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Tina wei"ss" wie es geht - Damenpower beim April-WTB
Nach zwei der ersten drei Turnier-Wochenenden im Freien kann man in Sachen Wetter und den Prognosen dafür ein erstes Fazit ziehen. Für den März-Super-4-Sonntag vor einer Woche war Dauerregen und eine damit verbundene Komplett-Absage des Spieltages prognostiziert. Ergebnis damals: Lediglich ein 10 Minuten-Schauer störte die Asse auf ihrem Weg ins zweite Super-4-Halbfinale der Saison. Für den gestrigen Sonntag beim Sandplatz-Saison-Opening war strahlender Sonnenschein mit frühlingshaften Temperaturen vorhergesagt. Ergebnis diesmal: Grau in Grau, starker Wind und fröstelnde Temperaturen wie im späten Herbst. Bleibt als Resümee für die Zukunft. Man kann Wetterprognosen anschauen, lesen, analysieren, nur richtig Ernst nehmen braucht man sie nicht. Auch wenn letztlich die Freude auf einen herrlich frühlingshaften Tennistag enttäuscht wurde, so gab es dennoch einen phantastischen Super-Sonntag bei der 7. Auflage zum April-WTB-Turnier 2010. Denn was die "Damen und Herren" der Hobby-Tennis-Tour am gestrigen zweiten Spieltag im sportlichen Bereich zu bieten hatten, war wirklich große Klasse. Ein Bericht von C.L

Horst Gelke - die gute Seele des TK Eden
Damit Mayer & Co aber tolles Tennis auf die Courts des Floridsdorfers Traditionsvereins TK Eden zaubern konnte, mussten auch die örtlichen Gegebenheiten - sprich die dortigen Sandplätze - passen. Und das taten sie! Zum ersten Mal in der Geschichte dieses frühesten Sandplatz-Turniers der Hobby-Tennis-Tour-Saison waren die Akteure und Protagonisten des April-WTB-Events wirklich mit den "sandingen Bedingungen" zufrieden. Man hat ja im Laufe der Jahre schon ganz andere erste Vesuche erlebt, in die jeweilige Aschenplatz-Saison zu starten. Doch nicht jeder Verein kann vermutlich auch auf die Hilfe eines "guten.Geistes" zurückgreifen, wie der TK Eden eben einen hat. Horst Gelke ist sein Name und schon Jahrzehnte Mitglied beim Tenniclub "an der Schanze". Wenn das stets symphatische Urgestein des Traditionsvereins Tag für Tag "seinen geliebten Tennisplatz" besucht und vor Ort weilt, spüren die Gäste das "heimelige und familiäre" auf dieser eigentlich riesig anmutenden Monsteranlage. "Herr Horst" versprüht aber nicht nur gute Laune, nein er hat auch den Blick für das Wesentliche. Dort wo andere Mitglieder vielleicht wegschauen, dort schaut er ganz genau hin. Ja mehr noch, dort wo es wirklich drauf ankommt, packt der Pensionist richtig kräfitg an. Ehrenamtlich und mit großer Liebe zum Tennis und der TK-Eden-Anlage zieht "Herr Horst" dann bewaffnet mit einem Schober seine Runden über die 12 Courts an der Schanze. Dann wenn die Plätze verwaist sind, wenn die anderen Mitglieder in der Kantine beim Mittagessen sitzen und ihre Tenniskünste analysieren, macht er sich auf, die Sandplätze in einen noch besseren Zustand zu versetzen. Wie glücklich kann sich der TK Eden schätzen! Horst Gelke - die gute Seele des Vereins, eine die ügrigens jeder Verein haben sollte. Menschen, die in keiner offiziellen Funktion tätig, und doch so wichtig sind, dass ein Tennisclub auch perfekt funktioniert.

Tina Weiss, die ganz große Nummer am zweiten April-WTB-Spieltag
Kommen wir nun aber zu den sportlichen Aspekten des ersten Sandplatz-Wochenendes der neuen Saison. Die beiden Halbfinali des Sandplatz-Saison-Openings bestreiten der Olympiasieger von 2008 Christoph Mayer gegen Robert Rath sowie März-WTB-Champion Thomas Gum aus Tirol und Tina Weiss vom Union TC Wien. Letztgenannte war ohne Zweifel die ganz große Nummer am gestrigen zweiten Spieltag beim 7. April-WTB-Turnier 2010. Die 22jährige vom UTC Wien dominierte das Geschehen des Super-Sonntags in allen Bereichen. "Tina" gab sportlich gesehen im "Konzert der Männer" das Tempo vor, und wenn sie auf den Courts des TK Eden "aufschlug"" dann zog Weiss auch das Interesse der Kollegenschaft auf sich. Da matchten sich am nebenliegenden Centercourt der Kärntner Olympiasieger Christoph Mayer und der einzige Lokalmatador Christian Lewold um einen Platz im Halbfinale, doch die "Zuseher-Massen" klatschten Beifall für ein Spiel zwischen der Nummer 200 der HTT-Computer-Rangliste und einem Martin Mayerhofer, der im ersten Satz vorgeführt und vermöbelt wurde, wie selten zuvor in seiner Karriere. Es war erst eine gute Viertelstunde des viertelfinalen Geschlechter-Duells vergangen, als Iversson-Bezwinger Martin Mayerhofer seine Hoffnungen auf die Vorschluss-Runde schon begraben durfte. Seine schlimmsten Befürchtungen wurden in diesen Momenten wahr. "Ich würde viel lieber gegen den Schauer antreten, weil ich gegen Damen einfach nicht gerne spiele", meinte der TC-Kapellerfeld-Star schon im Vorfeld. Und warum dem so ist, bekamen die Zuseher in diesem ersten Satz ganz deutlich zu sehen. Mayerhofer kam schwerstens unter die Räder, wirkte paralysiert und angesichts der Top-Performance seines Gegenübers wie im Schockzustand verharrend. Der 22jährige ging aber auch so richtig heftig im Kugelhagel der Tina Weiss unter. Die gleichaltrige Kramer-Bezwingerin glänzte mit phantastischem Sandplatz-Tennis und erfreute die Zuseher mit einer Gala-Vorstellung der Extraklasse. Weiss traf in diesem ersten Durchgang so gut wie jeden Ball. Beinahe jeder Ballwechsel endete mit einem spektakulären Punkt und tosendem Applaus. Lohn für diese Ausnahme-Darbietung war die Höchststrafe, die sie ihrem männlichen Kontrahenten in nur 15 Minuten aufgebrummt hatte.

Tina Weiss ist die erste Dame in einem WTB-Halbfinale seit Juni 2006
Nach einem Doppel und dem anstrengenden Achtelfinal-Erfolg über Harald Schauer gingen Weiss dann im zweiten Durchgang ein wenig die Kräfte verloren. Sie bewegte sich vorallem nicht mehr so leichtfüssig und exzellent wie noch im ersten Satz. Doch mit letztem Einsatz brachte die 22jährige den Sieg ins Trockene. Am Ende gab es dann standing ovations für die erfolgreichste Starterin des am Samstag ins Rennen gegangenen und mehr als überzeugenden UTC-Wien-Dreimäderlhaus mit Karolina Godina und Melanie Wyka. "Im ersten Satz habe ich einfach alles getroffen. Ich war auch noch perfekt eingespielt vom Match mit Harald Schauer. Im zweiten Satz hat der Martin mehr Slice gespielt und ich war dann auch nicht mehr so fit", freute sich Weiss über ihren ersten Halbfinaleinzug auf der Hobby-Tennis-Tour. Die 22jährige ist damit die achte Dame der Tour-Geschichte, die für die zwölfte Halbfinalteilnahme des weiblichen Geschlechts sorgen konnte. Vorallem aber ist Weiss die erste Dame seit 2006, die ein Semifinal-Ticket abseits eines Second-Series-Turniers erobern konnte. Jelena Trifunovic war es, die beim Juni-WTT-Turnier 2006 letztmals für eine weibliche Vorschluss-Runden-Teilnahme sorgte. Sollte "Tina" ihren Erfolgsrun auch im heutigen Halbfinal-Duell mit Thomas Guem fortsetzen, dann wäre sie erst die fünfte Dame überhaupt, die in der Open Ära in einem Finale stehen würde.

Wie Thomas Guem das Semifinale erreichte und Sascha Kogler verärgerte
Dort im Semifinale wird Weiss aber eine ähnlich starke Vorstellung wie im ersten Satz gegen Martin Mayerhofer brauchen, um mit Thomas Guem auch die vierte Hürde beim April-WTB-Turnier mit Erfolg überspringen zu können. Denn der Shooting-Star aus Tirol ist nochmals eine andere Klasse und an diesem dritten Outdoor-Weekend zudem auch in Sachen Freiluft-Tennis in der Erfolgsspur angekommen. Nachdem er vor einer Woche beim März-Super-4-Turnier in der Südstadt noch von Tashi Liu und den äußeren ungewohnten Bedingungen überrascht wurde, und nachdem er am Samstag nur mit äußerster Mühe sein Auftakt-Match gegen Roland Mayerhofer gewonnen hatte, dürfte sich der 28jährige Schönwieser endlich mit dem Feeling "Outdoor-Tennis" angefreundet haben. "Wann beginnt denn wieder die Hallensaison" fragte der Tiroler noch am Samstag Nachmittag während er sich in Runde 1 gegen Roland Mayerhofer auf der Verliererstrasse befand. Wer weiß, womöglich wird Guem aber schon an diesem Weekend die ganz große Liebe zu Tennis unter freiem Himmel entdecken. Denn am gestrigen Sonntag meldete der Tiroler Shootingstar mit zwei Erfolgen über zwei im Vorfeld hoch gehandelte "Names" seine Anwartschaft auf Saison-Titel Nummer 2 an. Im Achtelfinale gegen Kova-Bezwinger Sascha Kogler drehte der Westösterreicher ein Spiel, welches zunächst so gar nicht in seine Rchtung zu laufen schien. Kogler dominierte über weite Strecken den ersten Satz, bot wie schon am Vortag gegen Martin Kova eine höchst solide Sandplatz-Performance und scheiterte am Ende nur an seinem "kahlen Kopf". Weil Guem angesichts des störenden Windes fünf Mal von "unten" servierte, war Kogler von einer Sekunde auf die andere aus dem Häuschen und von der Rolle zugleich. Ein satter 4:1 und ein scheinbar vorentscheidender 5:2 Vorsprung waren binnen Minuten "flöten" gegangen, am Ende ein ganzes Match und womöglich ein absolutes Spitzenresultat für den Neuling dahin. "Ich bin mächtig verärgert. Servieren von unten finde ich nicht sehr fair. Das passiert mir jetzt nicht zum ersten Mal. Schon in der Südstadt gegen Seitner kam es zu solchen Aufschlägen. Ich frage mich wirklich, was das soll. Das sind alles Top-Ten-Spieler und solche die Anspräche anmelden, unter die Top Ten zu kommen", grollte der 39jährige.

Aus im Viertelfinale: "TK" Eden für Stefan Schaaf kein "Garten" Eden
Guem hingegen erreichte sein 5. Saison-Halbfinale und schaltete eine Runde später auch noch jenen Mann aus, den viele Experten speziell nach seinem März-First-Series-Erfolg in der Südstadt in der Rolle eines Favoriten sahen. Die Rede ist von Stefan Schaaf, dem Edelschupfer mit dem Faible für Pokale und Trophäen. Einen solche Trophäe wollte der 32jährige auch diesmal wieder mit nach Hause nehmen, doch irgendwie scheint der TK "Eden" für Schaaf nicht unbedingt der Garten "Eden" zu sein. Im Floridsdorfer Traditionsverein an der Schanze ging schon im Vorjahr Stefans damals höchst beachtliche WTB-Siegesserie zu Ende. Im Achtelfinale wurde Christoph Kramer zum Spielverderber, und 12 Monate später war abermals recht früh für Schaaf-Verhältnisse im Turnierverlauf "Schluss mit Lustig". Im Viertelfinale baute sich Thomas Guem vor dem 4fachen Turniersieger auf. Jener Tiroler, der Schaaf im März schon nach nur 44 Minuten Spielzeit das Comeback versaute. Diesmal dauerte es entscheidend länger, wenngleich am Ende eines langen Tennis-Nachmittags für Schaaf auf dem Weg zum nächsten Erfolg wieder der ungeliebte "Tiroler" im Wege stand. 1:6, 6:4, 0:6, der Edelschupfer hatte im zweiten Dreisatz-Fight des Tages nicht noch einmal das bessere Ende für sich. Schon im Achtelfinale davor musste Schaaf über die volle Distanz gehen, und einen motiviert und stark spielenden Gerald Marhold in Zaum halten. Das der 31jährige mit so viel Einsatz und Leidenschaft in sein zweites Treffen mit dem Schupferkönig ging, lag an einem Ereignis aus dem Jänner 2009. Damals im Achtelfinale des Jänner-WTB-Turniers wurde Marhold von Schaaf mit 6:0, 6:0 verprügelt und gedemüdigt. Die fast perfekte Revanche wäre "Gerald" dann am Sonntag Nachmittag auch beinahe gelungen. Er gewann Satz 1 mit 6:1, führte zwischenzeitlich im zweiten Heat, vor allem aber im dritten Durchgang mit 5:4, ehe Schaaf auch das zweite Duell für sich entschied. "Das ist ziemlich bitter, keine Frage. So eine Chance wie heute bekomme ich wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Schaaf im ersten Satz zu beherrschen, hat mich schon überrascht, und macht mich frohen Mutes, dass ich vielleicht beim Mai-First-Series-Turnier endlich meinen großen Coup landen kann", fasste Marhold seine Gefühle in Worte.

Christoph Mayer - Olympiasieger von 2008 steht ebenfalls im April-WTB-Halbfinale
"Beinahe wäre mein Poker aufgegangen", grinste Stefan Schaaf unmittelbar vor seiner Heimreise. "Ich habe versucht, mir gegen Poteschil und Marhold meine Kräfte einzuteilen. Dieser Poker hätte aber auch schon gegen den Marhold ins Auge gehen können. Schade, ich hätte schon sehr gerne hier den Titel geholt", meinte Schaaf. Den Titel holen, das werden unterdessen andere machen, und wenn es nach den Spielern des April-WTB-Turniers geht, dann wird dieser Mann Christoph Mayer heißen. Der Olympiasieger von 2008, einer der echten Sandplatz-Spezialisten, wurde seiner Favoritenrolle am Sonntag Nachmittag mit einem erfolgreich gespielten Triple-Pack voll auf gerecht. Der 25jährige aus Treffen gab auf seinem Weg ins Halbfinale gegen die Herren Wöchtl, Liu und Lewold keinen Satz ab, und sorgte bei der staunenden Konkurrenz für besorgte Gesichter. "Was macht denn dieser Spieler hier beim April-WTB", fragten die Newcomer Rath und Kogler ungläubig. Mit dem Olympiasieger gemeinsam am Court und im "Infight" um einen Finalplatz wird am Montag Nachmittag mit Robert Rath einer dieser beiden Neulinge stehen. Der 29jährige erreichte mit Siegen über Stefan Rieger und Markus Winter zum ersten Mal in seiner noch kurzen Tour-Karriere das Halbfinale. In einem durchwachsenen Achtelfinal-Duell kämpfte Rath bei äußerst windigen Bedingungen Stefan Rieger mit 6:3, 7:5 nieder, ehe er am Abend einen müden Markus Winter mit einer Doppel-Null auf die Heimreise schickte.


Alexander Sterzl und Sascha Kogler stürmen ins April-WTB-Doppel-Finale
Markus Winter durfte trotzdem mit dem Erreichten beim April-WTB zufrieden sein. Immerhin feierte der 19jährige im Achtelfinale einen 7:6, 6:3 Erfolg über Andreas Mayer, der bei seinem Comeback nach einer Meniskusverletzung auch nicht unzufrieden war. Zu Ende ist leider auch der Erfolgsrun des einzigen Lokal-Heros vom TK Eden, nämlich von Christian Lewold. Der 42jährige, der im Achtelfinale den Olympia-Vierten Bernhard Sladek noch klar in die Schranken weisen konnte, musste im Viertelfinale nach großartig gespieltem ersten Satz die Überlegenheit und Klasse von Christoph Mayer anerkennen. "Ich habe gespielt wie ein Mastschwein vor der Schlachtung. Ich war viel zu träge, habe mich speziell im zweiten Satz nicht mehr bewegt, und ich war sogar zu faul um einen Schläger zu zertrümmern. Das hätte ich früher nämlich nach so einer Vorstellung getan". Während also der gescheiterte Lokalmatador unzufrieden in die Umkleidekabine stapfte, herrschte draußen am Vorplatz des TK Eden eitle Wonne im Hause Sterzl. Sohnemann Alexander hatte gerade mit Doppelpartner Sascha Kogler das Endspiel des April-WTB-Turniers 2010 erreicht, und damit nach langer langer Zeit wieder einmal ein echtes Erfolgserlebnis zu bejubeln. Nach all den Schwierigkeiten und Hürden die Sterzl in den vergangenen Jahren zu meistern hatte, war der Finaleinzug wohl wie Balsam auf einer geschundenen Familien-Seele und guter Grund für Mama Sterzl, sich ein Glaserl Rotwein auf den Erfolg des Sohnes zu gönnen. Na dann Prost!


Claus Lippert, 19. April 2010
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