Letztes Outdoor-Weekend des Jahres ist angelaufen

Man mag es angesichts des vor wenigen Stunden so “sonnig und warm” zu Ende gegangenen ersten Spieltages des letzten Freiluft-Tennis-Wochenendes der heurigen Saison ja eigentlich kaum glauben, aber ja, schon in 7 Tagen schlagen die Stars der Hobby-Tennis-Tour wieder unter den Dächern des UTC La Ville auf, und beginnt die Hallensaison 2012/2013 mit dem 2. Oktober-Masters-Series-1000-Turnier und der 7. Auflage des Oktober-Challenger-Events. Aktuell heißt es aber freilich noch ein letztes Mal für heuer “Rutschen & Wühlen” auf der roten Asche Simmerings, wo beim TC Top Serve die bereits 23. Doppel-Veranstaltung der Saison auf dem Programm steht. Genau genommen endet die Freiluft-Saison 2012 sogar mit einem Turnier-Triple-Pack, wird  doch bei der  9. Ausgabe des Doppel-Masters auch das beste “Double-Team” des Jahres gekürt. Ein Bericht von C.L

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Ranglisten-Leader Franz Mayrhuber könnte am Wochenende einen historischen Allzeit-Rekord auslöschen

Der 2fache September-Masters-Series-1000-Champion Victor Stabrawa (Sieger 2010 und 2011) ist heuer nicht am Start, verzichtet daher auf eine erfolgreiche Titelverteidigung und den möglichen September-Masters-Series-1000-Hattrick, womit der Weg frei ist, für ein neues Siegergesicht bei dem seit 2009 neu im Tour-Kalender etablierten Turnier der zweithöchsten Kategorie. 1000 Punkte warten auf den Gewinner, und ein ganz heißer Kandidat auf diesen “Jackpot” ist ohne Zweifel Franz Mayrhuber. Der 47jährige spielt nach einem teilweise doch recht durchwachsenen Sommer, seit Wochen wieder in Höchstform, und trotz der ersten 3 Auftakt-Niederlagen seiner Karriere, die mit Abstand konstanteste Saison seiner beeindruckenden HTT-Laufbahn. Unfassbare 7.220 Punkte hat der Branchen-Primus heuer schon gewonnen, und sie legen ein wahrlich grandioses Zeugnis für Mayrhubers bislang so famos verlaufende Saison ab. Aus einer “famosen Saison” könnte freilich an diesem letzten Outdoor-Weekend eine “historische” für den Routinier werden, zumal er vor der ganz großen Chance steht, einen seit über 10 Jahren bestehenden Allzeit-Rekord zu knacken. Blickt man auf die aktuelle Entry-List, dann wird dem Betrachter rasch deutlich, worum es geht. 8.980 Punkte hat der Ranglisten-Erste in den vergangenen 12 Monaten gesammelt, und damit erst als insgesamt 5. Spieler der Open Ära die 8.000 Punkte Marke im Entry-Ranking übertroffen. Der letzte Spieler mit über 8.000 Entry-Points war Bernhard Nagl im September 2005 mit 8.211 Zählern. Der letzte Akteur mit einer nur halbwegs annähernd so hohen Punktezahl war Andreas Harbarth im August 2010 mit 7.896 Punkten. Jetzt kann man anno dazumal und die superstarke Gegenwart zwar nicht vergleichen, weil es einerseits a.) im Jahre 2012 viel schwieriger ist bei den “big events” zu reüssieren, dafür anderseits b.) es in der Vergangenheit der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte weniger “große” Turniere gab und dort auch – aufgrund eines anderen Punkte-Systems – weitaus weniger Punkte zu gewinnen waren. Dennoch reizt der Vergleich natürlich, und ein Blick ins Statistik-Archiv von hobbytennistour.at fördert wieder einmal sensationelle Fakten ans Licht. Franz Mayrhuber wird an diesem ersten Oktober-Wochenende erst der 3. Spieler der Open Ära seit 1990 sein, der die magische 9.000 Punkte-Marke im Entry-Ranking übertreffen wird. Dieses Kunststück gelang bislang erst zwei Spielern, nämlich TC Top-Serve-Star Patrick Schwing, der nach seinem Jänner-Grand-Slam-Triumph 2005 mit 9.178 in der Entry-List notierte. Den höchsten jemals errungenen Punktestand hält der ehemalige Ranglisten-Erste Claus Lippert, der in seiner besten Saison 2001 mit 10 Turniersiegen auf die bis heute gehaltene Rekordmarke von 9.556 Punkten kam, und die Entry-List damals zwischenzeitlich mit 6.700 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten anführte. Sollte Mayrhuber dieser Tage das Finale erreichen, dann würde er mit 9.580 Punkten diese eigentlich für die Ewigkeit gedachte Bestmarke auslöschen. Den ersten Schritt in dieses anvisierte Endspiel setzte Mayrhuber übrigens am Freitag zu “High Noon”, wo er das Eröffnungsspiel des 4. September-Masters-Series-1000-Turniers am Centercourt des TC Top Serve gegen Peter Baumann klar mit 6:1, 6:1 für sich entschied.

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Rumäniens Topstar Rares Maftei prolongiert mit Erfolg über Stefan Loibl seine aktuelle Siegesserie, und steht erstmals im 12. Versuch in einem Masters-Series-1000-Viertelfinale

Nur 48 Stunden nach seinem Heim-Triumph “auf Terra Rossa” hat auch Rumäniens Topstar Rares Maftei seinen Siegeszug prolongiert. Der 30jährige aus Bukarest – am Mittwoch Abend Finalsieger über David Hühne beim Oktober-HTT-250-Turnier – besiegte zum Auftakt des September-Masters-Series-1000-Events den Zistersdorfer Stefan Loibl mit 6:1, 6:4, und feierte dabei einen ganz besonderen Erfolg. Denn im 12. Antreten auf Masters-Series-Ebene gelang es dem Terra-Rossa-Star zum ersten Mal überhaupt ein Viertelfinale zu erreichen. Obendrein war der Auftakterfolg über die Nummer 21 der HTT-Computer-Rangliste aus Niederösterreich für Maftei auch der 95. Einzelsieg seiner Karriere. Weil Loibl einen echten Fehlstart in seiner letzten Freiluft-Partie produzierte, spielte der rumänische Sandplatz-Spezialist den ersten Durchgang souverän und in der ihm so eigenen Art und Weise “trocken” nach Hause. Im zweiten Heat hielt Loibl die Partie lange Zeit mehr als offen, führte zwischenzeitlich sogar mit 3:0, konnte diesen Vorsrpung aber letztlich doch nicht nützen. Maftei holte sich auch den zweiten Satz – diesmal mit 6:4 – zog wie erwähnt erstmals in seiner Karriere in ein 1000er-Viertelfinale ein, und ist damit obendrein seit 5 Spielen auf roter Asche ungeschlagen. Nächster Gegner ist – zumindest der Papierform nach – US-Open-Sieger Christoph Kramer, der sich in seinem Auftakt-Match gegen einen Qualifikanten keine Blöße geben sollte.

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3fach-Jubilar Daniel Elender “verpatzt” Tour-Neuling Matthias Wurzer dessen vielversprechendes Hobby-Tennis-Tour-Debüt

Einen “dreifachen Jubiläumserfolg” feierte am Freitag Abend auch noch Daniel Elender. Der Mühlheimer – heuer schon 4facher-Saisonsieger auf der Hobby-Tennis-Tour – kämpfte in der Quali zum September-Masters-Series-1000-Turnier den in Diensten des TK Big Point Muckendorf stehenden Tour-Neuling Matthias Wurzer mit 7:6, 6:3 nieder, und trifft nun im Achtelfinale auf den Gewinner der Partie Andreas Tolunay gegen Andreas Motycka. Davor durfte er sich noch über drei bemerkenswerte Jubiläen freuen. Der 24jährige bestreitet dieser Tage sein 50. Karriere-Turnier seit er im Juli 2011 seinen Tour-Einstand feierte, er spielt weiters sein 25. Saisonturnier, und der Auftritt gegen Wurzer war obendrein der 100. seiner Single-Laufbahn. Beachtliche Zahlen für gerade einmal 15 Monate Tour-Zugehörigkeit. Beachtlich war auch die Vorstellung von Elenders Gegner, der ein allseits gelobtes Tour-Debüt auf dem 3er-Court des Simmeringer Traditionsvereins ablieferte. Der 17jährige Mauerbacher hielt gegen die Nummer 18 aus Oberösterreich speziell im ersten Satz sein Premieren-Match mehr als offen, und hatte erst im Tie-Break knapp das Nachsehen. Im zweiten Satz spielte Elender dann auch seine Routine aus, womit er den Aufstieg ins Achtelfinale klar machte. “Der Matthias hat sehr stark gespielt. Zu Beginn hatte ich den Eindruck, hier nicht viel gewinnen zu können. Man muss auch bedenken, dass das heute sein erstes Match auf der Tour war. Vielleicht war er ein wenig nervös, ansonsten hätte die Sache womöglich ganz anders ausgesehen”, urteilte der 24jährige Sieger. “Das war ein sehr gutes Match. Am Ende war mein Gegner einfach besser, da kann man nichts machen. Ich hatte im ersten Satz durchaus meine Chancen, aber es hat halt leider nicht sein sollen. Nach so einem Match muss man aber nicht traurig sein. Im Gegenteil, ich kann aus dieser Partie sehr viel für die Zukunft mitnehmen”, lieferte Wurzer ein höchst seriöses Premieren-Interview im Tour-Zirkus ab.

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150er-Auftakt mit großer Erleichterung im Sterzl-Lager

Beim gleichzeitig stattfindenden Oktober-HTT-150-Turnier, waren Höhepunkte am Eröffnungstag noch echte Mangelware. Tour-Opa Karl Ader deklassierte den Serben Miroslav Jelic mit 6:4, 6:0, und gewann dabei im ersten Satz auch den Kampf mit der extrem tief stehenden und störenden Oktober-Sonne. Ein einziges durchgebrachtes Game auf der “Sonnen-Seite” des 2er-Courts entschied Durchgang 1, und damit auch schon die Partie. Gegner der Donaufelder Tour-Legende im Achtelfinale wird Afrikas derzeit bester Tourspieler Ali Sharif sein. Der 32jährige aus Libyen fertigte Jens Gudenus mit 6:1, 6:4. Ebenfalls recht deutlich in die Runde der letzten 16 spazierte Robert Rother, der Blagoje Dogandzic mit 6:2, 6:4 das Nachsehen erteilte. Gerald Marhold, 6:4, 6:4 Sieger über einen über Müdigkeit und Überspielheit klagenden Mario Pritz, sowie Markus Krischanitz, Dreisatz-Gewinner in einem intensiven “battle of sexes” gegen Russlands 4fache Olympiasiegerin Diana Ulojan, dürfen sich ebenfalls über einen Platz im Achtelfinale des 69. Saisonturniers freuen. Richtig groß war die Freude über einen Erstrundensieg beim 5. Oktober-HTT-150-Turnier aber bei einem zuletzt viel gescholtenen Akteur der HTT. Die Rede ist natürlich von Alexander Sterzl, der 7 Tage nach seinem pleitösen Auftritt auf Terra-Rossa ein ergebnistechnisches Horror-Comeback vermeiden konnte. Nach dem Vorwochen-Ausrutscher gegen Future-Tour-Spieler Milan Stojkov aus Serbien, bekam es Sterzl am Freitag Nachmittag erneut mit einem aus der Future-Garde zu tun. Martin Knab war Prüfstein Nr. 2 beim Sterzl-Comeback nach einem halben Jahr Tennispause, und diesmal bestand der 42jährige aus Wien-Favoriten die Future-Prüfung. Natürlich war der Tour-Rückkehrer auch bei seinem zweiten Antreten nach seiner doch recht langen Absenz noch weit weg von einstiger Form, doch im Vergleich zum vorwöchigen Katastrophen-Auftritt gegen Serbiens Milan Stojkov, zeigte sich Sterzl stark verbessert. Ein “Mehr” an Sicherheit in den Grundschlägen, dazu die entsprechende Länge, und schon war der Sieger eines HTT-Turniers aus dem Jahr 2007, viel besser im Geschäft als noch vor einer Woche. Als Sterzl knapp nach 18 Uhr mit einem Passierball – den Knab nicht mehr über das Netz vollieren konnte- seinen ersten Matchball im Tie-Break des zweiten Satzes zum 6:4, 7:6 Erfolg nutzen konnte, war ihm beim anschließenden Shakehands die Erleichterung sichtlich anzumerken. Ein riesiger Stein dürfte dem Routinier vom Herzen gefallen sein, eine weitere Niederlage – abermals gegen einen aus der niedrigsten Turnierkategorie der HTT – hätte Sterzl wohl entscheidend in seiner weiteren Karriere-Planung zurückgeworfen. “Wie einen Bissen Brot hat er diesen Erfolg benötigt”, freute sich auch die Frau Mama, die während der spannenden Tie-Break-Entscheidung nervös auf der Zuseherbank hin- und herrückte, und bis zuletzt nicht an den Sieg ihres Sohnes glauben wollte. Im Achtelfinale steht Sterzl nun gleich vor einer echten Bewährungsprobe. Gegen die Nummer 4 des Turniers Thomas Pratsch kann der Wiener zeigen, wohin der Weg vielleicht doch noch führen könnte.

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Kaum wahrgenommener Doppel-Masters-Auftakt bringt Sieg von Mixed-Duo Ines Kreilinger und Daniel Elender

Ach ja! Doppel-Masters wird ja auch noch gespielt an diesem Wochenende, wenngleich ob der kurios anmutenden Absageflut der besten Doppel-Teams des Jahres – zumindest einmal am gestrigen Eröffnungstag – kein Masters-Flair und auch keine pricklende Round-Robin-Stimmung aufkommen wollte. Genau seit Freitag 17:32 Uhr läuft die 9. Auflage des prestigeträchigten Doppel-Events, die im Vorfeld “richtig feste Hiebe” einzustecken hatte. Drei der absoluten Top-Teams haben ihr Kommen abgesagt, darunter die French-Open-Sieger von 2011 Michael Kovar und Alexander Udovc, die Champions-Race-Sieger des Vorjahres Christoph Kramer und Patrick Meinhart und dazu auch noch die amtierenden Titelverteidiger Gerald Scheller und Patrick Schwing. Was zur Auslosung am Donnerstag Abend blieb, war ein traurig dezimiertes Starterfeld mit gerade einmal 4 Paaren aus den für das Masters qualifizierten Top 8. Dazu kämpfen jetzt drei Paare außerhalb der Top 20 um die Krone der besten Doppelspieler des Jahres – ein echter Jammer. Schade für ein Turnier, das vorallem in den vergangenen Jahren wirklich großen Doppel-Tennis-Sport zu bieten hatte, und durch den Round Robin Modus für unzählige hoch spannende Momente sorgte. Eine Spannung, die heuer angesichts des teilweise eklatanten Klasse-Unterschieds kaum zu erwarten sein dürfte. Ein Spiegelbild dessen, was uns in den kommenden drei Tagen erwarten könnte, war das Eröffnungsspiel am späten Freitag Nachmittag, wo Ali Sharif und Friedrich Böck ihr “Möglichstes” taten, um dem favorisierten Mixed-Duo mit Olympiasiegerin Ines Kreilinger und ihrem Landsmann Daniel Elender halbwegs Paroli bieten zu können. Was zumindest ergebnistechnisch auch gelang, waren doch 6 gewonnene Games beim 2:6, 4:6, mehr als sich das afrikanisch-österreichische Masters-Debütanten-Duo im Vorfeld ausgerechnet hatte. Bleibt nur zu hoffen, dass die wenigen am Start befindlichen Top-Teams mit entsprechendem Engagement ein Fiasko-Event nicht im totalen Desaster enden lassen.

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