| "Wenn "Peter" zu spät kommt"
Franz Mayrhuber gewinnt die 19. Auflage des April-Grand-Prix-Turniers
Die Rückkehr an jene Stätte, wo er im Sommer des letzten Jahres Olympia-Gold holte, wurde erneut zum großen Triumphzug für Franz Mayrhuber. Der 45jährige gewann am Dienstag zur Mittagszeit die 19. Auflage des April-Grand-Prix-Turniers beim TC Top Serve und feierte so den ersten Sand- und Grand-Prix-Titel seiner Karriere. Im Finale besiegte der an Nummer 6 gereihte Routinier den Tiroler Thomas Guem in 1:33 Stunden mit 6:2, 2:6, 6:2 und beendete so die Siegesserie des Shootingstars aus Schönwies. Für Guem war es nach 9 Einzelerfolgen die allererste Niederlage auf Sand überhaupt. Ein Bericht von C.L

Wenn Siegerehrungen Unbehagen beim Masterssieger auslösen
Es gibt nicht viele Situationen auf der Hobby-Tennis-Tour, in denen beim über Jahre hinweg höchst matcherprobten und routinierten Franz Mayrhuber echtes Unbehagen oder gar Angst aufsteigt. Nicht bei der atemberaubend schnellen Vorhand von Mario Kiss, nicht bei der schnörkellos durchgezogenen Rückhand von Christoph Mayer, und auch nicht beim Monster-Service des Patrick Schwing. Und doch gibt es Momente und Augenblicke im Circuit, die beim 45jährigen so unbeliebt sind wie Keuchhusten. Mayrhuber-Kenner wissen längst worum es geht! Richtig, um den jeweiligen Abschluss eines jeden Turnierwochenendes, nämlich um die Siegerehrung. Auf die seinige am frühen Nachmittag des gestrigen Dienstags musste er sogar noch ein Minütchen warten, musste doch die Werbeplane im Hintergrund erst richtig justiert werden. Und so wurde aus Sekunden des Wartens eine halbe Ewigkeit. Den herrlichen goldfarbenen Pokal in Händen, machte Mayrhuber ein Gesicht, als hätte er in Runde 1 verloren und dafür soeben von TC-Top-Serve-Obmann Alois Schwing einen Trostpreis erhalten. Das große "im Mittelpunkt stehen", Ehrungen und Interviews, nicht so ganz die Sache des 45jährigen Familienvaters, der Trophäen daheim nicht sammelt, jene für den April-GP-Titel aber doch mit nach Hause nahm. Für die Kinder die dann fragen "und Papa hast du das Turnier auch gewonnen"? Ja der Papa hat gewonnen, und zwar seinen zweiten offiziellen Tour-Titel nach dem Masters-Triumph im vergangenen Dezember.

Guem & Mayerhuber lösten im Finale die grellen Neon-Stars der Tour ab
Zurück zur Siegerehrung, wo man als neutraler Beobachter auf geballte Fäuste, extrovertierte Jubelposen, und Kuss-Händchen vergeblich wartete. Eine ausschweifende Zeremonie war aber ohnehin in keinem Fall zu erwarten, denn auch Mayrhubers Finalgegner Thomas Guem ist kein Freund von knalligen Jubelgesten. Und so ließ Veranstalter Claus Lippert den eingekühlten Sekt gleich im Vorhinein daheim im Eis. Eine Sektdusche am Centercourt, sie wäre bei Mayrhuber und Guem nicht wirklich "natürlich" rüber gekommen. Ja, die beiden Finalisten des 19. April-Grand-Prix-Turniers sind sich in dieser Weise ziemlich ähnlich. Auch Guem ist mehr der introvertierte Charakter, bodenständig und stets darum bedacht, die Aufmerksamkeit um seine Person so gering wie möglich zu halten. Und so wurde das mit Spannung und von vielen Experten in dieser Zusammensetzung nicht erwartete Finale zum großen Kontrastprogramm zum bisherigen Turnierverlauf. Das vier Tage andauernde "bunte, schrille und laute" Treiben auf den Courts des TC Top Serve, war mit dem ersten Aufschlag des Finales zu Ende. Die "neon-gelben" Caesars, und "bonbon-roten" Mayers hatten Platz gemacht für "seriöes" Dunkelblau und "dezentes" Schwarz. Nichtsdestotrotz gab es aber einen "bunten", abwechslungsreichen und wirklich guten finalen Showdown, der zum dramaturgischen Höhepunkt eines kuriosen Events mit launenhaftem April-Wetter wurde. Verrückt wie das Wetter verlief auch das Turnier mit Favoriten die reihenweise - und wie reife Kastanien von den Bäumen - aus dem stark besetzten 32er-Raster fielen, dazu Titelanwärter die nur mit Mühe durchs Tableau stolperten und letztlich zwei Herren, die all das am Wochenende erlebte im Finale noch einmal so richtig auf den Punkt brachten.


Wenn "Peter" zu spät kommt ist nicht nur Wenitzky gemeint
Das 19. April-Grand-Prix-Finale zwischen Franz Mayrhuber und Thomas Guem wird als ein Match der ständigen "up & downs" in Erinnerung bleiben. Vor allem für den späteren Sieger wurde dieses - sein erstes - Endspiel in dieser Saison zum Spiegelbild des gesamten Turnierwochenendes. Zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Hoffen und Bangen, Zufriedenheit und Frust lagen bei Mayrhuber an diesem April-GP-Weekend oft nicht mehr als ein Wimpernschlag oder wie in Runde 1 nur eine 5 cm breite glückliche Fügung. Mayrhubers Hochschaubahnfahrt der Gefühle prägte die 19. Ausgabe des drittgrößten Sandplatz-Events der Hobby-Tennis-Tour. Das ständige Rauf und Runter machte es der Konkurrenz letztlich auch so schwer, den routinierten Masterssieger richtig einzuschätzen und ihn letztlich auch zu schlagen. Der unkonstante Versuch ins Endspiel zu gelangen startete schon in Runde 1, wo "Franz" gegen den sentimentalen Favoriten Martin Kova bei dessen Versuch aus der Krise zu stürmen, einen Matchball abzuwehren hatte. Dann im Achtelfinale der gar nicht ansehnliche und zweieinhalb Stunden dauernden Kontinental-Krampf mit Asiens Nummer 1 Tashi Liu. Mehr "frustig als lustig" und vor großem Publikum nicht gerade Renomee förderlich, wurstelte sich der Olympiasieger eine Runde weiter. Und dort ab dem Viertelfinale schien sich das Blatt plötzlich zu seinen Gunsten zu wenden. Das der hoch eingeschätzte Mark Frei, der im Vorjahr beim August-Super-4-Turnier nacheinander Thomas Müller und Mario Kiss eliminierte, mit dem raffinierten und gefinkelt gespielten Rückhand-Slice Mayrhubers seine liebe Not hatte und mit 1:6, 2:6 beinahe debakulös unterging, spielte dem Olympia-Goldenen genauso in die Hände wie das launische April-Wetter, dass 24 Stunden nach dem traumhaft anmutenden Kaiserwetter des Sonntags, für Halbfinalgegner Mario Kiss einen meteorologischen "Super-Gau" parat hatte. Nieselregen verwandelte die trockenen und schnellen Courts des Vortages in eine feuchte langsam zuschnappende Falle, aus der sich Kiss gegen Mayrhuber in 76 halbfinalen Minuten nicht befreien konnte. Wieder 20 Stunden später sah die Sache - zum Ärger des nach 13 Siegen erstmals wieder verlierenden Mario Kiss neuerlich ganz anders aus. Wenn "Peter" zu spät kommt, dann war an diesem Wochenende nicht nur Peter Wenitzky gemeint, der zu seinem April-GP-Doppel-Auftritt am Sonntag Morgen verspätet erschien. Auch das Wetter-Hoch namens "Peter" traf mit perfekten Verhältnissen im Gepäck und damit auch zu spät für Mario Kiss in Wien-Simmering ein.

Mayrhuber gewinnt 8 Games in Folge und den ersten Satz nach 33 Minuten
Leicht bewölkt, beinahe windstill und mit angenehmen Temperaturen hatte "Peter" also den perfekten Rahmen für das große Finale zwischen Mayrhuber und Guem geschaffen. Der Masterssieger, im Übrigen auch ein großer Schachspieler, wählte die "offensive Eröffnung". Nach gewonnener Wahl mit eigenem Aufschlag zu beginnen, und in diesem ersten Game auch gleich aktiv mit einem Volley am Netz zu punkten, sollte Guem ein wenig überraschen und aus dem Rhythmus bringen. Doch der mit dem Selbstvertrauen von 9 Sandplatz-Einzelsiegen ausgestattete Thomas Guem, war davon wenig beeindruckt und legte mit einem raschen Break seinerseits den perfekten Start in sein bereits fünftes Saisonfinale hin. Überraschender Weise verlieh die prompte 2:0 Führung dem Tiroler Shootingstar aber in der Folge doch nicht jene Überlegenheit, mit der er schon beim TK Eden vor einer Woche die starke und namhafte Konkurrenz schlecht aussehen ließ. Mayrhuber hingegen startete eine furiose Aufholjagd die mit 8 in Serie gewonnenen Games im Gewinn des ersten Satzes samt einer 2:0 Break-Führung in Durchgang 2 gipfelte. In dieser Phase zeigte der Masterssieger sein bestes Tennis, in jedem Fall sein bestes auf Sand seit er Hobby-Tennis-Tour spielt. Der 45jährige überzeugte dabei nicht nur mit seinem Paradeschlag dem Rückhand-Slice, nein er zog ein bis dahin bei ihm noch nie gesehenens variantenreiches Tennis auf, mit dem Guem sichtlich überfordert schien. Präzise Aufschläge, gefälliges Winkelspiel, Winner von der Vorhand, und geniale Volley-Stopps, Mayrhuber zelebrierte bis Anfang des zweiten Satzes beinahe fehlerloses Sandplatztennis. Guem hingegen konnte nichts zusetzen und wirkte zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere auf Sand völlig "von der Rolle".

Guems Aufholdjagd bringt Satzausgleich und spannendes April-GP-Finish
Als der Tiroler seinem Gegenüber mit seinem sechsten Doppelfehler das 0:2 im zweiten Satz "serviert" hatte, schien sein Schicksal besiegelt. Ob Mayrhubers bis dahin überzeugender Gala-Vorstellung am Centercourt lachte kurzfristig sogar die Sonne zwischen den Wolken am Simmeringer Himmel durch. Und wenig später lachte die Sonne sprichwörtlich auch für den scheinbar längst geschlagenenen "Tommy Gee" wieder. Denn der 28jährige Tiroler hatte nun zu seiner persönlichen Aufholjagd angesetzt. Mit mehr Mut zum Risiko und seinem unnachahmlichen Spiel am Netz hatte der 2fache WTB-Champion aus Schönwies sechs Games in Folge gewonnen und das Finale per Satzausgleich wieder super spannend gemacht. Auf einmal war Mayrhuber nicht mehr "Herr der kuriosen Lage" und nach sechs katastrophal gespielten Games nervlich am Boden. Für den neutralen Besucher freilich hatte die Wende in diesem 19. April-GP-Finale natürlich ihre Reize. Ein typisches Sandplatz-Match ging in die Verlängerung, der Sieger des drittgrößten Sandplatz-Events musste in einem entscheidenden dritten Satz ermittelt werden.

Guem sorgt mit zwei Doppelfehlern im sechsten Game für die Match-Entscheidung
Das nicht allzuviel Zeit blieb um herum zu "nerverln", schon gar nicht in der heißen und ganz wichtigen Anfangsphase dieses dritten Finalsatzes, war einem Routinier wie Franz Mayrhuber natürlich sonnenklar. Nerven behalten, Ruhe bewahren und sich auf seine Stärken besinnen, mit diesem Rezept startete der 45jährige ins erste Aufschlag-Game. Die Schrecksekunde eines abzuwehrenden Break-Balles überstanden, hatte der Olympiasieger nach sechs in Folge verlorenen Games als wieder "angeschrieben" auf der "imaginären Anzeigetafel", und seinem Gegenüber auch wieder ein kräftiges Lebenszeichen übermittelt. Eines das seine Wirkung auch prompt nicht verfehlte, denn Guem begann bei eigenem Aufschlag plötzlich zu schwächeln. Neuerlich mit einem Doppelfehler "schenkte" der Tiroler seinem Gegner das erste Break des dritten Satzes, welches Mayrhuber dankend annahm, um kurz darauf sogar mit einer 3:0 Führung auf Titelkurs zu schweben. Das diese klare Zwischenführung aber eher das Produkt des Guem`schen Selbstfallers bei eigenem Service war, und der Masterssieger keineswegs sattelfest in die Entscheidung musste, zeigten die beiden folgenden Games die allesamt an den Tiroler Shootingstar gingen. Und der 28jährige war es dann auch, der im sechsten Spiel des dritten Satzes für die entgültige Entschidung zugunsten seines Gegenübers sorgte. 30:0 führte "Thomas", als er Mayrhuber mit zwei weiteren Doppelfehlern das 4:2 quasi am Silbertableau servierte und sich so um die Früchte seiner neuerlichen und sehenswerten Aufholjagd brachte. "Der war wichtig", kommentierte Mayrhuber den entscheidenden Punkt zum 4:2, einer Führung die sich der routinierte Ranglisten-Sechste nicht mehr streitig machen ließ. Minuten später war ein äußerst gelungenes Finale zu Ende. Bezeichnend, das für den Schlusspunkt Guem sorgte - natürlich mit einem Doppelfehler. Damit war der finale Akt des April-Grand-Prix-Turniers 2010 geschlossen.

"Meine Schlüsselpartie war das Achtelfinale gegen Tashi Liu"
Ökonomisches Tennis in Vollendung hatten beide Akteure geboten und so der 19. April-GP-Auflage einen mehr als würdigen Abschluss beschert. "Meine Schlüsselpartie war nicht die erste Runde mit Martin Kova, die ich auch verlieren hätte können. Nein, meine Schlüsselpartie war jene im Achtelfinale mit Tashi Liu. Weil man da meine Grenzen sah, wie schlecht ich spielen kann. Da haben viele wohl schon gedacht, der wird sicher abgeschossen. Das ich jetzt doch noch gewonnen habe, freut mich daher umso mehr. Eine Niederlage gegen Liu hätte mich wirklich geschmerzt. Das Finale selbst war schwierig, weil mein Gegner irrsinnig schnell auf den Beinen war und teilweise sensationell gespielt hat. Das es schwer werden würde, habe ich gewusst. Der Schlüssel zum Sieg waren seine vielen Doppelfehler in den entscheidenden Momenten. Das hat mir sehr geholfen. Mit dem Sieg kann ich zufrieden sein, denn Guem ist nicht umsonst jener Mann, über den derzeit auf der Hobby-Tennis-Tour am meisten geschrieben wird", so der 45jährige nach seinem April-GP-Triumph.

"Vielleicht hat mich mein Unterbewusstsein zur Niederlage gelenkt"
"Gratulation an den Franz. Wir haben eine ähnliche Spielanlage, aber er hat es diesmal um eine Spur besser gemacht als ich. Ich habe heute auch nicht das Rezept parat gehabt, um ihn zu bezwingen. Ich hätte wohl mehr variieren, öfters an Netz vorrücken und insgesamt aggressiver spielen müssen. Ich habe mich selbst sabotiert. Vielleicht wollte ich der Hobby-Tennis-Tour-Familie nicht zu unheimlich werden", lachte der Schönwieser, ehe er fortfuhr. "Ich bin mit dem Turnier sehr zufrieden. Das Halbfinale war mein Ziel, und jetzt stand ich sogar im Endspiel. Gegen den Mayrhuber dort in drei Sätzen zu verlieren, ist keine Schande. Vielleicht hat mich mein Unterbewusstsein zur Niederlage gelenkt", gab sich der 28jährige kryptisch. In der Tat wirkte selten ein Finalverlierer so entspannt und beinahe "glücklich" wie Thommy Gee. Das die Siegesserie des Shootingstars auf Sand nach 9 Siegen in Folge zu Ende ging, schien für den 2fachen Saisonsieger beinahe wie ein Segen. Was aber letztlich nichts daran ändert, dass das Land der Berge zwei ganz heiße Eisen im Feuer hat, wenn es Anfang Juni um den größten und wichtigsten Titel der Hobby-Tennis-Tour gehen wird. Das Tiroler Doppel-G "Geisler & Guem" beim "French-Open der HTT", da wird sich der Rest des Circuits warm anziehen müssen.

Claus Lippert, 28. April 2010
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