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08 Sept 2010 06:28
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Platz
Spieler
Pkt
1.
Harbarth Andreas
720
2.
Kiss Mario
602
3.
Guem Thomas
597
4.
Mayrhuber Franz
361
5.
Seitner Markus
330
6.
Mueller Thomas
314
7.
Geisler Alexander
255
8.
Rath Robert
245
9.
Schwing Patrick
227
10.
Kramer Christoph
225


 

Heißer Super-Samstag im "Wimbledon der HTT"

 

Irgendwie waren sie alle Sieger die da am gestrigen zweiten Spieltag des 19. Juni-Grand-Slam-Turniers die Kunstrasencourts des WAT Landstraße bevölkerten. Bei unfassbar brutalen Bedingungen mussten viele der Akteure an ihre physischen Grenzen, und definitiv alle Spieler ein gewaltiges Stück Motivation aufbringen, um sich bei Sommer-Sonne & Glutofen-Hitze zu behaupten. Das "Grün" der Baumgasse "kochte & glühte" am mega-heißen ersten Samstag des Julis, und wurde zur echten konditionellen Bewährungprobe für so manchen Hobby-Tennis-Tour-Star. Das ausgerechnet beim prestigeträchtigsten Turnier des Jahres extremste äußere Verhältnisse herrschen, machte die Sache so richtig "speziell". Und insgesamt war es zudem auch ein echter "Super-Samstag", mit den Auftritten der Nummer 1 Andreas Harbarth, vom an der "2" gereihten Mario Kiss, von Titelverteidiger Thomas Müller, dem amtierenden Rasen-Super-4-Champ Thomas Guem, dem sentimentalen Favoriten Michael Kunz und den Comebacks von Oliver Rauschil, Michael Schremmer und dem englischen Lokal-Hero Adam Goodsell. Ein Bericht von C.L

 

 

"Nach einem Jahr TV & Schoko" Vorjahresfinalist Oliver Rauschil unterliegt zum Auftakt Patrick Meinhart und verliert zum allerersten Mal bei einem Grand-Slam in Runde 1

 

Schon vormittags um 10:30 Uhr gab es am gestrigen zweiten Spieltag des Juni-Grand-Slam-Turniers erstmals "Hitze-Alarm" und ein erstes Opfer. Nach nur einer halben Stunde Spielzeit machte sich die polnische Qualifikantin Grazy Wajsbard mit Kreislaufproblemen auf den Weg ans Netz um ihrem Gegner Georg Gallo nach gespieltem ersten Satz zum Aufstieg in den Hauptbwerb zu gratulieren. "Eine Vorsichtsmaßnahme, aber mir wurde schwindlig", erklärte die 29jährige. Weitere Hitzeopfer aus medizinischer Sicht gab es Gott sei Dank nicht zu beklagen, von der sportlichen Seite hingegen sehr wohl. Das prominenteste Opfer gab es dann auch gleich zu Beginn des heißen Sommertages auf Court Nr. 2 zu bestaunen. Denn mit Oliver Rauschil verabschiedete sich kein geringerer als der Rasen-Grand-Slam-Vorjahresfinalist. Der 28jährige "crashte" überraschender Weise in seinem Auftakt-Match gegen Patrick Meinhart aus dem Bewerb und präsentierte sich beim 2:6, 6:7 gegen den TC Top-Serve-Spieler als körperlich nicht fit genug. Schon nach 20 Minuten hatten neutrale Beobachter bemerkt, dass nur ein mittleres Wunder oder ein unerwarteter Wetterumschwung die erste große Sensation des Turniers verhindern hätte können. Rauschil plagte sich mit schweren Beinen und dem ein oder anderen Kilogramm zuviel auf den Rippen über den zusätzlich Hitze erzeugenden Kunstrasenplatz und verlor Durchgang 1 glatt mit 2:6. Und hätte Meinhart ab Mitte des zweiten Satzes Konzentration und Konstanz walten lassen, dann wäre der Vorjahres-Finalist mit einem echten Debakel beim Comeback abgefertigt worden. Meinhart ließ bei einer 3:1 Führung einen Spielball zum 4:1 aus, patzte in der Folge bei eigenem Aufschlag mit drei Doppelfehlern und musste letztlich froh sein, einem dritten Satz entronnen zu sein. Weil Rauschil im Tie-Break sogar einen Satzball vorfand, ehe Meinhart die allererste Auftakt-Niederlage seines Gegners bei einem Grand-Slam-Turnier besiegelte. "Ich habe jetzt ein Jahr lang kaum Tennis gespielt, hin und wieder mal ein Doppel. Daher war nicht so viel mehr zu erwarten. Heute war alles vom Wetter abhängig. Die Sonne hat mir meine Energie geraubt. Zwischendurch hatte ich eine Gänsehaut und schwindlig war mir obendrein. Der Patrick hat aber sehr gut gespielt und vorallem sehr gut serviert. Von daher hat er auch absolut verdient gewonnen. Von mir war wiegesagt nicht mehr zu erwarten. Wenn du ein Jahr kaum Tennis spielst und nur vor dem Fernseher sitzt und Schokolade frist, darf man sich nicht wundern", so der 28jährige.

 

 

Titelverteidiger Thomas Müller übersteht Auftakthürde und seine ersten Herausforderer Harbarth & Kiss deklassieren Second-Series-Quali-Gegner

 

Kaum hatte der gescheiterte Vorjahresfinalist den Court verlassen, betrat sein letztjähriger Endspielgegner die Bühne. Mit dem Wissen ob des Rauschil-Aus versuchte Titelverteidiger Thomas Müller in seinem Auftakt-Match gegen Martin Mayerhofer das totale k.o der Wimbledon-Helden von 2009 zu verhindern. Was dem 40jährigen mit einem 6:2, 7:5 Erfolg auch gelang, womit der Rasenkönig seinen sechsten Rasen-Grand-Slam-Einzelsieg in Serie eingefahren hatte. Speziell im zweiten Satz hatte aber auch Toms Gegner durchaus sein Möglichkeiten, doch der jüngere der Mayerhofer-Brüder ließ in seinem 95. Karriere-Match zumindest die Chance auf einen dritten Satz aus. Und genau das war wiederum ein wichtiger Punkt in Müllers Planung hinsichtlich einer erfolgreichen Titelverteidigung. "Jedes Match das du in zwei Sätzen gewinnst spart Kraft und kann wichtig sein im Kampf um den Turniersieg", stellte Müller klar. Der 40jährige, bei seinem dritten Juni-Grand-Slam-Start an Nummer 3 gesetzt, kämpft an diesem Wochenende ja darum, als erster Spieler der Geschichte das Kunststück eines wiederholten "Wimbledon-Titels" zu realisieren. Die Hauptkonkurrenten Müllers sehen Experten und Insider in den beiden topgesetzten Juni-Grand-Slam-Ex-Champions Andreas Harbarth und Mario Kiss. Beide waren am Super-Samstag erstmals im Einsatz, und beide in ihren Auftakt-Spielen gegen Second-Series-Qualifikanten problemlos und auf ihre ganz spezielle Art unterwegs. Denn während die Nummer 1 des Turniers, der Sieger von 2006 Andreas Harbarth gegen Dogandzic-Bezwinger Lucas Rydl wie so oft in der Vergangenheit dem Quali-Gegner das Gefühl einer offenen Partie vermittelte, drosch der Champion von 2007 Mario Kiss sein rumänisches Quali-Gegenüber mit einer Doppel-Null aus dem Turnier. Rares Maftei der in der Vorrunde Paris-Heimkehrer und Abdelmoneim-Ersatz Hannes Gellner mit 6:1, 6:3 deklassierte, war im Duell mit dem Power-Server chancenlos und doch schon für die Zukunft motiviert. "In einem Jahr spielen wir wieder", meinte der Rumäne, worauf Kiss nur kurz mit einem Lächeln entgegnete: "Da habe ich meine Karriere schon beendet".

 

 

 

Englands Adam Goodsell gewinnt Comeback-Duell am Centercourt gegen Michael Schremmer

 

Die ATP-Tour hat Andy Murray der heuer als Lokalmatador den ersten englischen Titelgewinn seit 1936 hätte anpeilen sollten. Und was für die ATP-Tour Andy Murray ist, das ist für die Hobby-Tennis-Tour Adam Goodsell. Ein Engländer im "Wimbledon der HTT", eine herrliche Geschichte, genauso wie jene des 20jährigen aus Reading bei seinem jährlichen Wien-Besuch. Am Dienstag kam Goodsell direkt aus England angereist in Wien an, bleibt für 5 Wochen und "logiert" direkt auf der Anlage des WAT Landstraße. Im Vorraum zur Club-Sauna hat es sich Adam mit Matraze und Laptop gemütlich gemacht und für die kommenden 5 Wochen eine Bleibe gefunden. Damit ist der Brite beim "Wimbledon der HTT" ein echter Lokal-Hero, und also solcher ging er natürlich an seinem ersten Spieltag beim Tour-Comeback am Centercourt der Hans-Bock-Anlage zu Werke. Dort schickte er am frühen Samstag Nachmittag mit Michael Schremmer einen weiteren Tour-Rückkehrer vorzeitig nach Hause. Der 27jährige, immerhin 3facher WTT-Champion kehrte nach fast zweieinhalbjähriger Pause in der Circuit zurück. Am 8. Februar 2008 war es, als Schremmer nach der knappen Februar-WTT-Erstrunden-Niederlage gegen Alexander Sterzl von der Tour-Bühne verschwand. Beim "Curling" zwischenzeitlich" weiter sportlich aktiv, kündigte der ehemalige WTT-Rekordsieger sein Tour-Comeback schon Anfang des Jahres per SMS an. Anfang Juli war es jetzt also soweit. Zwar präsentierte sich Schremmer noch nicht in jener Verfassung wie er einst zum Schrecken vieler seiner Gegner avancierte, doch mit einem verdammt spielfreudiigen Adam Goodsell hatte der Wiener auch eine alles andere als leichte Comeback-Auslosung erhalten. "Wenn Goodsell gegen Schremmer spielt heißt das nicht gleichzeitig das Goodsell gewinnt", meinte am Vorabend Adams Achtelfinal-Gegner Martin Kova, doch wie schon erwähnt fehlte Schremmer im über weite Strecken recht ungleichen Duell mit Englands Hoffnung die Spielpraxis vergangener Tage. Nur beim abendlichen Grill, bewies der Knödelkönig der HTT gewohnte Steherqualitäten.

 

 

 

Thomas Guem will erstes Major-Spitzen-Resultat seiner Karriere und Michael Kunz träumt vom zweiten großen Grand-Slam-Coup seiner Laufbahn

 

Kraftsparend für einen zu erwartend harten Sonntag waren am gestrigen zweiten Spieltag auch die Herren Thomas Guem und Michael Kunz unterwegs. Beide haben beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres einiges vor und durchaus auch einiges gutzumachen. Will man nämlich bei der bisherigen Sensations-Performance des amtierenden Rasen-Super-4-Siegers Thomas Guem etwas aussetzen, dann kann man bei seinen Auftritten auf "höchster Ebene" einhaken. Denn trotz einer Wahnsinns-Saison, bei Grand-Slams lief es noch nicht so überragend für den Tiroler Shooting-Star. In der Halle in Runde 1 gescheitert, auf Sand mit dem Achtelfinaleinzug auch hinter den durchaus hohen Erwartungen zurückgeblieben, will der 28jährige auf Rasen erstmals ein Major-Spitzen-Resultat fixieren. Den ersten Schritt dorthin machte der Schönwieser am gestrigen Abend und damit drei Tage nach seinem finalen Juni-Super-4-Triumph über Robert Rath. Wobei derzeit scheinbar alles für den an Nummer 4 gesetzten 4fachen Saisonsieger läuft. Denn in Runde 1 "sparte" Tommy Gee nach einem "walk over" seines Auftakt-Gegners nicht nur Kräfte für den Rest des Turniers, sondern sich womöglich auch einen ganz heißen Tanz um einen Platz im Achtelfinale. Gegner Rainer Stolz machte vor dem zweiten direkten Duell der beiden Tourstars und nach einer Gala-Vorstellung in der Quali gegen Stefan Schwing (6:0, 6:1) einen kurzfristigen Rückzieher. Dabei hatte man sich vom Erstrunden-Hit zwischen Stolz und Guem so viel erwartet. Der Juni-Super-4-Sieger hatte heuer beim Mai-Super-4-Turnier im Achtelfinale schon einmal Bekanntschaft mit Stolz und dessen Stärken gemacht. Der Valek-Doppelpartner gewann damals den ersten Satz gegen Guem mit 6:4, ehe er bei 0:4 im zweiten Heat vom Platz stürmte. Diesmal ließ Stolz gleich von Beginn aus, womit sich Guem im abendlichen Achtelfinal-Treff gegen Thomas Peyerl als erster Spieler für das Viertelfinale qualifizierte. Mindestens dorthin möchte auch Michael Kunz, doch insgeheim hofft der 39jährige aus Deutsch Wagram auf mehr, nämlich auf den nächsten großen Coup im "Wimbledon der HTT". 2008 überraschte er die Tour-Konkurrenz mit seinem Rasen-Grand-Slam-Triumph. 5 Siege würde er zum erneuten Sommer-Märchen benötigen, Erfolg Nummer 1 gelang dem Niederösterreicher am Samstag Abend durch ein 6:1, 6:0 über den slowakischen Qualifikanten Georg Gallo.

 

 

 

 

Martin Jandl vergibt gegen die Nummer 6 des Turniers mit "leerem Akku" eine 5:2 Führung im dritten Satz, während Christoph Kramer den ersten Grand-Slam-Saison-Einzelsieg und den 180. Single-Erfolg seiner Karriere feiert

 

Sich nicht allzu lange auf den Courts und in der Hitze aufhalten, Kräfte sparen wo immer es geht, so lautete das Motto aller Juni-Gand-Slam-Teilnehmer. Und so gab es in den bisher 22 Single-Partien auch gerade einmal 2 Dreisatz-Matches und im Doppel-Bewerb bei bisher fünf ausgespielten Matches noch keinen Champions-Tie-Break. Und wie wichtig dieser Umstand ist, zeigte der Erstrunden-Hit zwischen dem an Nummer 6 gesetzten Christoph Kramer und Tour-Neuling Martin Jandl. Der Juni-Grand-Prix-Finalist hatte es bei einer 5:2 Führung im entscheidenden dritten Satz auf dem Schläger, mit Kramer den ersten Gesetzten frühzeitig zu verabschieden. Doch im Finish verließen den 28jährigen Amstettner die Kräfte. Ein ganz brutaler Einbruch folgte, Jandl musste der Nummer 6 des Turniers fünf Games in Folge überlassen und mitansehen, wie in der Sommer-Sonne seinen Major-Träume schmolzen. "Am Ende war der Akku leer, "unterleer" sogar", stellte Jandl klar, während sich Kramer bei seinem sechsten Juni-Grand-Slam-Start über einen ganz speziellen Erfolg freuen durfte. Das 7:6, 1:6, 7:5 war Kramers 180. Karriere-Einzelsieg und sein erster Grand-Slam-Matcherfolg der bisherigen Saison. "Das war heute ein kurioses Match. Nach dem gewonnenen Tie-Break im ersten Satz hatte ich schon das Gefühl das ich das Spiel in "zwei" gewinne. Doch dann hatte ich einen brutalen Absturz, der eigentlich bis 0:3 im dritten Satz angedauert hat. Als ich dann 2:5 zurücklag habe ich versucht, den ersten Aufschlag zu bringen und den Ball im Spiel zu halten. Das hat ihn zerstört, und der Martin ist dann im Finish eingebrochen", analysierte der Vorjahres-Halbfinalist nach seinem 98. Karriere-Turnier-Start in ununterbrochener Reihenfolge.

 

 

 

Die Tour hat mit Mauro Cinti jetzt auch einen Italiener und Thomas Peyerl seit Samstag Abend endlich auch seinen ersten Grand-Slam-Einzelsieg

 

Nocheinmal ein Blick zurück zur Qualifikation. Dort setzte sich u.a Lucas Rydl in einem Tie-Break-Krimi gegen Blagoje Dogandzic durch. Spannend war es, doch spielerisch wusste der 22jährige Sieger nicht zu glänzen. Keine Bewegung und keine Motivation sich entsprechend flott über den Court zu bewegen, bekam Rydl so mit dem engagiert auftretenden serbischen Gegner massive Probleme. Seit Samstag Vormittag hat die Hobby-Tennis-Tour auch einen italienischen Beitrag zu vermelden. Mauro Cinti, 52jähriger Römer feierte als erster Italiener der Tour-Geschichte sein Debüt, unterlag dabei aber Patrick Khandroo knapp in zwei Sätzen. "Es war ein sehr gutes, sehr schönes und sehr spannendes Match", resümierte Cinti, während Khandroo eine Runde später im Hauptbewerb gegen Roland Mayerhofer zu Beginn des Matches seinen Aufwärtstrend unter Beweis stellte. Bis 2:2 hielt der Second-Series-Star mit Mayerhofer mit, ehe der 31jährige bei seinem 30. Karriere-Start den 40. Single-Erfolg seiner Laufbahn fixierte. Die große Überraschung zum Tag lieferte März-Second-Series-Sieger Michael Pichler. Der TC Hrubesch-Star kämpfte in der Quali Doppel-Masterssieger Stefan Rieger mit 7:5, 7:6, womit er sich für ein Duell mit Gerald Scheller qualifizierte. Dort setzte es nach ansprechender Leistung eine 2:6, 5:7 Niederlage, womit Scheller wiederum erstmals seit der Saison 2005 im "Wimbledon der HTT" wieder zu einem Einzelerfolg kam. Apropos Einzelerfolg: Kaum zu glauben, das Thomas Peyerl am Samstag Abend gegen Wenitzky-Bezwinger Andreas Tolunay zum ersten Mal im "Wimbledon der HTT" auftrat und das obwohl der 26jährige seit August 2007 auf der Tour spielt. Und noch unglaublicher ist, dass "Tom" im Match gegen Tolunay sein allererstes Grand-Slam-Einzelmatch gewonnen hat. Der 6:3, 7:5 Erfolg über seinen Terra-Rossa-Clubkollegen war nach 8 erfolglosen Major-Starts Peyerls erstes Erfolgserlebnis auf höchster Tour-Ebene. Weitere werden sicher folgen!

 

 

 

 

Claus Lippert, 3. Juli 2010