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08 Sept 2010 06:55
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Platz
Spieler
Pkt
1.
Harbarth Andreas
720
2.
Kiss Mario
602
3.
Guem Thomas
597
4.
Mayrhuber Franz
361
5.
Seitner Markus
330
6.
Mueller Thomas
314
7.
Geisler Alexander
255
8.
Rath Robert
245
9.
Schwing Patrick
227
10.
Kramer Christoph
225


 

Affenhitze setzt Juni-WTB-Stars gehörig zu

 

Es gab viele Themen, über die es sich am letzten Turnier-Wochenende vor der Rasensaison gelohnt hätte zu reden. Über den phantastischen und anhaltenden Erfolgsrun von Deutschlands Nummer 1 David Hühne, über viele neue, starke und von Martin Schwarzl angeführte Newcomer oder das sensationelle Abschneiden von Quali-Ass Marcus Rotter. Doch das Topthema unter den Juni-WTB-Akteuren war die Affen-Hitze, die speziell am Samstag den Stars der Szene zu schaffen machte. Ja, dieser 36 Grad "heiße" Super-Samstag hatte es wahrlich in sich. Ein Tag für echte Kerle, mit Mumm in den Knochen und der nötigen mentalen Stärke. Sich nämlich bei tropischen Verhältnissen überwinden zu können und die Bereitschaft aufzubringen, sich unter der sengenden Sonne Simmerings zu quälen, war insgesamt nichts für Weicheier und Schwächlinge. Ein Bericht von C.L

 

 

Juni-WTB-Sensation Marcus Rotter - nach 12 Erstrunden-Niederlagen in Serie bezwingt der Qualifikant im Achtelfinale den 6fachen Turniersieger Thomas Valek

 

Gleich zweimal stand der Masterssieger von 2002 und mittlerweile im Vorstand des Gastgeber-Vereins tätige Franz Kastler staunend und kopfschüttelnd vor der riesigen Ergebnistafel neben dem Centercourt. Ja, es ist wirklich schon acht Jahre her, das sich der mittlerweile 52jährige als Sieger der 2002er-Ausgabe in die Juni-WTB-Siegerlisten eintrug. Und ja, mit Thomas Valek hat sich einer seiner einstigen Rivalen sensationeller Weise im Achtelfinale gegen Second-Series-Qualifikant Marcus Rotter geschlagen geben müssen. "Ich gehe den Tom fragen, ob ich ihm nach dieser Vorstellung das warme Wasser in der Dusche abdrehen soll", scherzte ein verwunderter Franz Kastler als er vom Aus des 6fachen Turniersiegers erfuhr. Doch die kalte Dusche hatte Valek ohnehin schon Minuten vor seinem abschließenden und bitteren Gang unter die Brause erhalten. Das der 36jährige im Achtelfinale des 25. Saisonturniers Schiffbruch erleiden könnte, damit hatte wohl niemand im Circuit ernsthaft gerechnet. Ok, das Valek mit "Schupfern" so seine liebe Not hat, war nicht erst seit unzähligen Begegnungen mit Martin Kova bekannt. Auch hat Rotter schon beim ersten Treffen der beiden Tourstars vor knapp mehr als einem Monat in Runde 1 des Mai-Super-4-Turniers bewiesen, dass er den einstigen Hallenkönig durchaus nachhaltig ärgern kann. Doch das dem 36jährigen Ottakringer im Juni-WTB-Achtelfinale der große Wurf gelingen würde, damit hatte wohl niemand gerechnet. Der Sensationslauf Rotters im Raster des 40-Punkte-Events von der Quali bis ins Viertelfinale nimmt noch unglaublichere Formen an wenn man bedenkt, dass der Second-Series-Star zuletzt desaströse 12 Erstrunden-Niederlagen in Serie kassierte und daraufhin seinem beliebten "bin da - bin weg - bin da" Karriere-Beendigungsspiel mit kundgegebenem Aus seiner Laufbahn ein weiteres Kapitel hinzufügte. Und so stand der 36jährige ursprünglich gar nicht im Raster der 10. Juni-WTB-Ausgabe. Nur durch Zufall rutschte Rotter ins Tableau, war doch Günter Zacks eigentlicher Auftakt-Quali-Gegner ein gewisser Marcus Schön. Doch dem Khandroo-Freund wurde beim Disco-Besuch am Vorabend "Etwas" ins Trinken gemixt, und so landete der gute Schön im AKH. Bleibt die Frage, wo Marcus Rotter am letzten Freitag Abend war. Nein Spass beiseite, der 36jährige Wiener spielte am vergangenen Wochenende das Tennis seines Lebens.

 

 

Warum Marcus Rotter noch nie ein Second-Series-Turnier gewonnen hat

 

Schon am Samstag in der Quali gegen Günter Zack, der übrigens beim dritten Juni-WTB-Antreten erstmals nicht das Achtelfinale erreichte, vorallem aber in Runde 1 gegen Lucas Rydl ließ Rotter eine ungewohnte Lockerheit erkennen. Das er den voll im Training stehenden und äußerst viel spielenden Lucas Rydl deklassierte und dem Unterlegenen gerade einmal drei Games überließ, kam für viele Insider der Second-Series-Szene überraschend. Der Doppelpack am zweiten Spieltag bei brütend heißen 36 Grad hatte natürlich Substanz gekostet und müde gemacht. Ein verdientes Schläfchen auf der Centercourt-Terrasse folgte, doch 24 Stunden später war Rotter wieder hellwach und zu einer echten Heldentat bereit. Und das er schließlich am Sonntag mit dem 6:3, 6:2 über Thomas Valek noch eins draufpackte, krönte seine überraschende und gleichzeitig famose Vorstellung. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung", freute sich die Nummer 32 der HTT-Computer-Rangliste, wohl wissend aber auch, dass dieser Sensations-Coup womöglich wieder seine Schattenseite aufwerfen könnte. Angesichts der Rotter-Performance beim Juni-WTB fragt sich nämlich die Gegnerschaft längst, warum der 36jährige bei Second-Series-Turnieren bislang sowas von erfolglos blieb. "Das ist eine Kopfsache. Bei Second-Series-Bewerben erwarten sich alle und auch ich selbst immer absolute Topresultate und den Titel von mir. Da wird der Druck zu groß. Ich kann es selber nicht erklären, warum ich ausgerechnet dort immer so schlecht spiele", bekundete Rotter. Und Thomas Valek? Für den ebenfalls 36jährigen wird das Juni-WTB-Turnier langsam aber sicher zum totalen Albtraum. Regelrecht ausgeschupft zu werden, das passierte dem 6fachen Titelträger nun bereits zum zweiten Mal. 2008 sorgte Russland Schupferkönig Stanislav Perepelkin mit seinem Sieg im Viertelfinale dafür, dass Valek eine mehrmonatige Tennispause einlegte. Und diesmal?

 

 

Newcomer zeigen beim 10. Juni-WTB-Turnier ganz groß auf

 

Auch nicht von der schnellen Seite kommt jener Mann, der im Viertelfinale den Rotter`schen Sensations-Run beendete. Martin Schwarzl vom TC Donaufeld steht bei seinem erst zweiten Turnierstart erstmals im Semifinale und ist bislang als einziger Spieler der 10. Juni-WTB-Auflage noch ohne Satzverlust. Die Vorschluss-Runden-Premiere fixierte der 33jährige am späten Sonntag-Nachmittag im Schnelldurchlauf. Gegen Mario Scheday gab Schwarzl ganze vier Games ab, ehe er einem abgekämpften und über Überkeit klagenden Marcus Rotter gerade einmal ein Ehren-Game überließ. "Das war ein ungleicher Kampf, der Rotter war kräftemäßig nicht mehr auf der Höhe. Ich freue mich trotzdem über meinen Aufstieg ins Halbfinale und das Duell mit Robert Libal dort", so Schwarzl. Einen starken Eindruck hinterließen am letzten Sandplatz-Weekend vor der Rasensaison auch die weiteren Tour-Neulinge. Martin Thier, Erstrundenbezwinger von Markus Posteiner, erreichte beim Debüt auf Anhieb das Viertelfinale. Nach einem klaren 6:2, 6:1 Achtelfinal-Erfolg über Werner Kovarik, musste sich der gebürtige Steirer erst dem im Erfolgsrausch agierenden David Hühne in drei Sätzen geschlagen geben. "Ich kann eine durchaus positive Bilanz ziehen", meinte der 34jährige, der noch überlegt ob er seine eben erst gestartete Tour-Karriere auf Rasen fortsetzen wird, oder ob er erst wieder auf Sand in den Circuit zurückkehrt.

 

 

TC Terra-Rossa und sein unerschöpfliches Reservoir an talentierten Spielern

 

Eine unglaubliche Geschichte ist mit Sicherheit auch jene, die der TC Terra Rossa Woche für Woche auf der Hobby-Tennis-Tour schreibt. Der Hernalser Tennisclub scheint ein unerschöpfliches Reservoir an jungen talentierten und erfolgshungrigen Spielern zu besitzen. Beinahe jedes Turnier-Weekend schicken die Rot-Hemden aus dem 17. Bezirk ihre Asse quer durch die Stadt nach Simmering, wo sie dann regelmäßig für Furore sorgen. Jüngstes Beispiel ist der erst 17jährige Andreas Tolunay, der sich als unbekannter Qualifikant beim Tour-Debüt sensationell bis ins Achtelfinale spiellte. Den Boden zur gelungenen Tour-Premiere bereitete Terra-Rossa-Vereinskollege Jan Ohanessi, der eine Woche zuvor bei einem WTV-Meisterschaftsspiel den Kontakt zwischen dem Junior und dem Tour-Veranstalter herstellte. Und Tolunay bedankte sich sieben Tage später mit einer äußerst gelungenen Vostellung. In der Quali kannte der 17jährige kaum Nervosität und mit Gegner Patrick Khandroo vorallem keine Gnade. Tolunay nahm den "Baby-Nadal" mit 6:3, 6:2 deutlicher als erwartet aus dem Bewerb und war auch in Runde 1 des Hauptbewerbs auf den süßen Geschmack des Erfolges gekommen. So schickte er einen "hitze-geschädigten" Robert Rother zurück nach Mödling, während der Jungstar selbst sich über ein Achtelfinale beim Debüt freuen konnte. Sensationell wurde die Tolunay-Story Stunden später, als sich sein arrivierter Clubkollege Jan Ohanessi zum Auftakt am Centercourt gegen Mai-WTB-Finalist Robert Rath geschlagen geben musste. Damit war der Terra-Rossa-Underdog weiter gekommen als der als Mitfavorit gehandelte Perser. "Das passt schon lächelte Ohanessi in gewohnt cooler Art". Dabei war das 2:6, 1:6 gegen Rath sogar entschuldigbar. Immerhin war dem Asiaten am Vormittag ein 60 kg schweres Möbelstück auf den Zeh gefallen.

 

 

 

Claus Lippert, 14. Juni 2010