|
"Gewecktes First-Series-Interesse kommt zu spät"
Es ist wie so oft im wahren Leben! Den Wert gewisser Dinge erkennt man erst wenn es fast schon zu spät ist! Diese Einschätzung teilen seit Samstag Nachmittag wohl auch die First-Series-Spieler der Hobby-Tennis-Tour. Nach monatelangem "dahinvegetieren" und dem drohenden Aus zu Saisonende ist die "First-Series" am letzten Juli-Tag aus ihrem "Dornröschenschlaf" erwacht. Ein voller Raster im Hochsommer, viele ganz enge und hart umkämpfte Matches, der erste Spieltag des Juli-First-Series-Turniers war exzellente Werbung für eine Turnier-Idee, die allzu lange von den ehemaligen WTT-Stars zu Tode boykottiert wurde. Permanentes Desinteresse und konstantes ignorieren einer Turnierserie, die angesichts intensiver Kritik an der zunehmenden Stärke der Tour eingeführt wurde, haben dazu geführt, dass mit dem zweitniedrigsten Turnierformat Ende 2010 Schluss ist. Immerhin haben Ainberger & Co aber am Samstag Nachmittag gemerkt, welch großartige Turnierserie sie aus dem Tour-Kalender boykottiert haben. Ein Bericht von C.L

Juli-First-Series - nicht der große Kracher und doch äußerst interessant
Zu schwach für das mittlerweile ganz beachtliche auf WTB-Ebene gezeigte Niveau, zu stark für die Second-Series, die ehemaligen Stars und Sieger der WTT fühlten sich vor einigen Jahren nicht mehr "richtig aufgehoben" im Kreis der HTT. Der heftigen Kritik genüge getan, ging anno 2008 die First Series "on tour", die sich aber angesichts mangelnder Beliebtheit rasch zu einem Krisen-Event mauserte. Bei der Juli-Ausgabe 2010 freilich, exerzierten die Damen & Herren des prall gefüllten 32er-Rasters eindrucksvoll vor, wie spannend, interessant und anspruchsvoll First-Series-Tennis sein kann. 10 von 15 Single-Partien hatten einen ganz engen Spielverlauf zu bieten, 7 Matches davon wurden gar erst nach über zwei Stunden Spielzeit und drei ausgetragenen Sätzen entschieden. Vor einer Woche und nach der kurzen Sommerpause hat mit der Doppel-Veranstaltung (Juli-GP & Juli-Second-Series) die zweite Saisonhälfte begonnen. Echte Highlights warten auf uns, wie z.B. das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres, nämlich die "US Open der HTT", oder drei Super-4-Events, die 8. Olympischen Spiele, Doppel- und Einzel-Masters und das erstmals stattfindende Second-Series-Final. Zwar nicht unbedingt zu den großen Veranstaltungs-Krachern zählend, ist die derzeit stattfindende Juli-First-Series-Ausgabe aber dennoch ein ganz interessanter Bewerb. 8 Spieler die auf der HTT bereits zu Titelehren gelangten und dabei insgesamt 31 Turniersiege erringen konnten, dazu ein ehemaliger Ranglisten-Erster und zwei Olympiasieger, das 33. Saison-Turnier hat einiges zu bieten.

Roman Ainberger schrammt bei Comeback nur knapp an einer Niederlage vorbei
Die beiden TC Top Serve-Vorstände Alois Schwing & Franz Kastler standen am gestrigen Samstag mit staunendem Blick vor der großen am Clubhaus montierten Ergebnistafel. "Ainberger, Schremmer, Berger", ja die beiden Club-Verantwortlichen mussten zwei Mal "hinschauen", um die Ansammlung ehemaliger Tour-Größen im Juli-First-Series-Tableau zu realisieren. Ja, das dritte Turnier nach der Sommerpause avancierte tatsächlich zum großen "Comeback-Auftritt" einstiger Helden. Besonderes Augenmerk galt dabei dem 19fachen Turniersieger Roman Ainberger, der nach mehr als 14monatiger Tour-Pause am Samstag Nachmittag in den Circuit zurückkehrte. Beim Wiedersehen mit jener Szene, die er vor mehr als einem Jahrzehnt insgesamt 54 Wochen als Leader anführte, schrammte der mittlerweile 36jährige aber nur haarscharf an einer Comeback-Pleite vorbei. Im Duell mit TC Hrubesch-Star Raimund Aigner kam der 19fache Turniersieger zu einem hauchdünnen Auftakterfolg in drei Sätzen und letztlich mit einem "blauen Auge" davon. Die mangelnde Spielpraxis wurde Ainberger gegen einen taktisch clever agierenden Gegner beinahe zum Verhängnis. Erst im Tie-Break des allesentscheidenden dritten Satzes, krönte Ainberger sein Comeback mit einem Sieg. Davor zitterte sich der 36jährige aber wiegesagt nach einer keineswegs überzeugenden Vorstellung durch sein erstes Tour-Match seit 16. Mai 2009. "Ich bin noch lange nicht in Form und muss daher weit unten anfangen", entschuldigte sich der Sieger, während Raimund Aigner die Welt nach verlorenem Entscheidungs-Tie-Break nicht verstand. "Ich bin inklusive Meisterschaft und Trainingspartien seit 13 Spielen ungeschlagen gewesen. Und dann komme ich hierher in die Leberstraße, und mein Tennis ist weg".

Michael Berger feiert "abseits" sein großes Comeback nach 2 Jahren Tour-Pause
Kaum weniger Aufsehen erzeugte die Rückkehr des ehemaligen WTT-Königs Michael Berger beim Juli-First-Series-Turnier. Um exakt 13:12 Uhr entstieg der 4fache Turniersieger am Samstag Mittag seinem Auto am Parkplatz des TC Top Serve. Begleitet von der Kamera des Veranstalters machte sich Berger zum insgesamt 77. Single seiner Tour-Karriere gegen einen der vielen Neuen und ihm unbekannten Gegner auf. Der Centercourt war als würdige Bühne für sein großes Comeback vogesehen, doch stattdessen zog es den 43jährigen auf einen abgelegenen Nebenplatz. Er, der als Publikumsspieler gilt, einer der es liebt mit den Emotionen der Zuseher zu spielen, rückte freiwillig in die zweite Reihe. War Berger angesichts der einer halben Ewigkeit andauernden Tour-Pause unsicher ob seiner Leistungsfähigkeit? Wenn ja, sie war umsonst. Denn in nur 39 Minuten deklassierte Berger den zu einer netten Begleitung" degradierten Friedrich Böck mit 6:2, 6:0 und zerstreute im Blitztempo etwaige Bedenken, der ehemalige Tourstar könnte anno 2010 mit der Konkurrenz überfordert sein. Gut 15 Kilo leichter, dazu seines "berühmten" Oberlippenbarts entledigt, wirkte Berger beim Comeback-Auftritt nicht nur optisch "jünger" und agiler als bei seinem letzten Auftritt. Und der liegt immerhin schon mehr als zwei Jahre zurück, datiert vom 13. Juli 2008 und endete im Semifinale des Juli-WTT-Turniers gegen Markus Sellmeister. "Berger-like" bekam man zum Abschluss seines Kurz-Gastspiels in Runde 1 dann auch noch eines seiner begehrten Interviews zu hören, in dem er sein überfordertes Gegenüber lobte. "Ich musste permanent konzentriert bleiben und das Match ernst nehmen, sonst hätte Böck durchaus ins Spiel finden können", so der 43jährige.

Schremmer mit verpatztem Teil 2 seines Comebacks & Marhold verliert bereits zum 6. Mal in Serie in Runde 1
Während Roman Ainberger und Michael Berger ihre Comebacks also siegreich gestalten konnten, endete für einen weiteren ehemaligen Tourstar der Juli-First-Series-Samstag ohne Erfolg. Die Rede ist von Michael Schremmer, dessen zweiter Comeback-Versuch nach dem Juni-Grand-Slam-Start abermals sieglos endete. Der 27jährige musste sich in Runde 1 gegen März-Second-Series-Sieger Michael Pichler überraschend deutlich mit 2:6, 2:6 geschlagen geben, und damit weiter auf den ersten Einzelsieg seiner "zweiten Tour-Karriere" warten. Die unerwartet hohe Niederlage Schremmers rückte freilich eine Runde später in ein ganz anderes Licht, zumal Pichler im Achtelfinale gleich zum nächsten Schlag ausholte. Der TC-Hrubesch-Star warf mit dem weitaus höher eingeschätzten - sich allerdings in einer Krise befindlichen - Gerald Marhold immerhin die Nummer 2 des Turniers aus dem Bewerb, und empfahl sich damit ernsthaft und nachhaltig für höhere Aufgaben an diesem Wochenende. Nach dem glasklaren und deutlichen Kantersieg zum Auftakt über Schremmer mit Selbstvertrauen vollgepumpt, nahm sich Pichler mit Marhold auch um einen der beiden Titelfavoriten an, und kämpfte den an Nummer 25 im Computer-Ranking geführten Wiener in drei Sätzen nieder. "Es läuft derzeit hervorragend, nur leider kommt bei mir nach einem guten Tag zumeist ein schlechter", bremste Pichler die aufkeimende Euphorie rund um seine Person. Und während der 25jährige aus Rottenmann derzeit einen echten Lauf hat, scheint die Krise des Gerald Marhold kein Ende mehr nehmen zu wollen. Mit dem 6:4, 1:6, 0:6 gegen Pichler stolperte Marhold in seine bereits sechste Erstrunden-Niederlage in Serie. Letztmals erfolgreich blieb der 31jährige am 15. Mai dieses Jahres, als er Markus Hobiger im Viertelfinale des Mai-GP-Turniers bezwingen konnte.

Sterzl und Lederbauer mit katastrophalen Vorstellungen frühzeitig gescheitert
Ein wenig aus der Spur ist in den letzten Wochen auch Alexander Sterzl gekommen. Der 40jährige, der traditionell auf die Rasensaison verzichtet und sich damit "freiwillig" eine mehrwöchige Turnierpause auferlegt, ist nach der heurigen persönlichen Sommerpause noch nicht wieder in Schwung gekommen. Beim dritten Antreten nach besagter Pause setzte es für den Wiener die dritte klare Niederlage, diesmal gegen Marcus Weinwurm und mit 2:6, 1:6 in debakulöser Art und Weise. Planlos irrte der September-Second-Series-Sieger von 2007 über den Centercourt des TC Top-Serve und wirkte damit selten so chancenlos wie diesmal. An Niederlagen gewöhnt ist auch Second-Series-Spieler Clemens Lederbauer. Der 26jährige kassierte am Samstag Nachmittag gegen Werner Kovarik bereits Saison-Erstrundenpleite Nr. 11, und präsentierte sich beim 2:6, 0:6 in erschreckend schwachem Zustand. In derart schlechter Verfassung befand sich Lederbauer nicht einmal bei seinem Tour-Debüt! "Ich weiß das meine Form im Augenblick katastrophal ist. Aber solange ich nicht trainiere wird sich auch nichts ändern. Und zum Training fehlt mir derzeit einfach die Zeit", so Lederbauer. Na das sind ja schöne Aussichten!

Gerhard Ganser steht bei Tour-Debüt ohne Satzverlust im Viertelfinale
Für positive Schlagzeilen sorgte am gestrigen ersten Juli-First-Series-Spieltag hingegen ein gewisser Gerhard Ganser. Der 27jährige Tour-Neuling legte ein erfolgreiches, mit zwei Einzelsiegen umrahmtes Debüt hin, und erreichte als zweiter Spieler nach Marhold-Bezwinger Michael Pichler das Viertelfinale. Der gebürtige Steirer blieb sowohl in Runde 1 gegen Russlands Power-Lady Diana Ulojan als auch gegen Second-Series-Star Wener Kovarik ohne Satzverlust, und darf damit bei seiner Tour-Premiere weiterhin vom erhofften Finaleinzug träumen. "Dafür muss aber sicherlich alles passen, und voallem ist es bis dorthin noch ein weiter Weg", zeigte sich Ganser vorsichtig optimistisch. Im Geschlechter-Duell zur ersten Runde gegen Diana Ulojan überzeugte der Newcomer bis zum Stand von 5:3 im ersten Satz mit einer gediegenen Vorstellung, ehe ihn eine Schrecksekunde aus dem Rhythmus brachte. Kurz umgeknöchelt wirkte Gansers Premieren-Darbietung fortan "schaumgebremst" und doch stark genug, um Russlands einzige Turnierhoffnung auf den Heimweg zu schicken. Und nach dem gelungenen ersten Tour-Einsatz sollte die Juli-First-Series-Konkurrenz gewarnt sein. Der gebürtige Steirer, der in der von Ex-Davicup-Spieler Wolfgang Schranz geführten "Tennis-Zone International" intensiv trainiert, wird noch für einige Überraschungen sorgen.

Szele und Maftei zum zweiten Mal binnen einer Woche in Runde 1 gegeneinander
Was tat sich sonst noch am Juli-First-Series-Samstag? Slobodan Vasiljevic sorgte eine Woche nach der handfesten Juli-Second-Series-Enttäuschung gegen Robert Piatek für ein Erfolgserlebnis. Der gebürtige Serbe kämpfte Reinhard Paizoni in drei Sätzen nieder und qualifizierte sich damit für das Achtelfinal-Duell mit Michael Berger. In zwei Tie-Breaks und nach zweieinhalb Stunden Spielzeit löste Jänner-Second-Series-Champ Günther Leitner gegen Alfred Kallab sein Achtelfinal-Ticket. Dort trifft Leitner auf Richard Hepperle, der sich bei seinem ersten Turnierstart seit Mai 2009 gegen Iraks Elaf Al-Ani im längsten Match des Tages durchsetzen konnte. Für das 6:2, 6:7, 6:2 benötigte der einzige Deutsche im Feld 2:48 Stunden. Ebenfalls in drei Sätzen rang Tour-Neuling Rainer Martinu im letzten Match des Tages Markus Winter nieder. Das 7:6, 3:6, 2:6 kommentierte der unterlegen März-Second-Series-Sieger von 2008 so: "Ich war extrem müde, und mir ist regelrecht die Kraft ausgegangen". Ein ähnliches Resümee zog am Ende des Tages auch Lucas Rydl. Beim 4:6, 5:7 gegen Mario Scheday vergab der Terra-Rossa-Spieler im zweiten Heat sogar eine 5:2 Führung und zwei Satzbälle, ehe er sich schweißgebadet und kraftlos in die Niederlage ergeben musste. Markus Fessel aus Niederösterreich zog mit einem 3:6, 6:3, 6:3 Erfolg über seinen slowakischen Second-Series-Kollegen George Gallo ins Achtelfinale ein, wo er am Sonntag auf Rumäniens Rares Maftei treffen wird. Der Südost-Europäer kämpfte binnen einer Woche zum zweiten Mal in Folge Alexander Szele in drei Sätzen nieder. Beim Juli-Second-Series-Turnier am vergangenen Weekend genügte Szele ein zu Null gewonnener Satz genauso wenig wie am gestrigen Samstag, wo er Maftei mit 6:0, 3:6, 2:6 unterlag. Übrigens: Das letzte Mal das zwei Spieler binnen einer Woche zwei Mal hintereinander in Runde 1 gegeneinander antreten mussten, geschah im Oktober 1996.

Claus Lippert, 31. Juli 2010
|