| "Triumphales Comeback in weiß-rot-blau"
Stanislav Perepelkin sorgt für ersten russischen Tour-Titel seit April 2007
Die russische Trikolore in den panslawischen Farben "weiß-blau-rot", seit Mittwoch Abend weht sie wieder im Hobby-Tennis-Tour-Circuit. Nachdem sich die russischen Tour-Stars in den letzten drei Jahren in Sachen "Erfolge" eine massive Auszeit gegönnt haben und Russlands Flagge "symbolisch gesprochen" auf Halbmast wehte, hat Stanislav Perepelkin am Mittwoch Nachmittag die stolze Tennisnation zurück in die Erfolgsspur geführt. Der 27jährige aus Moskau gewann die 4. Auflage des April-Second-Series-Turniers beim TC Top Serve durch einen knappen 7:5, 6:4 Finalerfolg über Dominik Hochleitner, der sich wiederum als stärkster Jugendlicher des Wochenendes präsentiert hatte. Für Perepelkin war es der insgesamt zweite Titel seiner Karriere, und das beim Comeback nach über zehneinhalb Monaten Pause und einem sportlich durchwachsenen Jahr 2009, welches mit nur zwei Viertelfinal-Teilnahmen einen Rückfall im Ranking auf Position Nr. 134 zur Folge hatte. Ein Bericht von C.L

Die Parallelen zwischen seinem April-WTT-Triumph 2007 und seinem aktuellen Erfolg
Es war fast so wie vor drei Jahren! Damals im April 2007 stand Stanislav Perepelkin zum bislang letzten Mal in einem Outdoor-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour. Es war der 17. April 2007, der Nachmittag seines 24. Geburtstags, als "Stani" das mit 52 Teilnehmern phantastisch besetzte April-WTT-Turnier für sich entscheiden konnte. Und die Parallelen zwischen Mittwoch Abend und damals sind wirklich verblüffend. Der selbe Platz, nämlich der Centercourt des TC Top Serve, dazu wie einst ein perfekter Rahmen mit Sonnenschein pur und ein riesiger Fan-Club, der bei großen Spielen beinahe Usus beim 27jährigen Moskowiter ist. Naja, und dann natürlich noch das "Happy End", bei den beiden Perepelkin-Partys, das so überraschend und unerwartet kam wie die kurze Schlechtwetterfront am Montag Nachmittag. Der einzige Unterschied zum 2007er-Triumph war wohl, dass sich der "Stani-Fanclub" anno 2010 ein bißchen relaxter und entspannter das finale Geschehen zu Gemüte führen konnte. Denn 2007 war sein Endspiel-Auftritt nichts für schwache Nerven gewesen. Bei 3:6, 3:5 musste er damals gegen Michael Hofbauer einen Matchball abwehren, und seine Fans 119 Minuten lange zittern, ehe die kombinierte "Geburtstags- und Titel-Party auf russische Art" steigen konnte. 6 Minuten kürzer und um ein ganzes Stück nervenschonender ging es da schon am späten Mittwoch Nachmittag im Finale des April-Second-Series-Turniers 2010 zu. Nach 113 finalen Minuten gab es diesmal nach dem Matchball statt dem 2007er-Kniefall in den roten Sand diesmal nur eines lautes und intensives "Jaaaaa". Vielleicht auch deshalb, weil Perepelkin den ungewollten "Kniefall" schon ein paar Minuten früher in die Simmeringer Asche setzte. Genau genommen war es eigentlich ein "Bauchfleck", einer der laut Perepelkin aber zum richtigen Zeitpunkt kam. "Weil ich da nochmals munter geworden bin, nachdem der Dominik im Finish noch einmal mächtig aufgeholt hatte".

Vom Lampenfieber bei der Final-Premiere und den "Super-Eltern" im Hintergrund
Wenn russische "Defensiv-Kunst" auf österreich-ungarisches "Premierenfieber" prallt, dann ist trotz "spielerischen Welten" die beide Akteure trennen eine Überraschung möglich. Rein optisch betrachtet hätte es keine Frage über den Sieger des 4. April-Second-Series-Turniers geben dürfen. Der erst 13jährige Dominik Hochleitner, österreich-ungarischer Doppelstaatsbürger und die Sensation des Saison-Opening-Wochenendes beim TC Top Serve schlechthin, kann mit dem Racket in Händen wohl so ziemlich alles besser als sein 14 Jahre älterer Finalbezwinger. Aber darauf kommt es vorallem in Endspielen auf der Hobby-Tennis-Tour nicht immer an. Und schon gar nicht, wenn man sich als Debütant aufmacht, in einem allesentscheidenden Match den ersten großen Titel nach Hause zu holen. Die mentale Anspannung, die nervliche Belastung ist bei einer Final-Premiere noch ungleich höher als sonst. Zum ersten Mal im Verlauf des Turniers rückte der 1,59 Meter große "Super-Floh" ins totale Rampenlicht und auf den Centercourt vor. Selbst erwartungsfroh, bekommt man da unten auf dem riesigen Hauptplatz des TC Top Serve dann auch noch mit, wie Mama & Papa draußen mitfiebern und mitzittern. Eltern, denen an dieser Stelle auch einmal ein großes Kompliment ausgesprochen werden muss. Denn dem eigenen Kind die Ausübung des kostspieligen Tennissports zu ermöglichen ist eigentlich schon eine feine Sache, in der Art und Weise wie "Harald & Maria" das tun, wirds aber sensationell. 250 km des Weges muss der Hochleitner-Clan pro Spieltag zurücklegen, macht beim April-Second-Series-Turnier die stolze Gesamt-Reise-Strecke von 750 km. Den "1000er" verhinderte der sonntägige Fessel-Kollaps, wodurch das Halbfinale ausfallen musste.

Routine macht im Finish des ausgeglichenen ersten Satzes den Unterschied aus
Zurück zum Finale, wo auch Stani-Freundin "Linda" mit ihren Schwestern im Publikum sitzend die Daumen drückte. Und sie sah zunächst einmal eines furiosen Start des 13jährigen Linkshänders, der im Auftakt-Game beim Return aggressiv und initiativ agierte und das 1:0 herausschoß. Doch mit vier sogenannten "unforced errors" war der Vorteil des rasches Breaks sogleich auch wieder dahin, und ein erstes Zeichen gesetzt, dass an diesem späten Mittwoch Nachmittag bei beiden Akteuren der Aufschlag nicht die große Waffe sein würde. Es folgte ein drittes Break, und als Hochleitner dann als erster Spieler sein Service zum 3:1 durchbringen konnte, schien erstmals ein Blick ins Archiv notwendig, um die Daten rund um den jüngsten Turniersieger der Tour-Geschichte auszuheben. Doch Perepelkin konterte seinerseits auch mit dem ersten durchgebrachten Aufschlagspiel, ehe das "Break-Festival" weiterging. In diesem höchst ausgeglichenen ersten Durchgang war dann vorerst auch kein Favorit mehr auszumachen. Hochleitner spielte "schöner", und punktete öfter, und er wirkte mit seinen ständigen Anfeuerungen wie "vamos" und "come on" weitaus motivierter als Perepelkin, der an den Grundlinie mit seinem Tennis den Charme eines ehemaligen Sowjet-Appartschicks aus den 80er-Jahren versprühte. Das in den entscheidenden Phasen dieses ersten Durchgangs dann aber der routiniertere Russe das bessere Ende für sich haben würde, kam nicht ganz überraschend, lag aber vorallem an Hochleitner selbst, dem plötzlich der Mut zum Risko fehlte. Denn an Chancen diesen ersten Satz und womöglich das gesamte Spiel zu gewinnen, mangelde es dem 13jährigen nicht.

Perepelkin zittert sich am Ende zu seinem zweiten Karriere-Titel
In der heißen Phase des 4. April-Second-Series-Finales zwischen 5:5 im ersten Heat und 4:3 im zweiten Durchgang, ließ Hochleitner unfassbare und gezählte 17 Gelegenheiten aus, um bei Spiel- und Breakbällen das Ergebnis entsprechend in seine Richtung zu lenken. Die größten ungenützten Chancen ließ der österreich-ungarische Junior auch just dann aus, wenn es am wichtigsten gewesen wäre. Zum Beispiel gegen Ende des ersten Satzes, als er bei 5:5 und 15:40 zwei Break-Möglichkeiten versiebt. Im Folge-Game bei 5:6 verstolpert Dominik gleich 5 Spielbälle um in den rettenden Tie-Break zu gelangen. Stattdessen war Satz 1 nach 56 Minuten mit 5:7 verloren gegangen und schon zu diesem Zeitpunkt gewiss, dass der 13jährige Kerschenbauer-Bezwinger an diesem Abend nicht mehr zu Titelehren kommen würde. Ein Ende in zwei Sätzen oder ein Abbruch wegen Dunkelheit, nur mehr diese beiden Optionen standen zur Debatte. Und ob dieses Wissens kam letztlich wohl auch Perepelkin noch einmal ordentlich ins Straucheln. Der 27jährige aus Moskau führte 3:1 und hatte bei eigenem Aufschlag zwei Spielbälle zum 4:1 vorgefunden, ehe er bedenklich schwächelte. Genauso bei 4:2 und 40:30, als ihm nur ein Punkt zum 5:2 fehlte. So wurde das Match noch einmal richtig spannend, obgleich das Niveau längst im uferlosen Sturzflug begriffen war. Das Hochleitner seine "big points" weiterhin ganz billig wegwarf, ist selbstredend. Drei Chancen zum 2:0, bei 1:1 zwei Break-Chancen zum 2:1, usw., usw..........., mit den vergebenen Chancen Hochleitners gewinnen andere Spieler ein ganzes Turnier. Im Finish bekam Perepelkin dann noch die berühmte Zitterhand, ehe die "schwere Geburt" des Titelgewinns vollzogen war. Mit einem Vorhand-Winner setzte er um 19:53 Uhr den Schlusspunkt hinter ein grandioses Tennis-Wochenende und sein gelungenes, im Triumph endendes Comeback.


"Ich bin nicht mehr der Tennis-Freak der ich einmal war"
"Der Dominik hat sehr gut gespielt, es waren einige Punkte die sehr knapp waren. Es war eine 50:50-Partie, das nächste Mal kommt es anders", fand Stani gleich zu Beginn einmal lobende Worte für sein jugendliches Gegenüber. "Ich hatte große Probleme mit seinem Linkshänder-Drall. Ich konnte daher den Ball nicht so gut kontrollieren wie mir das sonst gelingt, und auch nicht das spielen was ich üblicher Weise spiele. Im ersten Satz war ich sehr verkrampft. Von daher war Dominiks Führung sehr gut für mich. Dadurch bin ich aufgewacht und dann besser ins Spiel gekommen. Zum Schluss stand das Spiel auf des Messers Schneide. Es war wirklich sehr spannend. Ich freue mich sehr über den Turniersieg, auch über die Unterstützung meiner Freundin und ihrer Familie", strahlte der neue April-Second-Series-Champion. Dennoch durfte in der allgemeinen Jubelstimmung nicht untergehen, dass Perepelkin mit seiner gezeigten Leistung am letzten April-Weekend des Jahres 2010 meilenweit von jener im April 2007 entfernt war. "Ich habe an Gewicht zugelegt und mir fehlt es an Spielpraxis. Ich bin auch insgesamt nicht mehr der Tennis-Freak der ich einmal war. Ich spiele jetzt viel seltener Tennis, und deshalb freut mich der Turniersieg noch viel mehr. Ich bin jetzt Second-Series-Spieler, und ich habe kein Problem damit. Danke für den schönen Pokal und für die wie immer großartige Organisation bei so vielen Teilnehmern", sprach der Russe und war auch schon dahin.

"Der kleine Dominik war ein riesengroßer Konkurrent"
"Ich habe mitgezittert und mitgefiebert, der kleine Dominik war ein riesengroßer Kontrahent", fand auch Stanis Freundin Linda Worte des Lobes für den unterlegenen Gegner. "Der Stani war heute ein bißchen nervöser als in den letzten Tagen, das habe ich bemerkt. Ich bin sehr stolz auf ihn, aber wiegesagt auch auf den Dominik, der mit seinen 13 Jahren schon sensationell gut Tennis spielt". Der erwähnte "Kleine" saß derweil auf der Spielerbank, mit einem in grün gehaltenen kleinen Trostpreis und wusste wohl nicht sorecht, wie er das soeben Erlebte richtig einzuordnen hat. Am Centercourt vor Familie und Zusehern das wichtigste Match des Turniers knapp zu verlieren ist wohl bitter, die Leistung über das gesamte Wochenende dafür absolut großartig. Das für solche Gedanken freilich in den Minuten der Enttäuschung kein Platz im Kopf eines 13jähigen ist, scheint logisch. "Ich muss noch viel lernen", fiel sein knappes aber vielsagendes Statement aus. Dennoch wird Hochleitner seinen Weg machen, und die Erfahrungen des Mittwoch Nachmittags im nächsten Finale nützen können. Und dieses nächste Endspiel kommt bestimmt.
Claus Lippert, 30. April 2010
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