noch weiter: “Wenn der Schwing wieder ordentlich trainieren würde, dann würde er 100%ig ganz vorne bei uns an der Spitze mitmischen”. Doch wann und ob der 18jährige je wieder ganz vorne mitmischen wird, steht in den Sternen und hat vorallem ein großes Fragezeichen. Sein Knie, das ihm auch am Sonntag Abend wieder zu schaffen machte, scheint dauerhaften Belastungen noch immer nicht gewachsen zu sein. “Egal, der erste Satz war schon wieder sehr gut, und den Rest vergessen wir einfach. Schade, ich war wirklich voll motiviert”, erklärte Schwing. Und sein Name im Halbfinal-Tableau des November-Super-4-Turniers wäre echt der Hammer gewesen. Douglas, Kiss, Böhm, noch muss der einstige Topstar auf die Duelle mit den aktuellen Krachern der Tour warten. Stattdessen matchte sich Patrick vor dem Viertelfinale mit Rauschil noch in einem ganz interessanten Duell mit Nenad Vladusic. Der 13jährige serbische Jungstar trainiert bei jenem Mann, der einst vor einigen Jahren die tolle Karriere des Patrick Schwing eingeleitet hatte. Nikolaus Patzak ist sein Name und scheinbar Garant für hoffnungsvolle gute Talente. Denn wie sein aktueller Schützling Nenad Vladusic seinen Ex-Schützling Patrick Schwing im ersten Satz sekkierte, war schon große Klasse. “Der Nenad spielt für einen 13jährigen enorm stark”, lobte Schwing, während der Junior beim Auslaufen seine Enttäuschung verarbeiten musste. 3:1, 4:3, 5:4, der TK-Eden-Jungstar führte praktisch den ganzen ersten Satz lang, ehe ihm im Finish auch die physische Kraft fehlte, um die dauerhaft jenseits der 200km/h Marke heranfliegenden Aufschlag-Geschosse seines Gegners zu entschärfen. Und im zweiten Satz spielte Schwing dann zusätzlich noch seine Routine aus. “Ja, da habe ich das Match mit meiner Erfahrung locker heim gespielt”.

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Rieger gegen Hühne – die Erzfeinde im Kampf um das Masters-Ticket von Harbarth?

Zurück zum Dreikampf um das letzte freie Masters-Ticket. 303-301-296, Rieger-Rauschil-Hühne, das November-GP-Turnier in einer Woche als letzte Möglichkeit vor dem Masters zu punkten, schien wie erwähnt knapp nach 17:30 Uhr und dem 6:1 von Patrick Schwing gegen Oliver Rauschil zum spannungsgeladenen Höhepunkt zu werden. Bis sich Jänner-GP-Sieger Oliver Rauschil trotz Verkühlung und zwei Matches davor gegen Victoria Otto und Michael Karner zu einer Gewaltleistung aufraffte und sich statt den angenommenen 25 Champions-Race-Punkten gleich 45 Zähler auf sein Saisonpunkte-Konto gutschreiben ließ. Damit scheint der Kampf um das letzte freie Masters-Ticket entschieden, doch der Schein könnte auch trügen. Wie war doch noch am Nachmittag aus dem Mund der Nummer 1 zu hören: “Das wars für heuer. Ich sage meinen Mastersstart hiermit definitiv ab”. Was zur Folge hätte, dass wir am kommenden Wochenende beim November-Grand-Prix-Turnier doch noch eine superspannende Entscheidung um die Masters-Quali erleben könnten. Nur 7 Punkte trennen nämlich Stefan Rieger und David Hühne. Das neben dem lächerlich knappen Punkteabstand sich auch noch zwei Erzfeinde um dieses mögliche letzte Ticket streiten, macht die Sache noch um einiges brisanter. “Mir ist es egal. Ich muss nicht zum Masters. Nächstes Jahr habe ich auch noch die Möglichkeit. Und 2009 greife ich sowieso voll an. Für mich ist nur wichtig, dass ich am kommenden Wochenende den Rieger im Champions-Race noch überhole. Alles andere ist zweitrangig”, gab sich die deutsche Nummer 1 David Hühne kämpferisch. Und Grund zum Optimismus hat der Mann vom Bodensee nach dem gestrigen Sonntag allemal. Eine wirklich starke Vorstellung, womöglich seine beste Karriere-Indoor-Leistung bescherte dem 28jährigen den Einzug ins Viertelfinale. Herausragend dabei der Sieg im Achtelfinale über Victor Stabrawa. Dem WAT Ottakring-Jungstar war beim Comeback auf der Tour ein sensationeller Ruf vorausgeeilt, einen den er sich zuletzt auf ÖTV-Jugendebene erarbeitet hatte, und den er vor einer Woche trotz Erstrunden-Aus beim Oktober-GP gegen Daniel Schmid bestätigte. Gegen Hühne kam hingegen das Aus, eines das der Jungstar nicht kommentieren wollte.

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Markus Hobiger am Saisonende noch “hungrig” nach Erfolgen

Ebenfalls im Achtelfinale raus, aber weit mehr als der schweigende Stabrawa hatte Markus Hobiger zu sagen. Der Februar-First-Series-Sieger hatte in Runde 1 gegen Thomas Peyerl die Pflicht erfüllt, und wollte im Achtelfinale bei der Kür gegen Andreas Harbarth glänzen. Ein Unterfangen das gründlich daneben ging und für Hobiger nicht nur wegen dem Resultat zur Enttäuschung wurde. Denn noch vor einer Woche beim Oktober-GP ließ der 31jährige Guntramsdorfer im Achtelfinale gegen Robin Douglas seinem Potential so richtig freien Lauf.”Hobi” rackerte nicht nur vorbildlich und sehr zum Ärger von Douglas, sondern er hielt im zweiten Satz auch spielerisch phasenweise exzellent mit. Was wiederum bei Hobiger zu einer erhöhten Erwartungshaltung vor dem Duell mit der Nummer 1 führte. Das 1:6, 0:6 gegen einen alles andere als in großer Form spielenden Harbarth löste dann bei “Hobi” einiges an Frustration aus. “Ich habe mir gegen den Harbarth wirklich mehr ausgerechnet, aber ich konnte einfach nicht an die Leistung vom Douglas-Match anschließen. Vorallem meine Rückhand ist heute nicht gekommen. Der erste Satz war noch halbwegs ok, im zweiten Durchgang sind mir aber viele leichte Fehler unterlaufen. Gegen den Harbarth ist es aber auch schwer zu spielen. Er bringt einfach jeden Ball irgendwie zurück. Ich bin nicht enttäuscht wegen dem Resultat, sondern nur wegen meiner Leistung. Gegen den Andi kann man schon verlieren, aber nicht in diesem Rahmen. Da muss ich scheinbar noch viel trainieren um den Harbarth fordern zu können. Es fehlt mir einfach die Konstanz. Die Bälle wurden mir am Schluss auch zu schnell. Gegen die Topleute wie Kiss, Harbarth oder Douglas kann ich einen gewissen Zeitraum lang mithalten. Da muss ich aber alles geben und dann geht mir immer die Puste aus. Ich habe zwar heute gegen den besten Spieler der Hobby-Tennis-Tour verloren, aber ich bin keiner der so schnell aufgibt und beim nächsten Turnier wieder voll motiviert. Mein nächstes Ziel ist ein Semifnale oder Finale beim November-Without-Top-Ten-Turnier, und dafür werde ich mich ab sofort gezielt vorbereiten. Ein Traum wäre halt noch, wenn ich eines der beiden letzten Turniere in diesem Jahr (Without-Top-Ten oder First-Series) gewinnen könnte”, philosophierte der 31jährige bei einem Teller Penne.

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Claus Lippert, 3. November 2008