Oktober-Without-Top-Ten-Turnier wird zur never ending story

Die 8. Auflage des Oktober-Without-Top-Ten-Turniers 2008 wird zu einer “never ending story”. Die jahreszeitlich bedingte Dämmerung jeweils knapp nach 18 Uhr und der Ausfall des kompletten Programms am ersten Spieltag sorgen dafür, dass man sich noch ein wenig in Geduld üben muss, bis der letzte Sieger eines Outdoor-Without-Top-Ten-Bewerbes der Geschichte ermittelt ist. Es wird wie schon erwähnt ein historischer Sieger sein, und wenn September-First-Series-Champion Christopher Caesar nicht den entscheidenden dritten Satz des zweiten Semifinales gegen Tour-Newcomer Julian Höller gewinnt, dann wird es sogar noch ein neues Siegergesicht im Circuit geben. Ein Bericht von C.L

Italien-Juli-Turniere_05_15924.jpg

David Hühne peilt im zweiten Karriere-Finale seinen ersten Turniersieg an

Das zweite Semifinale zwischen September-First-Series-Sieger Christopher Caesar und Kury-Bezwinger Julian Höller beim Stand von 1:1 in Sätzen abgebrochen, so kann vorerst einmal nur Deutschlands Nummer 1 David Hühne vom “historischen letzten Outdoor-Without-Top-Ten-Titel der Geschichte” träumen. Der 28jährige vom Bodensee zog am Dienstag Nachmittag mit Siegen über Stanislav Perepelkin und Nenad Vladovic in sein zweites Karriere-Finale nach dem Erreichen des September-Second-Series-Endspiels 2007 ein. Damals im September letzten Jahres schlug sich der mittlerweile stark verbesserte Süddeutsche noch mit der dritten Garnitur der Szene und Namen wie Popovski und Kerschenbauer herum. 13 Monate später greift Hühne nach seinem ersten Turniersieg, den er eigentlich schon länger verdienen würde. Keiner der Tourspieler hat in den letzten Wochen und Monaten so viel Zeit und Arbeit in Training investiert wie der 28jährige, keiner der Tourspieler hat sich in den vergangenen 52 Wochen derart verbessert wie Hühne, und keiner der Asse jagt so verbissen und entschlossen dem ersten Karriere-Titel hinterher wie er. Diese Verbissenheit war bislang aber auch sein größtes Manko, denn den ersten Turniersieg mit allen Mitteln erobern zu wollen, machte den 28jährigen am Platz oftmals verkrampft und bei der Konkurrenz unbeliebt. Nun aber könnte Hühne mit der Lockerheit des geschafften Finaleinzugs für den seit 2006 auf der Tour obligaten deutschen Saisontitel sorgen. Die Basis dafür legte Hühne am Dienstag Nachmittag mit einem Doppelschlag auf internationaler Ebene.

Italien-Juli-Turniere_05_15938.jpg

Russisch-deutsches Gipfeltreffen läßt spielerische Höhepunkte vermissen

Zunächst gewann der 28jährige das am Montag Abend wegen Dunkelheit abgebrochene Viertelfinale gegen Stanislav Perepelkin. Das Duell zwischen der deutschen und der russischen Nummer 1, da durfte man sich doch einiges erwarten. Doch so hochtrabend und wohlklingend dieses Treffen der besten Tourspieler aus Deutschland und Russland im Vorfeld auch geklungen haben mag, auf großes Tennis wartete man vergeblich. Und das lag an beiden Protagonisten dieses Centercourt-Duells. Perepelkin war nach über dreieinhalb monatiger Tennispause die mangelnde Spielpraxis deutlich anzumerken. Spielerisch ging wenig beim 25jährigen aus Moskau, und so versuchte er sich mit “drucklosem Ball im Spiel halten” erfolgreich zur Wehr zu setzen. Das klappte auch einen Satz lang, als “Stani” zu Beginn 4:0 führte und Durchgang 1 mit 7:6 ins Trockene brachte. Hühne dagegen fand zunächst kein Mittel gegen das behäbig wirkende russische Kontertennis. Hühne produzierte massenhaft Fehler auf das drucklose Grundlinientennis seines Gegners und fand erst mit der Fortetzung rund 24 Stunden später auf die Siegerstraße. In Teil 2 des deutsch-russischen Gipfeltreffens dominierte Hühne das Geschehen, und bog so das Viertelfinale noch in drei Sätzen zu seinen Gunsten. “Es ist verdammt schwierig gegen den Stanislav zu spielen. Er hat überhaupt nichts für das Spiel gemacht”, zeigte sich der Deutsche nach seinem Sieg erleichtert.

Italien-Juli-Turniere_05_15937.jpg

Stanislav Perepelkin und die große russische Tenniskrise auf der Hobbytennistour

Auf der anderen Seite muss man – so traurig es auch ist – die Vorstellung des Stanislav Perepelkin unter die Lupe nehmen. “Mir fehlt die Spielpraxis und damit die Sicherheit”, sagte der 25jährige nach seinem Ausscheiden. Stimmt, und damit war auch keine Form da, um im 39 Mann starken Feld reüssieren zu können. Die Darbietung des 25jährigen Moskowiters läßt Hobby-Tennis-Tour-Insider beinahe melancholisch an alte Zeiten denken. Als Perepelkin Endspiele auf Super-4-Ebene genauso erreichte, wie auf Without-Top-Ten-Ebene, und als der russische Bär auch Top-Ten-Spielern locker Paroli bieten konnte. Wie zum Beispiel beim April-Without-Top-Ten-Turnier 2007, wo “Stani” auf seinem Weg zum bislang einzigen Karriere-Titel im Semifinale auch Martin Kova schlug. Jenen Martin Kova, der am letzten Sonntag im Endspiel des September-GP-Turniers seinem Finalgegner Thomas Müller einen sensationellen Schlagabtausch lieferte und nur knapp am 30. Turniersieg seiner Laufbahn vorbeischrammte. Kova & Co sind für Perepelkin im Herbst 2008 aber außer Reichweite, spielerisch sowieso, überraschender Weise aber auch im konditionellen Bereich. “Ich war schon gestern nach dem anstrengenden Sonntag völlig gezeichnet, und heute bin ich noch müder. Außerdem bin ich einfach nicht in die Partie reingekommen. Positiv war nur, dass ich mich am Ende gegen die drohende Niederlage gestemmt habe”, analysierte die russische Nummer 1. Trotz der aktuellen Formkrise gibt es aber für den sympathischen Tourstar aus Moskau eine erfreuliche Nachricht. Wenn beim letzten Without-Top-Ten-Turnier der Geschichte im kommenden November nicht 53 Teilnehmer am Start sein werden, dann geht “Stani” als jener Spieler in die Analen dieser Turnierserie ein, der mit dem 52 Mann starken April-Without-Top-Ten-Raster das größte Without-Top-Ten-Turnier aller Zeiten gewinnen konnte.

Italien-Juli-Turniere_05_15926.jpg

Nenad Vladovic gibt beim Oktober-Without-Top-Ten-Turnier eine weitere Kostprobe seines außergewöhnlichen Talents

Zurück zu David Hühne, der nach seinem viertelfinalen Sieg in zwei Etappen, im Semifnale auch noch Serbiens Tour-Jungstar Nenad Vladovic aus dem Turnier nahm. Der 28jährige ließ im Duell mit dem TK Eden-Junior überraschender Weise nichts anbrennen. Mit 6:0, 6:3 blieb der Deutsche weitaus klarer siegreich als von vielen Experten im Vorfeld erwartet. Doch während Hühne zielstrebig, aktiv und auch höchst aggressiv zu Werke ging, schien Vladovic mit dem Finaleinzug vor Augen wie paralysiert. Weg die sensationelle Top-Performance, mit der Nenad die Tourfamilie in den letzten Tagen begeisterte und mit der er bis ins Semifinale rauschte. Immerhin hatte der 13jährige Schützling von Topcoach Nikolaus Patzak im Viertelfinale auch den weitaus höher eingeschätzten Bezwinger der Herren Sterzl & Hobiger nämlich Michael Holasek bezwungen, und damit eine weitere Vorstellung seines außergwöhnlichen Talents unter Beweis gestellt. Blitzsaubere Technik gepaart mit der Match- und Turnierparxis von ÖTV-Jugendevents, ließ der Junior nach seinem sensationellen September-Grand-Slam-Auftritt in der Südstadt ein weiteres Kapitel seiner famosen Tour-Premiere folgen. Erst im “Semi” war Schluss mit der Vladusic-Gala, und überraschender Weise danach viel Platz für reichlich Enttäuschung. Das grandios gespielte Turnier rückte mit einem Schlag in den Hintergrund, das verlorene Halbfinale gegen Hühne war beherrschendes Thema in Nenads Gefühlswelt. “Das Turnier war gut, aber das Match jetzt leider nicht. Ich habe sehr schlecht gespielt”, erklärte der 13jährige mit finsterem Blick und zu Boden geneigtem Kopf. “Er war in einem Turnier mit 39 Teilnehmern und vielen Erwachsenen unter den besten 4 Spielern. Was will er mehr. Das ist eine tolle Leistung. Der Nenad nimmt sich immer viel zu viel vor, und wenn er sein Ziel dann nicht erreicht, ist die Enttäuschung umso größer”, zog Papa Goran ein abschließendes Resümee.

Italien-Juli-Turniere_05_15932.jpg

Zweites Semifinale zwischen Caesar und Höller beim Stand von 1:1 abgebrochen

Noch keine Entscheidung ist derweil im zweiten Semifinale des 8. Oktober-Without-Top-Ten-Turniers 2008 gefallen. Christopher Caesar und Julian Höller einigten sich knapp nach 18 Uhr auf einen Spielabbruch und Fortsetzung am Mittwoch Nachmittag. Zum Zeitpunkt des Abbruchs stand es aus Sicht Caesars 7:5, 3:6.

Claus Lippert, 8. Oktober 2008