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05 Sept 2010 23:14
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Platz
Spieler
Pkt
1.
Harbarth Andreas
720
2.
Kiss Mario
602
3.
Guem Thomas
597
4.
Mayrhuber Franz
361
5.
Seitner Markus
330
6.
Mueller Thomas
314
7.
Geisler Alexander
255
8.
Rath Robert
245
9.
Schwing Patrick
227
10.
Kramer Christoph
225


 

Ein Wochenende der Superlative bei Kaiserwetter

 

Was für ein ereignisreiches Wochenende zum Auftakt der Sandplatz-Saison 2010 beim TC Top-Serve! 68 Spieler aus 9 Nationen, ein Monsterprogramm mit 84 Matches, jede Menge Überraschungen und Sensationen, die Doppel-Veranstaltung in der Leberstraße hatte an den Spieltagen 2 und 3 wirklich einiges zu bieten. Werfen wir also gemeinsam einen Blick zurück auf ein Wochenende der Superlative, mit Super-Wetter, zwei Super-Rastern und den vielen Protagonisten des Tour-Doppelpacks, die bei Kaiserwetter über Simmering sichtlich die ersten schönen Frühlingstage genießen konnten. Vorweg: es war nicht das Wochenende der beiden Titelverteidiger. Sowohl April-GP-Vorjahressieger Christoph Mayer als auch der April-Second-Series-Gewinner von 2009 Friedrich Pliemitscher scheiterten vorzeitig im Viertelfinale. Ein Bericht von C.L

 

 

Grand-Prix-Stars und Second-Series-Asse zum zweiten Mal miteinander im Einsatz

 

19. Auflage des April-Grand-Prix-Turniers 2010, dazu die 4. Ausgabe des April-Second-Series-Turniers, doch den richtigen Flair des Wochenendes machte erst das "Miteinander" zwischen den Assen und den Stars aus der zweiten Reihe aus. Bis 2009 waren beide Events "solo" im Turnierkalender unterwegs, doch seit dem Vorjahr bilden beide Turniere den "TC Top-Serve-Saison-Eröffnungs-Doppelpack", und dieser Umstand kam speziell an diesem Wochenende bei der zweiten Auflage dem gesamten Umfeld mit "Club, Kantine und Hobby-Tennis-Tour" zu Gute. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, deren bombastische Stimmung nur von der mitternächtlichen Mitteilung der Spitalseinlieferung von Second-Series-Star Markus Fessel ein wenig getrübt wurde. Die Hobby-Tennis-Tour anno 2010 mit ihren vielen ambitionierten Akteuren brachte es also zu Stande, zwei volle 32er-Raster an nur einem Wochenende zu stellen. Beinahe noch beeindruckender war aber, dass vier kurzfristige krankheitsbedingte Absagen binnen Minuten mit Ersatzleuten kompensiert waren. Auch ein Geheimnis und die Stärke der HTT. Jetzt aber zu den sportlichen Höhepunkten des sonnigen April-Wochenendes, mit Teil und dem April-Grand-Prix-Turnier 2010. Viel Spaß dabei!

 

 

Die Rückkehr des April-GP-Turniers zu einer Top-Adresse im Tour-Zirkus

 

Zum bereits 19. Mal stand also an diesem Wochenende das April-Grand-Prix-Turnier auf dem Programm. Einst als das drittgrößte Sandplatz-Event der Hobby-Tennis-Tour gehandelt, bekam das erste wichtige saisonale Kräftemessen der Stars auf rotem Untergrund in den letzten Jahren einige Image-Probleme. Die Topstars der Szene blieben aus, das April-GP verkam zu einer durchschnittlich besetzten Sandplatz-Verantaltung wie es noch viele andere im Kalender gibt. Dabei war das April-Grand-Prix-Turnier einst wirklich eine der ersten Adressen für die Sandplatz-Wühler der Breitensport-Szene. Zudem hat der langjährige Aschenplatz-Auftakt auch eine ganz interessante Geschichte vorzuweisen. 1993 beispielsweise erlebte das April-GP quasi die Geburtsstunde des Sandplatz-Kaisers der Hobby-Tennis-Tour. Klaus Hofer, 4facher "French-Open-Champion der HTT" gewann bei seinem Debüt auf Anhieb den Titel, den ersten von insgesamt 33 Karriere-Erfolgen, womit der mittlerweile 36jährige bis dato noch immer der zweiterfolgreichste Spieler der Open Ära ist. Oder 1997, als das April-Grand-Prix-Turnier erstmals in der Leberstraße gastierte und damit beim damaligen TC Herzig eine bis heute anhaltende Ära einleitete. Die beiden Turniere des aktuellen Wochenendes sind bereits die Ausgaben Nr. 153 und 154 auf der altehrwürdigen Tennisanlage in Simmering.

 

 

Markus Seitner verliert erstmals in seiner Karriere eine erste Runde auf Sand

 

Ein geschichtsträchtiges Turnier also, dem mit einigen Maßnahmen wieder Glanz & Glorie vergangener Tage verliehen werden sollte. So gab es die Zusammenlegung mit dem April-Second-Series-Turnier, wodurch den einzelnen Matches auch Zuschauermäßig mehr Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Dazu wurde die Veranstaltung punktemäßig aufgestockt. Mit Erfolg, denn die Topstars haben das 80-Punkte-Event wieder entdeckt. Die 2010er-Auflage des April-Grand-Prix-Turniers wird - obwohl noch immer ein Favoritensieg möglich ist - als eine mit den überraschendsten Resultaten in die Geschichte eingehen. Sieben Top-Ten-Spieler waren an den Start gegangen, nur zwei erreichten die Vorschluss-Runde, und gleich vier der Asse überlebten die erste Runde nicht. Die drei topgereihten Spieler gingen ohne Satzgewinn sogar komplett leer aus. Denn nachdem sich am Freitag Nachmittag mit dem "Wimbledonsieger der HTT" Thomas Müller und Rekordspieler Christoph Kramer die Nummern 1 und 3 frühzeitig verabschiedeten, erwischte es am Samstag Nachmittag auch die Nummer 2. Und dieses Ereignis kam eigentlich einem "mittleren Erdbeben" in der Welt der Sandplatz-Spezialisten gleich. Der König der Asche aus dem Jahr 2008 Markus Seitner musste sich dem Innviertler Philipp Mayer mit 3:6 und 6:7 geschlagen geben, und kassierte damit die erste Erstrundenniederlage seiner Karriere. Der Salzburger, der in erwähnter Super-Saison auf Sand nur ein Match (nämlich das Achtelfinale des Mai-Grand-Slam-Turniers) verlor, mühte sich am Centercourt mit schweren Beinen gegen einen ambitionierten Herausforderer, der angesichts seiner Außenseiterrolle unbeschwert aufspielen konnte.

 

 

 

Christopher Caesar gelingt im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Christoph Mayer die ganz große Sensation

 

24 Stunden später "mayerte" es am Centercourt des TC Top Serve im Eröffnungsspiel des Super-Sonntags beim Duell zwischen Seitner-Bezwinger Philipp Mayer und Titelverteidiger Christoph Mayer. Der Kärntner Olympiasieger von 2008 behielt zwar mit 6:3, 7:5 die Oberhand, richtig überzeugend war die Vorstellung des 25jährigen aus Treffen aber keineswegs. Nach seinem siebenten April-Grand-Prix-Einzelerfolg in Serie war "Mayze" zwar mit seiner spielerischen Darbietung nicht zufrieden, das eine Runde später aber Endstation und damit der Traum vom erfolgreich verteidigten April-GP-Titel zu Ende sein könnte, daran verschwendete der Kärntner Top-Ten-Mann wohl keinen Gedanken. Warum auch, wartete im Viertelfinale doch "nur" Christopher Caesar. Ein vermeintlicher Underdog, nur die Nummer 59 der HTT-Computer-Rangliste, der noch nie in seiner Laufbahn ein Grand-Prix-Halbfinale erreicht hatte, und in Runde 1 gegen Martin Mayerhofer nur hauchdünn mit 7:6 im dritten Satz ein schnelles Auftakt-Aus vereiteln konnte. Was sollte da also schief gehen, zumal Mayer auf Sand bisher nur von Topstars wie Branislav Grznar, Christoph Wagner und Thomas Guem geschlagen werden konnte. Nun, der prominenten Liste der Mayer-Bezwinger gehört seit Sonntag Nachmittag auch Christopher Caesar an. Ja mehr noch, ist der 26jährige nach seinem Sensations-Coup im Viertelfinale jener Spieler, der Mayer bislang die höchste Niederlage auf Sand aufbrummen konnte. Unerschrocken und ohne Angst vor dem großen Namen, stemmte sich Caesar dem haushohen Favoriten entgegen und wurde nach einer phantastischen Leistung mit einem 6:3, 6:0 Erfolg belohnt. "Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg. Vorallem stand ich noch nie im Semifinale auf diesem Niveau", freute sich Caesar, der heuer nach Wien zum Vienna Cricket Tennisclub wechselte. Mayer hingegen wirkt seit seiner Final-Niederlage beim TK Eden auch auf Sand nicht mehr unantastbar. Womöglich ist ihm der vermeintliche Selbstgänger beim vorwöchigen April-WTB-Tunier zum Verhängnis geworden. Wie man als todsicherer Siegertipp in eine kleines Tief schlittern kann, musste der Sandplatzpezialist aus Kärnten binnen weniger Tage erleben. Dabei jubelte Mayer noch über "Sommer-Sonne-Sand", als er am Sonntag früh Morgens den im Sonnenlicht glänzenden Centercourt des TC Top Serve betrat. "Sommer-Sonne-Sand", ein Slogan mit dem Reisebüros wohl herrliche Urlaubsdestinationen bewerben und bei dem die meisten Menschen an einen Strandurlaub denken, doch Mayer assoziiert damit Wohlfühl-Ambiente der etwas anderen Art. Zumindest bis dato, als der 25jährige auf rotem rutschigen Untergrund die Gegner narren konnte. Jetzt ist Mayer auf Asche selbst ausgerutscht, womit sich der 25jährige schon nach zwei Turnieren von seinen Saisonzielen verabschieden musste. Wie meinte der Treffener nach verlorenem Apil-WTB-Endpspiel beim TK Eden? "Mein Saisonziel ist es, bei allen Sandplatzturnieren an denen ich teilnehme, zumindest das Semifinale zu erreichen".

 

 

 

"Zubetonieren" und wie Mario Kiss die Champions-Race-Führung übernehmen könnte

 

Verkehrte Welt beim ersten großen Sandplatz-Turnier des Jahres! Während der entthronte Titelverteidiger Christoph Mayer von "Sommer-Sonne-Sand" schwärmt, hält sich die Freude über die angebrochene Sandplatz-Saison bei jenem Mann der bislang am souveränsten beim 80-Punkte-Event in Erscheinung trat in Grenzen. Die Rede ist von Mario Kiss, der nach einer stotternden Anfangsphase seines Erstrunden-Duells mit Gerald Marhold das "Zubetonieren des sandigen Centercourts" forderte. Da stand es 3:3 und der eigentlich unbegründete Mythos, dass Mario Kiss kein Sandplatzspieler wäre, war wieder zum aktuellen Thema unter der Kollegenschaft geworden. Die leise Hoffnung der Gegner, dass "Super-Mario" auf den "schnelleren Bodenbelägen" Teppich und Hartplatz sein Pulver verschossen und seinen Erfolgshunger fürs Erste gestillt haben könnte, wurde im Verlauf des 19. April-Grand-Prix-Turniers aber enttäuscht. Es war letztlich wohl auch nur ein frommer Wunsch der Konkurrenz, denn der 31jährige vom AZ-Tennisclub ist ja seit seinem März-Super-4-Triumph in der Südstadt einer von "nur" zehn statistisch ausgewiesen Allround-Könnern, die in der mehr 20jährigen Geschichte der Hobby-Tennis-Tour auf allen vier Bodenbelägen ein Turnier gewinnen konnten. Auf Sand reichte es für Kiss bislang zweimal zu Titelehren, wobei natürlich vorallem sein Triumph bei den "French Open der HTT" im Jahre 2008 herausragt. Ttel Nr. 3 könnte der 31jährige Power-Server hier beim April-GP-Turnier einfahren. Zumindest gilt er nach den gezeigten Leistungen des vergangenen Wochenendes als der große Favorit. Nachdem er die Anfangsphase seines Erstrundenspieles gegen Gerald Marhold überstanden hatte, gab er auf dem Weg in sein 5. Saison-Halbfinale nur mehr ganze 6 Games ab. Beim 20. Karriere-Turnierstart scheint Kiss also fest entschlossen, seinen Erfolgs-Run weiter fortzusetzen. Zum vierten Mal in Folge erreichte der 31jährige das Semifinale auf der Tour, insgesamt ist Kiss seit 13 Matches ungeschlagen und bei einem möglichen zehnten Titelgewinn würde sogar erstmals die Führung im Champions-Race winken.

 

 

Wie sich Masterssieger Franz Mayrhuber zaudernd durch das Achtelfinale kämpfte

 

Halbfinal-Gegner des Ranglisten-Siebenten wird am Montag Nachmittag Masterssieger Franz Mayrhuber sein, der im Vorjahr beim TC Top Serve mit der Goldmedaille bei Olympia ja einen seiner größten Erfolge feiern konnte. Um ein ähnliches Husarenstück diesmal abzuliefern, wird sich der 45jährige aber noch ein wenig steigern müssen. Denn so souverän wie der Routinier sonst von der Kollegenschaft wahrgenommen wird, konnte er sich am letzten Weekend nicht präsentieren. Im Gegenteil, hatte der Ranglisten-Sechste doch alle Mühe dieser Welt, um ein bitteres Aus vor dem halbfinalen Gipfeltreffen mit Mario Kiss zu vermeiden. Schon am Eröffnungstag rutschte der Masterssieger mit sich und seinem Tennis hadernd über den Simmeringer Sand und gegen Martin Kova beinahe auch aus. Erst nach Abwehr eines Matchballes war das Achtelfinale erreicht, wo sich der zur Zeit in guter Form präsentierende Tashi Liu als sein nächster Gegner zur Jagd auf den Olympiasieger formierte. Und abermals wirkte Mayrhuber alles andere als unantastbar. Den richtigen Plan wie er Asiens Nummer 1 rasch und problemlos aus dem Weg räumen kann, den hatte er über zweieinhalb Stunden lang und trotz knappem Dreisatz-Erfolg am Ende nicht gefunden. Mayrhuber zauderte im Duell mit Liu, der spritzig, kampfkräftig und mit allen mentalen Tricks den großen Favovriten an den Rand der Niederlage drängte. "Hohn & Scham über mich, aber was der Liu heute aufgeführt hat habe ich noch nie erlebt. Ich musste ihm sogar eine Lektion in Regelkunde anbieten", polterte der Sieger. Mit gewohntem Kampfgeist und mit der Leidenschaft für den kleinen gelben Filz für die Mayrhuber auf den Courts dieser Stadt berühmt ist, drehte er schließlich das achtelfinale Duell mit Liu zu seinen Gunsten. Und das der Olympia-Goldene das Tennisspielen nicht verlernt hat und auch auf Sand reüssieren kann, demonstrierte er im abendlichen Viertelfinale gegen Mark Frei. Der August-Super-4-Finalist, der zuvor im Achtelfinale am Centercourt Newcomer Sascha Kogler in drei Sätzen in die Schranken wies, war im Kampf um ein Halbfinal-Ticket ohne Chance und mit 1:6, 2:6 in einer knappen Stunde abgefertigt. Mit dem brillanten Slice des Masterssiegers konnte "Mark" wie erwartet wenig bis gar nichts anfangen. "Was soll ich machen, dieses Tennis kommt mir gar nicht entgegen", meinte der Unterlegene.

 

 

Wie Thomas Guem trotz Erfolgs-Run die Erwartungen niedrig zu halten versucht

 

Schön langsam unheimlich wird hingegen der scheinbar nicht mehr enden wollende Erfolgs-Run des zweifachen WTB-Saisonsiegers Thomas Guem. Der 28jährige Tiroler ist bei seinem zweiten Sandplatz-Auftritt nach Siegen über die Nummer 1 des April-GP-Turniers Thomas Müller, den Slowaken Michal Chudy und September-First-Series-Champion Roman Riegler noch ohne Satzverlust und insgesamt bereits seit 8 Spielen auf den roten Asche ungeschlagen. Den Schönwieser, der mit dem Selbstvertrauen seines finalen April-WTB-Triumphs über Christoph Mayer das April-Grand-Prix-Turnier in Angriff nahm, scheint derzeit nichts und niemand "umhauen" zu können. Mit seinem unspektakulären Tennis auf den Courts, und seinem unspektakulären Auftreten abseits des Platzes scheint "Tommy Gee" das perfekte Erfolgs-Rezept gefunden zu haben. Guem versucht auch im Umgang mit den Kollegen und den "Tour-Medien" gekonnt, die Erwartungshaltung in jegliche Richtung niedrig zu halten. Während andere Spieler von Grand-Slam-Triumphen träumen und dabei Wunschdenken & Realität in ungesunder Weise vermischen, gibt sich der Tiroler betont bodenständig. Dazwischen funken könnte ihm nur seine eigene Erfolgs-Serie, die selbst langjährigen Tour-Beobachtern langsam unheimlich wird.

Claus Lippert, 26. April 2010