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06 Sept 2010 00:00
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Platz
Spieler
Pkt
1.
Harbarth Andreas
720
2.
Kiss Mario
602
3.
Guem Thomas
597
4.
Mayrhuber Franz
361
5.
Seitner Markus
330
6.
Mueller Thomas
314
7.
Geisler Alexander
255
8.
Rath Robert
245
9.
Schwing Patrick
227
10.
Kramer Christoph
225


"Guems erste Sternstunde unter freiem Himmel"

 

Tirols Tom Guem gewinnt April-WTB-Finale gegen Kärntner Favorit Christoph Mayer

 

Das April-WTB-Turnier bleibt weiter fest in westösterreichischer Hand. Nachdem der Salzburger Markus Seitner in den vergangenen beiden Jahren den Sandplatz-Saison-Auftakt für sich entschied, sicherte sich bei der 7. Auflage des 40-Punkte-Events Tirols Thomas Guem den Titel beim TK Eden. Der 28jährige aus Schönwies gewann am Dienstag Nachmittag das finale Bundesländer-Duell gegen den Kärntner Turnierfavoriten Christoph Mayer in 1:16 Stunden mit 6:1, 7:5 und bestätigte mit seinem bereits zweiten Saison-Titel neuerlich "Shooting-Star" des bisherigen Jahres zu sein. Ein Bericht von C.L

 

 

Guem-Triumph beim April-WTB-Turnier 2010 - Sensation oder Überraschung?

 

Der "Alpen-Tommy-Gee" gegen den "Karawanken-Mayze", das mit großer Spannung erwartete Süd-West-Gipfeltreffen im Endspiel des 7. April-WTB-Turniers beim TK Eden brachte am Dienstag Nachmittag ein unerwartetes Ergebnis. Mitspieler und Insider diskutierten am Vorabend nur die Höhe, mit der Mayer seinen insgesamt vierten Karriere-Titel auf dem von ihm so heiß geliebten Sand fixieren würde. Doch dann kam alles anders, erlebte der große Favorit am Centercourt mit 76 katastrophalen Minuten ein spielerisches Fiasko und der vermeintliche Underdog seine "erste Sternstunde" unter freiem Himmel. Das eigentlich recht deutliche 6:1, 7:5 des Thomas Guem versuchten dann im Anschluss alle Beteiligten auch entsprechend einzuordnen. War es eine Sensation? Nein, dazu hat sich der Tiroler Sieger in den ersten dreieinhalb Monaten seiner Tour-Zugehörigkeit mit tollen Leistungen gegen echte Größen des Circuits einen zu guten Namen gemacht. War es eine Überraschung? Auch nicht, betonte der unterlegene Christoph Mayer, "immerhin hat der Thomas heuer schon Spieler wie Thomas Müller geschlagen". Kam der Titelgewinn des Schönwiesers unerwartet? Ja, vorallem wenn man sich den Turnierverlauf des ersten Sandplatz-Weekends der Saison noch einmal in Erinnerung ruft. Denn während Mayer ohne Satzverlust und mit nur 15 abgegebenen Games in sein fünftes Karriere-Endspiel inkl. Olympia 2008 stürmte, stolperte Guem mehr schlecht als recht durch die obere Raster-Hälfte des April-WTB-Turniers.

 

 

Wie "Mayze" schon im Vorfeld als unschlagbarer Turniersieger gefeiert wurde

 

Schon in Runde 1 stand der spätere Titelträger fast vor dem Aus. Gegen Roland Mayerhofer drohte dem 28jährigen Tiroler nach seiner vorwöchigen Outdoor-Auftakt-Pleite beim März-Super-4-Turnier gegen Tashi Liu das "zweite Waterloo" unter freiem Himmel. Erst nach einer 2:49 Stunden dauernden Zitterpartie hatte Guem seinen ersten Einzelsieg im Freien in der Tasche. Auch im Achtelfinale gegen Newcomer Sascha Kogler lag "Tommy Gee" schon klar zurück, und auch im viertelfinalen Schlagerspiel gegen März-First-Series-Sieger Stefan Schaaf agierte der 28jährige alles andere als souverän. Ganz anders präsentierte sich da schon der Olympiasieger von 2008 Christoph Mayer. Der 25jährige aus Treffen erntete bei der Konkurrenz aufgrund seiner gezeigten Top-Performance allgemeine Bewunderung und höchsten Respekt. Und "Mayze" wurde nach seinen 4 Vorrunden-Gala-Vorstellungen umschwärmt und vorzeitig als - an diesem Wochenende - unbezwingbarer April-WTB-Sieger gehandelt. "Mehr als drei Games pro Satz sind für den Guem nicht drinnen", glaubte u.a auch Sascha Kogler, der sich mit einigen Mitspielern über die Teilnahmeberechtigung Mayers wunderte. Doch das wirkliche "Wunder", nämlich ein "blaues" erlebten Mayer und seine "Fans" erst am Finaltag.

 

 

67 Fehler ohne Not und nur 50 Prozent erste Aufschläge - das Mayer-Fiasko in Zahlen

 

Nichts war an diesem Dienstag-Nachmittag mehr so, wie an den Tagen davor. Insgesamt 67 Fehler ohne Not streute der Sandplatz-Spezialist im Finale ein, sein Paradeschlag die Rückhand wurde ausgerechnet im Duell mit Guem zu Mayers größtem Problem, vorallem aber klappte der erste Aufschlag des Kärntners nicht nach Wunsch. Gerade einmal 50 % seines ersten Service landete im Feld des Gegners, zuwenig gegen einen solide und ohne großes Risiko spielenden Gegner. Planmäßig verlief zunächst nur das erste Game. Mayer ging mit eigenem Aufschlag 1:0 in Führung, doch niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass der Kärntner damit schon sein "Ehrengame" erobert hatte. Denn fortan ging beim Olympiasieger von 2008 gar nichts mehr. Mit einer bei ihm auf Sand noch nie gesehenen Fehler-Lawine manövrierte sich der 25jährige alsbald ins Hintertreffen. 21 sogenannte "unforced errors" von der Grundlinie besiegelten nach nur 27 Minuten einen glasklaren Satzverlust.

 

 

Guem entschärft mit solidem Sandplatz-Tennis die Power-Maschine Mayer

 

Mayer hatte sich in diesem ersten Durchgang viel zu schlecht bewegt, sein Spiel wirkte statisch und schwerfällig. So waren auch die Probleme leicht erklärbar, die "Mayze" mit seinem Tiroler Gegenüber bekam. Guem machte keine Anstalten, auf seinem Weg zum zweiten Karriere-Titel mehr Risiko als notwendig zu nehmen. Stattdessen beschäftigte er mit solidem Sandplatztennis den Power-Server aus Kärnten und entschäfte mit langen Slice-Bällen an die Grundlinie die gefürchtete Mayer`sche Rückhand. In der Folge fing sich der 25jährige in seinem fünften Karriere-Finale zwar, doch selbst 2:0, 3:1 und 5:4 führend machte der Treffener nicht den Eindruck, dieses Match gewinnen zu können. Kein Aufschlag, kein Druck, keine Rückhand, stattdessen haderte Mayer mit Fortdauer der Partie über seine wahrlich desolate Vorstellung. "Was soll ich ohne meiner Rückhand tun", oder "Was ist da heute los! Ich bin ja nicht einmal in der Lage einen Ball normal ins Feld zu spielen", fluchte sich Mayer in die drohende Niederlage. Bei 5:4 vergab der 25jährige Kärntner mit eigenem Aufschlag die Chance, sich trotz mäßiger Leistung in einen dritten Satz zu schummeln. Zu Null kassierte er aber das Break zum 5:5, um sich Minuten später abermals mit eigenem Service dann schon gegen den Matchverlust wehren zu müssen. Bei 15:40 ließ Mayer zwar noch einmal seine Klasse aufblitzen, setzte drei unnehmbare Rückhand-Kracher ins Feld seines Gegners, doch bei Matchball Nummer 3 flog dem Kärntner eine Vorhand vom Schläger und weit ins Aus.

 

 

Christoph Mayer: "Vielleicht war es ja eine Niederlage zum richtigen Zeitpunkt"

 

"Für die Weihnachtskeks", scherzte Mayer, als er dann bei der Siegerehrung den Teller für den "zweiten Sieger" in Empfang genommen hatte. "Naja, was soll man sagen. Da war heute einfach nicht viel drinnen für mich. Meine Rückhand hat mich verlassen, und wenn ich letztlich mehr Fehler als Winner auf der Rückhand schlage, dann wird es schwer für mich ein Match zu gewinnen. Das Ergebnis - das habe ich schon vor dem Turnier gesagt - ist für mich aber nur zweitrangig. Ich habe 5 Matches in 3 Tagen gespielt und angesichts des Umtandes, zuletzt 5 Wochen gar nicht gespielt zu haben, bin ich gar nicht so unzufrieden. Ich habe auch gesehen, dass ich mit schlechter Leistung trotzdem gegen gute Spieler wie den Thomas Guem mithalten kann. Und das macht mich zuversichtlich für die weitere Sandplatzsaison. Ich habe lethargisch gespielt, war im Kopf nicht frei. Das soll aber keine Ausrede sein. Für mich zählte der Trainingseffekt, und vielleicht war es ja einer Niederlage zum richtigen Zeitpunkt. Nächste Woche steht die Titelverteidigung beim April-GP-Turnier auf dem Programm, daran ändert sich jetzt nichts", so der 25jährige.

 

 

Guem der erste Spieler der Mayer in einem Finale bezwingen kann

 

Derweil setzte also Thomas Guem seinen Erfolgsrun auf der Hobby-Tennis-Tour weiter fort. Mit seinem neunten WTB-Einzelsieg in Serie sicherte sich der Tiroler bereits den zweiten Titel der laufenden Saison. Der 20. Matcherfolg im 10. Karriere-Turnier bescherte dem 28jährigen Shooting-Star aus Schönwies im Finale aber auch ein ganz besonderes Kunststück. Guem ist erst der dritte Spieler nach den beiden Tourstars Branislav Grznar und Christoph Wagner dem es gelang, Christoph Mayer auf Sand zu besiegen. Und "Tommy Gee" ist weiters der erste Spieler, der den Olympiasieger von 2008 in einem Endspiel bezwingen konnte. "Ich freue mich über den Sieg, denn ich habe diesen nie und nimmer erwartet. Chancen habe ich mir aber schon ausgerechnet. Das es so leicht gehen würde, habe ich nicht gedacht. Ich habe heute sicher auch davon profitiert, dass der Christoph nicht seinen besten Tag hatte. Hoffentlich hat meine Spielweise auch ein bißchen zu diesem Ergebnis beigetragen. Ich bin mit dem Wochenende sehr zufrieden. Ich habe mich von Spiel zu Spiel gesteigert. Ich muss mich aber noch deutlich verbessern, um bei den großen Turnieren gut abschneiden zu können", resümierte der Sieger.

 

 

 

Wie der TK Eden in den 70er-Jahren auf dem Gelände einer Ziegelfabrik entstand

 

Die verdiente Sektdusche nahm Thomas Guem dann im Anschluss an das Finale auf dem eigentlichen Centercourt der TK-Eden-Anlage. Ein zentral gelegener Platz mit aufgebauten Tribünen, doch irgendwie spiegelt dieser scheinbar stillgelegte Hauptplatz der Floridsdorfer Tennisanlage wieder, dass die besseren Tage "an der Schanze" auch schon ein bißchen zurück liegen. Der Glanz vergangener Tage scheint verbleicht, selbst die lange Traditon des TK Eden vergänglich. Wir machen uns auf Spurensuche, wollen den sagenumwobenen Erfolgen des einstigen mit Promis gespickten Großclubs nachgehen. Beim Schlendern durch das Club-Gebäude werden wir fündig. Urkunden und Tropähen zeugen von großartigen Erfolgen. Und dann am Stammtisch vor der Club-Kantine finden wir sogar zwei nette Damen, Mitglieder der ersten Stunde, die euphorisch über "ihren Eden" aus dem Nähkästchen plaudern und über die guten alten Zeiten, als alles noch besser war erzählen. 1972 enstand auf dem Gelände einer stillgelegten Ziegelfabrik der heutige TK Eden. Mit viel Engagement und Liebe rief Eduard Schandara den TK Eden ins Leben. Mit Freunden und Gleichgesinnten realisierte er in rund 4000 Arbeitsstunden den Traum von eigenen Tennisclub, der sich in der Folge zu ganz großen Erfolgen aufschwingen sollte. Horst Skoff spielte einmal Meisterschaft für die Floridsdorfer, Peter Feigl arbeitete hier als Trainer, der grün-weiße Teamverteidiger Peter Persidis war Mitglied genauso wie die Weigerstorfer-Familie. Doch in den letzten Jahren ging es mit dem TK Eden steil bergab. Der Nachwuchs blieb aus, die Mitglieder wanderten ab, das Ende im Eden schien besiegelt. Doch mit einem neuen Vorstand, an der Spitze Obmann Nikolaus Patzak konnte der Untergang des Traditionsvereins verhindert werden.

 

 

 

Claus Lippert, 22. April 2010

 

Guem - Mayer 6:1 7:5
 
Guem
Mayer
Fehler an der Grundlinie
22
56
Fehler am Netz
1
4
Doppelfehler
4
7
Asse
0
1
Service Winner
0
1
Return
0
1
Vorhand Winner
3
3
Rückhand Winner
0
13
Volley
3
2
Smash
0
4
Lob
1
0
Stopp
2
1
Passierball Vorhand
0
1
Passierball Rückhand
0
1
Punkte durch gegnerische Fehler
67
27
Punkte selbst erzielt
9
28
Punkte gesamt
76
55
1. Aufschlag in %
64,9%
50,0%
2. Aufschlag in %
80,0%
81,1%
Punkte nach dem 1. Aufschlag
64,8%
56,7%
Break-Chancen
12
7
Breaks
6
2