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Traumfinale bringt ewig junges Duell um Rasen-Krone 2010"
Nach vier schweißtreibenden Tagen und 36 teils hartumkämpften Einzelmatches steht das Traumfinale beim 19. Juni-Grand-Slam-Turnier 2010 fest. Andreas Harbarth gegen Mario Kiss, das ewig junge Duell zwischen dem Ranglisten-Ersten und dem Power-Server vom AZ Tennisclub bildet den hoffentlich hochklassigen und spannenden finalen Höhepunkt beim heurigen "Wimbledon-Turnier der Hobby-Tennis-Tour". Davor hatten die beiden Tourstars im gestrigen Halbfinale allerdings hart zu kämpfen, um ihre höchst motiviert und engagiert auftretenden Herausforderer in die Schranken zu weisen. Der topgesetzte Andreas Harbarth stürmte im Vorschluss-Runden-Treffen mit einem 6:4, 7:5 Erfolg über Thomas Guem in sein viertes Rasen-Grand-Slam-Finale und wehrte so nebenbei auch den Angriff jenes Mannes ab, der ihn schon bald als Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour beerben möchte, während die Nummer 2 des Turniers Mario Kiss beim mühevoll errungenen 7:6, 4:6, 6:3 Erfolg über einen ganz starken Markus Seitner erstmals im Turnierverlauf einen Satz abgeben musste. Der Bericht vom Semifinale und eine Vorschau auf das große Finale von C.L

Erstes direktes Duell der beiden Saison-Dominatoren endet "unspektakulär"
Phantastische 165 Wochen thront Andreas Harbarth seit dem gestigen Montag an der Ranglisten-Spitze der Hobby-Tennis-Tour. Das ist die zweitlängste Serie der Geschichte, und wohl noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Keine Zweifel gibt es, dass der 26jährige Branchen-Primus auch nach dem "Wimbledon-Finale der HTT" uneingeschränkt und unantastbar an der Nummer 1 Position im Entry-Ranking stehen wird. Einer der unzähligen Harbarth-Herausforderer hat aber in den letzten Wochen versucht, zumindest einmal "verbal" am Thron des Ranglisten-Königs zu sägen. Tirols Shooting-Star Thomas Guem machte zuerst auf den Courts der Tour mit tollen Leistungen und vier Turniersiegen auf sich aufmerksam, ehe er mit der Ansage "ich möchte die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour werden", auch abseits der Courts aufhorchen ließ. Wie realistisch Guems Kampfansage nun tatsächlich ist, oder ob es sich nur um frommes Wunschdenken seitens des Tirolers handelt, sollte der erste direkte Vergleich der beiden bisherigen Saison-Dominatoren zeigen. Harbarth gegen Guem, das war sportlich gesehen auch das Gipfeltreffen der beiden im Champions-Race Kopf an Kopf in Führung liegenden Tourstars, die heuer bereits je vier Titel auf ihrem Erfolgskonto verbuchen konnten. Beide Akteure gingen sehnsüchtig in dieses erste Aufeinandertreffen, das dann nach 1:26 Stunden Spielzeit nicht ganz so spektakulär, glanzvoll und hochklassig zu Ende ging, wie womöglich so mancher Tour-Insider erhofft hätte. Harbarth ging nach dem knapp eineinhalb Stunden dauernden Premieren-Duell als 6:4, 7:5 Sieger vom Platz, mit dem Gefühl die Hackordnung auf der HTT bestätigt zu haben und auch für das Endspiel am Dienstag Abend gerüstet zu sein.

Andreas Harbarth feiert im 200. Karriere-Single seinen 50. Grand-Slam-Einzel-Erfolg
Das Spiel selbst zwischen dem 5fachen Grand-Slam-Sieger und dem Shootingstar aus Schönwies ist in der Nachbetrachtung nicht ganz so leicht zu bewerten. War es ein eher schwächeres Match zwischen den beiden 4fachen Saison-Champions, war es die Spielweise die nicht ganz so spektakuläre Ballwechsel zuließ, oder war es schlichtweg das am Nebencourt stattfindende zweite Halbfinale zwischen Mario Kiss und Markus Seitner, das weitaus flotter geführt, einen womöglich "falschen Eindruck" vom vermeintlichen Top-Duell vermittelte. Egal, Harbarth gegen Guem das war Taktik, das war Übersicht und schaumgebremstes Tempo. Was angesichts der bekannten Spielweise beider Akteure ja nicht besonders überraschend kam. Guem agiert schließlich ganz ähnlich wie Harbarth, an der Grundlinie kontrollierend, den sicheren Ball spielend und auf die Gelegenheit zum Punktgewinn wartend. So mancher Tour-Kollege hatte am Sonntag Abend für das halbfinale Startreffen zwischen Harbarth und Guem gar einen echten Marathon vorausgesagt. Doch dazu kam es nicht, weil Harbarth in den entscheidenden Phasen abgeklärter wirkte. Denn Guem hatte durchaus seine Chancen, das Spiel noch viel offener und womöglich sogar über drei Sätze zu gestalten. Ein Auszug aus Guems aussichtsreichsten Situationen gefällig? Der Tiroler führte im ersten Satz 2:0 und 4:2, ehe er nach 35 Minuten Satz 1 mit 4:6 abgegeben hatte. Im zweiten Durchgang egalisierte der 28jährige aus Schönwies einen raschen 0:2 Rückstand, ja mehr noch, mit 4 Games in Folge führte "Tommy Gee" abermals mit 4:2. Das Ende ist bekannt, und mit 6:4, 7:5 nach 1:26 Stunden nicht ganz unerwartet gekommen. Für Harbarth wieder einmal ein echter Jubiläums-Erfolg, spielte er doch gegen Guem nicht nur sein 200. Karriere-Einzelmatch, sondern feierte er zudem auch den bereits 50. Grand-Slam-Einzelsieg seiner eindrucksvollen Laufbahn. "Es war ein schönes Match, das mir wirklich gut gefallen hat. Im zweiten Satz habe ich Guem ein wenig unterschätzt, was man freilich nicht machen darf. Er hat sowohl Vorhand und Rückhand nur Slice gespielt, dazu hervorragend volliert, es wurde am Ende schwerer als ich es mir vorgestellt hatte", meinte der Ranglisten-Erste.

Thomas Guem überlegt in Zukunft nur mehr Slice zu spielen und plädiert für eine längere Rasensaison
Nach seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale zeigte sich auch der unterlegene Thomas Guem nicht unzufrieden: "Ich hatte mich sehr gefreut auf das erste Treffen mit Harbarth. Es war wie erwartet und hat enorm viel Spaß gemacht. Ich würde mir öfters solche Matches wünschen. Es war körperlich anspruchsvoll, wir haben wenige Fehler und viele Punkte gemacht. Ich bin trotzdem zufrieden, auch mit dem erreichten Halbfinale bei diesem Turnier. Nur in einem bin ich nach diesem Spiel unschlüssig, und zwar ob ich in Zukunft weiter so wie heute Vorhand und Rückhand mit Slice spielen soll. Ich habe mich nämlich pudelwohl dabei gefühlt, wobei vom Prestige her das so wohl nicht konstant durchziehbar ist. Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Treffen mit Harbarth und vorallem auch auf die nächste Rasensaison. Die sollte man meiner Meinung nach verlängern und ausbauen. Schade war heute nur, dass ich nicht am Centercourt gespielt habe. Dort wäre es knapper geworden. Ohne Fans war es schwierig, sogar der "Rotti" (Anmerk. Marcus Rotter) hat am Nebenplatz zugesehen. So war das ja eine "Court 2-Partie", monierte der Tiroler schon während seines Matches. "Ist ja auch eine Court 2-Partie", entgegnete der am Nebenplatz zusehende Martin Kova und führte lächelnd weiter fort. "Der Rieger Stefan sitzt eh dort drüben. Der hat halt nur mehr Karten für den 2er-Court bekommen, weil der Centercourt ausverkauft ist. Und hier findet gerade ohnehin das bessere Match statt".

Superstarker Markus Seitner und der Wimbledon-Champ von 2007 liefern sich ein hochklassiges Halbfinal-Duell
Und in der Tat bekamen die Zuseher am selbst ernannten Centercourt eine hochklassige Spitzen-Begegnung mit allem was gutes Tennis ausmacht präsentiert. Auch im Vorschluss-Runden-Duell der unteren Rasterhälfte setzte sich am Ende mit Mario Kiss der Favorit durch, doch auch hier hatte der vermeintliche Außenseiter Markus Seitner durchaus reelle Siegchancen. Denn der 30jährige Salzburger wuchs in diesem vierten direkten Duell mit Mario Kiss über sich hinaus, präsentierte sich spielfreudig wie schon lange nicht und laufstark wie immer, was in Kombination dazu führte, dass aus dem von vielen Experten erwarteten Spaziergang von Kiss auf seinem Lieblingsbelag nichts wurde. Im Gegenteil, hatten doch Kiss-Fans knapp über zwei Stunden zu bangen, ehe der 31jährige vom AZ Tennisclub den zweiten "Wimbledon-Final-Einzug auf der HTT" fixiert hatte. Davor musste Kiss einige enge Situationen überstehen, mehrmals Rückstände aufholen und einen dritten Satz spielen, den er eigentlich vermeiden wollte. Zu den ungewollten Übestunden kam es, weil Kiss Paradeschlag die Vorhand diesmal nicht wie gewohnt funktionierte und weil Seitner wie erwähnt eine echte Glanzpartie auf den Landstraßer Kunstrasen zauberte. Der Salzburger bot eine gewaltige Vorstellung in seinem dritten Grand-Slam-Karriere-Semifinale. Das er weiter auf sein erstes Major-Endspiel warten muss, schob der 10fache Turniersieger aus Westösterreich auf jene unbefriedigende Situation, die er gegen Ende des ersten Satzes durchlebte. "Madmax" hatte dem Service-Giganten den Aufschlag zum 2:0 abgenommen und sich selbst souverän durch Heat Nr. 1 serviert. Eine 5:2 Führung war die Folge, als Seitner nachlässiger wurde, womöglich einen diesmal nicht so starken Kiss vor sich sah, und damit ins Dilemma stürzte. Kiss gelang das Re-Break zum 4:5, er wehrte im Folge-Game zwei Satzbälle Seitners ab, breakte den Salzburger ein zweites Mal zum 6:5 und ließ sich auch durch das erneute Re-Break in einem superpannenden Finish nicht aus der Ruhe bringen. Mit einer wuchtigen Vorhand besiegelte Kiss das 7:4 im Tie-Break und damit die 7:6 Satzführung.

"Das Ding gehört einfach gewonnen, dafür gibt es keine Entschuldigung"
Genau 40 Minuten dauerte Durchgang 2, den Seitner mit dem entscheidenden Break zum 4:3 fixierte und den er mit geballter Faust und lautem Geschrei bejubelte. Die Entscheidung musste also wie auch schon im letzten Aufeinandertreffen der beiden Tourstars im dritten Satz fallen, den beide mit einer schwachen Aufschlagleistung und kassiertem Break eröffneten. Danach ging es mit dem Service bis 3:2, ehe Kiss das alles entscheidende Break zum 4:2 gelang. Damit war die Partie gelaufen, zu sicher und souverän agierte Kiss in der Schlussphase und zu müde und träge präsentierte sich Seitner im Finish einer hochklassigen Partie. "Schade, immerhin war ich im ersten Satz 5:2 vorne. Da dachte ich es reicht, wenn ich die Bälle nur reinspiele. Da habe ich zuwenig für das Spiel getan, und durch diesen Fehler hat mir schlussendlich im Finish auch die Kraft gefehlt. Im dritten Satz habe ich rasch gemerkt, dass das nichts mehr wird. Das ist einfach eine Katastrophe. Sowas musste du heimspielen. Jetzt bin ich auch mit den 90 Racepunkten nicht zufrieden. Du hättest mir 200 Punkte gutschreiben können, das Ding gehört einfach gewonnen, da gibt es keine Entschuldigung. Ein Turnier möchte ich heuer unbedingt noch gewinnen, das ist für den Rest der Saison mein Ziel. Zum Masters werde ich es wohl heuer nicht schaffen", verabschiedete sich Markus Seitner nach seinem zweiten Karriere-Wimbledon-Halbfinale.

"Mein Glück war, dass der Seitner noch dümmer gespielt hat als ich"
Mario Kiss dagegen wanderte nach verwandeltem Matchball auf Court Nr. 1 der Hans-Bock-Anlage, wo unter Flutlicht das Doppel-Halbfinale mit Michael Kunz gegen die Masterssieger Harbarth-Rieger anstand. Erst danach kam er zum Interview und zeigte sich überrascht. "Mit dieser Leistung durchzukommen ist sensationell. Die Vorhand war drei Sätze lang nicht vorhanden, dafür ist die Rückhand Gott sei Dank gut gegangen. Ich habe ab dem zweiten Satz auch taktisch nicht sehr intelligent gespielt. Mein Glück war nur, dass der Seitner noch dümmer gespielt hat. Er hat 90 Prozent auf meine Rückhand gespielt, die habe ich aber getroffen. In den entscheidenden Momenten habe ich halt sehr gut serviert", so Kiss der auf den Kunstrasenplätzen des WAT Landstraße damit bei 9:0 Einzelsiegen weiter ungeschlagen ist.

Harbarth gegen Kiss im Head to Head 5:3 voran, in Grand-Slam-Endspiel-Duellen führt allerdings Kiss vor dem ersten Major-Final-Treff seit Jänner 2008 mit 2:0
Harbarth also siegreich im Duell der beiden 4fachen Saison-Champions, Kiss erfolgreich im Duell mit Markus Seitner, damit ist der große finale Showdown zwischen den beiden topgesetzten Tourstars im "Wimbledon-Finale der Hobby-Tennis-Tour 2010" perfekt. In einem Grand-Slam-Endspiel stehen sich Harbarth und Kiss zum insgesamt dritten Mal und zum erstmals seit Jänner 2008 wieder gegenüber. Kiss ist dabei mit 2:0 Finalsiegen gegen Harbarth unbesiegt. Ausgeglichen sieht die Bilanz bei allen Tour-Endspielen aus, wo es durch Harbarths Masterssieg 2007 im Finale gegen Kiss und das heurige Februar-Super-4-Finale (6:3, 6:3 für Harbarth) 2:2 steht. Ganz anders sieht die Head to Head Statistik der beiden Tour-Heros aus, wo ein in Überform spielender Harbarth durch vier Siege in den ersten beiden Monaten des heurigen Jahres gegen einen damals krisengeschüttelten Mario Kiss eine 1:3 Bilanz in eine 5:3 Führung umwandelte. "Für das Finale am Dienstag schauen wir einmal. Heuer ist es mir ja gegen den Mario bislang sehr gut gegangen, doch so leicht wird es diesmal wohl nicht mehr werden", gab sich Harbarth am Montag nach dem Semifinal-Erfolg über Guem vorsichtig. "Ich sehe keine Chance für den Kiss. Gegen den Harbarth ist hier auf diesem Belag kein Kraut gewachsen", deklarierte sich Markus Seitner, während beispielsweise Gerald Scheller eher den Power-Server vom AZ Tennisclub in der Favoritenrolle sieht. "Nach der sonntägigen Leistung ist Kiss für mich Favorit. Ich denke einmal, dass dem Mario das Spiel vom Harbarth besser liegt und taugt als jenes vom Madmax", so der 39jährige.

Harbarth will Revanche für das 2007er-Wimbledon-Finale und peilt Grand-Slam-Titel Nr. 6 an, während Kiss bei WAT Landstraße mit 9:0 Einzelsiegen noch ungeschlagen ist
"Das Finale zu erreichen war mein Minimalziel, und jetzt schauen wir einmal weiter. Für das Endspiel werde ich mich sicher steigern müssen, sonst wird es sehr schwer gegen den Andi. Die Rückhand kann so bleiben wie im Semifinale, aber auf der Vorhand muss ich besser spielen. Aus Punkt, mehr gibt es nicht zu sagen. Oja doch noch, den Guem habe ich im Champions-Race wieder geschnupft und das Doppelfinale mit dem Kunz will ich jetzt auch unbedingt gewinnen. Der Titel gegen "den Mayerhofer" ist Pflicht", so der Ranglisten-Dritte. Mario Kiss steht am Dienstag Abend in seinem 5. Major-Karriere-Finale, und strebt nach 3:1 Finalerfolgen seinen insgesamt vierten Grand-Slam-Titel an. Dazu ist er auf den Courts des WAT Landstraße wie erwähnt in 9 Matches ungeschlagen. Herausragend dabei der finale Triumph im Jahr 2007, als Kiss die Grand-Slam-Träume des Andreas Harbarth in drei Sätzen demolierte. Das wiederum ist einer der Gründe, warum man am Dienstag Abend einen voll motiverten Andreas Harbarth erleben wird. Ein weiterer Grund für eine Topleistung und um Wiedergutmachung zu betreiben sowie alte Rechnungen zu begleichen sind wohl Harbarths "Wimbledon-Auftritte" der letzten beiden Saisonen. 2008 verlor er einen 5-Satz-Krimi im Finale gegen Michael Kunz, und im Vorjahr stolperte der damals vom Ranglisten-Thron gestoßene und im Schatten von Rasenkönig Thomas Müller stehende Harbarth bereits im Viertelfinale gegen Oliver Rauschil. Der 26jährige könnte am Dienstag Abend seinen 28. Karriere-Turniersieg und den 6. Grand-Slam-Titel seiner Laufbahn erobern, womit er zum derzeit drittbesten Grand-Slam-Spieler der Tour-Geschichte Martin Kova (ebenfalls 6 Major-Titel) aufschließen würde.

Claus Lippert, 5. Juli 2010
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