| "Hühnes Erfolgslauf ist zu Ende"
Robert Libal gewinnt 10. Auflage des Juni-WTB-Turniers nach 1:35 Stunden in 2 Sätzen
Im Finale des 10. Juni-WTB-Turniers 2010 ist der Erfolgslauf von Deutschlands Nummer 1 David Hühne zu Ende gegangen. Nach zuletzt 9 Einzelsiegen in Serie musste sich der 30jährige aus Singen im Endspiel des 25. Saison-Events dem "US Open-Champion der HTT" von 2008 Robert Libal mit 4:6, 6:7 geschlagen geben und vergab damit auch die Chance als erster internationaler Spieler den Titel beim Juni-WTB zu gewinnen. Robert Libal hingegen hatte nach 1:35 Stunden seinen ersten Saisontitel und insgesamt dritten Karriere-Turniersieg unter Dach und Fach gebracht. Ein Bericht von C.L

Leichter Dauerregen beim 25. Saisonfinale zwischen Libal und Hühne
Es war ewig schade, dass sich nach der ersten Hitzewelle des Jahres vom vergangenen Wochenende ausgerechnet beim wichtigsten Match des 10. Juni-WTB-Turniers das Wetter von seiner grauslichsten Seite zeigte. Faktisch vom ersten Aufschlag weg, wurde leichter Dauerregen am Centercourt zum Begleiter der beiden Juni-WTB-Finalisten 2010. Zuwenig Regen um den Showcourt des TC Top Serve unspielbar zu machen, zuviel Regen um das 25. Finale der Hobby-Tennis-Tour-Saison 2010 richtig genießen zu können, Robert Libal und David Hühne waren am Dienstag Abend einmal mehr den Wetterlaunen des heurigen Katastrophensommers ausgeliefert. Vielleicht auch deshalb, blieb der finale Showdown des 40-Punkte-Events ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Titelfavorit Robert Libal und der Mann der letzten Woche David Hühne im Finale, da hätte man sich doch einen hochklassigen Schlagabtausch um Titel und Punkte erwartet. Die ganz großen Szenen blieben aus, doch ein interessanter und im Finish auch recht spannender Tennisnachmittag wurde es allemal.

Nach 33 Minuten gewinnt Libal Startsatz gegen nervös und unsicher wirkenden Hühne
Überraschender Weise startete jener Mann der aufgrund seiner Resultate der letzten Woche nur so vor Selbstvertrauen hätte strotzen müssen, nervös und fehlerhaft ins große Duel mit Libal. Hühne schickte den kleinen gelben Filz im allerersten Game gleich dreimal unerzwungener Weise ins Out. Der Respekt vor dem großen Namen - immerhin siegte Libal im September 2008 bei den US Open der HTT - schien Deutschlands Nummer 1 den Schwung der letzten Wochen zu rauben. Immerhin konnte der Juni-First-Series-Sieger vorerst aber seinen Aufschlag halten, ehe er im sechsten Game erstmals auch bei eigenem Service schwächelte. Die allererste Breakchance des Finales nützte Libal mit einem wuchtigen Vorhand-Winner zum 4:2, und als er im nachfolgenden Game zwei Break-Möglichkeiten Hühnes abgewehrt hatte, schien der 32jährige bei einer 5:2 Führung einem souveränen Satzgewinn entgegen zu steuern. Doch mit dem klaren Rückstand hatte Hühne plötzlich die Unsicherheit abglegt, die Handbremse gelöst und endlich zu seinem "erfolgreichen Spiel" der letzten Wochen gefunden. Zu Null verkürzte der Süddeutsche mit eigenem Aufschlag auf 3:5, und mit einem spektakulär gespielten Vorhand-Passierball nützte Hühne seine zweite Break-Möglichkeit zum 4:5. Da war sie erstmals, die Hühne-Faust, die Signal für die Zuseher draußen am Rande des Centercourts war, dass sich fortan ein spannender intensiver Final-Nachmittag entwickeln würde. Und so kam es dann auch, wenngleich Hühne postwendend das satzentscheidende Re-Break zum 4:6 kassierte. Nach 33 Minuten hatte Libal also Satz 1 gewonnen, Hühne aber keinesweg seinen Glauben an den Titel verloren.

Durch katastrophal gespielten Tie-Break vergibt Hühne die Chance auf dritten Satz
Der 30jährige vom Bodensee rackerte an der Grundlinie in gewohnter aufopfernder Manier und auch noch, als er mit 0:2 und 1:4 scheinbar ausichtslos in diesem 25. Saison-Finale zurück lag. Die Belohnung für den ungebrochenen und typisch deutschen Kampfgeist war eine gelungene Aufholjagd, die den Ranglisten-Zwanzigsten auf 4:4 heranbrachte. Und als Hühne mit einem Break erstmals an diesem Nachmittag in Führung ging und bei 6:5 und eigenem Aufschlag auf den Satzausgleich servierte, schien wie so oft bei Davids Siegesserie ein dritter Satz möglich. Sieben seiner zuletzt neun errungenen Einzelerfolge gewann Deutschlands Nummer 1 im dritten Satz. Um an diesem Dienstag Nachmittag abermals einen dritten Heat zu erreichen, hätte der frischgebackene Juni-First-Series-Champ freilich einen besseren Tie-Break spielen müssen. Einen viel besseren sogar, denn die 10 Punkte im "Elfmeterschießen des Tennissports" verliefen aus der Sicht des Singeners katastrophal. Er, der in den letzten Matches die Sicherheit in Peron war, machte Fehler um Fehler, gleich fünf am Stück, womit bei 1:6 der Zug in Richtung dritter Satz und möglichem zweitem Titelgewinn binnen einer Woche abgefahren war. Bezeichnender Weise mit einem Doppelfehler beendete Hühne dann das Finale und ein aus seiner Sicht ungewohnt fehlerhaftes Match. Insgesamt 59 Fehler wies die Statistik von hobbytennistour.at auf Seiten der deutschen Nummer 1 aus.

"Ich bin mit den letzten beiden Wochen auf der Tour nicht unzufrieden"
"Es war nicht mein schlechtestes Tennis, wobei ich vielleicht doch noch besser hätte spielen können. Aber gegen Libal ist es extrem schwierig, weil er einfach alle Bälle erläuft. Der dritte Satz wäre sicher drin gewesen. Insgesamt bin ich mit den letzten beiden Wochen aber nicht unzufrieden. Ein klein wenig enttäuscht bin ich vielleicht, weil ich die "10" gerne voll gemacht hätte. So eine Chance kommt vermutlich nicht mehr so schnell. So eine Siegesserie kann man heutzutage nicht mehr so leicht aufbauen. Bei möglicher guter Auslosung am nächsten Wochenende wären vielleicht sogar noch zwei oder drei Siege mehr möglich gewesen"; bedauerte Hühne sein finales 4:6, 6:7 gegen Robert Libal.

"Dieser Sieg hat mir hoffentlich wieder das nötige Selbstvertrauen gegeben"
Robert Libal hingegen behielt auch im dritten Endspiel seiner Karriere mit nunmehr 3:0 Siegen seine blütenweiße Weste in Sachen Final-Bilanz. Der 32jährige zeigte sich daher auch äußerst zufrieden. "Das schwerste Match war definitiv jenes mit Martin Kova im Achtelfinale. Der Martin hat stärker gespielt als ich es erwartet hätte. Die Regenunterbrechung hat mir gut getan, so konnte ich mir daheim eine neue Taktik zurecht legen. Im Finale heute fand ich meine Aufschlagleistung gut. Normal gewinne ich "trotz" meines Service, diesmal "wegen" meines Aufschlags. Ohne Service hätte ich heute den ersten Satz sicher nicht gewonnen. Nach meiner total verpatzten Meisterschaftssaison ohne Sieg hat mir dieser Erfolg Selbtvertrauen gegeben. Allerdings war es das jetzt wieder mit WTB-Teilnahmen. Ein Start war ja eigentlich gar nicht geplant, aber weil sie mich in der Meisterschaft an diesem Wochenende nicht wollten und ich eine Einladung hatte, bin ich gekommen. So hatte ich 5 Matches, darunter zwei sehr gute. Und auch Evas Auftritt mit zwei Siegen und dem Viertelfinaleinzug fiel zufriedenstellend aus. Allerdings reizen mich Grand-Prix und Grand-Slam viel mehr als WTB-Starts. Jetzt habe ich in Endspielen eine 3:0 Bilanz und ich habe in jedem Jahr zumindest ein Turnier gewonnen. Und ich bin auf drei verschiedenen Belägen siegreich geblieben. Nur mehr ein Erfolg auf Rasen fehlt mir. Ich möchte heuer eines der drei Rasenturniere spielen, und vielleicht schaffe ich dann meinen "kleinen pesönlichen Grand-Slam", so der 32jährige.

Claus Lippert, 17. Juni 2010
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