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05 Sept 2010 23:13
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Platz
Spieler
Pkt
1.
Harbarth Andreas
720
2.
Kiss Mario
602
3.
Guem Thomas
597
4.
Mayrhuber Franz
361
5.
Seitner Markus
330
6.
Mueller Thomas
314
7.
Geisler Alexander
255
8.
Rath Robert
245
9.
Schwing Patrick
227
10.
Kramer Christoph
225


 

Juni-WTB-Turnier 2010 mit hochkarätig besetztem Semifinale

 

Mit Blitz & Donner ging am Samstag Abend der bislang heißeste Turniertag der Hobby-Tennis-Tour in dieser Saison zu Ende. Die mörderische Hitze gebrochen, die gigantische "Seenlandschaft" auf den Courts des TC Top Serve über Nacht wieder "abgetrocknet", herrschte am Sonntag-Morgen allseits gute Stimmung. Süße Kirschen naschen, Tennis spielen, in der Leberstraße war wieder einer der allseits beliebten Turniertage angebrochen. Und nach 20 Matches und 9 Stunden Tennis steht die Entscheidung der 10. Juni-WTB-Ausgabe mit dem Halbfinale bevor. Sie ist hochkarätig besetzt und dazu offen wie selten. Setzt David Hühne nur eine Woche nach seinem Juni-First-Series-Titel mit einem weiteren vollen Erfolg nach, wird Sascha Kogler der eigenen Erwartungshaltung und der Juni-WTB-Statistik gerecht, oder kann sich Turnierfavorit Robert Libal erstmals auch einen Titel auf Sand sichern? Fragen über Fragen, doch Aufschlüsse und Antworten lieferte auch der dritte Spieltag beim Juni-WTB-Turnier nicht. Ein Bericht von C.L

 

 

David Hühne seit 8 Spielen ungeschlagen und Titelfavorit Nummer 1 beim Juni-WTB

 

4 Mal hintereinander war David Hühne zuletzt auf der Hobby-Tennis-Tour in Runde 1 aus einem Turnier gecrasht, dazu in einer bisher eher mäßig angelaufenen Saison nie wirklich brillant in Erscheinung getreten. Doch wie schnell das im Circuit gehen kann, wie rasch man vom erfolglosen Versager zum Helden der Stunde avancieren kann, demonstriert dieser Tage Deutschlands Nummer 1 David Hühne. Der 30jährige aus Singen ist auf der Tour seit 8 Matches ungeschlagen und auf dem besten Weg den zweiten Turniersieg binnen einer Woche einzufahren. Nach einem freien Samstag, den der Juni-First-Series-Champ statt schwitzend auf den Courts des TC Top Serve lieber Badehose tragend am Neusiedlersee verbrachte, stürzte sich Hühne am gestrigen Sonntag mit einem Triple-Pack in die Turnier-Entscheidung. Zunächst nahm der Süddeutsche im ersten Auftritt nach seinem finalen Sieg vom vergangenen Dienstag die Hürde Mario Eberhard von der lockeren Seite. Gegen den Rekordteilnehmer (8 Juni-WTB-Starts) genügte Hühne eine spielerisch durchschnittliche und von Konzentrationslücken durchsetzte Vorstellung um den Tour-Clown in drei Sätzen zu eliminieren. Aussagekräftiger was Hühnes momentane Form betrifft war da schon seine Achtelfinal-Performance gegen Mai-WTB-Finalist Robert Rath. Immerhin hatte man dem 29jährigen aus dem Marchfeld nach seinem starken Mai-WTB-Auftritt vor zwei Wochen zugetraut, sich hier beim Juni-WTB erstmals mit Titel und Pokal schmücken zu können. Doch mit 6:2, 7:6 feierte Hühne im Achtelfinale gegen Rath seinen 75. Karriere-Einelsieg und festigte seinerseits die Rolle als Titelanwärter Nummer 1. Der 30jährige scheint momentan auf einer Welle des Erfolges zu schweben und mit dem daraus gewonnenen Selbstvertrauen geht ganz einfach alles leichter. "Ich habe das Gefühl, als ob ich derzeit einfach nicht verlieren kann", erklärte der Deutsche seine augenblickliche Gefühlswelt. Und so agiert der Ranglisten-Zwanzigste derzeit auch. Zuletzt ob seiner eher inaktiven Spielweise oft kritisiert und gescholten, blieb der Mann vom Bodensee seinem Konzept treu und scheint nun dafür belohnt zu werden. Es ist eine Mischung aus kontrollierter Offensive und taktisch geprägter Grundlinien-Defensive, die Hühne so erfolgreich macht. Gepaart mit dem Selbstvertrauen der jüngsten Erfolge, wird Deutschlands Nummer 1 bei der Konkurrenz zum immer mehr gefürchteten Gegner auf WTB-Ebene. Und so ließ es sich aus Davids Sicht auch ganz locker und lässig wegstecken, dass er für die Meisterschaft am Samstag Nachmittag unverständlicher Weise nicht berücksichtigt wurde. Angesichts der wirklich beeindruckenden Hühne`schen Performance ein echtes Eigentor, das sich sein Team da geschossen hat!

 

 

"Sause oder Pause" Koglers Tour-Zukunft steht im heutigen Semifnale auf dem Spiel

 

Der nächste Gegner Hühnes auf dem Weg zum möglichen zweiten Turniersieg in dieser Saison wird im Halbfinale Sascha Kogler sein. Und da könnte uns am heutigen Nachmittag ein ganz heißer Tanz ins Haus stehen, zumal der 40jährige für sich selbst beim Juni-WTB auch keine andere Option als den "Titelgewinn" offen hat. "Es ist hier alles drinnen in diesem Turnier. Diesmal ist es soweit, diesmal bin ich dran. Wenn ich hier diesen Titel wieder nicht gewinne, dann steht eine längere Pause an", verkündete Kogler am ersten Spieltag. Nun, ob es die große Titelsause oder die große Tourpause geben wird, steht noch in den Sternen, nach dem heißen Turnierwochenende hat sich Kogler mit drei Erfolgen über namhafte Gegner vorerst aber einmal zum ersten Mal für ein Semifinale auf der HTT qualifiziert. Der Glatzkopf mit der Technik die in keinem Tennislehrbuch zu finden ist, strafte an diesem vergangenen Weekend wieder einmal die Konkurrenz samt Kritikern Lügen, die ihm mit seiner unorthodoxen Art Tennis zu spielen keine Chance auf einen Titelgewinn einräumen. Mit Brachialgewalt drischt Kogler den kleinen gelben Filz immer wieder ins Feld der Gegner, schickt hinterher oftmals einen derben verbalen Volley und wartet dann auf die Reaktion des Gegenübers.

 

 

Christoph Kramer verärgerte bei seinem 95. Turnierstart in Serie die Konkurrenz

 

Im Achtelfinale ging diese Taktik brillant und in zwei Sätzen auf. Auch weil Koglers Gegner dort, Christoph Kramer nur eine Woche nach seinem Finaleinzug beim Juni-First-Series-Turnier und gedachtem Formanstieg wieder einmal in dieser Saison enttäuschte. Der 27jährige Rekordspieler (184 Karriere-Turnierstarts) tanzte an diesem Wochenende einmal mehr auf viel zu vielen Hochzeiten gleichzeitig. Turnier, Meisterschaft, freiweilliger Bereitschaftsdienst in der Firma, da kam ein anständiger konzentrierter Turnierstart ganz einfach zu kurz. Und da Kramer sein umfangreiches Wochenend-Programm noch mit der ihm eigenen Gemütlichkeit abspulte, verärgerte er so manchen Kollegen im Umfeld. Zum Beispiel seinen Erstrundengegner Harald Schauer. Das man für Meisterschaftsspieler und deren Einsatz für den Verein Rücksicht und Verständnis walten läßt, ist für keinen der Mitspieler ein Thema. Doch wenn man dann wie Kramer vor dem anstehenden Match einen "Tratsch" hier und einen "Tratsch" da einbaut, wenn er eine halbe Stunde später auf der Anlage eintrifft als der ebenfalls im gleichen Club auswärts spielende Martin Kova, dann darf man sich nicht über verärgerte Mitspieler wundern. Opfer des samstägigen Kramer´schen Schlendrians war Harald Schauer, der nach 1:6, 0:1 genug hatte, und sauer von der Anlage stürmte. Es war überhaupt nicht Kramers Wochenende, immerhin hatte er zu allem Überfluss auch noch vergessen, dem Veranstalter über seine Arbeitstätigkeit am Sonntag zu informieren. Endlich einmal Zeit genommen um bei seinem 95. Turnierstart in ununterbrochener Reihenfolge Leistung zu zeigen, wurde Kramer dann für sein Tausendsassa-Wesen bestraft. Kogler genügte im ersten Satz eine solide Vorstellung und in der Entscheidung des Tie-Breaks ein Tausend-Gulden-Rückhandschuss longline abgefeuert, um Kramer aus dem Rennen um seinen zweiten Juni-WTB-Titel nach 2008 zu befördern.

 

 

Alexander Sterzl prolongiert im Achtelfinal-Marathon mit Markus Hobiger seinen Formanstieg

 

Ebenfalls nicht mehr im Titelrennen und aus selbigem von Sascha Kogler geworfen, ist Alexander Sterzl. Der 40jährige aus Favoriten musste im Viertelfinale dem Substanzverlust eines dreistündigen Achtelfinal-Marathons mit Markus Hobiger Rechnung tragen. Genau genommen kämpfte Sterzl 190 Minuten lang, ehe er ein kurioses, höchst unterhaltsames Achtelfinale für sich entschieden hatte. Oscarreifes "Kabarett" orteten die Zuseher am 3er-Court, wo sich Sterzl und Hobiger um einen Platz im Viertelfinale bemühten. Aufopfernd und ehrgeizig taten sie das, wenngleich teilweise mit bescheidenen Mitteln. Vorallem Markus Hobiger war an diesem schwülen Sonntag-Nachmittag nicht in der Lage diesem Duell eine spielerische Note zu verleihen. So blieb es dem September-Second-Series-Sieger von 2007 vorbehalten, einer kampfbetonten Partie auch spielerische Highlights zuzufügen. Was Sterzl auch gelang, womit der 40jährige den offensichtlichen Aufwärtstrend der letzten Wochen bestätigen konnte. Allerdings vergeigte Sterzl in seinem 115. Karriere-Single bereits die Chancen auf ein mögliches Halbfinale. Wie er sich mit falschen Entscheidungen bei den big points um einen klareren, frühzeitigeren und kräfteschonenderen Erfolg brachte, grenzte schon fast an Masochismus. Sich noch ein bißchen mehr mit einem Gegner herumquälen, der an diesem Tag eigentich von Beginn an um ein Debakel bettelte, offenbarte warum Sterzl noch immer "nur" mit einem Second-Series-Titel da steht. "Ich merke das es jetzt endlich aufwärts geht mit meinem Tennis", zeigte sich Sterzl nach dem Sonntags-Nachmittag-Doppelpack durchaus zufrieden. Und das konnte der 40jährige auch wirklich sein. Sterzl scheint sein Tennis stabilisiert zu haben, und wenn er jetzt noch konditionelle Defizite ausmerzen kann, dann könnte mit dem Tennis-Nostalgiker im zweiten Teil der Sandplatzsaison noch groß zu rechnen sein.

 

 

Kova wartet weiter auf Titel Nr. 30 - Libal greift nach Turniersieg Nummer 3

 

Seit 57 Versuchen wartet mittlerweile der ehemalige Ranglisten-Erste Martin Kova auf einen Titelgewinn. Nach seiner 6:4, 2:6, 2:6 Niederlage im Achtelfinale gegen Robert Libal musste der 27jährige einen weiteren Anlauf in Richtung Titel Nummer 30 erfolglos beenden. Dabei war der 29fache Turniersieger am Samstag Abend auf einem guten Weg und von vielen Kollegen bereit für den großen langersehnten Coup gehalten worden. Nachdem Kova in Runde 1 Gerald Marhold düpierte, schien alles möglich für den seit 1997 auf der Tour spielenden Kova. Natürlich baute sich im Achtelfinale mit dem "US Open-Sieger der HTT von 2008" Robert Libal eine ausgesprochen hohe Hürde auf, doch bei 6:4, 2:2 schien Kova auf oben erwähntem guten Weg. Solange, bis knapp vor 20:00 Uhr ein orkanartiger Sturm ein Monstergewitter ankündigte und das Schlagerspiel am Centercourt vorzeitig beendete. 24 Stunden später ging bei Kova nicht mehr viel. Lediglich zwei Games schauten beim Versuch das Viertelfinale zu erreichen in der Fortsetzung heraus. Eine riesige Chance war seitens Kovas damit vertan. Im Viertel- und Semifnale hätten zwei totale Underdogs auf den 4fachen "French-Open-Champ der HTT" gewartet, und ein Finale gegen einen keineswegs übermächtigen Gegner wäre dem routinierten und endspielerprobten Kova klar entgegen gekommen. Stattdessen wird jetzt Robert Libal nach Karriere-Titel Nr. 3 streben und vesuchen erstmals auf Sand zu Titelehren zu kommen. Und dieses Unternehmen wird Libal ausgeruht in Angriff nehmen, gab es doch im Viertelfinale sowas wie "Stallregie". Freundin Eva Kapcsos, die selbst bis zum Viertelfinale ein großartiges Turnier spielte und diszipliniert und ambitioniert ohne Satzverlust die Runde der letzten Acht erreichte, hatte für sich und ihren Robert einen schonenden viertelfinalen Familien-Treff organisiert. Nach zwei Games war Schluss mit der Trainingseinheit am Centercourt und Robert durch im Halbfinale des 25. Saisonturniers.

 

Claus Lippert, 14. Juni 2010