| "Its raining again"
Mario Kiss feiert beim März-Super-4-Turnier seinen insgesamt neunten Karriere-Titel
Nach Tagen des Dauerregens und des Wartens ist am Freitag Nachmittag die 15. Auflage des März-Super-4-Turniers mit dem Favoritensieg des Champions-Race-Zweiten Mario Kiss doch noch zu Ende gegangen. Der 31jährige vom AZ-Tennisclub ließ in einem glanzlosen Endspiel dem 19jährigen Stockerauer Michael Karner mit 6:4, 6:2 keine Chance, und eroberte den zweiten Super-4- und insgesamt neunten Turniersieg seiner Karriere. Auf den ersten Blick war das gelungene Hartplatz-Debüt des Mario Kiss in der Südstadt "nur" ein ganz gewöhnlicher Titelgewinn, quasi "business as usual". Doch beim näheren Hinsehen waren die 56 finalen Minuten wieder einmal welche für die Historie der Hobby-Tennis-Tour. Ein Bericht von C.L

Kiss erst der 10. Spieler der Open-Ära mit Turniersiegen auf allen 4 Bodenbelägen
"Emotional gesehen war das jetzt sicher nicht mein schönster Turniersieg", philosophierte der siegreiche Mario Kiss unmittelbar nach der Sieger-Ehrung. Rein vom Gefühl her, kam beim 31jährigen aufgrund der Überlegenheit im Endspiel keine euphorisierte Jubelstimmung auf. Dennoch hatte "Super-Mario" am Abend des 16. April 2010 unbewusst ein Kapitel Tour-Geschichte geschrieben. Als erst zehntem Spieler der Open Ära gelang Kiss das Kunststück, auf allen vier Bodenbelägen ein Turnier der Hobby-Tennis-Tour zu gewinnen. Der vorerst letzte Akteur dem dies gelang war Bernhard Nagl, der im September vergangenen Jahres die Heidenreichstein-Open beim September-Super-4-Turnier gewann und ebenfalls auf Hartplatz Aufnahme im Kreis der elitären "Super-Allrounder" fand.

März-Super-4-Turnier stand aufgrund des Dauerregens kurz vor dem Abbruch
Dabei hätte gar nicht viel gefehlt, und das März-Super-4-Turnier hätte das gleiche Schicksal wie das Oktober-First-Series-Event im vergangenen Herbst ereilt. Damals machte ein verfrühter Wintereinbruch den Akteuren einen Strich durch die Rechnung, und das vorletzte Outdoor-Event musste im Semifinale ohne ermittelten Sieger abgebrochen werden. Ein "Super-Gau" für jede Veranstaltung, der angesichts des anhaltenden Schlechtwetters unter der Woche auch dem zweiten Super-4-Saison-Event drohte. Regen, Verschiebungen, Regen, Absagen, die Zeit für ein "trockenes Finale" der 15. März-Super-4-Auflage schien den Beteiligten regelrecht davon zu laufen. Von Montag bis Donnerstag lähmte Dauer-Regen das Tour-Geschehen und machte mit Ausnahme des durchgeführten Halbfinal-Schlagers zwischen Kiss und Seitner eine Austragung der letzten offenen Matches unmöglich. Nach 4 Tagen des Zuwartens hatte der Wettergott dann aber schließlich doch ein Einsehen mit Kiss & Co, und erlöste mit den ersten Sonnenstrahlen seit fast einer Woche die letzten drei im Titelkampf verbliebenen Akteure. Um die 100 Champions-Race-Punkte und den 61. Super-4-Titel der Geschichte letztlich doch noch an den Mann zu bringen, wurde sogar der Auftakt der Sandplatzsaison um einen Tag verschoben.

Mario Kiss gewinnt Drei-Fronten-Kampf gegen Karner, Regen und die Dunkelheit
Am Ende eines vom Schlechtwetter geprägten Turniers hatte Mario Kiss nicht nur Michael Karner im Finale besiegt, sondern praktisch einen echten Wettlauf gegen die Natur gewonnen. Denn nach dem anhaltenden Dauerregen unter der Woche musste "Super-Mario" am frühen Freitag Abend auch noch den Kampf gegen die Dunkelheit aufnehmen. Exakt 19:46 zeigte die Uhr, als Kiss mit einem Volley Matchball Nummer 4 verwandelte, und sich zum neunten Mal in seiner famosen Karriere zum Sieger eines Turniers der Hobby-Tennis-Tour krönte. Glücklicher Weise brannten am angrenzenden Fußballfeld noch die "Flutlichter" des Matches der beiden U15-Auswahlen von Rapid und St.Pölten (das übrigens mit einem 2:0 Erfolg der Niederösterreicher endete), wodurch die beiden Finalisten auch 14 Minuten vor 20 Uhr noch "klare Sicht" auf den kleinen gelben Filzball hatten. Als Kiss dann aus den Händen des 4fachen März-Super-4-Siegers Claus Lippert den Pokal in Empfang genommen hatte, war der 31jährige irgendwie auch dafür belohnt worden, als einer von ganz wenigen Topstars der Tour das unwirtliche Abenteuer "Südstadt 2010" in Angriff genommen zu haben. Mit einer herrlichen Trophäe in Händen war das nervenaufreibende Geduldsspiel der vergangenen Tage schnell vergessen.

Zu wenig Klasse, zu wenig Spannung - mattes Finale wird zum Solo für Kiss
"Schnell vergessen" werden alle Beteiligten wohl auch das finale Geschehen beim März-Super-4-Turnier 2010. Zu wenig hochklassig, zu wenig spannend, so blieb für neutrale Beobachter nur die Frage interessant, ob Kiss den erwähnten Wettlauf mit der Dunkelheit gewinnen würde. Das es letztlich mit dem Tageslicht so knapp werden sollte, dafür zeichnete Michael Karner verantwortlich, der sich im unmittelbar zuvor ausgetragenen zweiten Semifinale erst nach zwei Stunden Spielzeit gegen den Mödlinger Überraschungsmann Roland Armbruster durchsetzen konnte. Der verlorene erste Satz im Tie-Break machte Karner`sche Überstunden notwendig, ehe er sich über sein zweites Karriere-Endspiel freuen durfte. Dort gab es aber kurz gesagt nicht wirklich was zu holen. Dabei wäre für den jungen Niederösterreicher in seinem bislang "wichtigsten Karriere-Match" womöglich sogar mehr drinnen gewesen. Denn Kiss spielte alle andere als überragend und zeigte sich in der Anfangsphase des Finales ob des sich abzeichnenden Wettlaufs mit der nahenden Dunkelheit äußerst genervt. Da schwächelte der 31jährige nämlich bei eigenem Aufschlag und zwei früh kassierten Breaks. Nach 10 Minuten und 10 Grundlinienfehlern waren gerade einmal drei Games gespielt, und der große Favorit schon merklich unentspannt am Centercourt unterwegs. Ein Glück, dass Karner beim Aufschlag aber noch weniger traf, und so dem Race-Zweiten den Startsatz quasi am Silberteller präsentierte. Nach 32 Minuten hatte Kiss dann mit gewonnenem ersten Durchgang den Grundstein zum Titelgewinn gelegt.

Michael Karner auch im zweiten Satz ohne Chance
Denn in einer kurzen Phase der Unachtsamkeit zu Beginn des zweiten Heats, in der Karner seinem Gegenüber 11 Punkte in Serie überlassen musste, war die Begegnung auch schon entschieden. Ein 0:3 - selbst gegen einen keineswegs großartig spielenden Mario Kiss - ist eben nicht aufholbar, schon gar nicht für einen jungen Mann, der selbst nicht in Bestform agierte. Schade war freilich, dass das schlechte Wetter der vergangenen Tage eine parallele Austragung der beiden Halbfinali verhinderte, und schade auch, dass der letztlich unterlegene Michael Karner vor dem finalen Treffen mit Mario Kiss schon drei Sätze gegen Roland Armbruster in den Beinen hatte. Schade war für viele Beobachter schließlich auch noch der Umstand, dass die beiden Topfavoriten Mario Kiss und Thomas Müller ihr Kräftemessen bereits im Viertelfinale auszutragen hatten. Das eigentliche Finale fand also schon am letzten Sonntag statt, waren sich alle Insider & Experten sicher. 7:6, 5:7, 7:6 nach 3:05 Stunden, was wäre das doch für ein tolles Finale gewesen. Doch die Realität sah am Freitag Abend knapp vor 19:45 Uhr ganz anders aus. Beim Stand von 5:0 wähnte sich Kiss kurz zu früh am Ziel, wodurch Karner mit zwei Ehren-Games das Resultat noch optisch ein wenig korrigieren konnte, ehe Mario mit einem Volley, Matchball Nummer 4 verwandelte.

"Emotional war das sicher nicht mein schönster Titel auf der Hobby-Tennis-Tour"
"Leider war das ganze Turnier vom Wetter beeinträchtigt. Am Ende war es ein glanzloser Turniersieg. 100 Punkte für das Champions-Race sind aber schon ok, womit für das Masters fast nichts mehr passieren kann. Im Entry-Ranking ist vielleicht auch wieder ein kleiner Sprung möglich. Emotional war es aber sicher nicht mein schönster Turniersieg", bilanzierte der neue März-Super-4-Champion, der mittlerweile bereits seit 10 Matches in Folge ungeschlagen ist. Zufrieden trotz Finalniederlage resümierte am Ende auch Michael Karner: "Das ist mein erster Preis auf der Hobby-Tennis-Tour", strahlte der 19jährige über einen riesigen Silberteller. "Das Finale war aus meiner Sicht besser als das Semi gegen den Armbruster davor. Da ich hatte so gespielt, wie wenn ich eine Lanze im Arm stecken hatte. Mit dem Finale bei einem Super-4-Turnier kann man natürlich hoch zufrieden sein, wenngleich ich diesmal wieder gerne die Einzel-Erfolge wie im Vorjahr gegen Müller und Stangl gehabt hätte", so der junge Stockerauer.

Claus Lippert, 17. April 2010
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