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08 Sept 2010 07:27
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Platz
Spieler
Pkt
1.
Harbarth Andreas
720
2.
Kiss Mario
602
3.
Guem Thomas
597
4.
Mayrhuber Franz
361
5.
Seitner Markus
330
6.
Mueller Thomas
314
7.
Geisler Alexander
255
8.
Rath Robert
245
9.
Schwing Patrick
227
10.
Kramer Christoph
225


 

"Super-Floh" prägt 4. April-Second-Series-Turnier 2010

 

Ein frühzeitig gescheiteter Titelverteidiger, ein "Tennis-Catenaccio" spielendes russisches Duo, die Aufregung um den Kreislauf kollabierenden Markus Fessel, und der grandiose Auftritt von Ungaro-Super-Floh Dominik Hochleitner, nicht nur die gleichzeitig spielenden Stars des April-Grand-Prix-Turniers sorgten am vergangenen Wochenende für Aufsehen. Auch die 4. Auflage des April-Second-Series-Turniers 2010 hatte es in sich. Große Spannung kam beim vierten Second-Series-Saison-Turnier auch aufgrund der vielen engen Dreisatz-Matches auf. Bis Samstag Abend gingen 10 von 16 Partien über die volle Distanz und so mancher Spieler - wie wir wissen - über seine Grenzen. Besonders motiviert, extra engagiert und bereit alles und noch mehr aus sich herauszuholen, mit dieser Devise kämpften 32 Damen und Herren bei herrlichem Frühsommer-Wetter um das vierte Fix-Ticket für das Anfang Dezember in Wien stattfindende Second-Series-Final. Ein Bericht von C.L

 

 

7 Mann aus den Top Ten des April-Second-Series-Turniers scheitern schon in Runde 1

 

Eines dieser elf begehrten Tickets zum Final, also quasi die Eintrittskarte zum Showdown der besten Second-Series-Spieler zu ergattern, das war am vergangenen Weekend erneut das große Ziel aller Akteure und natürlich das Gesprächsthema unter den Second-Series-Stars. Das die Quali für dieses Turnier aller Turniere auf Second-Series-Ebene aber auch für die favorisierten Topspieler kein Selbstgänger ist, bewies ein Blick auf die mit klingenden Namen gespickte Liste gescheiteter Asse des 32er-Rasters. Gleich 7 Mann aus den Top Ten des Tableaus mussten schon nach dem ersten Antreten die Hoffnung auf "Titel & Ticket" begraben. Noch im Rennen um die Nachfolge von Friedrich Pliemitscher als April-Second-Series-Sieger sind hingegen die beiden Russen Stanislav Perepelkin und Alexei Evdokimov sowie TC Top Serve Jungstar Dominik Hochleitner. Und der 13jährige sorgte am vergangnen Wochenende für die großen Highlights.

 

 

Ungarns Super-Floh Dominik Hochleitner spielt beim April-Second-Series groß auf

 

Ein Superfloh schockt die Second-Series-Szene und greift nach dem Titel beim 4. April-Second-Series-Turnier 2010. Ja, es war schon wirklich eine höchst beeindruckende Vorstellung, mit der sich der 13jährige Ungaro-Junior Dominik Hochleitner in den letzten Tagen in den Blickpunkt und ins Finale spielte. Dabei ging es zunächst gar nicht so verheißungsvoll los. Im "Teen-Duell" mit Sebastian Caesar standen nämlich zunächst die Zeichen klar auf vorzeitigem Abschied. Doch der "Magyar-Server" bewies in dieser schwierigen Situation echten Charakter und kämpfte sich trotz 0:1 Satzrückstand zurück in die Partie, während einen lässig und aufreizend agierenden Sebastian Caesar die verdiente Strafe in Form des Ausscheidens ereilte. Hocheitner gewann die Sätze 2 und 3 und spielte fortan an diesem Weekend mit dem Selbstvertrauen des Auftaktsieges in einer anderen Liga. Sein "Meisterstück" lieferte der 159cm große Superfloh im Achtelfinale ab, wo er mit Jakob Kerschenbauer jenen jungen Mann deklassierte, der 48 Stunden zuvor mit Marcel Pliemitscher den amtierenden September-Second-Series-Champion vorführte. Der 17jährige galt bei den Kollegen nach dem Aus von Marcel Pliemitscher und Jänner-Second-Series-Sieger Günther Leitner als der Topfavorit auf einen Platz im Finale. Doch einmal mehr bestätigte der älteste Kerschenbauer-Spross seinen Ruf als "launische Diva", die extrem gutes Tennis spielen kann, aber eben nur dann wenn es ihr passt. Die Doppel-Null, die der Puszta-Floh seinem höher eingeschätzten Club-Kollegen angehängt hatte, sorgte unter den Mitspielern für Staunen und Aufregung. "Ist der Hochleitner nicht ein First-Series-Spieler", fragte Markus Fessel in der Hoffnung, dass dem 13jährigen womöglich weitere Starts auf Second-Series-Ebene untersagt werden könnten. Das Hochleitner mittlerweile nicht nur phantastisches Tennis spielen kann, sondern auch mental und in Sachen Kampfgeist einiges dazu gewonnen hat, bestätigte er im Viertelfinale, wo er gegen Martin Knab einen 2:5 Rückstand im Startsatz in ein 7:5 verwandelte und so letztlich den Grundstein für den Einzug in die Vorschluss-Runde legte.

 

 

Zwischen Rettung und Halbfinale - Fessels Hochschaubahnfahrt der Gefühle

 

Dort hätte am Montag Nachmittag Markus Fessel warten sollen. Für das "Halbfinale der weiten Wege" - Fessel hat 180km des Weges pro Spieltag zurückzulegen und Hochleitner gar 250km An- und Abreise in Kauf zu nehmen, hatte sich der Wilhelmsburger mit einem wahren Kraftakt qualifiziert. Sowohl im Achtelfinale gegen Friedrich Böck als auch im Viertelfinale gegen Alexander Szele galt der 26jährige als Außenseiter. Doch mit enormer Willensstärke und der bislang besten Leistung seit er auf der Tour spielt, bog Fessel den Sonntags-Doppelpack in bravouröser Manier. Was der Niederösterreicher freilich nicht im Griff hatte war sein Körper. Der streickte nämlich am Ende eines langen Tages. Schon nach dem Böck-Match im Achtelfinale hatte sein Körper Warnsignale gesendet. Als alle anderen Spieler des Sandplatz-Saison-Openings in der Leberstraße bei frühsommerlichen Temperaturen schwitzen, saß Fessel "frierend" in der Umkleide. Schwindelgefühle, Übelkeit, Schüttelfrost, Fessels Körper funkte "SOS". Doch der Ehrgeiz und das Wissen, an diesem sonnigen Sonntag das bislang beste Tennis seines Lebens zu spielen, ließ den 26jähirgen - geblendet vom möglichen Halbfinaleinzug - eine falsche Entscheidung treffen. Nach längerer Zeit des Zuwartens und Nachdenkens entschied sich Fessel zum Viertelfinale gegen Alexander Szele anzutreten. Und zunächst schien mit dem 6:4, 7:6 Erfolg über die Nummer 105 des HTT-Computer-Rankings der perfekte Ausklang eines tollen Tennistages gelungen zu sein. Doch der Schein trügte, und der Rest der Geschichte mit der Blaulichtfahrt ins Krankenhaus ist bekannt. "Ich habe heute das Tennis meines Lebens gespielt. Bisher war mir immer meine Nervosität im Weg, diesmal war ich aber die Ruhe weg. Ich kann mir meine Leistung gar nicht erklären", meinte Fessel knapp vor der Heimfahrt und seinem erlittenen Kreislaufkollaps.

 

 

Russisches Filzkugel-Catenaccio von Perepelkin und Evdokimov wird Favoriten wie Titelverteidiger Fritz Pliemitscher zum Verhängnis

 

Fessel musste die Nacht von Sonntag auf Montag im Krankenhaus Lainz verbringen, wurde ordentlich durchgecheckt und konnte mit dem Befund das "Herz & Lunge" in Ordnung sind, am Montag Nachmittag in häusliche Pflege entlassen werden. Zum Halbfinale gegen Dominik Hochleitner wird es aber logischer Weise nicht mehr kommen. Bereits zum zweiten Mal fällt damit das Duell Hochleitner gegen Fessel ins Wasser. Beim März-Second-Series-Turnier stand das Duell in Runde 1 auf dem Programm, doch damals musste das Spiel entfallen, weil Fessels Auto mitten auf der Autobahn streikte. Diesmal streikte sein Körper, womit die Hoffnung lebt, dass es beim dritten Versuch klappen wird. Um das vierte Final-Ticket zum Second-Series-Final kämpfen daher nur mehr drei Mann, nämlich Austro-Ungar Dominik Hochleitner und das Russen-Duo Stanislav Perepelkin und Alexei Evdokimov. Die beiden "schockten" die Konkurrenz am dritten Spieltag mit einer ganz defensiven Art Tennis zu spielen. Mit dem "Filzkugel-Catenaccio" stellten sie reihenweise prominente und aussichtsreiche Second-Series-Favoriten vor unlösbare Aufgaben. Darunter die Nummer 1 des April-Second-Series-Turniers Marcus Rotter, die Nummer 3 Peter Wenitzky, Titelverteidiger Friedrich Pliemitscher, den zuletzt so stark spielenden Lucas Rydl, den nach einer Schulterverletzung comebackenden Louie Austen und den als Geheimfavorit gehandelten Olympia-Vierten Bernhard Sladek. Einmal mehr den Ball übers Netz zu spielen, das simple russische Erfolgsgeheimnis beim April-Second-Series-Turnier 2010.

 

 

Claus Lippert, 27. April 2010