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Geisler nach Galavorstellung im Viertelfinale in Favoritenrolle
Wenn die weltbesten Tennisspieler in Paris die erste Woche überstanden haben, dann reden sie oft davon, dass das Turnier jetzt erst so richtig los geht. Bei den "French Open der Hobby-Tennis-Tour" im rund 1.250 km entfernten Wien geht das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres am verlängerten Pfingst-Wochenende seit dem gestrigen Achtelfinale auch in seine heiße Phase. Die Favoriten sind längst unter sich, wenn der prestigeträchtigste Titel der Saison ausgespielt wird. Die Entscheidung naht, und mit ihr steigt auch die Spannung für das "Grande Finale" beim TC Top Serve. Seit Sonntag Nachmittag sind auch die Karten in Sachen "Favoritenstellung" neu gemischt. Der Titel - zumindest wenn man nach den gezeigten Leistungen des vierten Spieltages geht - führt über Titelverteidiger Alexander Geisler. Der Vorjahressieger aus Tirol beeindruckte bislang mit drei klaren Kantersiegen, vorallem aber mit einer exzellenten Vorstellung im viertelfinalen Gigantentreffen mit Mario Kiss. Ein Bericht von C.L

Alex Geisler nach Sieg im Viertelfinale gegen Kiss schon seit 19 Spielen auf Sand unbesiegt
Er scheint bis in die Haarspitzen motiviert und auf den Punkt genau zum absoluten Saisonhöhepunkt hin voll fokussiert zu sein. Alexander Geisler, Ranglisten-Dritter aus dem Zillertal düst bislang an diesem Pfingst-Weekend in riesen Schritten in Richtung Titelverteidigung und aus dem im Vorfeld diskutierten Formtief. Gerüchteweise hängt das mit dem Siegerpreis zusammen, der von Hauptsponsor Heineken bereitgestellt und in Form einer zünftigen Ladung Gerstensaft an den Sieger des 19. Mai-Grand-Slam-Turniers gehen wird. Seit Sonntag Nachmittag sind sich jedenfalls Tour-Insider und Spielerkollegen einig. Der Weg zum Titel führt ausschließlich über Alexander Geisler. Was angesichts der Performance die der Tiroler am gestrigen vierten Spieltag bot, auch nicht weiter verwunderlich ist. Speziell der viertelfinale Showdown am Centercourt des TC Top Serve mit dem Champions-Race-Zweiten Mario Kiss nährte bei Geisler-Fans die Zuversicht auf eine erfolgreiche Wiederholung des sensationellen Vorjahreserfolgs. Im Duell der beiden letzten "French Open-Champions der Hobby-Tennis-Tour" - Kiss siegte 2008, Geisler 2009 - bot der Titelverteidiger eine phantastische Leistung und prolongierte mit einem 6:2, 6:2 Erfolg seine unglaubliche Siegesserie auf Sand. Der 30jährige ist mittlerweile auf Asche seit 19 Spielen ungeschlagen, womit er sich im Ranking der längsten Siegesserien auf Sand auf Rang 2 ex aequo mit Markus Seitner schob. Schon eine Runde davor im Achtelfinale war Geisler mit einem glasklaren 6:0, 6:2 über den zweifachen Mai-Grand-Slam-Finalisten Patrick Schwing hinweggbraust, im mit Spannung erwarteten Giganten-Duell gegen Mario Kiss konnte die Nummer 3 des Turniers dann aber sogar nochmals zulegen. Und genau das war der Grund, warum ein keineswegs schlecht spielender Mario Kiss so überdeutlich seine allererste Mai-Grand-Slam-Niederlage überhaupt zu akzeptieren hatte. Und das tat der 31jährige im Stile eines großes Champions, der die Leistung eines Kontrahenten respektiert. "Der Sieg Geislers geht voll in Ordnung. Das war ein geiles Match. Es hat voll viel Spaß gemacht. Der Alex hat teilweise unglaublich gespielt. Ich für meinen Teil bin aber nicht unzufrieden. Das Ergebnis spiegelt sicher nicht den Spielverlauf wider. Es war viel enger als es das Resultat aussagt. Es waren auch viele knappe Bälle dabei. Jetzt freue ich mich schon auf Rasen. Da kommt dann meine Zeit wenn es schneller zur Sache geht als hier auf Sand", so der 31jährige vom AZ Tennisclub.

Mario Kiss entschärft im Achtelfinale "Schwedenbombe" Nicklas Iversson
Auch am gestrigen vierten Spieltag des 19. Mai-Grand-Slam-Turniers sponsored by "Heineken" und "3" ging es nicht ohne die obligate Regenunterbrechung ab. Pünktlich und wie prognostiziert bedrohte wie schon in den Tagen zuvor eine Gewitterfront das Turnierprogramm und kurzfristig sogar das erhoffte erste Super-Duell zwischen Geisler und Kiss. Denn mit Windböen und Regen lag plötzlich eine ganz dicke Sensation in der wolkenverhangenen Simmeringer Nachmittags-Luft. Die Nummer 131 der HTT-Computer-Rangliste träumte kurzfristig vom ganz großen Coup und einer der wohl größten Überraschungen der Tour-Geschichte. Und diese Nummer 131 ist der schwedische Underdog Nicklas Iversson, der in Runde 2 bereits die enttäuschend spielende Nummer 11 des Turniers Markus Hobiger eliminiert hatte. Der 24jährige Skandinavier verhinderte am Centercourt mit einem niemals gefährdeten 6:3, 6:2 Erfolg den möglichen 60. Karriere-Einzelsieg Hobigers, der sich formschwach und reichlich fehlerhaft präsentierte. So stand Iversson bei seinem Major-Debüt auf einmal im Achtelfinale und wenig später sogar kurzfristig im totalen Blickpunkt der Kollegenschaft. Denn in Windeseile hatte sich auf der Anlage des TC Top Serve herumgesprochen, dass Iversson im ersten Satz gegen den 2fachen Saisonsieger Mario Kiss in Führung liegt. Die sich bei 6:5 Führung anbahnende Sensation war aber mit dem Tie-Break des ersten Satzes auch schon wieder zu Ende, weil Kiss als einziger im strömenden Regen weiterspielender Akteur in der Folge "klar Schiff" machte und die "Schwedenbombe" mit einer Null doch noch entschärfte.


Udo Philipp rückt nach Sieg über Robert Rath immer mehr in die Rolle des Geheimfavoriten
Immer mehr in die Rolle des Geheimfavoriten spielt sich an diesem verlängerten Pfingst-Wochenende Kova-Bezwinger Udo Philipp. Der 32jährige Grazer steht vorerst als einziger Ungesetzter im Viertelfinale des 19. Mai-Grand-Slam-Turniers und ist womöglich drauf und dran sogar den Sprung unter die letzten Vier zu schaffen. Das ist dem Steirer angesichts seiner bisher gezeigten Leistungen durchaus zuzutrauen. Philipp machte am gestrigen vierten Spieltag zunächst mit Alexander Sterzl kurzen Prozess und schickte den 40jährigen nach einem kurzfristigen Hochgefühl - immerhin hatte er gegen Mario Scheday sein allererstes Major-Einzelmatch gewonnen - in den leider derzeit bitteren Tour-Alltag des September-Second-Series-Siegers von 2007 zurück. Eine Runde später ließ Philipp auch den Niederösterreicher Robert Rath mit 6:3, 6:0 über die Klinge springen. Rath, der noch in Runde 2 gegen Tour-Neuling Jürgen Haberbacher eine phantastische Wieder-Auferstehung feierte und mit einer sehenswerten Darbietung den beschämenden Horror-Auftritt aus Runde 1 vergessen machte, war speziell im zweiten Heat gegen Philipp chancenlos. Vor den Augen seiner Familie gingen dem 29jährigen im Finish die Kräfte aus. Womöglich auch, weil er sich am Vormittag in einem bedeutungslosen Vergleichskampf verausgabte. Leicht wäre es allerdings auch fit nicht gegen Philipp geworden. Denn der Steirer präsentierte sich bislang wirklich in guter Form und hat für den Rest des Turniers durchaus große Ziele. "Jetzt möchte ich das Halbfinale erreichen und dort dem Geisler zeigen wo es lang geht", meinte der 32jährige mit einem Lächeln.

Seitner heuer noch ohne Einzelsieg auf Sand und Hühne mit Major-Frust-Bewältigung der etwas anderen Art
Nichts zum Lachen haben derzeit hingegen die Herren Markus Seitner und David Hühne. Den beiden Doppelpartnern ist am Sonntag Vormittag beim Einstieg ins 19. Mai-Grand-Slam-Turnier die fehlende Form auf den Kopf gefallen. Deutschlands Nummer 1 David Hühne crahste zum Auftakt gegen Harald Schauer in ein 3:6, 3:6 und damit wie schon bei seinem bislang einzigen Mai-Grand-Slam-Start im Jahr 2008 in Runde 1 aus dem Bewerb. Zudem prolongierte der 30jährige vom Bodensee seine unglaubliche Negativ-Bilanz bei den großen Events der Hobby-Tennis-Tour. Bei 11 Grand-Slam-Starts bleibt es bei nur zwei Einzelsiegen gegen die Second-Series-Stars Robert Macheev aus Russland und Peter Weber aus Österreich. Das am Vorabend auch seine "Bayern" im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand keine gute Figur machten, verleitete Hühne nach seiner mässigen Erstrunden-Darbietung zur Frustbewältigung der etwas anderen Art. Kleinholz aus dem aktuellen Racketbestand könnte eigentlich auch Markus Seitner machen, wenn er einen näheren Blick auf seine bisherige Sandplatzsaison riskieren sollte. Es ist eigentlich unglaublich und doch wahr. Der Sandplatzkönig von 2008 aus Salzburg ist heuer noch ohne Einzelsieg auf seinem Lieblingsbelag. 2008 kam Seitner ungeschlagen und mit drei großen Sandtiteln zu den "French Open der Hobby-Tennis-Tour", ehe er just im Achtelfinale gegen den späteren Finalisten Christoph Wagner die einzige Sandplatz-Niederlage der Saison 2008 kassierte. Bitter war sie damals allemal, die Pleite gegen Wagner, doch in der gegenwärtigen Situation wäre Seitner mit Ereignissen und Ergebnissen wie damals hoch zufrieden. "Es läuft nicht gut derzeit. Ich habe aber auch nicht mehr die Zeit zum Training wie damals und daher ist auch mein körperlicher Zustand ein anderer" befand Seitner, der sich nach Freilos in Runde 1 und w.o in Runde 2 trotzdem über 30 achtelfinale Champions-Race-Punkte freuen durfte. Gegen Roland Mayerhofer hatte der 30jährige Salzburger im dritten direkten Duell aber erstmals das Nachsehen. Mayerhofer gewann 7:6, 1:6, 6:4 und hat jetzt das lange und heiß ersehnte Duell mit Masterssieger Franz Mayrhuber vor sich. Der 45jährige Olympiasieger qualifizierte sich zum zweiten Mal nach 2008 für das Viertelfinale beim Mai-Grand-Slam und das durch einen knappen 5:7, 6:2, 6:3 Erfolg über den an Nummer 12 gereihten Martin Mayerhofer. "Der Martin hat mich schon wieder überrascht und ich hatte angesichts des nebenan laufenden Matches Geisler gegen Kiss echte Konzentrationsprobleme" zeigte sich Mayrhuber unzufrieden. Richtig enttäuscht war hingegen Martin Mayerhofer, der zum zweiten Mal dem Masterssieger einen großen Kampf lieferte und zum zweiten Mal dafür unbelohnt blieb. "Das ist traurig. Der Franz hat das Masters gewonnen, und ich bin zwei Mal knapp an ihm dran gewesen".

Thomas Guem nach Achtelfinale-Aus gegen Fabian Mayrhuber: "Ich möchte die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour werden"
Was tat sich sonst noch am vierten Spieltag beim 19. Mai-Grand-Slam-Turnier 2010? Der Erfolgsrun von Shooting-Star Thomas Guem ist vorerst einmal gestoppt worden. Der 28jährige Schönwieser musste sich im Achtelfinale gegen Vorjahres-Semifinalist Fabian Mayrhuber doch klarer als erwartet mit 4:6, 2:6 geschlagen geben. Der zuletzt stark und vorallem konstant aufspielende Tiroler fand an diesem Sonntag Nachmittag am Centercourt des TC Top Serve kein Mittel, um dem WAC-Star Paroli bieten zu können. Damit konnte auch Guem den Fluch nicht durchbrechen, wonach Sieger der Major-Generalprobe beim Mai-Grand-Prix-Turnier das darauffolgende Grand-Slam nicht gewinnen können. 2007 schaffte es Robin Douglas genauso wenig wie 2008 Andreas Harbarth und ein Jahr später Christoph Mayer. "Ich habe heute kein Rezept gegen den Fabian gefunden", meinte der 3fache Saisonsieger, der nach dem Aus aber mit einer ganz interessanten Passage seines abschließenden Interviews aufhorchen ließ. Er, die personifizierte Zurückhaltung hat ein neues persönliches Saisonziel ausgegeben, und sich gleich vorgenommen, die höchste Stufe im Hobby-Tennis zu erklimmen. "Ich möchte die Nummer 1 werden, und ich denke ich kann das auch schaffen. Weil ich bisher sehr konstant gespielt und vorallem gepunktet habe", so der 28jährige Tiroler.

Major-Debütanten Mayer & Aspalter mit Auftaktsiegen beim Mai-Grand-Slam
Zum Schluss gab es für zwei Grand-Slam-Debütanten noch schöne Auftakt-Erfolge bei den "French Open der Hobby-Tennis-Tour". Marcus Mayer legte nur einen Tag nach seiner gelungenen Tour-Premiere gegen Markus Winter neuerlich eine Talentprobe ab. Diesmal durfte sich der 32jährige Wiener am Centercourt gegen die ehemalige Nummer 1 Patrick Schwing beweisen, und er tat dies vor den Augen seines Vaters in ganz ausgezeichneter Manier. Trotz 4:6, 3:6 gegen den 15fachen Turniersieger enttäuschte Mayer nicht und ging am Ende mit seinen ersten wohl verdienten 15 Champions-Race-Punkten nach Hause. "Es ist noch viel Streuung in meinem Spiel, aber es wird sicher besser werden", meinte der Newcomer. Ein ebenfalls gelungenes Major-Debüt konnte Christian Aspalter feiern. Der Second-Series-Star vom TC Terra Rossa behielt im Erstrunden-Duell mit Alexander Szele die Oberhand und qualifizierte sich mit einem 6:4, 6:2 ganz sicher für die zweite Runde mit der Nummer 12 des Turniers Martin Mayerhofer. Dort gab es dann zwar mit 1:6, 0:6 erwartungsgemäß nichts zu holen, der Euphorie und Motivation des Hernalser Rothemds konnte dieses Resultat aber keinen Abbruch tun. "Natürlich konnte ich Mayerhofer nie gefährden, aber das Resultat ist deutlicher ausgefallen, als es hätte sein müssen. Ich bin daher nicht zufrieden und ich will unbedingt Revanche gegen Mayerhofer".

Claus Lippert, 24. Mai 2010 |