| "Tiroler ohne Grenzen"
Thomas Guem feiert ersten Super-4-Titel seiner Karriere
Dem Tiroler Shooting-Star Thomas Guem scheinen auf der Hobby-Tennis-Tour offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Nachdem sich der 28jährige aus Schönwies heuer schon 2 WTB-Erfolge sicherte und im vergangenen Mai auch seinen ersten Grand-Prix-Titel erobern konnte, gewann Guem nun auch erstmals ein Super-4-Turnier. Der Ranglisten-Achte aus dem Oberinntal besiegte am Mittwoch Abend im Endspiel des 15. Juni-Super-4-Turniers Müller-Bezwinger Robert Rath in 1:22 Stunden mit 7:6, 6:1 und trug sich damit als insgesamt erst 25. Spieler der Tour-Geschichte in die Liste aller Super-4-Turniersieger ein. Ein Bericht von C.L

Guem kürt sich beim WAT Landstraße zum 25. Turniersieger der Super-4-Geschichte
Knapp sechs Monate ist Thomas Guem seit seinem Debüt im vergangenen Jänner erst im Circuit mit von der Partie, doch was der 28jährige in diesem ersten halben Jahr auf der Hobby-Tennis-Tour geleistet hat, ist einfach nur phänomenal. Keiner hat in der bisherigen Saison mehr Matches (35) gewonnen als er, kein Spieler stand öfters in einem Endspiel als der Tiroler, mit seinem 4. Saisontitel hat er zu Topstar Andreas Harbarth (ebenfalls 4 Turniersiege) aufgeschlossen, und im Champions-Race trennen Guem vor dem dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres am kommenden Wochenende nur mehr lächerliche 13 Punkte von Platz 1. Und den bislang letzten Coup landete "Thommy Gee" am gestrigen Mittwoch Abend, wo er sich am Centercourt von WAT Landstraße zum neuen Juni-Super-4-Champion kürte und sich als insgesamt erst 25. Spieler der Geschichte in die Siegerliste der Super-4-Turnierserie mit all den klingenden und großen Namen eintragen konnte.

Guem mit katastrophaler Aufschlagleistung und Rath mit dem bessern Finalstart
Die ganz "fette Story" so wie im letzten Jahr, als Thomas Müller mit seinem Juni-Super-4-Titelgewinn auch die Nummer 1-Position auf der Hobby-Tennis-Tour übernahm, hatte die heurige 15. Jubiläums-Ausgabe des 100-Punkte-Rasen-Events beim WAT Landstraße zwar nicht zu bieten, die Erfolgsgeschichte von Shooting-Star Thomas Guem kann sich aber auch durchaus sehen lassen. In rasantem Tempo verwirklicht der Schönwieser beinahe im Monatstakt Erfolge, von denen viele andere Tourspieler eine ganze Karriere lang nur träumen können. Das vorerst letzte Kapitel des Tiroler Tennismärchens spielte am letzten Juni-Tag des Jahres, wobei das Happy End zunächst gar nicht absehbar war. Denn bei wolkenlosem Himmel und heißen 30 Grad im Schatten schien der heuer stets hell leuchtende Stern des Thomas Guem im Hobby-Tennis-Tour-Universum zu verglühen. Den besseren Start in dieses 28. Saisonfinale am Centercourt des WAT Landstraße hatte nämlich Müller-Bezwinger Robert Rath, der sich in dieser Anfangsphase als ein ganz heißer und schwieriger Gegner für Guem erweisen sollte. Mit zwei exzellent gesetzten Volleys konnte der 3fache Saisonsieger zunächst im ersten Game noch zwei Break-Chancen Raths zunichte machen, die dritte Möglichkeit hatte der 29jährige aus dem Marchfeld aber genützt und damit so wie am Vortag beim Überraschungs-Halbfinalerfolg über Thomas Müller gleich im ersten Aufschlag-Game das Break erobert. Selbst bei eigenem Aufschlag souverän, stellte Rath auf 2:0, verabsäumte aber in der Folge, einem beim Service schwächelnden Gegner im ersten Satz auf und davon zu ziehen. Guem hatte bei eigenem Aufschlag ganz massive Probleme, servierte während seiner ersten vier Aufschlag-Games unfassbare 9 Doppelfehler und quälte sich zweitweise mit einer erschreckenden Quote am ersten Aufschlag von nur 36 Prozent durch den Auftakt das finalen Treffens mit Rath.

In der Entscheidung von Satz 1 versagen Robert Rath die Nerven
Noch unglaublicher scheint in der Nachbetrachtung des 15. Juni-Super-4-Finales nur der Umstand, dass Rath aus Guems Aufschlagschwäche nicht mehr Kapital schlagen konnte. Höhepunkt dabei war sicherlich das fünfte Game des ersten Satzes, als der Müller-Bezwinger beim Stand von 3:1 drei Breakchancen zum 4:1 trotz 4 weiterer Doppelfehler seines Gegners in nur einem Aufschlagspiel nicht nützen konnte. Auf der anderen Seite präsentierte sich Guem als "Mister Effektiv", der bei 2:3 gleich seine erste Break-Möglichkeit nützte und insgesamt in Durchgang 1 aus drei Breakchancen drei Breaks machte. Ansonsten lief in diesem ersten Heat noch nicht so viel zusammen beim 28jährigen aus Schönwies. Viel eher war es Robert Rath, der es schaffte, aus einem großartig gespielten und über weite Strecken beherrschten ersten Satz nicht als Sieger hervorzugehen. "Es geht um den Satz und du eierst herum. Die Nerven sind ein Wahnsinn", klagte der Ranglisten-Zweiundfünfzigste als er geich zweimal bei 5:4 und 6:5 und beim Versuch Satz 1 auszuservieren nachhaltig schwächelte. Nur ein einziger Punkt in zwei Aufschlagspielen, die Nerven spielten dem sympathischen Niederösterreicher im Finish von Satz 1 einen gewaltigen und bösen Streich. Im Tie-Break spielte dann Guem plötzlich sein bestes Tennis, glänzte mit einem perfekt getimten Stopp und einem grandiosen Vorhand-Passierball, während Rath plötzlich nicht wieder zu erkennen war, und mit nicht weniger als 4 unerzwungenen Fehlern Guem in die Karten spielt. Nach 56 Minuten ist der Spielverlauf des Juni-Super-4-Finales auf den Kopf gestellt und Guem trotz 10 Doppelfehlern mit einer 1:0 Satzführung in Richtung Saisontitel Nr. 4 unterwegs.

Thomas Guem zeigt im zweiten Satz seine Klasse am Netz
Als Augenblicke später Thomas Guem mit einem spektakulären Volley das frühe Break zum 1:0 im zweiten Satz gelingt, war die Vorentscheidung in diesem Endspiel gefallen. Der Tiroler hatte sich längst beim Aufschlag konsolidiert, und lieferte am Netz mit brillant gespielten Volleys die Highlights zu Durchgang 2. In diesem hatte Rath dann nichts mehr zuzusetzen. Die Luft war raus, der Glaube an eine Wende einfach nicht vorhanden. Schade eigentlich, denn hätten die beiden Akteure auch nur zu irgendeiner Phase diese Matches gleichzeitig ihr bestes Tennis gezeigt, die Zuseher wären Zeugen einer ganz großen Partie geworden. Das Guem mehr als ein langweiliger Grundlinien-Slice-Schupfer - als der er sich im bisherigen Turnierverlauf präsentierte - sein kann, bewies er in diesem zweiten Heat, während sein Gegner nur mehr auf den "Gnadentoß" wartete. Und während draußen vor dem Centercourt Tochter Anna aus Langeweile ein Rad nach dem anderen in die Wiese zauberte, donnerte Papa Robert im Finish einen Ball nach dem anderen an den Zaun. Thomas Guem verwandelte derweil Matchball Nummer 2 mit einem gefühlvollen Stopp, womit nach exakt 82 Minuten die Entscheidung um die Nachfolge von Thomas Müller als Juni-Super-4-Sieger gefallen war.


"Spielentscheidend waren für mich heute Volley und Slice"
"Ich freue mich natürlich sehr über diesen Turniersieg. Und ich ziehe sogar was positives aus dieser Partie, und zwar das ich mich am Anfang trotz dieser Doppel-Fehler-Lawine nicht aus dem Konzept bringen ließ. Das war ja wirklich ein Wahnsinn mit meiner Aufschlagleistung, aber man muss es schließlich nehmen wie es kommt. Spielentscheidend waren für mich heute mein Volley und mein Slice. Gratulation aber auch an den Robert. Er ist ganz klar in aufsteigender Form, und wer den Thomas Müller auf Rasen schlägt, von dem ist in der Zukunft noch sehr viel zu erwarten", meinte der neue Juni-Super-4-Champion. Geht es in diesem Tempo mit der Guem-Karriere weiter, dann scheint auch er erste Grand-Slam-Erfolg des Tirolers möglich. Davon will der Champions-Race-Zweite freilich "noch" nichts wissen. "Mein erster Super-4-Titel freut mich natürlich, vorallem weil ich ihn zu Beginn des Jahres nicht erwartet hätte. Für das Grand-Slam-Turnier am kommenden Wochenende rechne ich mir aber nichts aus. Das wäre unrealistisch wenn ich hier vom Sieg träumen würde, vorallem wenn die Topstars am Start sind", so Guem, der sich dann zum Abschluss des Gesprächs einen kleinen Seitenhieb auf Teile der Konkurrenz nicht verkneiffen konnte. "Mein Ziel bleibt aufrecht. Ich will die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour werden. Aber nicht weil ich so ein außergewöhnlich guter Spieler wäre, sondern weil ich ganz einfach konstant punkte. Wenn sich die Stars nicht blicken lassen, sollen sie am Ende des Jahres nicht jammern, wenn sie nicht ins Masters kommen".


"Mein Ziel ist es, endlich einmal ein Einzelturnier zu gewinnen"
Platzwart Roland war derweil mit dem üblichen Schnapserl für die Sieger aufmarschiert, als sich auch Robert Rath dem Final-Interview auf der Terrasse des WAT Landstraße stellte. "Ich bin ganz zufrieden. Ich habe stark angefangen, im ersten Satz auch durch die Mithilfe vom Thomas, denn da hat er nicht so gut gespielt. Bis dahin hat es auch ganz gut ausgeschaut, aber im zweiten Satz habe ich stark nachgelassen, während der Thomas in die Partie gefunden hat. Dann ging alles ziemlich schnell. Trotzdem bin ich wiegesagt zufrieden. Jetzt muss ich nur noch schauen, dass ich mein Spiel konstanter bringe. Über eine ganze Turnierwoche konstant mein bestes Tennis zu spielen, das wäre mein nächstes Ziel. Und angesprochen auf seine momentane Nervenschwäche in kritischen engen Situationen meinte der 29jährige: "Ich weiß woran es liegt. Wenn es eng wird, registriere ich oft erst was los ist. Bis dahin mache ich mir keine Kopfzerbrechen. So war es vorallem auch gestern. Da war es sogar extrem. Als ich zum Satzgewinn aufgeschlagen habe merkte ich plötzlich, dass ich einen Thomas Müller schlagen kann, dabei wollte ich mich doch im Vorfeld nur gut verkaufen. Und darum bin ich beim Grand-Slam-Turnier am Wochenende auch kein Mitfavorit. Weil ich ehrlich gesagt noch zu unkonstant bin. Mein Ziel ist dennoch, irgendwann demnächst endlich einmal ein Turnier zu gewinnen".


Claus Lippert, 30. Juni 2010
|