|
Überraschung auch im Halbfinale des April-GP-Turniers
Die Serie überraschender Resultate beim 19. April-Grand-Prix-Turnier 2010 reißt nicht ab und hat auch am Halbfinaltag eine Fortsetzung erfahren. Nicht der bis ins Semifinale überzeugend und groß aufspielende Mario Kiss erreichte das Endspiel, sondern der in den Vorrunden mehrmals am Rande einer Niederlage wandelnde Masterssieger Franz Mayrhuber. Der 45jährige nützte die im Vergleich zum Wochenende stark veränderten äußeren Bedingungen, und schlug März-Super-4-Sieger Mario Kiss mit 6:4 und 6:3. Gegner im Finale - am heutigen Mittwoch bereits ab 11:30 Uhr - ist Thomas Guem, der bei seinem zweiten Start auf Sand und nur eine Woche nach seinem April-WTB-Triumph erneut das Endspiel erreichte. Der 28jährige aus Schönwies bezwang den Überraschungsmann des Turniers Christopher Caesar klar in zwei Sätzen. Ein Bericht von C.L

Shooting-Star Thomas Guem nach Sieg über Mayer-Bezwinger Christopher Caesar auf Sand weiter ungeschlagen
Die Tiroler Sandplatz-Festspiele auf der Hobby-Tennis-Tour gehen unvermindert weiter. Hauptdarsteller darin ist Thomas Guem, der sich am Montag Nachmittag bei widrigen äußeren Verhältnissen gegen Mayer-Schreck Christopher Caesar keine Blöße gab und mit einem 6:0, 6:3 Erfolg zum bereits fünften Mal in dieser Saison ein Endspiel erreichte. Bei leichtem Nieselregen fand sich der 28jährige aus Schönwies am Centercourt weitaus besser zurecht als Mayer-Bezwinger Christopher Caesar, der mit dem insgesamt recht langsamen Spiel nichts anzufangen wusste. Nach nur 20 Minuten hatte der 26jährige vom Vienna Cricket Tennisclub den ersten Satz mit 0:6 und insgesamt ein Bild des Jammers abgegeben. Seine Versuche druckvolles Tennis zu spielen, verebbten im regendurchnäßsten Sand, und alles andere ist ohnehin nicht die Sache Caesars. Nach zwischenzeitlichen und nicht von Erfolg gekrönten Versuchen "Serve & Volley" zu spielen, fand das erste Halbfinale nach nur 54 Minuten mit 6:0, 6:3 ein unerwartes rasches und deutliches Ende. "Ich habe den Guem viel stärker eingeschätzt und Powertennis a`la Kiss erwartet. Ich bin mir sicher, dass die Sache bei trockenem Wetter ganz anders ausgeschaut hätte", so der Unterlegene. Guem durfte sich derweil über seinen bereits neunten Sandplatz-Einzelerfolg in Serie freuen. "Den Wunsch nach schnellem Tennis konnte ich Caesar heute nicht erfüllen", lächelte der Tiroler.

Wie veränderte Wetter- und Platzverhältnisse dem Favoriten zum Verhängnis wurden
Eine andere Siegesserie ist hingegen am späten Montag Nachmittag im Simmeringer Schnürlregen zu Ende gegangen. Mario Kiss, Champions-Race-Zweiter vom AZ-Tennisclub hat nach 13 siegreichen Matches erstmals seit 23. Februar 2010 wieder eine Niederlage einstecken müssen. Für den amtierenden März-Super-4-Champion entpuppten sich im zweiten Halbfinale des April-GP-Turniers Olympiasieger Franz Mayrhuber als Bezwinger und eine kurz vor Matchbeginn aufziehende Schlechtwetterfront als Spielverderber. Unglaubllich, wie sich aufgrund geänderter Platz- und Wetterverhältnisse das Blatt binnen 24 Stunden wendete. Noch am Vortag gab Power-Server Mario Kiss bei frühsommerlichen Temperaturen auf schnellen und trockenen Plätzen das Tempo vor, während Franz Mayrhuber mehr schlecht als recht die Vorschluss-Runde erreichte. Kiss der große Favorit, Mayrhuber hingegen nicht mehr als ein zwar prominenter, diesmal aber nicht konkurrenzfähig scheinender Gegner, das Halbfinale der oberen Tableau-Hälfte schien eine klare Angelegenheit zu sein. Bis, ja bis zur Mittagsstunde, als plötzlich Regen den ausgebrochenen Frühsommer und Marios Siegesserie unterbrach. Mit dem kühlen Nass von Oben war der 31jährige plötzlich seiner Stärken beraubt und sein 14 Jahre älteres Gegenüber in einer an diesem Turnier-Wochenende nicht mehr erwarteten tollen Ausgangsposition. Der Regen, der langsame Platz, die schweren Bälle, all das spielte dem slicenden Masterssieger perfekt in die Karten. Mayrhuber gewann nach 1:16 Stunden mit 6:4, 6:3 und steht damit erstmals seit seinem Masters-Triumph wieder in einem Endspiel der Hobby-Tennis-Tour. "Der Mario ist auf jeden Fall der eindeutig bessere Spieler. Um ihn schlagen zu können, müssen die Platzbedingungen für mich perfekt sein, und das waren sie heute. Der tiefe Platz und die schweren Bälle haben für mich optimal gepasst", analysierte der 45jährige.

"Ich kann mich auf Sandplätze einstellen, aber nicht auf Beach-Volleyball-Plätze"
Auf dem Weg zur Champions-Race-Führung, die Kiss im Falle eines Titelgewinns gewunken hätte, ging also seine imposante Siegesserie von 13 Matches ohne Niederlage unerwartet zu Ende. Marios Hoffnungen auf seinen dritten Saison-Titel en suite sind also regelrecht im Simmeringer Montag-Nachmittags-Regen davongeschwommen. "Ich kann mich wenn es sein muss schon mit Sandplätzen anfreunden, aber nicht mit Beach-Volleyball-Plätzen", polterte der unterlegene Ranglisten-Siebente. "Jeder Schlag war eine Lotterie und durch die Bank um 5 cm zu weit. Wenn ich nicht den nötigen Druck machen kann, und der Franz genug Zeit bei seinen Schlägen bekommt, dann wird es eben sehr schwer. Das einzige Mittel wären Stoppbälle gewesen, aber ich kann ja nicht zwei Sätze lang nur Stopps spielen. Die Niederlage ist aber kein großes Problem für mich. Man kann nicht immer gewinnen", so der 31jährige.

Claus Lippert, 23. April 2008
|