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Robrt Rath beendet Siegesserie von Rasenkönig Tom Müller
Beim Versuch seinen 17. Rasen-Einzelsieg in Folge einzufahren, ist Thomas Müller am Dienstag Abend gescheitert. Der 40jährige Rasenkönig der Hobby-Tennis-Tour musste sich im Halbfinale des Juni-Super-4-Turniers der Nummer 52 im Entry-Ranking Robert Rath mit 6:7, 4:6 geschlagen geben und kassierte damit erstmals seit 6. Juli 2008 wieder eine Niederlage auf Rasen. Im zweiten Semifinale des 15. Juni-Super-4-Turniers beim WAT Landstraße wurde Shooting-Star Thomas Guem seiner Favoritenrolle erneut gerecht. Der 28jährige Tiroler entschärfte mit einer abermals recht soliden Vorstellung Aufschlag-Monster Andreas Fegerl mit 6:3, 6:3 und steht damit bereits zum 7. Mal in dieser Saison in einem Tour-Finale. Und nach dem Aus von Titelverteidiger Thomas Müller bekommt die Hobby-Tennis-Tour nach dem Endspiel am heutigen Abend um 18 Uhr einen neuen Super-4-Sieger. Guem oder Rath, nach dem Überraschungserfolg von Alexander Arnoldner beim Mai-Super-4-Turnier erleben wir also einen weiteren Sensations-Champion auf der zweithöchsten Tour-Ebene. Ein Bericht von C.L

Vor einem Jahr mit Juni-Super-4-Titel zur Nummer 1 geworden, droht Thomas Müller nach Halbfinal-Aus der Absturz im Entry-Ranking
Vor fast genau einem Jahr saß Thomas Müller beim Exklusiv-Interviev von hobbytennistour.at auf der Terrasse des SC Austrian Airlines hoch über Oberlaa, neben ihm die herrliche Glastrophäe für den soeben errungenen Juni-Super-4-Titel, als der damals designierte Rasenkönig über die beste Zeit seiner Karriere, den Stellenwert der Tour und sein erreichtes Ziel philosophierte. "Ich fühle mich sehr zufrieden" zitierte die Tour-Homepage vor rund einem Jahr den großen Rasen-Triumphator. Müller war wenige Minuten vor dem Interview durch einen 7:6, 6:4 Erfolg über WAT-Ottakring-Jungstar Victor Stabrawa die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour geworden und hatte damit Langzeit-Leader Andreas Harbarth nach 125 Wochen an der Ranglisten-Spitze verdrängt. Ein Jahr später saß Müller am gestrigen Abend wieder beim Interview, diesmal freilich nach einem weniger erfreulichen Ereignis und einer 6:7, 4:6 Halbfinal-Niederlage gegen Robert Rath. Und "sehr zufrieden" fühlte sich der 40jährige im Gegensatz zum Juni-Super-4-Auftritt 2009 auch nicht. Wie auch, endete doch am Dienstag Abend nicht nur Toms Super-Siegesserie auf Rasen. Auch die ständig akuten Probleme mit Schulter und Schlagarm bereiten dem Ranglisten-Zweiten große Probleme.

"Der Wimbledon-Fluch der HTT" - vom Triumphator zum alten Eisen
Sportlich gesehen endete am Dienstag Abend im Semifinale des 28. Saisonturniers eine kleine Ära. Thomas Müller, im Vorjahr bei allen drei Rasen-Events der Hobby-Tennis-Tour siegreich geblieben, musste nach 16 Kunstrasen-Einzelsiegen erstmals wieder als Verlierer vom Platz, und büßte damit den Nimbus der Unbesiegbarkeit auf Rasen ein. Ja mehr noch, zweifeln doch viele Tour-Insider bereits heftig den Status Müllers an, erster Harbarth-Verfolger zu sein. Sein letzter Titelgewinn liegt ein Jahr zurück, fand beim "Wimbledon der HTT" auf seinem Lieblingsbelag statt, seither wartet der 40jährige auf ein weiteres Erfolgserlebnis. So schnell geht das also auf der Tour, wird man vom gefeierten Helden der Szene zum alten Eisen gezählt. Michael Kunz, Vorgänger Müllers als Juni-Grand-Slam-Champion kann ein Lied davon singen. Tja, fast scheint es, als liege auf dem "Wimbledon der HTT" ein Fluch. Gewinnst du dort, bist du ein Jahr später im Niemandsland. Nun, so weit ist es bei Thomas Müller noch lange nicht, wenngleich ein Rückfall im Ranking durch das Aus im Semifinale unausweichlich ist.

Robert Rath nach phantastischer Rasen-Vorstellung verdienter Sieger über Müller
Beinahe unausweichlich schien aus Sicht Müllers auch die halbfinale Niederlage gegen Robert Rath. "Ich wusste schon vor dem Match und nach dem Einspielen, dass das heute ein ganz schweres Match für mich werden würde", erklärte Müller später im Interview. Schwierigkeiten mit dem Schlagarm, mit der Fitness und der Umstellung auf ein neues Racket, zuviele ungelöste Probleme, zumal sich mit Robert Rath dann auch noch ein motivierter und äußerst spielfreudiger Gegner am 6er-Court des WAT Landstraße vor dem Rasenkönig aufbaute. Rath erwischte den besseren Start, breakte den Titelverteidiger trotz 40:15 Führung Müllers gleich im ersten Aufschlagspiel und transportierte diesen Vorteil bis weit in den ersten Satz hinein. Erst als er bei 5:4 zum Satzgewinn servierte, patzte Rath bei eigenem Aufschlag zum ersten Mal. Da war er aber plötzlich auch wieder, der "Rasen-Müller von 2009", der immer dann sein bestes Tennis auspackte, wenn es wirklich eng und brenzlig wurde. Diesmal war Toms "Dagegenhalten" aber nur ein Aufschieben des Unvermeidlichen, ging der Tie-Break doch noch an den Außenseiter. Und der 29jährige legte nach. Angetrieben vom Gewinn des ersten Satzes und dem Triumph im Doppel vom Vorabend, lieferte Rath eine phantastische Rasen-Vorstellung ab. Speziell mit der Vorhand dominierte der Niederösterreicher den Halbfinal-Schlager gegen die Nummer 1 des Turniers und spielte sich so in ganz souveräner Manier eine vorentscheidende 5:1 Führung heraus. Hätte der aufstrebende Tourstar aus dem Marchfeld im Finish auch seine Neven in Zaum gehalten, Müller wäre wohl mit einer heftigen Klatsche in die dreitägige Regenerationspause vor dem Juni-Grand-Slam geschickt worden. Doch der 29jährige begann plötzlich und unverständlicher Weise zu wackeln, ganz gehörig nebenbei erwähnt. Bei 5:1 einen Matchball ausgelassen, bei 5:3 einen zweiten, stand es auf einmal nur mehr 5:4. Müller fand in diesem zehnten und letzten Game des zweiten Satzes sogar eine Break-Möglichkeit zum 5:5 vor, und die Rath-Fans an Rande des 6-er-Courts (Freundin Agnes und Tochter Anna) hätten sich nicht ausmalen wollen, was dann womöglich noch passiert wäre. Irgendwie brachte er den vierten Matchball dann doch ins Feld, womit eine wirklich starke Leistung mit einem 7:6, 6:4 Erfolg belohnt wurde.

"Anna & Gosen" Von Siegerbussis und japanischen Wundersaiten
Beide Fäuste geballt, dazu ein Urschrei der über die Anlage hallte, Rath hatte es also doch noch geschafft. Ein freudiges Siegerküsschen von Tochter Anna war der Lohn für Raths ersten Sieg über einen Top-Ten-Spieler der Hobby-Tennis-Tour und seinen ersten Finaleinzug bei einem Super-4-Turnier. "Ich freue mich riesig. Solche Matches wie gegen den Thomas machen mir Spaß, wenn man am Ende gewinnt dann natürlich noch mehr", strahlte der Sieger, der am Mittwoch Abend also nach dem ersten Titel seiner Karriere greifen möchte. Worin liegt aber das Geheimnis der plötzlichen Leistungsexplosion des Müller-Bezwingers. Nun, da wäre zunächst einmal die Spielpraxis, die sich der 29jährige in den letzten Wochen und Monaten angeeignet hat. 12 Turnierstarts im Single seit März dieses Jahres, in den dort absolvierten 30 Einzel-Partien hat Rath enorm viel gelernt. Vorallem, wie man sich in engen Situationen zu verhalten hat, wenn man Erfolg haben möchte. So mancher frustige Nachmittag war dabei, auch ein Racket ging schon mal kaputt, doch jeder einzelne Moment war ein ganz wichtiger für die im Lernprozess steckende Rath`sche Karriere. Das er zudem ganz hervorragend Tennis spielen kann, war Tour-Insidern schon bei seinem Debüt im März aufgefallen. Jetzt scheint er in der Spitze angekommen zu sein, jetzt scheint er begriffen zu haben, wie man sich verhält um ganz vorne mitmischen zu können. Ja, und dann ist da auch noch das Geheimnis um seine Racket-Bespannung. "Gosen" heißt das Zauberwort, eine nicht ganz so gängige Tennissaite aus Japan. Ganz speziell wird es aber im Falle Robert Rath, hat der doch beim derzeit stattfindenden Juni-Super-4-Turnier ein 17 Jahre altes Exemplar der exotischen Japan-Ware im Racket aufgezogen. Beinahe zwei Jahrzehnte lagerte Papa Hans die "Gosen" im Keller, ehe er die japanische Wundersaite dem Junior für das Rasen-Debüt aufziehen ließ. Die hatte der Robert schon zu seinen Jugendzeiten im Schläger, nur durfte er davon nie was wissen. Weil auf der Verpackung die Gabriela Sabatini abgebildet ist, und der Robert als Agassi-Fan das nie und nimmer verstanden hätte", schmunzelte Papa Hans am vergangenen Wochenende. Jetzt ist der Sohnemann der erste Spieler seit Andreas Harbarth, und der einzige Spieler neben Andreas Harbarth dem es gelungen ist, Thomas Müller auf Rasen zu schlagen.

Thomas Guem düpiert auf dem Weg in sein 7. Karriere-Finale Andreas Fegerl
Raths Gegner im Endspiel des 15. Juni-Super-4-Turniers wird Thomas Guem sein. Der 28jährige Tiroler machte am 5er-Court des WAT Landstraße kurzen Prozess mit seinem Gegner, und düpierte den niederösterreichischen Aufschlag-Riesen Andreas Fegerl mit 6:3 und 6:3. Der baumlange Ranglisten-Fünfundzwanzigste aus Maria Elend war wie im Vorjahr bis ins die Vorschluss-Runde gestürmt, dort aber gegen Shooting-Star Thomas Guem ohne Chance. Es klappte wenig bis gar nichts im Spiel des 2,02 Meter großen Mannes, womit ein wie immer solide an der Grundlinie werkender Guem in keiner Phase dieses zweiten Halbfinales ernsthafte Probleme bekam. Der Schönwieser steht damit bereits zum 7. Mal in dieser Saison in einem Tourfinale, wo er am heutigen Abend gegen Müller-Bezwinger seinen ersten Super-4-Titel und den insgesamt vierten Turniersieg seiner Laufbahn feiern könnte. "Gegen den Robert werde ich mich aber gewaltig steigern müssen, da wird nur reinspielen nicht reichen", zeigte sich der Champions-Race-Dritte aus Tirol vorsichtig.

Claus Lippert, 29. Juni 2010
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